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Thomas wakbotts Familienleben, Brautfahrt und Hochzeit.

Bon Gg. Schäfer.

(Fortsetzung uns Nr. 184.)

2. Kapitel.

Neujahr. Trau er fall. Fastnacht.

Spinn st übens chl utz.

Tie Weihnachtsfeiertage verliefen ruhig in RotbmkM- Nur die Kinder werden mit Geschenken: Backwerk, Obst und Misten bedacht, wie anderwärts. Auch ein Tannmbaumchen wurde ge­putzt, aber nicht überall. Nach den Feiertagen begann lofortl wieder das Ausdreschcn der Früchte mit größtem Elfer, weü dle Fruchtpreise stiegen. Die Burschenspmnsyihen*) Pflegen »wstchen den Jahren die Mädchenspinnstuben einzuladen m der üegei , auf Sulvesterabend; aber nicht zum Spinnen, sondern zu einer I kleinen Lustbarkeit. Bleigießen, Wergverbrennen und dergleichen konimen am Sylvesterabend nicht vor, dien Unterhaltung tvurde auf Pauli Belehr (25. Januar) verschoben., Tie Mädchen mußten zu der Lustbarkeit abgeholt werden, sonst kamen sie nicht. ,

Zunächst wurde Krambambuli gebraut in der Werse, daß eine große Schussel mit Branntwein gefüllt und in Brand gesetzt wurde. Ueber die Schüssel legte man eiserne Drähte; auf diese kam Zucker, der durch die Hitze schmolz und w die Flüssigkeit tropfte. Während der Trank gebraut wurde, machte sich Hansadain Stern noch einmal an die Bärbel Blaut heran.

Tu weißt Bärbel, daß ich dich gern hab," sprach er eitv> dringlich.Mein Werk, Schiff und Geschirr, sind größer als deins. Was wollen denn deine Leut? Glauben sie vielleicht, es kam ein Baron vierspännig angefahren und tat sich-die Bärbel holen f I Bleiben gelassen, da kannst du lang warten. Wir passen W I summen, du gefällst mir, wir wollen zusammenhalten/ IMeine Leut tuns nicht," antwortete Bärbel ärgerlich;

I widersetze mich nicht und und du gefällst mir auch nicht.

*) Bor Jahren, als düs Geld var unb die Nebenverdienste I knapp waren, spannen Männer und Burschen Flachs und Wolle

I mit großem Fleiß. Dadurch entstandeir mich Männer- uns | Burfchenstzinnstuben,

XI.

Der Mte schien sich, seit ich ihn zuletzt gesehen, auf seltsame Weise verändert zu habens Er sah argwöhnisch und verändert aus, seine blühenden Wangen waren tief gerötet und seine ersten Worte, als er mich anordnete, mir vollkommen unverständlich.

Wo sind die Schlüssel? ftug er. Haben Sie ste ge- nommen?e Eissel? ftug ich. Ich komme in diesem Augen­blicke aus Knowlesbury zurück. Bon welchen Schlüsseln sprechen Sie? , _ r

Die Schlüssel zur Sakristei. Der Herr erbarme sich unser! Was soll ich machen? Die Schlussel sind fort! Hören Sie wohl? schrie der alte Männ, rn seiner Ans- regung die Laterne gegen mich schüttelnd, die Schlnffell sind fort! r , n

Wie? Wann? Wer kann sie genommen haben?

Ich weiß nicht, sagte der Küster, in der Finsternis wild um sich stierend. Ich bin eben erst wieder nach Hause gekommen. Ich verschloß die Tür, und das Fenster eben­falls - und jetzt ist es offen - das Fenster ist offen Sehen Sie! Es ist jemand hineingestiegen und hat die Schlüssel, genommen! _ ,

Er wandte sich dabei nach dem Fenster zu. um mir zu zeigen, daß es offen war. Das Türchen der Laterne öffnete sich, als er es schwenkte, und der Luftzug bltev das Siebt ,

Holen Sie sich schnell ein anderes Licht, rief ich, und lassen Sie uns dann zusammen nach der Sakristei eilen. Schnell! schnell! . ..

Ich trieb ihn ins Haus. Der Anschlag, den ich alle Ursache hatte zu erwarten, und der mich jedes Borteils berauben konnte, den ich bisher gewonnen^wurde vi ll eicht I in diesem Augenblicke schon ausgeführt. Meine Ungeduld, I nach der Kirche zu kommen, war so groß, daß ich, wahrend der Küster nach Licht suchte, nicht untang in der Hütte bleiben konnte. Ich ging den Gartensteig entlang auf die Straße hinunter. Ehe ich noch zehn Schritte gegangen war, kam mir ein Mann von der Kirche her entgegen. Er redete mich achtungvoll an, als er mi rnäher cam. 1 Ich konnte sein Gesicht nicht sehen; doch nach der Stimme I allein zu urteilen, war er mir gänzlich fremd.

(Fortjetzung folgt.)

