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Umständlich. Ms»r ein Mr. Wirth hak vvr guten zwei Jahren einen Wellenformschalter erfunden gutes Patent. Hat Fabrik in Nürnberg. Mit diesem Wellensormschalter dirigiert er drahtlos unbemannte Boote auf dem Wasser. Ich sagte mir gleich: was auf dem Wasser möglich, geht auch in der Luft. In der Lust kann ich auch unbemannte Drachenflieger drahtlos dirigieren und damit ganz sicher treffen wie der Freischütz von Karl Maria von Weber. Verstehen Sie? Wenn ich Dynamitbombe auf den Drachenflieger lege, kann ich jeden Turm umwcrfen, ohne daß ich Mir einen einzigen Fingernagel verletze. Wollen Sie mehr?" Daran," erwiderte Mr. Burnick,ist aber eigentlich weiter Nichts zu erfinden. Wcnn's geht, ist es gut. Sie aber haben den Wellenformschalter nicht erfunden, das Patent nicht angekauft. .Cs fragt sich, db Sie diel mit diesem Lustgeschoß anfangen können. Ich sehe das Geschäft nicht."

Von einem Luftgeschoß," fuhr Mr. Gvot fort,dürfen Sic Nicht reden. Die Bombe wird nicht geschossen. Sie, fliegt und wird drahtlos dirigiert. Es ist eine drahtlos dirigierte Flug- wasfe. Bitte nachdenken!

Mr. Burnick rief dem Chauffeur zu, er möchte anhalten. Dieser tat es. Und Nun saßen die beiden Herren im stillstehenden Auto- Mobil. Und der Chauffeur dachte:

Hier ist doch nichts zu,feW- Diese Ausländer benehmen sich immer etwas sonderbar. Na meinetwegen."

Rach ein haar Minuten sagte Mr. Burnick:

Ich habe jetzt lange genug darüber nachgedacht: das Ge­schäft sehe ich immer noch nicht. Aber Mr. Wirth produzierte sein drahtlos dirigierendes. Boot auf dem Wannsee. Ich war dabei. Es war recht interessant. Ich weiß aber wahrhaftig nicht, wie .Sir, Mr. Grot, ein Geschäft machen wollen mit dem Patent eines andern, der die Sache gar nicht rauszugeben gedenkt. Kutscher, fahren Sie weiter, Mr. Grot rief ihm die Adresse seines Laboratoriums zu Und steckte sich ebenfalls eine Zigarre an.

Die beiden fuhren schweigend durch den lauen Morgenwind. Und schweigend betraten sie das Laboratorium.

Hier sah Mr. Burnick eine ganze Reihe von Flugapparaten in mehreren großen Hallen. Es waren sehr viele kleine Appa­rate dabei.

Sind die kleinen Apparate Modelle?" fragte Mr. Burnick.

Modelle," versetzte Mr. Grot kühl,und gleichzeitig ge-. brauchsfertige Flugwaffendrahtlos dirigierbare."

Mr. Grot wurde danach ans Telephon gerufen.

Er rief hastig seiner ersten Assistentin, zu:

Jnstomieren Sie Mr. Burnick über die verschiedenen Arten von Flugwaffen ganz eingehend. Und machen Sie dabei so humane Augen. Sie wissen: ich kann das mitleidstrotzende Benehmen der DaMen beim besten Willen nicht vertragen. Good Morning, Mr. Burnick."

Dieser stellte sich der Dame sehr höflich vor und erfuhr Puch ihren Namen Mrs. Adelgunde Harder.

Die Dame begann gleich mit ihrem Vortrag.

Ein schweres Dynamit-Torpedo dem Drachenflieger anzuver­trauen, wird im Luftkriege nicht so oft notwendig sein. Wir haben uns deshalb auf leichtere Flugwaffen konzentriert. Und wir haben beide diese leichteren Mparate als motorlose Weit­flieger gebaut. Es "handelt sich ja im Luftkriege nicht nur darum, große Gebäude zu sprengen. Ost genug ist es genügend, wenn man durch Umwerfen von Kirchtürmen die nötige Panik er­zeugt. Hierzu gebraucht Man höchstens 23 Pfund Dynamit. Diese können von ganz kleinen Gleitfliegern getragen werden. In der Nacht, die ja besonders für den Luftmilitarismus geeignet erscheint, sind diese kleinen Apparate, vdr denen Sie ja sehr viele hier bemerken werden, nicht leicht zu sehen."

