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Das Vmethyst-Fläschlein.
Eine Erzählung von A. K. Green.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie verlor kein Jota von ihrer Würde oder ihrem "Stolz.
Sie 'haben rechts "war ihre Erwiderung. Ich steckte das Herzchen ins Haar, als ich es aus der Lade nahm. Ich wußte keinen sichereren Ort, es zu verbergen. Jawohl, ich nahm es an mich, gab sie zu, als sie bemerkte, wie sich seine Wangen mit Rot überzogen. Ich nahm es; aber aus keinem schlimmeren Grunde, als um einen Gegenstand zu besitzen, der mich faszinierte. Ich wußte kaum, was ich tat, als ich es aus der Schublade stibitzte und mir ins Haar steckte.
Er starrte sie sprachlos an, da ihr Geständnis und ihre Haltung so völlig eine andere Auffassung zu widerlegen schienen.
Aber ich habe nichts mit dem kleinen Ding getan, fuhr sie fort. Bei dieser Erklärung änderte sie ihr ganzes Be- nehnren, selbst den Ton ihrer Stimme, als habe sie mit der Acußerung dieser wenigen Worte eine innere Forderung befriedigt,' die ihr Selbstbewußtsein gebot, und als könnte sie nunmehr an den Schmerzen ihrer Umgebung mit gutem Gewissen teilnehnren. — Dies muß ich Ihnen klar machen; Sie können es von mir verlangen. Ich nahm an, daß das Fläschchen in seinem Behälter war, als ich es entwendete, aber als ich in mein Zimmer kam und Gelegenheit hatte, das todbringende Juwel zu uutersucheu, fand ich, daß es leer !var, genau, wie Sie es entdeckten, als Sie es nur aus dem Haare nahmen. Irgend jemand hatte das Fläschchen ans dem Futteral entnommen, ehe meine Hand es berührte.
Wie ein Mensch, der sich plötzlich an der Kehle gepackt fühlt, der jedoch noch für sein Leben kämpft, ehe es ihn langsam, aber unerbittlich verläßt, warf Siuclarr einen herzerschütternden Blick nach dem Palmengarten. Dann fragte er, schwer atmend:
Warum befauden Sie sich nicht in Ihrem Zimmer? Warum mußte man nach Ihnen suchen? Und wer war es, der d e u Schrei a u s st i e ß?
Sie blickte ihn traurig, aber mit einem Ernste an, den er unbedingt achten mußte.
Ich war nicht in meinem Zimmer, weil mir >ueine Entdeckung Sorgen machte. Ich glaube, ich wollte das Herzchen ivieder in die Schublade bringen, aus der ich e^ geholt hatte. Auf joden Fall befand ich mich auf der klernen Wendeltreppe, als jener Schrei durch das Hauo tonte. -och weiß nicht, wer ihn ausstieß; ich weiß nur das Lute, daß er nicht von meinen Libyen herrührte.
In einer Aufwallung erneuter Hoffnung faßte er sie bei der Hand.
Es ivar Ihre Tante! flüsterte er. Sie war es, die das Fläschchen seinem Behälter entnahm, die es öffnete und von seinem Inhalt kostete; die den Schrei ausstieß, als sie ihr Leben verloren sah! Wenn Sie dort geblieben wären, so würden Sie dies gewttßt haben. Glauben Sie nicht? Meinen Sie nicht auch? Warum starren Sie mich so ungläubig an?
Weil Sie keine Lüge glauben sollen. Weil Sie. ein zu guter Mensch sind, als daß Sie geopfert werden dürfen» Es war eine jüngere Person als meine Taute, die den Schrei, ausstieß. Herr Sinclair, sehen Sie sich vor; heiraten Sie morgen nicht! --
Mittlerweile ging ich auf der Diele draußen auf und ab, in einer fürchterlichen Aufregung über die. lange Warten zeit. Ich wagte es kaum mehr, in dein schweigenden Raum allein zu bleiben. Wohl zum fünfzigsten Male war ich ander Türe in die Bibliothek angelaugt, als ich plötzlich einen heiseren Schrei von innen vernahm, und einen Augenblick später die Tür aufflog und Dorothea herausgestürzt kaut. Sie führ zurück, als sie nrich erblickte, aber ivar mir sichtlich dankbar dafür, daß ich sie nicht aufzuhalteu versuchte; rasch stieg sie die Treppe hinan und war schnell außer Sicht. Sofort eilte ich in die Bibliothek.
Ich fand Sinclair vor einem Tische fitzen, das Haupt in den Händen vergraben. Jit einem einzigen Augenblicke erkannte ich, daß '"wir unseren Standpunkt ivieder vertauscht hatten. Ohne mir Zeit zu meinen eigenen Gefühlen zu lassen, näherte ich mich ihm nnd legte ihm die Hand auf die Schulter.
Er schauderte, aber er sah nicht auf. Minuten vergingen, bevor er sprach. Daun aber kam alles nach- einander herausgesprndelt.
Ich 9inrr! Welch ein Narr wär ich! rief er. Und ich sah doch, Ivie die Angst sie verzehrte, int Augenblick, als es vffenktmdig wurde, daß ich gespannt darauf war, eine Unterredung mit Dorothea zu haben. Ihre Finger müssen Spuren hinterlassen haben, wo sie meinen Ann umklammerten. Aber ich erblickte darin nur weibliche Nervosität, wo ein "weniger von Blindheit geschlagener Mensch Schuld entdeckt haben würde! Walter, ich ivüuschte nur, daß noch eilt wenig von dem Gifte übrig wäre, in diesem leeren Gläschen. Dann müßte ich nicht ivieder durch diese Türe da hinein — und ihr wieder ins Antlitz blicken, und —i
Er hatte das winzige Fläschchen feinem kleinen Schrein entnommen und bewegte es nervös in feiner Hand und blickte mich mit hilflosen Augen au, die mein Innerstes erschütterten. Sanft 'näbnt ich es ihm aus der Hand und fragte mit aller Ruhe, über die ich zu gebieten vermochte:
Was bedeutet all das? Warum fällt dein Berdachk wieder auf Gilbertine? Ich dachte, du habest alle Berbno, düng zwischen ihr und dieser Geschichte ausgegebeu im»


