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Ms er absetzt, meint er: „Jilka! eigentlich mir fitr Schwachmatikusse. Abers schmeckt anch. Mill-Lore, du bist 'ne Seele. Und dicht neben ihr läßt er sich in den trunkenen Staub fallen, daß eine Wolke um sie beide aufsteigt. „So wahr ich viümer heiße und kunstsinnige Menschen mir Roland benams«!! M ist was Gemeinsames zwischen uns! Ne sozusagen wte Kinderstube. Erzähle doch mal was aus dein'm geehrten Leben, Madame Lore.
„Nein!" Sie schiebt das schwarze Wolltuch aus der Stirn und ihr pockennarbiges Gesicht verlieht sich: „Nein!"
„Tenn nich! Was mir betrifft, so erinnere ich mich mit Vergnügen daran, daß mein Vater ein Röntieh war. Recht gedehnt muß mans aussprechen. Un wenn ich Dativ unb Akkusativ verwechsle, is mein Privatvergnügen, damit lck'n Berliner mraus- beiße. „Als Sie jung waren, da war'n Sie wohl auch nett und fein" heißt's doch im Couplet!"
„Ja!" sagt sie.
„Also! Un' man immer so druff. Was?"
„Ja!"
„Un denn — na, dazu brauch ich kein Professor zNm Auslegen — hast du da die Krankheit gekriegt, die immer 'ne Visitenkarte hinterläßt — als wie mit'in Gesicht uff'nt Rohrstuhl gesessen. Pocken!"
Sie steht auf und nimmt die Hacke.
„Lore, Jnädige," sagt der'Mann. „Dieser Millhaufeu kann unser Lebcusglück umschließen. Was können wir Nich alles Nnoen ? Ich sch von reellen Goldstücken, tote sie mein Vater, der Rontieh, hatte, ab. Aber Schmuck und was sonst! Ran an die ,Arbeit! Un' noch'u Schluck vorher kann nich' schaden."
„Es wird ehrlich geteilt!"
„Natürlich!" sagt er, „vorerst der Jilka!"
Ihre Hacken machte ein pickendes Geräusch, der Staub zwingt zum Husten. Wenn sie etwas Brauchbares finden, nnzerbrochenes Porzellan, Konservenbüchsen, Holzstiele, Pappgegenstände, fliegt es in Kiepe und Butte, oder wird sorgsam eingetan. Sie sprechen nicht. Wenn die Frau ausruht, sucht ihr Blick erst die Ferne und dann die Wolken. o ,, .. ,, ,
Plötzlich huscht etwas um die Ecke; Lorette steP cmf. Schlenkernde Kinderbeinchen, halb bloß, Mit weitzen Strümpfen und gelben Schuhen, ein blaues Röckchen, eine Ma/kosenblusemit freiem Hals, um den braune Locken tanzen, em keckes Mützchen.
„Husch! hui! husch!"
Die Kleine ist sicher ihrer Hüterin weggelaufen, hat den schützenden Wall zum Versteck ausersehen Ihr« blauen Augen lachen. Und jetzt kauert sie unbesorgt nieder, drückt ihre Puppe an die Brust uud singt:
„Buko von Halberstadt
Bring doch usen Kinneken wat!"
Der Roland hebt sich aus seiner gebückten Stellung. .
„So was, nee, so was!", aber es ist Verwunderung tn dem
Die Mill-Lore richtet sich in demselben Augenblick auf. ^n ihren Zügen ist es wie Erschrecken.
„Wat fall et em denn bringen?" fragt die frische Kinderstimme in die Lust hinein.
Nee nu," sagt der Mann, „seh einer die Jöhre! Fürcht >nch nich'"vor ihr un1' vor mir. Aber 'ne Berlinsche ls es mch, wat V kauderwelscht je da rn-an?"
Buko von Halberstadt.
Skizze von G. Vely (Berlin).
(Nachdruck verboten.)
„PaNleken sei artig, sonst kommt de olle Hexe uht’ haut dir!" „Die da?"