Mr. Burnick sah sich die kleinen Gleitflieger sehr genau an und wollte einen Apparat im Fluge sehen.

Kann ich Ihnen leider," sagte Mts. Adelgunde,nicht zeigen, da wir ieinen Wellenfernschalter momentan nicht hier -haben. Das Experiment ist ja auch nur von einem' Hügel oder von einem lenkbaren Luftschiff aus durchzuführen. Die Wir­kungen des Dynamits sind furchtbar. Und- es fällt mir schwer, Ihnen weiter über die Sache hu berichten. Ich möchte fort von hier. Diese Grausamkeit ist unerträglich."

Oh!" sagte Mr. Burnick,regen Sie sich nicht auf. Wir wollen noch Verschiedenes an anderer Stelle bespvechen. Ich kann mir ja denken, das Ihnen der Aüfenthalt in derartigen Räumen nicht sympathisch sein kann. Vielleicht habe ich die Ehre, Ihre Frau Mutter sprechen zu können vielleicht geht es heute schon."

Mrs. Adelgunde Härder tzäb die Adresse ihrer Mütter Und fuhr dann in ihrem Bortrage fort:

Es ist ja ein Glück," sprach sie,daß Man 8s- im Luftkriege Nicht nur mit dem Auswerfen ünd Dirigieren von Dynamitwaffen zu tun hat. Es ist auch nötig, die herannahenden Luftballons besonders die lenkbaren anzugreifen und in der Ballon- hülle so erheblich zu verletzen, daß ein Sinken des Ballons zur Erdoberfläche hier nicht mehr zu vermeiden ist. Dazu haben wer drahtlos dirigierbare Schwertaeroplane konstruiert. Sie schützen «inen Ballonleib in ein paar Sekunden der Länge nach auf. Su diesem Zweck haben wir auch automatisch tätige Scheren- «roplane konstruiert. Auch die Scheren können durch den

Wellenfernschalter in Bewegung gesetzt werden. Die Scheren sind zwei bis drei Meter lang. Aüch Pfeil- und Lanzen-Aeroplane haben wir konstruiert. Di« müssen ja auch dem feindlichen' Äeroplane und auch tuen lenkbaren Ballons gegenüber vollkommen genügen. Da ist das Dynamit nicht so nötig. Die Größe der Flugwaffen hängt im übrigen ganz und gar von den Bestellern ab. Wir hoffen, daß !vir vvn allen Regierungen Europas dem­nächst Bestellungen empfangen werden, da ja die drahtlos diri­gierbaren Flugwaffen unvergleichlich billiger und zweckentsprechen­der sind als die knallenden und dröhnenden Schußwaffen, die ja' tatsächlich abscheulich auf die Nerven wirken. Aber, mein Herr> ich kann Ihnen sagen, daß auch die Flugwaffen abscheulich auf die Nerven wirken; man darf sich eigentlich die Wirkung dieser sicher treffenden Torpedos, Bomben und Sprengkapseln gar nicht ausmalen."

Der Dame stürzten die Tränen aus den Augen; sie konnte nicht weiter sprechen.

Mr. Burnick sagte leise:

Ich empfehle Ihnen, Unwohlsein vorzuschützen und sofort mit mir zu Ihrer Frau Mutter zu fahren; ich habe Ihnen die wichtigsten Mitteilungen zu machen. Ein Aütomobil steht vor der Tür."

Die Dame lächelte und saß bald darauf mit Mr. Burmck un Aütomobil.,

Da," sagte er,müssen Sie bald fort. Das vertragen Ihre Nerven nicht. Sind Sie kontraktlich zur Diskretion verpflichtet?

Nein!" versetzte Mrs. Adelgunde,aber ich- darf eine ähn­liche Stellung nicht annehmen."

