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ein wenig dazu

im

die trostlose Kirchenlehre, das

Gottes Wort, du bist der Morgenstern, Wir können dein gar nicht entbehr»; Du mußt uns leuchten immerdar. Sonst sitzen wir im Finstern gar."

Erwirb er, um es zu besitzen!"

k Die religiös-sittlichen und die kirchlichen Zustände östlichen Vogelsberge kurz vor der Reformation Dr. Marlin Luthers.

sieben Siegeln. Von Jesus und seiner Liebe zu den armen und verlorenen Menschenkindern wußte man säst nichts als

s) Gemeint ist Salzschlirf und nicht Altenschlirf, wie allgemein nach dem Vorgänge Schannats irrtümlich angenommen wird. Bgl. meine Ausführungen in Nr. 3 derLauterbacher Geschichts­blätter",

!) Nach Krätzinger, Verstehest dn auch!, w!as du singest!, Darm­stadt 1885, S. 52. Nach Herrmann, Hess. Reförmationsbüchlein, S. 87, käme auch Staden in der Wetterau als Geburtsort des berühmten Dichters in Betracht. .

8) Per gl. Archiv f. Hess. Gesch. und 'Altert. W. V, Heft 1, IV S. 105

solcher Kirchenlehre es wagen, vor Gottes Angesicht zu kommen uttö getrost und mit aller Zuversicht ihn zu bitten wie ein liebes Kind seinen lieben Vater? Wie ein zerschlagenes und verschüch­tertes Kind vor dem zornfunkelnden Blick des allzu gestrengen Vaters sich hinter der Mutter verbirgt und, was es vom Vater will, stets der Mutter sagt, so wagte auch der Fromme des Mittel­alters nur mittelbar durch Fürsprache der Heiligen sein An­liegen vor Gott zu bringen. Neben Gott stand die heilige Anna auf der Glocke zu Babenhausen und im Herzen aller Gläubigen. Wie der junge Luther einst in Todesnot auf die Knie sank und rief: Hilf, heilige Anna, ich will ein Mönche tverdeu!" so glaubten auch unsere Vorfahren im Vogelsberg nur im Vertrauen auf die Fürsprache der heiligen Anna und der anderen Heiligen vor Gottes Zorn bestehen und durch Gelübde und Opfer, durch lange und häufige Gebete, durch Wachen und Fasten, durch Wallfahrte» und allerlei Selbstpeinigungen sich Gottes Gnade verdienen zu können. Noch heute lebt unbewußt in unseren Bauern die Er­innerung an diesen Glauben von ehemals,' wenn sie in Krank­heitsnos ein Opfer an die Meicheser Toteukirche, diese ehemalige katholische St. Georgskapelle auf altheidnisch-heiligem Boden, ge­loben, oder wenn sie halb im Scherz und halb ärgerlich zu einem unverbesserlich dummen und ungeschickten Menschen sagen:Geh' nach Meiches und laß für dich beten!" Alljährlich findet, heute noch, am 2. Ostertage dort an altheiliger Statte ein evangelischer Gottesdienst statt, der aus der ganzen Umgegend besucht wird. Sogar die Katholiken aus Herbstein sollen vor 50 Jahren noch zahlreich zu diesem Gottesdienst erschienen sein. Wie besucht mag diese Kapelle erst gewesen sein, wie noch der Glaube an St. Georg und die Heilkraft seines heute noch von Minden und Augen­kranken ausgesuchten Taufsteins in voller Blüte stand! Doch verdienstlicher noch und heilkräftiger als ein Bittgang nach Meiches war eine Wallfahrt nach Fulda zu ben Gebeinen des Bonifatius oder nach Marburg zum Grabe der heiligen Elisabeth. Die Stadt Marburg und die herrliche gotische Elisabethcnkirche dort ver­danken solchen Wallfahrten und den Mtt- und 'Dankopfer» der Pilger ihre Entstehung. Und halfen auch die Heiligen und ihre göttlich verehrten Gebeine nicht, bann tats vielleicht das Stück Holz vom Kreuze Christi, das als köstlichste Reliquie die Kirche von Schlierst) bewahrte. Als letzte Zuflucht in Leibes- und Seelennot aber blieb noch die blutige Hostie, die die Mönche von Gottsbüren angeblich im nahen Rcinhardswalde gefunden hatten Und gläubigen Pilgern für Geld vorzeigten. Die an barem Gelde dort in den Opferstock gelegten Gaben betrugen in nicht vollen 4 Jahren (13341338) 936 Mark, reinen Silbers (= 22 464 Gulden). Was das nach heutigem Gelde etwa bedeutet, kann man daraus ermessen, daß