Donnerstag den 28. September
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Die weiße Frau.
Roman von W. Collins, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
XI.
Tie Wolken standen drohend ant westlichen Himmel, und ein kalter Wind blies vom Meere her. Ungeachtet der Entfernung des Meeresufers strich doch das Getöse der Brandung über das Heideland herüber und schlug düster an meine Ohren, als ich in den Kirchhof trat. Kein lebendes Wesen war zu sehen. Der Ort sah verlassener aus denn je, als ich meine Stellung einnahm, in der ich beobachtend verharrte, die Augen auf das weiße Kieuz über Mrs. Fairlies Grabe geheftet.
Die offene Sage des Kirchhofes hatte mich genötigt, die Wahl meines Beobachtungspostens mit Umsicht zu treffen.
Der Haupteingang zur Kirche war auf der Seite des Begräbnisplatzes, und die Tür durch eine mit einer Mauer umgebene Vorhalle verborgen. In diese Vorhalle trat ich ein. In jeder der Seitenmauern war ein rundes Fenster. Durch das eine konnte ich Mrs. Fairlies Grab sehen. Das andere ging nach dem Steinbruche hin, wo die Hütte des Totengräbers stand. Vor mir, dem Eingänge der Borhalle gegenüber, lag ein Stück kahlen Begrabnisbodeus', ein Ende von der niedrigen Steinmauer und ein Streifen des einsamen braunen Hügels, über den die Sonnenuuter- gangswolken schwer vor dem starken Winde dahinstrichen.
Das Licht der untergehenden Sonne zögerte noch am Himmel, und wenig über eine halbe Stunde war verflossen, nachdem ich meinen Posten eingenommen hatte, als ich Schritte und eine Stimme vernahm. Die Schritte kamen von der entgegengesetzten Seite der Kirche, und die Stimme war die eines weiblichen Wesens.
„Sorge du dich nicht um den Brief, mein liebes Kind," sagte die Stimme. „Ich habe ihn sicher in die Hände des Burschen gegeben, und der Bursche nahm ihn, ohne ein Wort zu sagen. Es folgte mir keine lebende Seele dafür stehe ich ein."
Diese Worte trieben meine Aufmerksamkeit auf einen Mrad der Erwartung, der beinahe schmerzhaft war. Es trat eine Pause im Gespräche ein, aber die Schritte kamen immer näher. Einen Augenblick später gingen zwei Personen, beides Frauen, innerhalb meines Gesichtskreises an dem Fenster der Vorhalle vorbei. Sie gingen gerade auf das Grab zu, und wandten mir daher den Rücken zu.
Eine der beiden Frauen trug einen Hut und Schal, die andere einen langen Reisemantel von dunkelblauer Farbe, dessen Kapuze sie über den Kopf gezogen hatte. Einige Zoll ihres Kleides, waren unter, dem Mantel sicht
bar. Mein Herz schlug heftig, als ich die Farbe unterschied — es war weiß.
„Behalte mir ja den warmen Mantel um," sagte jetzt dieselbe Stimme, welche ich schon vorher gehört hatte •— die Stimme der Frau mit dem Schal. „Mrs. Todd hat recht, toenn sie sagt, daß du gestern zu auffallend aus- sahst, so ganz in Weiß. Ich will ein bißchen umher- spazicren, solange du hier bist. Mache nur, was du zu tun hast, fertig, bis ich zurückkomme, und lasse uns auf jeden Fall vor Einbruch der Nacht wieder zu Hause sein."
Mit diesen Worten wandte sie sich um und ging mit dem Gesichte mir zugewendet denselben Weg zurück. Es war das Gesicht einer ältlichen Frau, bräunlich, scharf und gesund, in dessen Ausdrucke nichts Unehrliches oder Verdächtiges lag. Sie bog um die Ecke der Kirche.
Nun sah ich die Frau im Mäntel dicht an das Grab Ijerantreten und es eine Weile still betrachten. Sie blickte dann rund um sich, und ein weißes Leinwandtuch unter ihrem Mantel hervoMehend, wandte sie sich dem Bache zn. Sie tauchte das Tuch in das Wasser und kehrte zum Grabe zurück. Ich sah sie vor der Inschrift niederknien und sich anschicken, dgs Monument mit dem weißen Tuche zu reinigen.
Nachdem ich bei mir überlegt, wie ich mich ihr am besten zeigen könne, ohne sie zu erschrecken, beschloß ich, an der Stelle vor mir über die Mauer zu steigen, dann außen an ihr entlang zu gehen und über den Tritt nahe bei dem Grabe in den Kirchhof zu treten, damit sie mich kommen sehen möge. Sie war indes so sehr in ihre Beschäftigung vertieft, daß sie mich nicht eher kommen hörte, als bis ich über den Tritt gestiegen mar. Daun blickte sie auf, sprang mit einem schwachen Ausruse auf ihre Füße und stand mir mit sprach- und regungslosem Schrecken gegenüber.
Auch ich starrte sie fassungslos an: ich erblickte dasselbe Gesicht, das ich in jener Nacht auf der Landstraße bei London zum ersten Male gesehen hatte.
Erschrecken Sie nicht, sagte ich, Sie erinnern sich doch gewiß meiner, nicht?
Sie schaute mich aufmerksam an. Dann er vetterten sich ihre Mienen, und sie fragte: Wie kommen Sie hierher?
Erinnern Sie sich nicht, fragte ich meinerseits, daß ich Ihnen bei unserer Begegnung erzählte, ich würde nach Cumberland reifen? Ich bin also feit der Zett ttt Cumberland gewesen; ich habe die ganze Zeit in Limmertbge House ä In Limmeridge House! — Ihr blasses Gesicht erhellte sich, als sie die Worte wiederholte; ihre unstäten Augen hefteten sich voll Interesse auf mich. Ach, da müssen Ste sehr glücklich gewesen Jein! sägte sie, indem ftemtch begierig ansah, und ochne daß noch eine Spur thres ehemaligen Mißtrauens in ihrem Gesichte zu sehen war.
Als. ich sie näher Mr.aMet.ch fiel rn.tr ihre Aehnltch.


