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geren, aber Eleganteren vor allein einen Reichen. So einen wie Paul Eberstedt."

Der liegt ja doch fest," antwortete Traute und warf aus den Augenwinkeln einen verschmitzten Blick auf Tini.

Die Sandratt steckte ihr schönes braunes Haar auf. Vie hatte eine Schildpattnadel zwischen den Lippen und nahm sie auch nicht aus. dem Munde, als sie erwiderte:

Mein lieber Schatz, ich verstehe die Anspielung. Paul- chen machte mir die Cour. Heute werden es drei Monate, daß er mir seine heiße Liebe gestand. Es Ivar ein ganz hübsches Vierteljahr. Sieh die Brillantbrosche drüben auf dem Tische sie stammt auch von ihm. Aber in letzter Zeit sind seine Gaben rarer geworden lind seine Besuche kurzer. Es geht langsam zu Ende. Das wußte ich, als es anfing. Es hat mir aber noch keine melancholische Stunde verursacht ach nein!"

Da liebst du den Mann also auch gar nicht!" Traute saß so, daß sie in den Spiegel schauen tonnte; und sie sah jetzt sehr aufmerksam in das helle Glas und war neugierig, was für ein Gesicht Tini zu diesem Einwurf machen würde. Aber die Sandratt blieb gleichmäßig; sie zuckte nur ein wenig mit der linken Schlüter. "

Wenn du unter Liebe eine große Leidenschaft oder Kein in alle Tiefen gehendes Gefühl verstehst, so muß tut nein antworten. Das Wie in der Liebe ist immer Sache der Veranlagung. Es gibt Leute, die sich nur glück- . lich fühlen, wenn auch ein bißchen .Herzweh dabei ist. Zu diesen absonderlichen Menschenlindern zähle ich nicht, lind du ebensowenig. Damit ist keineswegs gesagt, daß unsere Herzen Eiskeller sind. Bloß leichteren Gemüts sind wir als die anderen nnd elastischer Von Seele"

Also oberflächlicher," ergänzte Traute.

Meinetwegen. Es ist manchmal ein großes Glück, oberflächlich zu fein. Ich behaupte sogar, daß wir der Natur besonders dankbar für diese Gäbe fein können. Die ganz Tiefen kommen aus der Leidduselei nicht heraus. Und wenn sie wirklich einmal himmelhoch jauchzen, haben fie's immer mit der Angst, daß sie schon im nächsten Augenblick wieder zu Tode betrübt sein können. Also sage ich: je tiefer veranlagt, um so karger der Frohsinn. Du brauchst aber meine Lebensanschäuung nicht unter die kritische Lupe zu nehmen. Sitzt mir das Haar denn nun hinten? Wenn es gewaschen ist, kriege ich überhaupt keine Frisur zustande."

Traute half nach.Was hast dir für schönes Haar," sagte sie.Merkwürdig, wie hübsch du geworden bist! In der Schule warst du ein mieses Käferchen mit Spinnen- beüien und spitzen Ellenbogen."

Jetzt bin ich schon beinahe für Märienbad reif . . ." Sie schaute noch einmal in den Spiegel. . .Immerhin geht es noch. Eine Soubrette muß rundlich sein. Ein Boccaccio mit Streichhölzern in den Trikots ist greu­lich. Einmal falsch singen verzeiht man eher im Parkett als dünne Beine. Nun hilf mir, den Kaffeetisch arran­gieren."

Erst möchte ich einen Rat von dir. Vater hat heute einen Brief bekommen, der auch inich angeht. Soll ich ihn Max zeigen? Ueberhnupt, was sagst du dazu? Ich möchte dem Mann in Guatemala eigentlich selbst antworten."

Sie hatte den Brief des Herrn Jonathan W. Brighäm hervorgezogen und gab ihn der Tini. Die fetzte sich wieder und las ihn mit wachsender Spannung nnd erklärte sodann, das sei einfach zum Totschießen.

Traute, hör zu. Der Brief ist nichts für den Leutnant Max. Der ist auf schöne Abenteuer nicht zugeschnitten und würde dir das Wort abnehmen, nicht zcc antworten. Nämlich weiter: antworten mußt du. So etwas gibt man nicht aus der Hand. Ist der Mann in Qnctz Petz Tetz"

Siehst du," fiel Traute ein,den Namen kriege ich auch nie heraus."

Man lernt ihn schon noch. Ich wollte fragen, hat dieser Herr Brighäm Geld?"

Er verdient ungezählte Pesos."

Da ist er also ernsthaft zu nehmen. Antworten ncnßt du. Bei Amerikanern kann man nie wissen. Ich sage dir nur: Amerika ist immer eine feine Sache. Wir wollen den Brief gleich aufsetzen."

«Ich habe schon so meine Ideen," sagte Traute.Hast du noch die Photographie von mir, die in der Weiten

Bluse mit dem Mätrosenhut? Ich gebe dir eine andere dafür."