der Erzbischof von Mainz. von dem ihm zustehenden Drittel dieser Gabe» eine vollständige Burg mit allen Gebäuden erbauen und mit einem in Felsen gehauenen Graben und mit festen Ringmauern umgeben konnte, die Zapsenbnrg (Sababurg), die Mainz dann als Schutz seiner wirklichen oder ver­meintlichen Hoheitsrechte gegen den Landgrasen benutzte. Mit dem grenzenlosen, von der Kirche genährten Mirakelglauben verbündete sich beim unwissenden Volke ein urwüchsiger heidnischer Aberglaube. Man glaubte mit altertümlichen aus der heidnischen Vorzeit er­erbten Zauberformeln und Feuerbräuchen die Menschen und Tier« gegen allerlei Seuchen und Unholde schützen, die Felder fruchtbar machen und von ihnen Hagel und von den Häusern Blitz unb Feuer abhalten zu 'können. Das Wasser, das man schweigend am Ostermorgen mit nach der Sonne gewandtem Blick flußabwärts fchöpfte, schützte, unter das Bett gestellt, die Kranken vor Wuird- liegen, und das in der hl. Weihnacht geschöpfte Wasser, heute noch in unserer Gegend alsChrista" ( Christaha oder Christ- Wasser) bekannt, bewahrte das Sauerkraut vor dem Verderben« Es würde zu weit führen, wenn wir auf all den Aberglauben, der damals geglaubt und von der Kirche sogar legitimiert und mit kirch- lichen Weihen sanktifiziert mürbe, eingehen wollten. Wohl gab! es Priester genug, die das Volk von solchem Mirakel- und Aber­glauben hätten heilen sollen. In Herbstein allein standen ihrer fünf, ein Pfarrer und vier Mtaristen; in Crainfeld und Freien­steinau, in Heisters und Stockhausen, in Landenhausen und Salz­schlirf, in Angersbach und Schlitz, in Grebenau und Msfeld, in Meiches und Felda, in Breidenbach und Oberod, in Babenhausen und Ulrichstein und wohl auch noch an anderen Orten standen Pfarrer, Plebane (Dorfgeistliche) und Aldaristen, und in Lauter­bach war der Sitz eines Erzpriesters. Mer sie waren meistens nicht studierte Leute unb entweder selber so unwissend, daß sie den Aberglauben und Mirakelglaube» des Volkes teilten oder klug genug, um daraus für sich und die Kirche Vorteil zu ziehen. Ums Geld drehte sich damals alles. Geld war die erste Großmacht innerhalb und außerhalb der Kirche. Darum nennt es die Glocke von Bobenhausen an erster Stelle. Grade dort hatten Jahrzehnte lang adlige, jeder theologischen Bildung ent­behrende Pfarrer als bloße Pftündengenießer die Pfarrstellen inne und ließeir den Pfarrdienstburdj schlecht bezahlte und un- genügend gebildete Mtaristen versehen. Wer nicht nur Pfarr­stellen, auch die kirchlichen Weihe.» und Gnadenmittel, Dispense

seiner Lücken Und WängÄ, die dem Verfasser selber am schmerz­lichsten bewußt sind und in der Unzulänglichkeit gesicherter Ueber- lieferung ihre Entschuldigung sinden mögen, wohl ein wenig dazu dienen kann, den Geschichts- und Religionsunterricht anschaulicher |ttnb bodenständiger und damit lebendiger und eindringlicher tzu machen. Meinen lieben Vogelsberger Landsleuten aber hoffe ich durch den dargebotenen Lesestoff die heimatliche Erde, auf der Innere Vorfahren mit Herzen wie wir gelebt und gelitten, gekämpft Und gehofft haben, um so lieber und daS geistige Erbe der Refor­mation um so teurer zu machen. Kenntnis der Vergangenheit allein lehrt die Gegenwart und ihre Aufgaben richtig verstehen. Nur der Unwissenheit und oberflächlichen Halbbildung können die religiösen und sittlichen, die geistigen und kulturellen Güter, ton die es sich da handelt, gleichgültig und wettlos erscheinen vor den materiellen Fragen der Gegenwart: Was sollen wir essen? was sollen wir ttinken? womit sollen wir uns kleiden? ®er Kenner der Geschichte menschlichen Geisteslebens beugt sich in Ehrfurcht vor den unsichtbaren unb doch so realen Wahrheiten, Kr die je und je die besten und größten Menschenkinder sich ein- vesetzt und geopfert haben. Airs der Vergangenheit vermmmt Br die Mahnung für die Gegenwart:

