696

Ha, so fite es!" Milosch trat breit und ohne mit einer Wimper zu zucken einen Schritt näher. Der Alte hatte sich gefaßt und sagte nun ruhig:Ja, tue es, bedenke aber: Wenn du ihn jetzt tötest, so hat der König ein Gewehr weniger 'tm Kampfe und es sterben dreißig Türken weniger. Nein, es sterben sechzig weniger, denn auch du, Georgewitsch, kannst nicht mit in die Berge ziehen gegen den Feind, denn dich schafft man nach Cetinje in den Kerker." Und draußen zogen die Burschen heim und sangen wild und jauchzend:Komm, Knab und spann den Bogen, erklimm des Berges Grat" und das ganze wilde, feurige Kriegslied, das jetzt durch gauz Montenegro ging und Kampjes- wut entflammte.Hörst du den Sang, Georgewitsch?' ries noch der Alte. Ta zog Georgewitsch seine Flinte zurück und sagte:Milosch, dich hasse ich und du mußt sterben! Aber um des Krieges willen gebe ich dir Frist, um der dreißig toten willen schone ich dich jetzt, denn mein Haß. gegen dich ist nur ein mildes Oel, ist tote das weiche Fell eines Luchses gegen meinen Türkenhaß. Aber kehrst du wieder aus den Bergen zurück uud ich, dann stirbst du!" Sie standen lange Auge in Auge gegenüber, dann reichte Milosch dem draußen seine Hand und sagte:Ich täte auch so!" *

Und am andern Morgen zogen sie selbander gen Cetinje und dem Feinde entgegen. Der wilde Haß. gegen die jenseits der Grenzen hatte ihren eigenen geknebelt. Sie werden ringen und kämpfen Seite an Seite, und wer draußen bleibt vor dem Feinde, der hat das Spiel verloren.

(Ein Besuch bei Napoleon auf 5t. Helena.

Im August des Jahres 1817 warf dieLyra" aut der Rück­fahrt von einer Forschungsreise in den ostasiatiscveu Gewässern bei St. Helena Anker, und einer der Forschungsreisenden, Basil Hall, begab sich au Land, um den Gouverneur der Jiuel, Hudson Lowe, mit dem er gut bekannt war, zu besuchen und gleichzeitig den Ver­such zu machen, eine Unterredung mit Navoleon m erlangen. Es gelang Hall, seine Absicht auszu'ühren. Gleich a h dem Verlassen der Fusel zeichnete er sein Gest räch mit Navoleon and seine ionstigen Eindrücke auf. Ein paar Absa iritte aus seinem Manuskripte ver- offentlichte er bald mich Senter Ankunst in England. Es ist nun demtzliueteenth Century" gelungen, das r riginalmanuikrivt des Berichtes von Hall nuszusinden. Tteie Zeitschrift veröffentlicht mut zum erstenmal vollständig, tvas Hall von semem Besuche bei Napoleon zu erzählen weiß.

