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Die Rassenveränderung der Nordamerikaner.
Schon vor mehr als 10 Jahren wurde von angesehenen Gelehrten die Behauptung aufgestellt, daß die Rasseneigentümlichkeiten der in Nordamerika Einwandernden ebenso tote der dort Geborenen im Laufe weniger Generationen eine tief eingreifende Abänderung in deut Sinne erführen, daß fte den aussterbenden Jndianerstämmen immer ähnlicher würden. Man hat diese Behauptung, die in einiger Uebertrerbung darauf hinausläuft, daß drüben in der Union ein neues Volk von Rothäuten im Entstehen begriffen sei, verspottet, obwohl vereinzelte Stimmen darauf hinwiesen, daß bei der neuen Generation eine auffällige Zunahme der Körpergröße auf Kosten der Breite und eine Umgestaltung der Schädelform unverkennbar sei.
Der aus Deutschland stammende Anthropologe Prof. Franz Boas von der Columbia-Universität (Neuyork) hat im Auftrage der Einwanderungskommifsion an einem umfangreichen Menschenmaterial die Frage nach der Veränderung der körperlichen Merkmale der Einwandernden und ihrer Nachkommenschaft studiert und kommt zu dem Ergebnis, daß auch dann, wenn keine Blutvermischung zwischen Angehörigen verschiedener europäischen Nationen stattstndet, sehr schnell neue Rassemerkmale auftauchen und alte verschwinden, die nach der bisherigen Lehre der Anthropologie für unabänderlich angesehen wurden. Nach seinen in einer offiziellen Regierungsdenkschrift erschienenen Mitteilungen zeigen dre in Amerika geborenen Kinder von aus der alten Welt stammenden Eltern schon in den frühesten Lebensjahren deutlich erkennbare Abweichungen vom Typus ihrer Vorfahren. Die im allgemeinen rundköpfigen russischen Juden setzen eine langköpfige Nachkommenschaft in die Welt, während die aus- gesprochen langköpfigen Südeuropäer (Griechen, Spanier, namentlich aber Italiener) in Amerika Kinder zeugen, die etwas von der Langköpfigkeit einbüßen, so daß sich die Schädelformen einem Mittelwerte nähern, den man als ein von der Natur nach unabänderlichen, noch nicht erkannten Ursachen diktiertes Kompromiß bezeichnen kann. Ebenso unverkennbar ist auch die Abnahme der Behaarung und die Zunahme von Defekten im Gebiß, auf die übrigens auch schon vor langen Jahren hingewiesen wurde. Auch die schärfere Modellierung des Gesichtsprofils unter Hervorhebung der Nase scheint ein unvermeidliches morphologisches Gesetz zu sein, das die Natur Amerikas über die Nachkommenschaft der Eingewanderten verhängt. — Bestätigen sich die Forschungen von Boas in vollem Umsange, so muß die anthropologische Wissenschaft ihr wichtiges Gesetz von der somatischen Unabänderlichkeit der Menschenrassen opfern, das ohnehin mit der darwinistischen Entwicklungslehre nicht recht in Einklang zu bringen ist. Die Völker tragen dann nicht mehr ihre körperlichen Eigentümlichkeiten als unveräußerlichen Besitz durch die Jahrtausende, sondern sind Kinder des von ihnen bewohnten Erdbodens, der ihnen vielleicht auch eine neue geistige Eigenart ausprägt. Dann gerät aber auch die ost mißbrauchte Lehre Gobineaus von dem geistigen Wert und Unwert der Nationen bedenklich ins Schwanken.
verinrsehtes.
* Die Frau in der m o d e rn en Türk ei. Die türkischen Frauen haben an den Reformbestrebungen, die durch die Jungtürken angestrebt und siegreich durchgeführt würde», einen bedeutenden Anteit gehabt; sie dienten unter dem Schutze ihrer Schleier als Spione und geheime Botfchaiter, sie haben in den einzelnen Familien ihren Einfluß für die Sache der Reform nach Möglichkeit geltend gemacht. Als nun im oltoinanischen Reich eine liberalere Aera anbrach und in so vielen Dingen freiere Formen durchgeführt wurden, da glaubten auch die Frauen, daß sie nun an der politischen Emanzipation teilnehmen dürften; sie träumten davon, nicht nur französische Toiletten zu tragen, sondern wie die zivilisierte Europäerin leben zu dürfen. Aber sie haben sich darin, wie E. P. Stevens in der Contemporary Review ausführt, arg getäuscht. Tie neue Regierung zeigte sich der Frauenemanzipation durchaus nicht günstig, befahl, daß der Schleier vom weiblichen Geschlecht weiter getragen, daß die alten Sitten und Gebräuche streng beobachtet würden. Die Jungtürken zeigten sich
Reformen in der Frauenfrage gegenüber ebenso wenig geneigt wie die Alttürken. Nach der ersten großen Enttäuschung^haben nun die Türkinnen angefangen zu begreifen, daß sie sich ihre Selbständigkeit auf einem anderen Wege als mit obrigkeitlicher Erlaubnis verschaffen müssen, nämlich durch bessere Erziehung und Hebung der allgemeinen Bildung. So sind denn zahlreiche Mädchenschulen eingerichtet worden, um deren Gründung sich besonders der Konstantinopeler Kammerpräsident Achined Riza und seine Schwester Selma Riza Hanum verdient gemacht haben. Zum Vorbild wurden die französischen Mädchenlyzeen genonunen. Achmed Riza vertritt die Anschauung, daß die höhere Bildung der Frau durchaus nicht den Lehren Mohammeds und dein Koran widerspricht und er veriveist darauf, daß in früheren Zeiten eine große Anzahl türkischer Frauen sich am öffentlichen Leben beteiligt habe und daß das weibliche Geschlecht besonders in der Rechtswissenschaft früher glänzende Erfolge errungen hat.