Was du ererbt von deinen Vätern hast,

Dies Work ans einem Kinderliebe unseres hessischen Lands- Mdnnes, des angeblich 1500 zu Engel rod') als Sohn eines Schullehrers geborenen nachmaligen Pfarrers »nd Reformators des LändchensTreieich", Erasmus Alberns, dem unser Gesangbuch auch das schone Himmelsahttslied Nr. 95 verdankt, stellen wir mit Absicht Unserer Betrachtung voran. Denn es Sinket uns nicht bloß von dankbarer Freude an dem durch Luther wieder gebrachten Evangelium, sondern läßt auch ergreifend ahne» und mitempfinden, was vordem her Besten Wunsch und Sehnen war. Lange,, lange war der Quell des göttlichen Wortes verschüttet gewesen in der Kirche des Mittelalters durch allerlei Menschenlehre und Priester- satzung, und wo noch mühsam und spärlich ein paar Tröpflein gött­licher Wahrheit hindurchrieselte», waren sie getrübt von heid­nischem Aberglauben. Wer dieses Urteil über die Zeit vor der Reformation Mr unser in Betracht gezogenes Gebiet nicht gelten lasse» wollte, der lese die Inschrift, die noch 1521 der damalige Pfarrer von Bobenhausen bei Ulrichstein auf eine neugegossene Glocke setzen ließ:

Gelt. Got. Sant Anna, selb drit.2)

Diese Inschrift kennzeichnet den Geist der Seit besser als viele E'chriebene oder gedruckte Worte es hätten tun können. Der ocke, dieser für Jahrhunderte bestimmten gottgeweihten Ruferin zur Andacht, der frommer Sinn gern das Höchste anvertraut, was Menfchenherzen erheben, und das Tiefste, was Menschenseelen be­wegen kann, weiß der Sprecher der Gemeinde nichts Besseres in den ehernen Münd zu legen als die Erinnerung an die das Bolksaemüt in Ernst und Scherz beherrschende merkwürdige Trini­tät: Geld, Gott und Sankt Anna. Wie glaubens- unb gedanken­arm muß diese Gemeinde mit samt ihrem Pfarrer damals ge­wesen sein! Und wie in Bobenhausen, so mag8 auch anderswo gewesen fein. Ein passendes Bibelwort voll wuchtigen, das Ge­wissen weckenden Ewigkeitsgehaltes kannte offenbar weder der Pfarrer noch einer aus der Gemeinde. Die vom Papst verbotene, tn den Bibliotheken verstaubende, fremdsprachige Bibel war ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Von Jesus und seiner Liebe zu beit schenkindern wußte man fast nichts als , . er sich einst auf Golgatha für die Sünde der Welt als blutiges Sühnopfer dem Zorne Gottes zur Versöhnung geopfert habe und daß er sich jeden Tag aufs Neue in unblutiger Weise durch den Priester auf dem Altar der Früh­messe opfern lasse denen zu gut, die fleißig zur Kirche kommen sind dem Papst und seinen Bischöfen unb' Priestern untertänig sind. Gott, den die Glockeninschrift erst an zweiter Stelle nennt, kannte man nicht mehr als den Vater Jesu Christi, der feinem Kinde auch große Sünde vergeben unb vergessen kann, wenn es Buße tut", d. h. seinenSinn ändert", sondern als de» über Hölle und Fegfeuer tronenden Richter, dessenGerechtigkeit" es verlangt, daß sein fündloser Sohn für die Sünde der Menschen S'amen Tod erleidet, und der in unerbittlichem Zorne den er Strafe und Pein leiden läßt unb erst bann wieder freund­lich blickt, wenn auch die kleinste Uebertretung seiner despotischen WtlMrgebote gesichert ist. Welcher Sterbliche durfte angesichts