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genommen."
(Fortsetzung folgt.)
bat Auf ansk
Augwaffen.
Technische Rovelletie von Paul Scheerbart.
Mr Burnick war ivieder vier Monate in Europa und seit vier-« zehn Tagen in Berlin. Er Wie Amerika verlassen, um int Deutschland Geschäfte zu machen. Soeben war ihm gelungen- ein Patent zu verkaufen — und nun wollte er etwas Mues erleben.
Bor der nächsten Automobilhaltestelle traf Mr Burmck einen Laildsmann aus Chicago — ebenfalls einen Techniker Mr. ^O','Good Morning, Mr. Grot!" rief er lachend.
Und die beiden Herren sichren im Automobil diirch den Mr- littet Tiergarwn nach Charlottenburg. .
„Hier in Deutschland," sagte Mr. Burmck, „wollen wer unH in detitscher Sprache unterhalten Das Verdienen die Deutschen- denn man kann bei ihnen die besten Geschäfte abschlteßen. Habs
° versetzte! Mr. Grot, „tät's schon vor zwei Jahren. Heiratete und gründete ein flugtechnisches Laboratorium. Wrr? wollen hin, wenn es Jhncii recht ist." _ _ . , . .
Ja “ sagte Mr. Burnick, „bitte Näheres. Was fabrizieren! Sie?' Modelle? Oder — fertige Sachen?" -
„Beides!" rief Mr. Grot.
Sie fuhren an der Siegesalle vorüber.
Mr. Buriück steckte sich eine Zigarre an und sagtet
„Der Modellbau kostet viel Geld. Aber Sie haben ja gt> heiratet. Da kann Man sich Manches leisten. Immerhin^—- Nugapparate gibt's doch schon genug. DiS Flugtechmk brauch» jetzt Fabrikräiimlichkeiten. Mit den Laboratorien sicht mir das Geschäft nicht sehr aussichtsreich aus. Die Geschichte ist auch etwas langwierig — immerhin, ich bin beinahe neugierig, Ihr Laboratorium kennen zu lernen1, ab schon ich den neuen Flug-« apparateti nicht mehr großes Interesse entgegenbrinae.
„Reden Sie doch nicht so ohne Unterbrechung," sagte Mr GrH „ich will Sie ja sofort informieren. Ich bin doch sonst nicht
hübsche Einrichtung gefreut, heut z'og er Vergleiche mit seiner Kasernenbude, die er im gleichen Alter gehabt hatte, mit iden beiden Chambregarnie-^Löchern, die er dann bewohnt hatte, als er „in die Stadt" ziehen durfte. , Tief gingen die Vergleiche ja nicht. Er sagte sich bald wieder: andere Zeiten — andere Sitten; anderer Geldbeutel andere Ansprüche. Ein kleiner Stachel aber blieb.
Auch am Schreibtisch blieb Vater ein paar Augen-i blicke stehen. Nein, nach Arbeit sah das kokett heraus-i gepußte Ding nicht aus mit der pikfeinen Maroquinmappe in der Mitte und allerlei bric-a-brac rechts und links'. Aber die Bilder von den Eltertt und von den Geschwistern da — das war doch nett. Dazwischen stand dann freilich •— Donnerwetter, wo hatte er denn nur diese bildschöne Person schon gesehen?! Die da in dem Rähmchen aus vier Goldstäben. Bildschön, alles was wahr ist!
Da lkam auch schon Hardi. „Morgen, alter Herr! Ver-! zeih, daß ich dich warten ließ. Ich saß grade in der Bade-, wanne. MmM Platz. . . Du rauchst doch? Hier, Papa. Setter — jawohl! Na, was verschafft mir denn bte Freude? -
Bissel übernächtig sah der Junge aus, und er sprach auch wieder etwas nervös hastend. Aber hübsch sah er auch aus, Und er schien wirtlich erfreut, seinen alten Herrn mal wieder bei sich zu haben. _
Sie saßen sich in den beiden Klubsesseln gegenüber- und Vater sprach zuerst davon, daß Eberhard sich jetzt so selten sehen lasse. Na ja — der Dienst. Und der Stall. Und die geselligen Verpflichtungen. Immerhin: „Ich seh's ein, Papa, ich war wirklich lange nicht bet euch.
Vater hatte sich das vorher zurechtgelegt, wie er auf den eigentlichen Kernpunkt kommen wollte. Auf einigen Umwegen. Nun schob er doch los: das verdammte Jeu — und Gotha — . n,r
Eberhard kniff die Augen ein wenig zusammen. Aber es war nur auf einen Moment. „Lieber Papa —" sagte er dann. „Hast du denn nie ein kleines Joko mitgemacht? Ich bitt dich. Gejeut ist doch immer und überall wordeni Und wenn sich's Mal so trifft, kann man sich unmöglich aus-, schließen. Spielverderber sein, ist immer häßlich. Das — in Gotha — na, da hat dein Gewährsmann böse nbcr-i trieben. Die Sache war gar nicht der Rede loert. Ich. besinne mich jetzt: ich verlor am ersten Wend ein paar hundert Mark und brachte die am zweiten wieder em. Reichlich. Wenn's dich aber beruhigt, ich habe in tetzten sechs Wochen überhaupt keine Karte ungerührt. Wort! Natürlich mal einen Männerskat im Kasino
reichen Kaufleuten Und Großindustriellen. Er fühlte sich ° hier ein wenig. Der Ton sagte ihm freilich nicht immer zu, | war ihm bisweilen fremd. Aber man kam ihm mit ausge- | such ter Liebenswürdigkeit entgegen, die ihm schmeichetre. Mancherlei, was tzr hier hörte, interessierte ihn stark: neben Kulissenklatsch, Sportinteresjen, guten und schlechten Bochen- witzen doch auch geschäftliche Dinge, die von weitem £>ua. und großer Auffassung zeugten. Außerdem war der Kucqen- chef vielleicht der erste Meister Berlins, der Bordeaux war I allerersten Ranges, und Gudarcza hatten eine kleine Vorliebe für kulinarische Leistungen und einen guten Keller gewonnen. Manchmal klagte er allerdings Uber Magen- störunqen, und der Hausarzt hatte schon einmal mit dem Zeigefinger gedroht: „Um Karlsbad kommen Sie un Som- tner’ nicht Hernm"; aber solch kleines Mißbefmden ging I schließlich immer schnell vorüber. o _.,r,
Gejeut wurde im Klub nicht. Dafür gab es Bische, an den L'hombre, Skat und Ecarts zu so hohen Einsätzen an den L'hombre, Skat und Ecarts zu so hohen nicht hineinfinden konnte. Allmählich lernte er aua; oas. Es war wirklich nicht so schlimm: , hatte man heute verloren, so gewann man morgen; die Sache glich ,tch saft immer aus; schließlich war es ja auch kein Unglück, wenn man mal ein paar hundert Mark einbüßte. Tann und wann freilich regten sich die Bedenken. Er meinte wohl: „Herrschaften, das ist aber 'n bissel toll." Dann lachten die anderen; der dicke Neumann sagte: „Ganz recht haben Sie Ein Skandal ist's!" und Kommerzienrat Braunstein fand auch plötzlich: „Eigentlich war's in meiner Jugend I viel hübscher, als man Skat noch um einen halben Pfennig spielte. Man sollte es wieder mal versuchen." Natürlich blieb alles beim alten.
Einmal horchte Gudarcza doch auf. Man renommierte ein wenig damit, daß hier statutengemäß nicht hasardiert wurde, man verglich mit anderen Klubs; er selber sprach auch ein paar scharfe Worte gegen das Jeu und erzählte ein paar tolle Geschichten, wie junge Offiziere durch hohes Spiel elend zugrunde gegangen wären. Da sagte General- konsul Bernhardt, der einen kleinen, aber guten Rennstall hielt: „Na — in Offizierskreisen wird wohl glücklicherweise heute weniger gejeut als früher. S. M. versteht darin kernen Spaß. Wer die Herren, die reiten, können die Finger nicht vom Jeu lassen. Es ist wie verhext. Grade an den kleineren Rennplätzen. Ich war kurz vor Schluß der Kampagne noch in Gotha, weil mein „Narciß" lief. Da flogen nachher die blauen und braunen Lappen nur so. Ihr Herr Sohn hat auch bluten müssen. Na... da schadet's nichts Es trifft ja keinen Armen. Aber Wenn mau so denkt, daß solch junger Herr es manchmal gar nicht dazu hat und fern Vater auch nicht — 's ist doch ’ne böse Chose."
Gudarcza nahm sich vor, ernstlich mit Hardi zu sprechen. Der Junge brauchte überhaupt ein unvernünftiges Geld. Während Friedel immer mit feinem Wechsel auskam, langte ! es bei Eberhard nie; ganz abgesehen davon, daß Vater ihm schon eine hohe Summe für seinen Stall angewiesen hatte. Also mal ein ernstes Wort mit ihm reden: es tat überhaupt not! Er war sichtlich verändert, der Eberhard! Kam's, weil er sich doch in den Rahmen seines neuen Regiments noch nicht ganz zurechtgefunden hatte; war's, weil Die Sportsinteressen ihn ganz ausfüllten;, hatte er ernste pekuniäre Sorgen — jedenfalls gab er sich anders als früher, ließ sich selten sehen, war dann zerfahren, bald übertrieben lustig, bald mürrisch und mißgelaunt.
Ein paar Tage fand sich keine Gelegenheit. Schließlich fuhr Gudarcza zu dem! Sohne und traf ihn auch zu Hause.
Eberhard hatte sich ein sehr elegantes Junggesellenlogis eingerichtet. Der richtige Silberdiener in Morgendreß empfing den Major — „bei mir war's der Bursche in der Turnjacke und Latschen" — empfing Vater höchst feierlich und öffnete die Tür des Wohnzimmers: „Der Herr Baron werden sofort kommen." Es wurden doch reichlich fünf Minuten aus dem „sofort", und Vater musterte währenddessen die drei Räume, sie langsam von einem1 Ende bis zuin änderen durchschreitend. Er kannte sie ja schon, aber ie wirkten heut anders auf ihn: Wohnzimmer im Empire- til — „bissel arg weibisch"; Arbeitszimmer in Renais- änce —; „viel wird der Junge auch nicht hier arbeiten"; Eßzimmer im gradlinigen endlifchen Geschmack — „wozu ein Eßzimmer? Kasino oder Eltern bieten doch Gelegenheit tzenug zum Futtern!" Er war ein wenig mißgelaunt, der alte Herr. Ursprünglich hatte er sich selbst über die