Hall gibt an, Napoleon habe anders ausgesehen, als er ihn von Bildern her in der Vorstellung batte; er war zwar breit und untersetzt, jedoch nicht gerade korpulent zu neunen: et seid wohl und gesund aus, nur sein Gesicht war bleich, beinahe iveiß. Tie Haut war straff gespamtt und zeigte nicht einmal aui der Stirn und an den Augenwinkeln Runzeln; dabei war der Ausdruck der eines anues, der sich durchaus ivobl und zufrieden fühlt Napo­leon sahvöllig sorgenfrei" aus, wie Hall sich ausdrückt, und zu dem gleichen Schluffe kam Hall auch durch dte Art, wie Napoleon die Unterhaltung führte, wenn er auch erkannte, daß Napoleon die Rolle desSorgenfreien" nur spielte. Anfänglich schien es. als sei Napoleon überhaupt nicht geneigt, den Besuch entes Engländers zu empfangen. Als er jedoch den Namen gehört hatte, erklärte er sich bereitHall war nämlich der Soim eines ei emaligeit Mit- schülers aus der Kriegsschule in Briemte. Als Hall in das Zimmer Napoleons eintrat, sah er den Kaiser am Kamm sieben, aut das Sims gestützt. Napoleon öteilte fielt sogleich tun, schritt auf seinen Besucher zu, ertviderte dessen erbeugung flüchtig und eröffnete die Unterredung mit der Frage nach dem Namen seines Gastes, um alsbald forizufahreu:Ich war mit Ihrem Vater in Brienne be­kannt." Es zeigte sich, daß sein Gedäwtnis erstaunlich viele Euizet- heiteu von diesem einstigen Mitschüler anfbewahrt Halle. Er wußte, daß dieser mit Vorliebe mathematische Studien getrie en hatte, obwohl et eigentlich nur nach Frankreich gekommen mar, um die Sprache des Landes tu lernen. Hall war natürlich hier­über einigermaßen verwundert, Navoleon erklärte jedoch den Reichtum seiner (Srinnerimaen an Halls Vater damit, daß dieser der erste Engländer gewesen sei, den er jemals gesehen habe. Nachdem nun verschiedene unbedeutende Dinge besvroebeu worden waren, ivaiidte sich das Geivräch der Persönlichkeit Halls zt,. Hali mußte über die Ergebnisse seiner Forschungsreise berichten und er- zähste namentlich viel von dem Aufenthalt.auf den (heute javanischen) Lin-Kiu- oder Lu-Tschu-Jnselit. Unter anderem erzählte er, die Einwohner hätten keine Waffen. Daraus fragte Napoleon:Keine Waffen? Sie meinen wohl: keine Kanonen, ober sie haben doch wohl Gewehre?"Weder Kanonen, noch Gewebte, nicht einmal Schwerter oder Speere haben sie." berichtete Hall weiter.Und Dolche?" Hall erklärte nun, die Einwohner von Lu-Tschu hätten überhaupt keine Waffen, worauf Napoleon, sich fast überstürzend, ausries:Wie soll man sich denn ohne Waffen schlagen?" Tie Angabe Halls, auf Lu-Tschu gäbe es keine Kriege, schien ihm so unwalwscheiiilich, daß er längere Zeit ungläubig den Kopf schüilelte, und als Hall weiter berichtete, sie kennten auch nicht den Gebrauch des Geldes, sagte er mehrmals halblaut zu sich selbst:Sie kennen keilt Geld l" Hall hatte eme ganze Reihe von Zeichnungen bet sich.

und an der Haitd dieser Blätter erzählte er nun weiter. Napoleon war sehr interessiert und fragte nach allen Einzelheiten. Zunächst zeigte Hall ihm Landschg'tsbilder, unb als er darunter eine Zeich- mmg einer ©cbwefcliniel entdeckte, sagte er laut lgebend:Tas ist St. veleua." Weiter erkundigte er sich nach der Religion und den Priestern des Volkes, nach der Stellung der Frau und schließlich nach der geistigen Kultur.Kennen Sie andere Völker?" fragte er z. B. Nach Halls Angaben kannte man aus Lu-Tschu nur China und Fapan, aber auch nur in geringem Maße, und die Einwohner von Lu-Tschu, hatten weder von Frankreich, noch von England je­mals gehört und kannten nicht einmal Napoleon, wie Hall etwas dreist, jedoch der Wahrheit gemäß, hmzufügte.

Tiefe letzte Bemerkung jenen, Napoleon als Kompliment auf­zunehmen, denn er fing an zu lache». Um die Unterredung zum Abschlüsse zu bringen, fragte Napoleon schließlich nach derLyra". Als er sich das Schiff genau hotte beschreiben lassen, meinte er: Sie werben in 35 Tagen in England sein." Hierauf schloß er das Gespräch mit einer Verbeugung und dem Wunsche einer glück­lichen Re>>e. Hall fügt gewissenhaft seinem Berichte hinzu, die Reise habe genau 36 Tage gedauert.