Kennen Sie alle Apparate so genau,, daß matt nach Ihrer Schilderung Zeichnungen und auch neue Modelle der Flugwaffen herstellen kann?" 1 1

Ja!" versetzte Mrs. Adelgunde.

Dann," fuhr Mr. Burnick fort,bleibt mir nur übrig, Sie zu heiraten. Ihre Stelle kommt eine andere Dame. Ihr« Nerven müssen geschont werden. Ich gründe ebenfalls eine Flug- waffenfabrik."

Mrs. Adelgunde war -einverstanden.

Ihre Frau Mutter war ebenfalls einverstanden.

Drei Wochen später wurde die Hochzeit gefeiert.

Uub vier Wochen später wurde das Terrain für di« neue Flug­waffenfabrik des Mr. Burnick gekauft.

Und jetzt ist die Fabrik bereits im Vollen Betriebe. Mr. Grot war anfänglich nicht so erbaut Vvn dem neuen Unternehmen. Er ist jetzt aber 'entschlossen, Mit Mr. Burnick gemeinsam vor­zugehen ; in ihren Geschästsanzeigen weisen beide schonmir denselben Worten" die Wertlosigkeit der Schußwaffen nach.

Charles Dickens.

Zum 100. Geburtstag (7. Februar 1912h

Von H. Hambruch.

Das 19. Jahrhundert wird heute literarisch a(§', Zeitalter des großen Romans gewertet. Und es ist gerade em besonderer Grund vorhanden, dieser für ganz Europa gleichbedeutenden Tat fache zu gedenken, da vor fünfzig Jahren FlaubertsSalammbo SpielhagensProblematische Naturen", TurgenrewsVater, und Söhne" erschienen, da Dostojewski seineMemoiren aus einem1 toten Hause" als Vorspiel für seinen vier Jahre spater vollendeten Raskolnikoff" schrieb, Zola seineContes a Ninon für sein gewaltiges Lebenswerk, und Wilhelm Raabe derChronik der Sperlingsgasse" dieLeute aus dem Walde" folgen ließ. Eben­dieser Dichter, der noch so stark m unsere Gegenwart hmeinragh und dessen TestamentAltershausen" wir erst em vergangenen Jahr empfingen, ist ohne seinen großen englischen Vorläufer Charles Dickens nicht denkbar, der wiederum, frnlich immer rnt wechselnden Sinne, auch auf andere deutsche Schriftsteller, tote Gustav Freytag, Fritz Reuter, Wilhelm Jensen, gewirkt hat. Wenn man seines Landsmannes und Zeitgenossin Thackcrey,ädessen hundertsten Geburtstag wir am 18. Juli des letzten Jahres begingen, künstlerische Absichten also ausgesprochen findet:,Der humoristische Schriftsteller will m dem Leier Lrebe, Mitleiden unb Güte erwecken und leiten. Alles Anmaßende, Trugmsiche, Unwahre gibt er der Verachtung preis'. Er verschafft sich ge­wissermaßen das Amt eines Wochentagspredigers', so laßt sich diese schöne Definition mit nur gerungen Einschränkungen auch au das Werk von Dickens anweiiden. Nämlich mit der Einschrän­kung, daß Dickens nur so lange ein brillanter Lebensschilderer blieb, wenn er sich den armen und Mittleren Klassen widmet«, daß er jedoch durch eine bis zur Unwahrheit verzerrende Lupe sah, wenn er Personen der höheren Gesellschaft in seine epische Dar­stellung einführte. Dieses Manko gegenüber Mackerey, der den­noch viel schwieriger und erbitterter um die Durchsetzung seiner Person und Kunst hatte kämpfen müssen, lag für ihn, tn seiner unsagbar traurigen Kindheit, die ihn zugleich aber in all ,die Trödlerwinkel und absonderlichen einsamen Seelen blicken ließ aus denen er die ersten Anregungen für sein ausdämmerndes Talent empfing. Freilich war es von dort bis zum,David Copperfield noch ein weiter Weg, daß er derRomantiker der Bourgeoisie wurde, um ein treffendes Wort Stefan Zweigs gebrauchen.