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bi h. Wefietung von der ErWlung göttlicher toti> menschlicher Gebote und Lösung getaner Eide und Gelübde waren für Geld zu haben. Für Geld betete die Kirche die Seelen der Toten aus dem Feg- seuer, und für Geld erließ sie die Strafen für Sünden, für begangene und bereute nicht bloß, sondern auch Mr unbereute und fogar Mr solche, die einer noch begeben — wollte. 'Die bekannte Erzählung, daß der Mörder des schamlosen Ablaßhändlers Tetzel, dem man das frivole Wort in den Mund legte: „Wie das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", sich von diesem zuvor erst noch Ablaß Mr seinen beabsichtigten Mord gekauft habe, hatte in Hessen tatsächlich ihr Gegenstück in jenem Schneider von Hatzfeld, der im Zorn einen unwürdigen Priester erschlagen hatte. Darob in Acht und Bann geraten, ging er nach Rom und kaufte sich Ablaß Mr zwel'Tvtschlagssünden. Wieder heimgekehrt, zeigte er trotzig seine Ablaßzettel den Pfarrern von Biedenkopf und Battenberg und drohte, daß er jeden totschlagen werde, der ihn noch weiterhin wegen seines Verbrechens beunruhigen werde. Die Pfarrer sollen davaufhin wirklich ihn in Ruhe gelassen haben?)
Allgemein war die Klage über das Conkubinat der Priester, über die heimlichen Ehen und über die Unsiltlichkeit der Mönche und Nonnen?) Pfarrhäuser und Klöster, die Pflanz- und Pflegstätten der-Gottesfurcht und christlicher Tugend und Gesittung fein sollten, waren Aergernis erregende Brutstätten aller Laster geworden. Kein Wunder, daß Priester, Mönche und Nonnen beim Volk aufs tiefste verachtet waren. 'Dabei war das ganze Land dicht mit Klöstern und Ordensniederlassungen besetzt. Wer fast keine hielt sich noch an die strengen Regeln des Ordens. Von G r ü n - berg und Marburg kamen die Franziskaner mit dem Bettelsack, und von letzterem Ort und von Treysa durchzogen die Dominikaner milde Gaben heischend das Land. Das Predigen aber hatten si« längst verlernt. Sie verpraßten die Mmosen in ihren Klöstern und, wenn man ihnen Schwierigkeiten machte, mieteten oder kauften sie sich eigene Häuser, wo sie frei von den Regeln des Klosters und ungeniert ein liederliches Leben führten.
(Fortsetzung folgt.) s—---
Vergl. Hessenkamp, Hess. Kirchengeschichte, Bd. I S. 29. ") Vergl. zu den folgenden AusMhrungen Hessenkamp a. a.
O. S. 9—32 und Heppe, Kirchengeschichte beider Hessen. Bd. I S. 85—117.
kulturgeschichtlicher vom Maiglöckchen.
Eine Erzählung der Kosaken erklärt den Ursprung des Maiglöckchens folgendermaßen: „Als Christus im Hofe des Pilatus von den Knechten gepeinigt wurde, trat' eine Mutter mit ihrem Kinde herzu. Als der Knabe die Qualen Christi sah, wollte er ihn aus den Händen der Peiniger befreien, meinte und bat, man möge Jesus verschonen. Da schaute Christus auf den Knaben und fing an zu meinen, die Tränen aber flössen über sein Gesicht und fielen auf die Steinplatten des Hofes. Da brachen die Platten und aus ihren Spalten erhoben sich die schneeweißen duftenden Blüten des Maiglöckchens." (Oskar Dähnhardt, Natursagen. Leipzig 1909, Bd. II.)
Nach märkischer Volksüberlieferung sollen die Maiglöckchen aus den Tränen der an Christi Grab weinenden Maria entstanden Sin. Vermutlich war das Maiglöckchen der heidnischen Göttin stara heilig, denn seine Spur läßt sich noch in späteren Sagen nachweisen. Die allbekannte weise Frau erschien zuweilen mit Maiblumen, und der greife Burgvogt Kuno auf Sebenstein erzählte, daß er sie öfter beim Mondschein in der Burgkapelle gesehen habe. Im Schloß zu Wohlfahrtsweiler liegt ein Schatz verborgen, um dessen Willen alle sieben Jahre eine weiße Jungfrau mit einem Strauß von Maiblumen erschien, und merkwürdigerweise mußten gewisse Grundstücke einzelner hessischer Dorfschaften, i- B. zu Orpheröde, jährlich einen Strauß Maiblumen zinsen. Es ist schade, daß der Ursprung nicht bekannt ist, vermutlich lebte einst em sehr guter Lehnsherr, der von armen Leuten keinen Zins nehmen wollte und sich deshalb nur einen Strauß von Maiblumen bedingte. (Diese Erklärung des bekannten Erforschers der Pflanzensagen A. Ritter von Perger erscheint mir zweifelhaft, jedoch kann ich eine andere Erklärung nicht beibringen.)
Wir Städter kaufen heutzutage die Maiglöckchen von den Händlern auf den Straßen und in den Geschäften und wissen nicht, daß wir uns dadurch all der Zauberkräfte berauben, die den Maiglöckchen verliehen sind, wenn sie braufeen im Walde und in der fieren Natur gepflückt werden. Das Maiglöckchen, das von der kleinen Hand eines reinen Mädchens im Walde unter gewissen moosbewachsenen Bäumen gepflückt wird, bringt für das ganze Jahr der Familie des Mädchens Glück, ja, darüber hinaus, wie manche sagen, auch dem Herzen des Mädchens.
Nach dem Glauben anderer Gegenden kann Man mittels Mäi- glockchen das widerspenstige Schicksal beeinflussen. Steckt man heimlich Maiglöckchen in einen Malwenstrauß und bietet sie einem jungen Mann und einem jungen Mädchen an, die einander nicht kennen oder die miteinander schmollen, so ist die Wirkung unfehl- die^beiden Empfänger der heimlichen Maiglöckchen müssen sich suchen und finden sich stets. Einst war ein mächtiger Zauberer in
Liebe zu einer wunderschönen Elfe entbrannt, die seine Neigung nicht erwiderte. Da raubte er sie in einer Vollmondnacht, um sie auf seinem Felsenschloß zu bringen. Aber als der Räuber die Unglückliche durch einen schattigen Wald trug, wurde sie von einer gütigen Fee, die ihr hold war, in die liebliche weiße Maien- btume verwandelt, und so fand sie der Zauberer nimmer. Darum sollen diejenigen Mädchen, die vor dem Zwange stehen, einem ungeliebten Manne in die Ehe zu folgen, m der Bollmondnacht m den Wald gehen, die Blume pflücken und auf ihrem Herzen aufbewahren: dann hat tyrannischer Wille keine Gewalt über sie. — Nach einer anderen Sage beginnt das Maiglöckchen zu läuten, wenn ein junger Bursch ober ein Mädchen dahergeht, dem sein Schatz die Treue gebrochen hat. Auf einem waldigen Hügel in Ostpreußen, wenige Meilen von Königsberg weg, steht eine mächtige Tanne, in deren Schatten ein Mädchen allabendlich den Liebsten zu erwatren pflegte, eines Abends aber kam sie vergebens, und an dem silbernen Klingen der Maiglöckchen, die unter dem Baume blühten, erkannte sie, daß ihr Bräutigam si« verlassen habe. In der Verzweiflung gab sie sich den Tod und wurde auf dem Hügel bestattet. Noch heutigen Tags aber blühen auf dem Hügel die weißen Blumen.
Als die poetische Anschauung der Blumenwelt verschwand und die Quacksalberei vorherrschend wurde, war das Maiglöckchen nicht mehr die Lieblingsblüte einer Göttin, sondern wurde zu allerhand medizinischen Zwecken benutzt. Rach alten Kräuter- kmchern sollte sie ein flüchtiges Salz enthalten, das meist mer- kurialisch wäre und sogar schweflige Bestandteile mit sich führte. Dieses flüchtige Salz sollte es fein, welches die weitgehenden Heilwirkungen hervorbrachte, die man der Maiblume zuschrieb. Si« sollte nämlich die Lebensgeister stärken, hauptsächlich aber das Gehirn,- die Nerven und den Nervensaft, weswegen sie als ein vortreffliches Mittel gegen alle Kopfkrankheiten wie Schwindel, Schwerenot (Epilepsie), Schlaflucht, Melancholie, besonders auch gegen Schlaganfälle und ihre Folgen angesehen wurde. Sehr interessant ist die Anwendung des Maiglöckchens beim Schlaganfall, bei welchem sie vor allem als Niespulver zur Anwendung kam. Mit diesem Wunderpulver sollte man nämlich die von einem Schlaganfall Betroffenen ermuntern und aufwecken können, besonders wenn man mit „Anrufen, Rupfen und scharfen Klystieren" anhielt und sich starkriechender Sachen, wie „Salämmonhiakspiri- tus", die man vor die Nase brachte, bediente. Auch konnte man M aiblurnenspirituS in den Mund schütten. Sobald sich aber der Patient ermuntert hatte, mußte man ihn nach der geltenden Vorschrift munter erhalten und ihn hin- und herschleppen, je nach dem BeMnd eine Äderöffnung und dann mit dem sog. Schlagwasser fortfahren, dessen wesentlicher Bestandteil ebenfalls Maiblumen- spirituS war. Maiblumenessig fehlte in keiner mittelalterlichen Hausapotheke als Mittel gegen die gefürchtete Pest. Auch di« Wurzel der Convallaria hatte ihre Heilwirkungen. Abgesehen davon, daß sie gegen weißen Fluß und Impotenz verwendet wurde, sollte sie auch eine erwärmende und zerteilende Kraft haben und alles „geronnene oder tote Geblüt so von Stoßen, Fallen, Schlagen Und dergleichen Zufällen" herrührt, ebenso auch Müler und Flecken zerteilen und vertreiben, ferner eine zarte bind weiße Haut machen, weswegen sie ein Bestandteil von Schminken war. Auch in den bekanntesten Schönheitstvässerchen unserer Vorfahren, „Abwasch- Wasser der Königin von Dänemark", waren Maiblumen ein Hauptbestandteil. Als Mittel gegen Epilepsie überliefert M. Höfler in seiner „Volksmedizinischen Organotherapie" von 1685 folgendes Rezept: „Ree. Menschengehirn 3 Pfund, Wasser von Meyen- blümichen, von Lavendel, Schlüsselblümichen, Malvasier ä 3 Pfd., infnndiers 5 Tage, dann destillirs in Mariae Balneo".
Zum Schluß sei noch einer freundlicheren Bedeutung des Maiglöckchens gedacht. Sie brachte Glück in der Liebe, und deshalb! heißt es auch in der „Bedeutung der Blumen" (Grimm, Altdeutsch« Wälder I, Nr. 20): „Wer sein lieb mit freuden anefabet und et hofft noch große freube zu eutphaenn, der sollt mayblumen tragen"«
Georg Koerner.
Logogriph.
Mit „H“ trieb's Manchen schon zurück. Der in der Fremde sucht fein Glück. 1 Mit „L“ fügt Alles man zusammen, WaS auseinander ist gegangen.
Mit „R“ wollt's wohl schon Mancher fügen. Doch ließ sich dies und das nicht biegen.
Mit „8" kannst Du's int Haushalt sehn, i Recht süß schmeckt es und angenehm.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nnmmerr
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübt'fchen Umversiiäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Diel»