Büchertisch.

Die Vereinigung der Kunstfreunde (Ber­lin W, Markgrafenstraße 57) hat auch in diesem Jahre eine An­zahl von farbigen Nachbildungen nach Gemälden der Königl. National-Galerie und anderer KuMammlüngen herausgebrackst, die das Entzücken der Kunstfreunde hervorgerufen haßen. Neben den Größen der Kunst, wie Böckliu, Feuerbäck-, Murillo, sind auch so liebenswürdige Schilderer wie Schwind und Spitzweg vertreten und auch Defregger, Gebhardt u. a. sind mit guten Nach­bildungen vertreten. Tie Vereinigung der Kunstfreunde bezweckt, hervorragende Werke der Malerei, insbesondere solche aus der Königl. National-Galerie, in nett erfundener farbiger Lichtdrucke­manier allgemein zugänglich zu machen, nm hierdnrch den Sinn und das Verständnis für die Kunst zu heben und zu fördern. Tie Mitgliedschaft der Vereinigung, Jahresbeitrag 20 Mk., für welchen dem' Mitgliede ein Bild im Normalformat nach Wahi sowie in jedem dritten Jahre eine Prämie, ebenfalls nach freier Wahl, geliefert werden, bietet Gelegenheit, in kurzer Zeit die schönsten farbigen Reproduktionen hervorragender Gemälde zu erwerben. Auf Verlangen werden zu diesen Bildern auch Rahmen geliefert, die zu den Darstellungen vorzüglich abgestimmt sind. Der so­eben erschienene Katalog für das Jahr 1912/13 enthält folgende Neuerscheinungen: Böcklin, Arnold, Meeresbrandung (Normal­blatt), Gotenzug (Halbblatt), Odysseus und Kalypso (Halbblatt), Jagd der Diana (Halbblatt), Zentaurenkampf (Halbblatt), Ein Frühlingstag (Doppelblatt): Buchner, Hans, Rosen und Trauben (Normalblatt), Flieder und Kirschen (Normalblatt): v. Defregger, Franz, Anbetung der Hirten (Normalblatt): D o e p l e r d. I., Emil, Pariser Frühling (Viertelblatt); Feuer­bach, Anselm, Idylle aus Tivoli (Normalblatt); v. Gebhardt, Eduard, Bergpredigt (Toppelblatt); Genzmer, Berthold, Beet­hoven (Normalblatt), Mozart (Normalblatt); Hansche, Rein­hold, Geständnis (Viertelblatt): Harnisch, Paul Wilhelm, Ausblick nach dem Gardasee (Viertelblatt): Müller-Brieg- hei,Wilhelm, Brandende See (Norutalblatt); Müller-Kurz- !vell y, Konrad, Fallende Blatter (Toppelblatt); Murillo, Bartoloms Estsbau, Himmelfahrt Mariae (Doppelblatt); Pretzsch, Moritz, Die Dorfstraße (Viertelblatt): Rosset- Granger, E., Abendstern (Normalblatt); Schlabitz, Adolf, Mondschein (Viertelblatt); Schoen, Fritz, Tie Aengstliche (Vier­telblatt); v. Schwind, Moritz, Tie Hochzeitsreise (Halbblatt), Die Morgenstunde (Halbblatt); Siemiradzki, Henryk, Christus bei Maria und Martha (Normalblatt): Skarbina, Franz, Zwischen alten Häusern (Biertelblatt); S p itzweg, Karl, Der Hypochonder (Halbblatt): v. Wille, Fritz, Heide in der Eifel (Normalblatt). Der Katalog ist mit zahlreichen Abbildungen geschmückt und enthält auch die genauen Versandbedingungen usw.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tiamant-Rätsels in voriger Nummer; W

L IE

S T E ,R N WIEL AND DIANA INN

D

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen,