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Er dachte zurück an seine Keine Wohnung, die er trt Berlin inne hatte. Er war stol zdarauf, daß er sich nach Zeiten der bittersten Not wenigstens so weit emporgear­beitet hatte, sich einige Möbel selbst kaufen und btescheuß­lichsten Scheußlichkeiten" seiner Wirtin auf den Boden schicken zu können! Da waren Sofakissen gewefen mit der schön gestickteil Inschrift:Nur ern Brertelstundchen . Auch das entsetzliche Vertikow hatte nicht gefehlt, und ein selbstgestickter Teppich hatte den Fußboden bedeckt.

Einfach gräßlich! Und doch war die Wirtin auf chre Sachen ebenso stolz gewesen, wie er auf die Einrichtung, die er sich selbst anschaffte. Und anstatt es Übelzunehmen, wie der Baron e» fast fürchtete, daß, er ihrq Sachen hinauswarf, war sie glücklich, ihre Heiligtümer zu retten, denn besser werden die schönen Sachen durch den Gebrauch nicht das brauchen der Herr Baron nicht zu glauben." ,

Er mochte gar nicht an seine Rückkehr nach Berlin denken, noch weniger an seine Wirtin. Das war zwar eine gebildete, aber trotzdem sehr beschränkte Frau, die ihren Baron liebte und es für ihre Pflicht hielt, ihren Mieter, der so still und zurückgezogen lebte, etwas zu unterhalten und zu zerstreuen. Von ihrem Geschwätz ge­langweilt, schickte er sie oft, sich zu einem Scherz zwingend, hinaus, aber unter irgend einem Vorwand kam sie sicher sehr bald zu einer anderen Tür wieder herein. Und doch konnte er sich sehr freuen, daß er «es wenigstens noch so gut getroffen hatte. Denn als er einmal von einem" Pferd einen Schlag erhalten und Wochen hindurch hatte das Bett hüten müssen, da hatte sie in rührender Weise für ihn gesorgt und es auf das entschiedenste ab gelehnt, da­für irgend welche Bezahlung anzunehmen, ja, selbst ein Geschenk hatte sie zurückgewiesen.

Gewiß, er hatte es da trotz alledem ganz gut, aber seit langer Zeit war er hier endlich einmal wiederMensch unter Menschen". Par inter Pares'. Gründingens be­wiesen wirklich echten Herzeustakt, sie zeigten ihm in keiner Weise, daß er nicht nur der Gast ihres Hauses war, und auch jetzt hörten sie noch nicht auf, zu fragen, ob er noch irgend welche Wünsche habe. Alle waren von der größten Liebenswürdigkeit gegen ihn. Selbst für die Dienstboten, die doch sicher ganz genau wußten, daß er für seine Tätig­keit hier bezahlt wurde, war er nur der Herr Baron, zu dem sie voller Respekt aufsahen.

Nur Dagmar trat ihm immer noch kühl und reser­viert gegenüber und zeigte ihm deutlich, daß sie sehr wohl wußte, weshalb er hier war, und daß seine Keckheit sie nicht verwirre.

Manchmal begriff er sich ja selbst nicht. Und in den ersten Tagen, als er mit Liebenswürdigkeiten überhäuft wurde, hatte er sich die schwersten Vorwürfe gemacht, daß er es gewagt hatte, hier einzudringen.

Dann aber war doch sein Stolz wieder erwacht. War er auch kein Graf, so hatte doch auch sein Name einen guten Klang, seine Ahnen gingen weit zurück. Und daß er in leichtsinniger Weise sein Gelb vergeudet hatte, konnte ihm jetzt, wo er ehrlich! arbeitete und seine Kenntnisse be­nutzte, um sich ohne fremde Hilfe durch das Leben zu schlagen, nicht mehr zum Vorwurf gemacht werden.

Trotzdem kamen dann doch wieder Stunden, in denen er sich sagte: wenn du guch tausendmal der Baron bist in erster Linie bleibst du doch der Reitlehrer, der für seine Dienste bezahlt wird.

Lange hatte er geschwankt, ob ,er ein Honorar fordern solle oder nicht. Schließlich hätte er sich doch Dagmars wegen dazu entschlossen. Er wußte, sie tv-ürde sich seinem Herkommen weniger widersetzen, wenn er als bezahlter An­gestellter, als wenn er nur gls Gast erschien. Und er hatte sich darin nicht geirrt. Aber das Honorar, das ihm der Graf am Tag seiner Ankunft im voraus für die nächsten Monate durch den Rendanten hatte überweisen lassen, lag noch heute unberührt in seinem Schreibtisch. Er wollte es zurückgeben an dem Tag, an dein er das Gut verließ. Hatte er betnt das Spiel verloren, war es ihm bann nicht geglückt, Dagmar zu gewinnen, dann wollte er ihr we­nigstens nicht den Triumph gönnen, daß sie fugen könnte: das mehr als anständige Honorar, das ihm für die nächste Zeit eine sorglose Zukunft bietet, wird ihn schon über den Verlust hinüwgtrösten, und daß er das Geld annahm, be­weist ja, daß es ihm in erster Linie darum zu tun wär.

Er brauchte das Honorar nicht. Aber selbst wenn er

in bitterster Not gewesen wäre: er hätte lieber gehungert- als daß er Dagmar Gelegenheit zu solchen Aeußerung^ ^'Denn daß sie so sprechen würde, schon um sich unU ihr Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen, wußte «v ganz genau. n

Der Klang desGong-gong", der zum Luncheon rief, ließ ihn aus feinen Gedanken auffähren, und, lächelnd betrachtete er den leeren Briefbogen, selbst die lieber» schrift fehlte noch, nur Ort und Datum waren ausgefüllt« aber das letztere war schon zu wiederholten Malen aus- gestrichen und durch das der folgenden Tage ersetzt.

Und er nahm sich fest vor, den Brief nun morgen wirklich abzuschicken. .

Es war in den letzten Tagen überhaupt von nichts anderem gesprochen worden, als von der bevorstehenden Ankunft von Hans. Bei dem Luncheon, vor und nach dem Diner wurde dieses Thema erörtert, und die Gräfin vergaß über ihren Sohn ganz, daß es auch noch andere Adelige gäbe, jiber die es sich zu sprechen verlohne, imb der Graf hatte nicht einmal den Wunsch nach einer Partie Ecartö. Er faß noch, schweigsamer als gewöhnlich, während die anderen sich unterhielten, bei seiner großen Diner- Zigarre und ,versuchte aus seiner Jugendzeit heraus die Erinnerungen daran hervorzuholen, was er denn bei solchen Gelegenheiten eigentlich guf dem Kerbholz gehabt hatte, wenn er alsverlorener Sohn" reumütig für einige Zeit ins Elternhaus zurückkehrte.

Aber er mußte sich gestehen: das Verzeichnis seiner Jugendsünden war zu groß, es siel ihn'r so viel ein, daß es einem wahren Chaos glich wie konnte er da sagen! dies war gn diesem Tag, dies' an jenem?

Mochte Hans kommen, sein Geldschrank war gefüllt, Er hatte ,aus seinem Reservefonds bei derDeutschen Bank" sich einige zehntausend« Mark schicken lassen, die würden schon hen ersten Ansturm aushalten. Wenn nicht, na, denn nicht. Dann mußten wie es beim Mititäp hieß noch weitere Reserven herangezogen werden. Wo­zu waren hie sonst da, doch« nicht nur, nur auf dem! Bauch zu liegen und zu schlafen?

Ihm fiel plötzlich aus seiner Leutnantszeit dieses Wort einer hohen Exzellenz, wieder ein, das den Unbeteiligten ein heiteres Lachen, den davon Betroffenen aber ein schmerzhaftes Lusammenzucken verursachte das war ein Todesurteil in heiterer Farm gewesen.

Ueberhaupt hiese Verabschiedungen. Der Graf ivar viel zu gutmütig und viel zu weichherzig, nm' dieses harte, grausame Prinzip billigen zu können, trotzdem' er dessen Notwendigkeit ja schließlich nicht leugnen konnte. So ivar er auch deshalb schon froh, nicht mehr im bunten Rock zu stecken, da brauchte er es auch nicht länger mit anzusehen, wie die .anderen um ihn herum für ihre Existenz kämpften und in her beständigen Furcht der Verabschiedung zitterten.

Nein, er war nie gern Offizier gewesen, und wenn er nicht sieben Jahre hätte aushalten müssen, uw das Gut zu erben, wenn er nicht durch seine Dienstzeit um das Schloß seiner Ahnen sieben Jahre hätte werben müssen, wie seligen Angedenkens Jakob um Lea und Rahel, er wäre schon viel eher fortgegangen.

Das war der einzige Punkt, in dem Vater und Sohu nicht übereinstimmten: Hans war mit Leib und Seele Offizier.

(Fortsetzung folgt.)

Auszug aus dem hochsurstlich Hessen-Darmstädtischen Staats- und Adretz-Aalender aus das Jahr $789.

In dem HochKrstlich-Hessen-Darmstädtischen Staats- und Adreß-Kälender aufbas Jahr 1789 firchet sich folgende Beschreibung von Gvoßen-Linden:

Großeu-Linden ist eine der ältesten Städte des OberfürsteN-- thums. Sie soll ihren Namen von den.großen Lindenbäumen, die teils vor, teils in der Stadt häufig gewachsen find, erhalten haben«

Sie war in den ältesten Zeiten eine Vestung mit einer Citadelle versehen, und einer Mauer und Wallgraben umgeben« Bon beiden ersteren sind keine Spuren mehr übrig. Der Wau ist Heggrabeu, umgiebt noch jetzt den öst- und südlichen Teil der Stadt, ist mit Eichbäumen und anderen Holzgattungen bewachsene und wird von der Bürgerschaft dem Landesherrn verzinset.

Als die LandgrMn Sophia ihren Sohn Henrich das Kcno aus Brabant kommen und das Land ihm Huldigen,' ließ, versagte ihm