Tfiitme, während mein Gehirn sich im* 1 Wirbel drehte und mein Blut in Fieberhitze durch meine Adern bW

Es fing eben an dunkel zu werden. Mir kam der Ge- I danke, daß man mich vielleicht auf der Landstraße abermals I belauern und angreifen werde.

Mein Spazierstock war nur schwach und daher als Ber- I i teidigungswaffe von wenig oder gar keinem Nutzen, ^ch ! ging, ehe ich Knowlesbury verließ, in einen Kaufladen I und versah mich mit einem starken Landkmttel, der ziem- I lich kurz und am Kopfende gewichtig war- Mit dieser ein­fachen Waffe war ich jedem einzelnen Wanne, der mich angreifen mochte, gewachsen. Falls mehr ass einer kamen, ! so konnte ich mich auf die Schnelligkeit meiner Leine ver- I lassen. In meiner Schulzeit war ich ein berühmter Lauser gewesen, und es hatte mir seitdem, namentlich wahrend I meiner vielfachen Abenteuer in Zentralamerika, nicht an Uebung gefehlt. _

Ich verließ die Stadt mit schnellen Schritten und hielt I mich in der Witte des Weges.

Es fiel ein nebelartiger dünner Staubregen, und es war mir deshalb während der ersten Halste des Weges un­möglich, zu entdecken, ob ich verfolgt werde oder nicht. AS I ich aber auf der letzten Hälfte angelvugt und mich etwa zwei Weilen von der Kirche entfernt wähnte, sah ich einen Mann im Regen an mir vorbeilaufen und hörte dann ein Feldpförtchen am Wege heftig zuschlag.m. ^ch fetzte meinen Weg gerade fort, wobei ich meinen Knittel zur Ver- I teidigung bereit hielt und mit Ohren und Augen die Finster­nis zu durchdringen mich anstrengte. Ehe ich noch stundet I Meter weiter geschritten, rauschce es in dem, Gesträuche I zu meiner Rechten, und drei Wanner stürzten m den Weg h Ich sprang augenblicklich zur Seite auf den Fußpfad I hinauf. Die beiden ersten Männer wurden durch die Gewalt ihres Sprunges an mir vorbei getrieben; der dritte war schnell wie der Bitz. Er stand stist, wandte sich^ halb I um und schlug mit seinem Stocke nach mir. Der Schlag geschah aufs Geratewohl und war kein sehr schmerzhafter; er fiel auf meine linke Schulter. Ich gab ihn ihm verstärkt I auf den KVpf zurück. Er taumelte und fiel gegen seine beiden Gefährten, gerade als diese auf wich losfahren woll­ten. Dieser Umstand gab mir einen augenblicklichem Vorwitz Ich schlüpfte an ihnen vorüber wieder in die Mitte des Weges hinein und rannte davon, so schnell, wie meine Fuße mich nur tragen wollten. ,,

Die beiden Unverletzten verfolgten mich. Sie waren beide gute Läufer, der Weg glatt und eben, und wahrend der ersten fünf Minuten war ich mir bewußt, daß ich die Entfernung zwischen mir und ihnen nicht vergrößerte. Es war eine gefährliche Sache, lange in der Duncelheil dahin zu rennen. Ich konnte kaum die undeutliche schwarze Linie der Hecken zu beiden Seiten unterscheiden, und das ge­ringste Hindernis auf dem Wege hatte mich ohne Fehl niederaeworfen. Bald fühlte ich, daß der Boden sich ver­änderte: bei einer Biegung ging er abwärts und fing dann wieder an aufwärts zu steigen. Bergab kamen die Männer mir etwas näher, aber sowie es bergan ging, ließ ich sie bedeutend hinter mir zurück. Das rasche regelmäßige Stampfen ihrer Füße fiel immer schwächer an mein Ohr, unb ich berechnete nach dem Klange, daß ich jetzt weit genug von ihnen sei, um in das Feld zu laufen, wobei ich dann Hoffnung hatte, daß sie in der Dunkelheit an mir vorbei­lau en würden. Auf den Fußpfad springend eilte ich auf die erste lichte Stelle in der Hecke los, die ich mehr emat als sah; sie steltte sich als eine verschlossene Pforte heraus. Ich schwang mich hinüber und lief, im Felde angelangt, im gemessenen Trabe, mit dem Rücken der Landstraße zu­gewandt, darüber hin. Ich hörte die Manner an dem Pförtchen vorüberrennen dann, eme Minute spater, tote der eine den andern zurückries. Es war nur jedoch einerlei, was sie jetzt taten, denn ick) befand mich bereiS außer ihrem Bereiche. Ich lief geradenwegs über das Feld hin, und am entgegengesetzten Ende angelangt, stand ich einen Augenblick stille, um wieder zu Atem zu kommen.

Es war unmöglich, mich auf die Landstraße zuruckzu- wagen; dennoch aber war ich fest entschlossen, diesen Abend noch nach Altwelmingham zurückzukehren.

Weder Mond noch Sterne ließen sich blicken, um Mir jit k^cht» Regen im Rücken eilte ich die Felder dahin, nnd so sand ich plötzlich den Men Pförtner wieder.