Tini suchte das Bild heraus. Hierauf überlegten die Freundinnen des längeren, wie sie das Skriptum abfasseit sollten, und schließlich brachte Traute das Folgende zu Papier:

Sehr geehrter Herr Brighäm!

Mein Vater hat mir Ihre gefl. Zuschrift vom 18. 3. 05 zu lesen gegeben, und sie hat mir so viel Freude gemacht, daß ich selbst Ihnen mit einigen Zeilen antworten möchte. Ich bestätige zuvörderst, daß ich blond bin und mit blauen Augen in die Welt schaue, aber das Blond ist nicht ausge­sprochen und das Blau etwas grünlich. Doch läßt sich die Variation schwer schriftlich erläutern und wird natürlich auch auf anliegendem Bilde nicht sichtbar. Dies Bild ist beigegeben, weil die Gruppenaufnahme falsche Vorstellnn- gen erwecken könnte, während die nur ein wenig jüngere einzelne Photographie mein Abbild zweifellos getreuer widerspiegelt. Ans Ihre werte Anfrage, ob ich das in Bau begriffene neue Wohnhaus nebst umliegender Farm mit Ihnen teilen möchte, kann ich leider noch keine entscheidende Zusage geben, weil ich noch nicht die Ehre habe, Sie zu kennen. Vielleicht schicken Sie mir gelegentlich auch ein Bild von sich, damit ich Sie wenigstens in effigie vor mir habe und aus Ihrem Antlitz auf Ihre inneren Eigenschaften! schließen kann; doch möchte ich bitten, diese Zuschrift nicht tut die Geschäftsadresse meines Vaters, sondern unter dop­peltem Kuvert an eine meiner hiesigen Freundinnen zu richten, nämlich an Fräulein Tini Sandratt, Verlängerte Promenade 18, II. Den nusgestopften Quesal dagegen schicken Sie lieber an Otto A. Köhler, weil er wahrscheinlich stark cingekampfert sein wird und man im Geschäft au diesen Geruch schon gewöhnt ist. Was ist das für ein Tier? Fräulein Sandratt meint, es gehöre zur Sippe der Klammer­affen, doch geht meine eigene Ansicht mehr auf eine seltene Amphibie hin. Jedenfalls wird es mich sehr interessieren^ ein Tier aus Ihrer Heimat kennen zu lernen.

Welches ist die Landessprache bei Ihnen? Und gstck es noch viele Indianer dort? Auch über den Vulkan Santa Maria würde ich gern ein beruhigendes Wort hören, sowie ferner, wo Ihre Farm liegt und wie es sich auf der­selben /lebt.

Mein Vater wirb Ihnen jedenfalls selber noch ant­worten, aber natürlich scherzend. Auch diesen Brief fassen Sie bitte nur als einen freundlichen Scherz auf, der Ihnen! in Ihrer Einsamkeit vielleicht Spaß macht.

Mit schönsten Grüßen

Ihre ergebene

Traute KöhlerK

Dieser Brief ist blendend," erklärte Tini;er riechk nicht nach Köder, ist ganz harmlos nnd dennoch vielsagend für einen Mann, der verstehen will. Hat er sich wirklich in deine blonden Haare vergafft, so garantiere ich dir, ev kommt herüber und holt dich. Und daun bitte ich dich nur, daß du mir im Stadttheater von Santiago de Guatemala ein gutes Engagement verschaffst."

Es klingelte jetzt an der Hintertür, und die Mädchen bekamen einen Schreck.

O Gott," rief Tini,das ist schon dein Max, und der Kaffeetisch noch nicht einmal gedeckt ! Ich bitte dich; reg deine Hände! Alles Nötige findest du irgendwo such dir's zusammen! Ich mache indessen ans."

Sie flog davon, aber es war nicht der erwartete Leut­nant, sondern der Theaterdiener, der eine neue Rolle brachte; über die sich Tini ärgerte.

Eine blödsinnige Rolle," schimpfte sie.Ich trete nur einmal auf, als Kinderfränlein, und muß elsässischen Dialekt sprechen. Der Direktor ist verrückt geworden. Das kann jede Statistin. Morgen kriegt er den Wisch retour."

Sie half jetzt beim Decken des Kaffeetisches.Sonst bin ich nicht so," sprach sie dabei weiter.Ich bin nicht ans große Rollen erpicht. Aber ich laß mich auch nicht schlecht behandeln. Der Direktor möchte mich in eine zweite Stellung drängen. Er hat eine andere in petto, die seinem Herzen nahe steht. Meinetwegen mag er sie sich kommen lassen jedenfalls weich ich nicht vom Platze. Fällt mir nicht ein. Trautchen, die Teller mit dem durchbrochenen Rande, die sind hübscher. Und nun die Kaffeemaschine. Ist denn noch Spiritus da? Wir nehmen ihn aus meinem Brennapparat. Mäuschen, ans meinem Dostett«-,