„Ja, die!"
Sie weiß, daß es ihr gilt, das Drohen der sauber ungezogenen Fran aus dem Volke, und das furchtsame Sittern der Stimme des Jungen, der' nicht gehorchen wollte. Jetzt ist er folgsam zu seiner Mutter gelaufen. Die fuhrt ihn nach einer der weiß- angestrichenen Bänke des Bayrischen Platzes, wo die Herbstblumen in greller Pracht stehen und die Wasser in Steinbecken rauschen. Sie hat ihn umschlichen mit ihrer Trage auf dem Rücken und einer krummen Hacke, die klirrend auf den Boden stößt. Weit hinaus will sie, den unbebauten Landstücken zu, wo rechts sich Laubenkolonien ausdehnen und links Abladeplätze sind für Müll, den man in die Vertiefungen senkt. Da ist ihr Arbeitsfeld feit gestern. Biele haben es noch nicht entdeckt. Der „Mill-Roland" hat sie hingewiesen. Sie wissen wohl, daß das Volk die zwischen dem Kehricht Herumgrabeuden spottend Naturforscher nennt. „De Mill- schippe", sagt Roland, „is unser Berufszeichen".
Sie schreitet rüstig aus. Forsch ist sie ja noch zu Zeiten, Aber die gutgekleideten Menschen haßt sie — weil sie auch einmal zu ihnen gehörte. Die hohen Häuser sind schon weit hinter ihr geblieben, der Blick ivird frei in die Ebene. Wie Kohlrüben werden natürlich auch hier bald Bauten schießen. . .
Das Ausschauen in die Ferne und auf zu den Wolken, hat sie von klein auf geliebt. Von der Laubenkolonie, die eine vornehme ist, denn die Grundstücke sind dort hübsch angelegt und groß, schallen Stimmen herüber, Kinderjauchzen, wehen Flaggen, schimmert -es bunt. Eine Glaskugel, wahrhaftig, wie eine in ihrem Elterngarten stand, gewahrt sie auch, und Stockrosen und Sonnenblumen. O, was sie für eilten Jux hatten, wenn in der Glaskugel sich die Gesichter so rund widerspiegelten! Sie tut einen tiefen Atemzug und bückt sich nach einem Stein. Wenn sie den wirft, geht die ganze Herrlichkeit in Scherben — klirr! Wie die, ■ die sie mal erlebte. Mer sie läßt ihn wieder fallen und springt über ein Loch, und schlägt die Richtung nach einer Müllwand ein, die sich seit gestern wieder erhoben, setzt ihre Kiepe ab Und läßt sich aus den Trümmern einer Kiste nieder.
„Scherben," sagt sie. „Mir es viel in Scherben gegangen. Was is da eigentlich schuld gewesen?"
Wolkenrosse jagen am Himmel. Unbändig ist |te auch durchs Leben gejagt. Draufgehauen, immer draufgehauen!
Ms sie la belle Laurette war, gab ihr ihr Graf so viel Schmuck und schöne Kleider, daß sie die bet ganzen Sipplchast auf dem Bayrischen Platz damit hätte aufkausen können. Und mit dem, was sie in Monaco verspielt hat, würde beinahe einer der Umstehenden Mietspaläste erbaut sein. Jetzt fürchten sich Kerne Kinder vor ihr, und sie ist doch so viel «verehrt Uich geliebt worden.
„Na, Kollejin!", hinter dem Wall kriecht der Roland hervor und reckt sich, uiid steht groß und lang da, seine'Holzbutte vor sich, wie einen Schild, und feine Hacke schultert er dazu. Dieser Pofe dankt er feinen Beinamen, „Scheenste der Frauen, Wort ge- bdltnt
Sie nickt und faßt in die innere Tasche ihr« braunen, scWigen Jacke, und zieht eine Masche hervor. „Weil ich selber Noch ganz Nüchtern M! KM! .Und nu Ml"


