744

fitnb Jubeln der TanzenLen zu Merivnen. Die Tanzenden itttte« stützten die Bläser durch das Mitsingen der Tanzmelodien. Man fragte sich: ob auch alle Rocken -abgespomteu worden seien!

Verschiedene Spinnstubenspässe wurden ausgeführt, bevor der Frühling kam und die Feldarbeiten ihren Anfang nahmen. Ein Hauptvergnügen war das Einsteigen oder Einschleichen in die Stuben der Mädchen während der Lausterstunde. Die Burschen schlichen in die Mädchenspiunstube oder stiegen durch die Fenster ein, wenn die Mädchen weggegangen waren. Die Einschleicher nahmen flugs alle Rocken weg und entfernten sich. Großes Ge­lächter entstand, wenn die Mädchen znrückkameu, lveil die nicht Weiterarbeiten konnten. Die Rocken mußten durch Geldspenden, die in die gemeinschaftliche Kasse flössen, eingelöst werden.

Wurden die eingestiegenen Burschen erwischt und gefangen, so mußten sie eine Buße zahlen.

Aehnliche Ueberraschungen werden durch das sogenannte T-opf- Umreißen und durch Pfefferreiben herbeigeführt.

Die Tage toerden länger, der Schnee schmilzt. Meise, Avises, Staar und Lerche lassen sich hören, der Storch erscheint. Die Spinnstubenarbeiten treten, zurück: die Tage, die den Anfang Und das Ende der Spinnstuben festlegen, sind in den Gebirgs- dörfern verschieden.

Wenn die Feldarbeit getan, oder frühzeitig Schneefall eintritt, wodurch dem Bauer Pflug und Karst aus der Hand genommen wird, beginnen die Hausarbeiten, mit ihnen die Spinnstuben. Lostage sind: Allerheiligen (1. November), Martinstag (10.,November), Katharinentag (25. November). Die Spinnstuben schließen im Frühjahr, wenn die Feldarbeiten beginnen; etwa Mitte März. Auf Gertrudentag (17. März) läuft die Maus am Spinnrad hinauf lunb beißt den Faden ab, tautet ein Sprichwort, womit gesagt sein soll: die Spinnarbeit ist beendigt, die Feldarbeit beginnt.

Die Spinnstubengesellschaften halten aber das ganze Jahr zusammen, besonders auch auf der Kirmes. Die Burschen wählen vielfach ihre Frauen unter den Mitgliedern ihrer M-ädchenspinn-- stuben.

Aus den Spinnstuben sind nach und Nach Strick- und Häkel- stuben geworden. Bitterböse Gassenhauer schleichen sich mehr und mehr bei den jungen Leuten ein; sie verdrängen leider die guten -Volkslieder.

Es läßt sich nicht bestreite», daß die Spinnstubengesellschaften die Hüter und Bewahrer der herrlichen deutschen Volkslieder, Volksmärchen und Volksrätsel, also auch des uralten germanischen Volkstums waren. Richtig überwacht und geleitet, können sie es auch im 20. Jahrhundert noch sein. Geschieht es nicht, so wird die alles gleichmachende Neuzeit die noch vorhandenen lieber«* hleibsel bald zum Verschwinden bringen.

(Fortsetzung folgt.)

vermischtes»

* Ko st bar e Scherben. Sachverständige inPorzellan-- Ifrageu" haben ausgerechnet, daß täglich im Deutschen Reiche mindestens 40005000 Geschirrstücke aus gutem Porzellan zer­brochen werden. Was für entsetzte Augen würden unsere Alt­vordern machen, wenn sie sehen müßten, wie alle hierbei ent­standenen Scherben ohne weiteres in den Müllkasten wandern! Als im neunten Jahrhundert die allerersten Stücke chinesischem Porzellans -durch orientalische Händler nach Europa gelangten, sah man in ihnen eine so große Kostbarkeit, daß man selbst Scherben dieses Stoffes ängstlich hütete und gleich Edelsteinen in Gold fassen ließ! Da erst das Jahr 1709 für Europa die Erfindung des Hartporzellans bringen sollte, hielt die Hochachtung vor jedem Porzellanschrank noch jahrhundertelang an. In den Schatzkammern europäischer Fürstlichkeiten bewahrte man neben den unv-ersehrtM auch die zerbrochenen Porzellangefäße sorgsam auf und führte sie beim Inventar gewissenhaft mit an. Natürlich strebte man aber danach, den Bruch nach Möglichkeit zu verhüten, und ließ darum die Porzellangeschirre in Gold und Silber fassen. Ein einfaches, weißes Porzellanbecken, das Isabella der Katholischen gehörte, wurde um das Jahr 1500 mit zweiundzwanzigkarätigem Gold-e im Gewicht von einer Mark und drei und einer halben Unze be­schlagen. -Die Goldfassung wäre nach unserer heutigen Berechnung rund 720 Mark wert gewesen, bedeutete für jene Zeiten also fast -em kleines Vermögen. Bei den damaligen gesalzenen Porzellan­preisen war -es natürlich eine aufregende Sache, mit dem zerbrech- lichen Stoffe zu hantieren, und der armeJubilierer", bei dem Ihn Jahre 1597 Gras Caspar von WrsteUberg ein paarpor--- solhnen Schalen mit Gold beschlagen" ließ, wird gewiß nicht >,jubiliert" haben, als er bei der Ablieferung eingestehen mußte, daß erdas eine Porsolan Drinckgeschirr unterwegs zerfallen",