* Punkt. Wie »rauche Tiere plötzlich in ganz ungewöhnlichen Mengen auftreten, sich air die Stelle anderer drängen und diese für kürzere oder längere Zeit, ja zuweilen für immer besetzt halten, so tauchen auch oft Wörter aus einem befcheideneir Däfern auf und überwuchern die anderen in unerhörter Werse. Meist ist diese Erscheinung auf gewisse Leute oder auf gewisse Kreise beschrankt., Biele Menschen haben solche Leibwörter, und von Goethe ist es za allgemein bekannt, wie oft er „bedeutend" sagt, wo ebenso gut oder besser ein anderes Wort stünde. Vor einigen Jahren konnte bet Studenten „die Kiste" so ziernlich für jedes aridere Hauptwort gebraucht werden. Man legte sich in die Kiste statt tu § Sett, fragte, was die Kiste (die Sache, die Ware) koste, warf die Kiste (den Krempel) zum Fenster hinaus rrsw. Wie diese Wörter örtlich beschränkt bleiben, so sinken sie auch gewöhnlich bald wieder am die ihnen gebührende Stufe hiirab. Andere dagegen breiten sich überall hin aus in Schrift und Rede, und auch die Zeit scheint ihnen keine Schranke zu setzen. Zu diesen Wuchergewachsen gehört „Punkt, soivohl für sich als in feinen zahllosen Zusammensetzungen. In Versammlungen werden die verschiedeiren Punkte (Gegenstände, Anträge, Fragen, Abschnitte, Sachen) der Tagniig behandelt, oder die Tagesordnung wird Punkt für Punkt (Stück für Stlict) durch- genomnien. Dabei ergeben sich viele Streitpunkte (Streitigkeiten), weil im Punkte des Rechthabens keiner zurückstehen will (weil jeder recht haben will). Oft schweift die Erörterung vom fpringenden Punkt (von der Hauptsache) ab und verliert sich in Nebenpunkteil (Nebendingen). Zu den Glanzpunkten (glänzendsten Leistungen) gehören gewöhnlich die Reden, in denen iviinde Punkte (bebentlidie Zustände) zur Sprache kommen; doch wird in diesem Punkt (m dieser Beziehung, Hinsicht) des Guten leicht zu viel getan, besonders wenn der Redner einen extremen Standpunkt einmmmt (eine überspannte Ansicht vertritt) oder voit einem verkehrten Gesichtspunkt (einer verkehrten Ansicht) ausgeht. — Man steht Pinikt (Schlag) sechs auf, ist auf dem Punkt (im Begriff) etwas zu tun rind begibt sich nach einem Aussichtspunkt (einer Aussicht). Man sagt: bet Schmelzpunkt des Eises liegt bei 0 Grad, ohne zu bedenken, daß hier eigentlich Punkt und Grad dasselbe bedeuten. Man rotQ nber gar nicht sagen, daß die Schrnelzstelle des Eises bei der Nullsielle loder -stufe des Thermometers) liegt, sondern daß das Eis schmust, wenn ein in ihm steckendes Thermometer auf 0 zeigt. Dies wird richtiger dadurch ausgedrttckt, daß man sagt: Eis schmilzt bet Aull; ebenso: Wasser siedet bei Hundert. — Es wäre leicht, dre Zahl der Beispiele zu häufen. Allein dies ivürde ermüde», i»rd es kann ja artch jeder bei einiger Aufmerksamkeit genug davoit finde». Besonders aber sollte er daraus achte», daß sich ihm der „Punkt" nicht überall hineittdränge. Wenn dieser Wunsch erfltllt würde, dann wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht. Und damit: Punktum (Schluß)! Bender (München.)
* Anzüglich. „Der Gedankenleser Gumberlaub wird nächstens in rinserm Klub eilte Sitzung abhalten." —„Na, da wird er nicht viel zu tun finden!"
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer Auch die besten Menschen haben ihre Fehler.
Redaktion : I. V.: E. Heß. — Rotalionsdriick und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieb»'U


