(9(2 - Nk. 86

s

W 'fin

«KWÄ» i AHW^'^oLÄM^W

M»MM

DW VM / >

;fe

Die von Gründingen.

Roman von Freiherr von Schlicht.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Baron durchschaute die Komödie des Grafen ganz genau:Apropos, da fällt mir ein, ich hatte vorhin einen Brief von der Frau Gräfin "

Ah -?"

Der Graf setzte sich in Positur und machte ein er­wartungsvolles Gesicht.So so, meine Frau hat Ihnen geschrieben etwas von Bedeutung?"

Die Gräfin bat mich, beizeiten wegen eines neuen Reitpferdes für Komtesse Alexa Umschau zu halten und mich wegen des Preises, den Sie dafür anlegen wollen, mit Ihnen in Verbindung zu setzen."

Ja, richtig, meine Frau sprach mir auch schon da­von. Aber da haben Sie natürlich ganz freie Hand, Herr Baron. Ob der Gaul einen Taler mehr kostet oder nicht, die Hauptsache bleibt, daß er das wert ist, was wir dafür bezahlen. Da verlasse ich mich ganz auf Ihr Urteil."

Der Baron dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen, dann fragte der Graf:Und schreibt meine Frau Ihnen sonst noch etwas?"

Das klang so gleichgültig wie nur möglich, aber der Baron lieh sich auch jetzt nicht täuschen. Er hatte gleich erraten, was vorgefallen war, und was die Gräfin zu dem Schreiben an ihn veranlaßt hatte.

Die Gräfin entschuldigt sich bei mir, daß sie beim Luncheon fehlen wird, sie schreibt: wir müßten gestern Wend doch wohl etwas zu laug und etwas zu ausführ­lich über einige adelige Personen, an denen sie reges Interesse nahm, gesprochen haben, denn die Gestalten hätten sie schlecht schlafen lassen und sie selbst in ihre Träume hinein verfolgt. Die Gräfin klagt über Migräne."

Der Graf sah da mit offenem Mund und starren Augen und blickte unverwandt den Baron an. Sprach ber die Wahrheit, hatte die Gräfin wirklich selbst eine Ermüdung vorgeschätzt, um es ihrem Gatten dadurch ein­fach ganz unmöglich zu machen, den Baron für die nächsten Abende von ihr fernzuhalten? Mit einem fast hörbaren Laut klappte er seine beiden Kinnladen wieder zusam­men, und nach einer kurzen Pause entfuhr ihm von neuem der Ausruf:Ja ja, die Weiber!"

Am liebsten hätte der Baron laut aufgelacht, denn mit stillem Vergnügen hatte er ja jeden Abend beobach­tet, iuie die Gräfin unruhig nach dem Kartentisch hinsah, wenn er mit dem Grafen (Scarte spielte, und ebenso hatte er die gequälten und unruhigen Gesichtszüge des Schloß- Herrn bemerkt, wenn die Geschichten der Gräfin gar kein Ende nahmen. Daß das über kurz ober läng zu einem kleinen ehelichen Krieg führen, und daß man durch klein« Intrigen versuchen würde, ihn der einen oder anderen

Partei abspenstig zu machen, das hatte er lange vorans- gesehen.

Und nun hatte der Krieg begonnen.

Ja ja, die Weiber" wiederholte der Graf noch einmal.

Und der Baron merkte: der Seufzer kam aus tiefstem Herzen, und er wußte sehr genau, auf wen sich der Aus­druck bezog.

Trotzdem sagte er jetzt:Ich würde mich an Ihre» Stelle doch nicht so über die Hofgängerinnen ärgern."

Der Graf blickte den anderen ganz verständnislos an: Die Hofgängerinnen? Was habe ich mit denen zu schaffen? Ach so, ja, richtig! Sie haben ganz recht, die verdienen es gar nicht, daß man sich über sie aus- regt. Ich will gleich noch 'mal den Verwalter rufen lassen, der soll die Weiber noch 'mal zusammennehmen und bann mit einem heiligen Kreuz'himmelbonnerwetter bazwischenfähren. Auf Wiebersehen nachher beim Früh­stück."

Und draußen war er.

Mit einem vergnügten Lachen lauschte der Baron den sorteilenben Schritten. Der Graf dachte natürlich nicht baran, zu dem Verwalter zu gehen, was sollte er auch da, die Hofgängerinnen hatte er sich ja doch nur erfunden, um seinen Ausruf motivieren zu können.

Der Baron setzte sich an seinen Schreibtisch, um einem Berliner Freund über seinen Aufenthalt hier auf Schloß Gründingen zu berichten. Jeden Tag nahm er sich's vor, aber ebenso oft blieb der Brief ungeschrieben. Und auch jetzt nahm er nicht die Feder zur Hand. Die Zigarre im Munde, die Füße weit von sich gestreckt, lohnte er sich behaglich in dem bequemen Schreibstuhl hintenüber und dachte und träumte.

Es war doch wirklich mehr als Glück gewesen, daß gerade Gründingens die Annonce gelesen und daraus ge­antwortet hatten! Gewiß war die Anzeige nur ihretwegen erlassen, aber wie leicht hätten sie diese übersehen, ober wenn sie sie auch lasen, unberücksichtigt lassen können! Er hatte allerdings im Tattersall gehört, daß man dem Grafen empfohlen hatte, sich für die Komtessen nochmals einen tüchtigen Lehrer zu engagieren, aber trotz alledem das Glück blieb dasselbe.

Es kam ihm manchmal so vor, als hätte er die feste Absicht gehabt, in der Lotterie zu gewinnen, und als hätte er lediglich durch seinen Willen das große Los gezogen!

Hans int Glück" nannte er sich oft selbst. Er ließ auch jetzt seinen Blick durch das große, schöne Arbeits­zimmer gleiten, das in einem Ton gehalten war: rote Tapeten, ebensolche Vorhänge und Portieren, und auf dem Fußboden schwere Smyrnateppiche. Aus einer Nische her­vor leuchteten die schneeweißen Glieder der aus Marmov prachtvotl gemeißeltenAriadne", auf dem Panther rei­tend, und an den Wänden hingen schöne Bilder ersteo Maler.