* Ungemütliche Hausgenossen. Camille F l a m a - rion hat kürzlich prophezeit, daß wir in absehbarer Zeit Affen zähmen und zur Verrichtung von Hausarbeiten abrichten würden. Nicht jedem wird der Gedanke an einen solchen Hausgenossen an­genehm fein; die alten Römer aber gingen noch weiter. Seneea erzählt uns, daß in den Palästen der Cäsaren und der römischen Patrizier gezähmte Tiger, Löwen und Bären frei umherliefen. Domitian hatte einen Löwen, der so zahm war, daß er ihn mit

einem einfachen Winke von der Mahlzeit sortkoinmandieren konnte. Acinas behielt sogar die Nacht über seinen Löwen im Schlaf­zimmer. Heliogabal fuhr in einem Wagen aus, der bald von Löwen, bald von Tigern gezogen wurde; es war ein Haupt­vergnügen dieses freundlichen Wirtes, bei Festmahlen plötzlich seine Löwen und Leoparden in den Speifefaal zu rufen, zum begreif­lichen Entsetzen der Gäste. Und ebenso hielt er in Rom Schlangen und Nattern als Hausgenossen.

Küil ---------

* D er A erm ste.Kellege Dickmeher war schon dreimal im Zirkus, er sagt, er könne sich nicht satt sehen an den.dressiertest Kamelen."Ja, das ist begreiflich; es ist ein Stück aus seinem Leben."

vüchertisch.

Heine und die Frau. Ausgewählte BekenntnissÜ Und Betrachtungen des Dichters, zusammengefügt von Karl Vlanck, (Pandora, erster Baud.) Eugen Rentsch Verlag München. Viel­leicht erschöpft es doch nicht ganz die Sachlage, wenn wir immer! wieder Heinrich Heine die Fähigkeit, im Weibe etwas Höheres zst erblicken, schlechthin absprechen und in seiner Richtung bei aller Formschönheit neben der Verherrlichung von allerlei zweifelhafte!» Abenteuern nur das ständige Posieren mit längst verschmerztest Enttäuschungen bemerken wollen. Vielleicht läßt sich über der anscheinenden Zerrissenheit dieses Lebens und Fühlens doch noch eine höhere Welt aufrichten, die ihren verklarenden Schimmer auch über die allzu tiefen Schatten wirft, die Heines Bild im Gedächtnis vieler Menschen noch anhaften. Dies ist ohne etwas zu verbergen oder zu beschönigen- in diesem Buche ver­sucht worden.

Deutsche Kunst in Wort Und Farbe. Heraus- gegeben von Professor Dr. R. Graul. -Ein starker Band mit 94 farbigen Abbildungen. In Küustlereinband. Verlag vost E. A. Seemann in Leipzig. Nachdem der Verlag von E. M. Seemann in Leipzig vor 2 Jahren einen großen Erfolg mit' Philippis farbig illustrierter Geschichte der klassischen Knust er­rungen hatte, laßt er ihm soeben ein schönes Gegenstück folgen; Deutsche Kunst in Wort und Farbe, von Prof. Dr. R. Graul"« Dieses Buch, das die Entwicklung der deutschen Malerei von Füger, Runge und Friedrich bis auf Leibl und Klinger geschmackvoll und kenntnisreich erzählt, ist im Texte farbig illustriert. Mit Kunst- büchern, vollgespickt mit schwarzen Klischees, waren wir überfüttert: nachdem wir auf das wichtigste der ganzen Malerei, nämlich auf die Farbe, für die Buchillustrationen hatten verzichten müssen, kommt nun hier endlich eine moderne Kunstgeschichte, die Böcklin und Stuck, Waldmüller und Menzel, Lenbach und Liebermann» ja überhaupt alle Großen in fast 100 farbigen Abbildungen ver­anschaulicht. Grauls Deutsche Kunst in Wort und Farbe hat' jedenfalls in Plan und Form keinen Rivalen.

DerHessische Hausfreund für 1912. Mus derst Inhalt dieses 90. Jahrgangs dürfen wir hervorheben: Die reich illustrierte, interessant belehrende Jahresumschau; eine geschicht­liche -Erzählung und ein Familienbericht vom Feldzug in Ruß­land 1812 Unter Prinz Emil; ein Lebensbild König Friedrichs des Großen; aus der Schöpfung: die Ehrenrettung des Maul­wurfs; eine Nassauer Geschichte, wie -eine Edelfrau ihren trunk­liebenden Ritter kurierte; Deutschlands Kolonien. 5. Kaiser- Wilhelms-Land; Erinnerungen an Turnvater Jahn; Gelitten und erlöst, eine Trinkergeschichte; eine Darstellung der Neuerungen auf dem Gebiete der Reichsversicherung, nebst vielen kleinen Bei­trägen und Bildern.

Ureuz- und Huer-Rötsel.

1 2

3 4

1 2 nennt einen grimmen Recken dir, Von dem uralte Sagen viel berichten;

1 3 ein allbeliebtes flinkes Tier, Weiß mit dem Zahn viel Schaden anzurichten.

3 2 ein heiliges Geleit für den, Der aus dem Elternhause iortgezogen; Wer mutig unter 3 und 4 will gehn, Dars nicht nach Wettern fragen und nach Wogen. Durch 1 und 4 wird oft im Augenblick All unsre Hoffnung, unser Glück begraben.

Kennst du 4 3 ? Nach Oesterreich lenke den Blick, Schau, was die Mücken dort für Namen haben.

Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung des Arithrnogriphs in voriger Nummer: Theodor Rose Jod Petersilie Ohio Lotto Joel Stoer.

Tripolis.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.