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Glückslasten.

Momcm von Hanns von Z o b e lti K (NaMrnck verboten^

(Fortsetzung.)

Es war selten vorgekommen, daß Mutter und Tochter aneinander gerieten. Seit Signe erwachsen war, statte Frau Ida eigentlich stets den eigenen Willen der Tochter respek­tiert, mit einer unfreiwilligen Achtung vor deren selbstän­diger Art.Signe findet doch das Rechte", hieß es oft tn der Familie. Heut wehrte sich in Mutter gegen diese Auf- fassung, gegen dies Geschestenlassen: Signe hatte gestern zu unverminftig gehandelt; sie'bedurfte doch mehr, als man angenommen hatte, der Leitung.

Du hältst es hier nicht aus, Signe? Ja- was willst du denn eigentlich? Verwöhnt bist du über alle Maßen: das muß ich dir endlich einmal sagen. Und da kommen denn solche überspannte Ideen. Die Anlage war wohl immer schon da. Ja! Und gezügelt staben wir nie leider. Ihr Mädchen heutzutage! Ich will dir mal etwas sagen, liebe Signe: in meiner Jugend, da wurden wir ganz anders erzogen. Wir wurden hart angefaßt. Eigener Willeda wären wir schön damit angekommen.. ya. Und heran mußten wir. Arbeiten. ja da vergingen einem solche Ideen wie: ich halte es hier nicht aus. Hirn­gespinste, Launen sind das. Weiter nichts. Wenn ich denke, wie ich int Haushalt tätig sein muhte."

Willst du mir nicht sagen, was ich hier tun könnte? Etwa Vampenputzen, Staubwischen . . . oder soll ich m der 'Küche . . Signe sprach es schneidend ironisch. Sie emp­fand wohl, daß sie gänzlich unkindlich war in diesen Airgen­blicken, aber sie konnte sich Nicht beherrschen. Der Hurwew auf wirtschaftliche Tätigkeit in diesem Hause kam ihr zu lächerlich, zu sterangezerrt vor.

Uiid Mutter fühlte wohl das gleiche. Aber sie hatte sich einmal tn die Erregung hineingesteigert.Den Ton verbitte ich rnir denn doch! Ein für alle Male, eigne! sagte sie.Und mit Papa werde ich sprechen wegen deiner Reise. Ich denke, er wird das grade so beurteilen wie ich. Wenn dir aber das mit einer ordentlichen Tätig­keit nicht paßt, dann nimm dir wenigstens ein gutes Buch Vor. Oder übe. . . Aber das war ja auch nur Laune. Erst die Seligkeit mit dem teueren Unterrichte, ja, und dann nicht aushalten. Nun, nm mein bißchen Fruhstuckvruhe wäre ich nun wirklich gekommen" Sie nahm ihre Zeitungen und ihre Brille, stand auf, schritt zur ^ur und drehte sich stier noch einmal um:Und der Koro gestern . . . an den armen Prinzen . . . das war auch nur Laune. E» wrro dir noch leid genug tun . . . vielleicht tut s dir ste^t schon leid . . ." Damit warf sie die Tür hinter sich Ziem­lich unsanft ins Schloß.

Signe wollte lachen, aber sie konnte nicht. Weinen war ihr näher. Ganz' deutlich empfand sie: das eben war an sich ja eine kleine Szene gewesen, wie sie oft genug zwischen Mutter und Tochter vorkommen mögen, ohne irgend welche Folgen. Die Tochter duckt sich, die wtiuter versöhnt sich.schnell. Für sie aber bedeutete diese Szene einen Einschnitt. Sie würde sich nicht ducken; Mutter würde immer wieder auf diese Stunde zurückkommen; der Riß mochte verklebt werden, er blieb dennoch. .

Much das empfand sie: eine Wahrheit lag tn dem,- was Mutter gesagt hatte. Freilich verstand sie die ganz anders als Mutter Wahrheit blieb es dennoch. Erne Tätigkeit fehlte ihr. Ihre starke Natur bedurfte deren. Selbst in dem scheinbaren Nichtstuer-Leben als Hofdame war doch immer Beschäftigung gewesen: Vorlesen, der Zwang des Unterhaltungsmachens, Reisevorberetiungen, Toilettenfragen, vieles andere. Hier im Hause sand sich nichts von alledem nichts! Lesen? Es lag nicht in ihr, so 'wie das Mutter schließlich verstand. Sie las lieber ein Buch siebenmal, als sieben Bücher pour Passer le temps. Die Kunst: es fehlte die letzte Befriedigung an ihr. Man mußte stier schon sein wie Dodo, die sich eine Tätigkeit rN unbewußtem Drange fast gewaltsam geschaffen hatte. Aber Signe konnte nur lächeln, wenn sie sich mit der Schwester unter den Studentiuneil sitzend dachte. . .

Es blieb, wie es war: für sie gab es stier keine Tätig-, leit, die sie hätte befriedigen können. Es blieb bet diesem Leben in den Tag hinein, ohne Pflichten, ohne Arbeit. Blieb bei dem geselligen Treiben, bei einem Diner heut, entern Ball morgen, einem Besuch stier, einer flüchtig durch- pilgerten Kunstausstellung, einem Konzert, einem Theater- abend. Alles in allem, es blieb bei dem geschäftigen Nichts Kind «als einzige Anregung blieb der Flirt. Zum Lachen,- wenn's 'nicht zum Weinen wäre: der Flirt als Oase tn der Wüste. Und danli und wann voraussichtlich die Ausgabe, wieder einen Korb zu flechten.

Hatte Mutter am Ende doch auch darin recht: Konnte die Stunde kommen, wo es ihr leid tat, den Prinzen ab- ge'wiesen zu haben? War schon heut die ganz heimliche, ganz versteckte Regung in ihr: Du hättest es nicht tun sollen!

' Auch Gudarcza war nicht für eine Reise. Wenn Signe ihn selbst recht herzlich gebeten hätte, würde er zwar nicht nein gesagt haben. Aber Signe brachte die Bitte, nach der Aussprache mit Miikter, nicht über die Lippen. Und persönlich hatte ler gar keine Neigung, jetzt, tut Winter, die Häuslichkeit zu verlassen uttb den Kreis von Bekannten, tn den er sich allmählich hineingefnuden: die alten Herren im Burggrafen und im Kasino, mit denen er klugfchnacken konnte, den Frühstückstisch bei Habel und den Klub in der Behrenstraße, in den ihn Herr Neumann eingefustrt hatte. Nicht zuletzt grade dieser Klub hatte es ihm ein wenig am. getan. IM Burggrafen und im Kasino waren ihm etivas zuviel Exzellenzen, kam er sich zu ,estr alsMajor a. » vor. Im Klub war >er fast der einzige alte Offizier imtt»