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Das nette Mädel.

Roman von Fedor von ZobeltiA- (Nachdruck verboten.) (Fortfehung.)

Unweit des Hafens fand Trants eine Droschke. 'Sie nannte dem Kutscher die Wresse der Sandratt, ließ aber vorher noch einmal bei Horst und Dammer halten, dent großen Lederwarengeschäft an der Promenade. Hier wollte sie ein Zigarrenetui für Max Roeßler kaufen und ließ sich eine Auswahl vorlegen. Als sie eiues gefunden hatte, das ihr gefiel und zehn Mark kosten sollte, hörte sie hinter sich die Tür gehen und wandte sich um. Der junge Ever­st ed t trat ein und grüßte sie verbindlich, aber doch mit einem Ausdruck, dem man es anmerkte, daß er nicht genau wußte, wer die junge Dame sei. Traute zahlte schnell Md ging. Gleich nebenan war die Bartelssche Konditorei. Da kaufte sie noch für drei Mark Kuchen und führ hierauf zur Sandratt.

Tini Saüdratt hatte sich eben den Kopf waschen lassen und empfing Traute in einem japanischen Schlafrock, unter dem sie nicht sonderlich viel trug. Sie flog ihr um den Hals, herzte sie ab, nahm dann dankend den Kuchen in Empfang, biß auch gleich in ein Makronentörtchen und hat Traute, ihr beim Anziehen behilflich zu sein, da sie das Mädchen fortgeschickt habe.

Absichtlich, Drauteline," sagte sie.Dein geliebter Max hat mich dringend ersucht, den Schleier des Geheim­nisses über seinen Besuch zu ziehe». Er hat mir einen langen Brief geschrieben, bittet sehr um Verzeihung, daß er in Zivil antreten wird, und will über die Hintertreppe kommen. Er scheint die ganze Angelegenheit für ein Ver­gehen wider die gute Sitte zu halten, das vertuscht werden muß."

Er ist sehr penibel in derlei Dingen."

Ich glaube, er ist ein großer Stiesel. Nimm mir's nicht übel, Trautinäuschen, daß ich mich so derb ausdrücke, aber sein Benehmen ist doch wirklich verrückt. Wenn ich empfindlich wäre, würde ich ihm zurückgeschrieben haben, er solle lieber nicht zu mir kommen. Schau mal auf meine Visitenkarteuschale da wirst du sogar die Namen hoher Vorgesetzter von ihm finden aber die Leute kamen in Uniform unt)' genierten sich nicht. Hake mir bitte hinten die Taille zu, und sollte eine Oese abgerissen sein, so nimm Line Nadel."

Traute ging an die Arbeit.Ja," sagte sie dabei, 5,er ist sehr förmlich und auch ein wenig steif. Aber er ist doch eilt lieber Mensch und hat so gute Augen."

Ich will ihn dir nicht vergraulen, Schatz. Ich begreife nur nicht recht, wie ihr beiden zusammenpaßt. Du bist die Fröhlichkeit selbst und huschst wie ein Sonnenstrahl durchs Leben, der sich auch nicht drum kümmert, wohin er

sällt. Und er... nun also, ich könnte mich in einen Mann nicht verlieben, der sich vor jedem Kusse erst über­legt, ob auch die Stunde dazu schicklich sei!"

Traute mußte jetzt wirklich zu einer Stecknadel Zuflucht nehmen.Tini, ein Mensch vor dem andern. Besinnst düj dich auf Hans Ueberlingen? Der war immer wie der Sturmwind und brachte einen in hundert Ungelegenheiteni. Das hat auch seine Schattenseiten. In acht Tagen war ich mit ihm im Gerede. Max ist verständiger. Da eine öffent­liche Verlobung vorderhand unmöglich ist, so scheint's ihm eben besser, wir behalten unsere Liebe für uns."

x Tini blickte die Freundin int Spiegel mit ihren braunen Schelmenaugen fragend an.

Liebst du ihn denn wirklich?" fragte sie.

Traute hakte die letzte Oese zu.Na, hör mal! . . Ich bussle mich doch mit einem Mann nicht ab, wenn ich ihn nicht lieb habe!"

Gott," sagte die Sandratt und lachte, aber sie ver­schluckte die weitere Aeußerung.Du bist ein tugendhaftes: Bnrgermädchen und hast recht. Du liebst ihn infolge­dessen darfst du ihn auch küssen. Aber vom Stand­punkt eurer Guten-Stuben-Moral hat das doch seinen Haken. Beim Kuß ist die Voraussetzung Verlobung und! Heirat. Wie steht es damit? Es liegt doch die Kautions-- frage dazwischen?"

Allerdings. Ich habe mir auch noch nicht den Kopf zerbrochen, wie sie gelöst werden soll. Das überlasse ich Max. Er wird schon einen Ausweg finden. Er hat mir geschrieben, daß er mir heute wichtiges mitznteilen habe. Vielleicht handelt's sich um die Kaution."

Was soll er denn in Berlin?"

Er ist zu den Boxern kommandiert zur Zentral­turnanstalt."

Da gehört er auch hin. Er ist ein Krafthüber, physisch und moralisch."

Sprich doch nicht immer so verächtlich von ihm!"

Tini nahm Traute an den Kopf und küßte sie.Es ist nicht bös gemeint. Er ist ganz gewiß ein Ehrenmann. Aber siehst du, es gibt eine Sorte von Ehrenmännern- denen ich jeden liebenswürdigen Bummler vorziehe. Bor dem allzu Korrekten habe ich immer einen Greuel gehabt. Wovon sprecht ihr eigentlich, wenn ihr zu zweien seid? Ich kann mir gar nicht denken, daß dein Max auch einmal! verliebt quatschen kann."

Traute überlegte.Es ist wahr, das kann er nicht. Dalbern und kindisch sein, so ganz aus dem Häuschen in verliebter Laune, Verrücktes schwatzen und zwischen zwei Küssen einen dummen Witz machen: das verstand der Ueber­lingen. Aber der Max kann es nicht. Er ist viel zu ernst dazu. Deshalb glaube ich, daß ich recht gut zu ihm passe. Die Gegensätze ergänzen sich doch gewöhnlich."

JManchmal auch nicht. Neun du mich ehrlich fragst: ich hätte dir eilten anderen gewünscht. Einen Leichtsinn-^