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rücken.
*
war
nur uns eut-
Da lachte Hans. „Hör nur die Krähe drüben!. So schön hast auch du nur gesungen. Ich habe die Schlitten-- glocken aber Neber. Die bringen rhythmischen Klang, die
bringen Melodie ins Leben."
Da stand der Assessor auf und nahm seines Freundes Hand. „Du sollst mich nicht falsch verstehen. Ich will dir keine Hoffnungen zerstören, nur hat eine Krähe, will scheinen, nicht'ohne Grund ihre mißtönende Kehle, die aufhorchen läßt, wenn Schlittenglocken uns der Welt
Nach Tisch, als auch schon der Kaffee abgetragen und Lotte auf ihr Zimmer gegangen, ihre Geschenke für den Abend bereit zu machen, wurde die Unterhaltung der beiden Eltern ein wenig stürmisch. Bis der Vater abwiegelte.
„Na nu laß gut. sein, Frauchen. Wie das mit, dem Musiker, dem Hartungg, und unserer Lotte steht, wollen wir nicht weiter untersuchen."
„Und ich werde das wohl untersuchen."
„Dann wirst du eben erfahren, daß sie sich nicht so ganz fremd sind. Jedenfalls, wenn du eine Annäherung der beiden nicht wünschtest, hättest du ihn nicht so an dich heran- ziehen sollen. Wei deiner eigenen Musikschwärmerei bist du, scheint es, ein bißchen blind gewesen."
„Warum hast du mich denn nicht eher darauf gestoßen als gerade heute, jetzt, am Heiligen Abend! Ich Hütte ihn dann doch nicht eingeladen."
„Wer bestes Frauchen, wußte ich denn, daß du nichts sahst? Ich meinte, du seiest damit einverstanden."
„Ich verstehe dich nicht, Eberhard. Du konntest doch nicht denken, daß ich einem Künstler unsere Lotte geben
wollte!"
„Zuerst war ich ja auch ein bißchen verwundert. Aber du weißt, ich rede dir in solche Dinge nicht hinein. Und dann sah ich mir den Kerl einmal ein. bißchen näher an. Und ich muß sagen, er gefiel mir. Schon seine äußere Emballage. Nichts so Geschniegeltes und Gebügeltes und auch nichts Saloppes. Keine wallende Löwenmähne, keine webenden Schlipse. Da sagte ich mir, der Kerl scheint seine Arbeit richtig, von innen aufzusassen. Und dann hat er ein paar klare, lustige Augen, nicht solche schmacht-schmal- zigen. Vielleicht steckt auch ein menschlich tüchtiger Kern in ihm, von dem wir heute etwas zu sehen bekommen."
„Eberhard, ich verbiete dir, das Thema weiter auszuspinnen."
„Wer ich gehorche ja schon, Frauchen. Ich versuche doch bloß, allem, was du tust, die beste Seite abzugewinnen. Uebrigens sehe ich den Herrn Musikus eben die Allee heraufkommen. Nimm ihn dir also zum Biaumausputzen, wie du es vorgesehen." '
Sie wehrte mit beiden .Händen ab. „Nicht, nur jetzt nicht! Ms zum Abend werde ich mich wohl wieder beisammen haben. Ich schicke ihn einstweilen dir."
„Schön. Auch das, mein Kind. Nur lasse uns gleich zwei Tulpchen Grog mit reinbringen."
Und der Grog kam bald, und vorher war schon der Musikus Hans Hartungg gekommen, und die beiden hatten sich mit kräftigem Händedruck begrüßt. Nun saßen sie am Karnin, jeder in einem tiefen altmodischen Ledersessel. Der Grog stand auf kleinen Tischchen neben ihnen.
„Ich habe mir gedacht," begann der Hausherr, „daß sie nach dem Marsch in dem klaren Frost einen warmen Trunk nicht verschmähen werden und habe darum gleich vorgesorgt."
Der Junge hob das Glas und dankte und trank.
Und der Hausherr sah ihn sich scharf an und sagte: „Sie kommen mir eigentlich nicht gerade sestfreudig ge- enrnt vor. Man sollte doch meinen, so ein Heiliger end..."
„Sie haben recht, Herr Stockhausen. Aber ich werde es schon noch werden und bitte um Vergebung, wenn es mir anzumerken war. Nur knüpfen sich gerade an diesen Tag für mich nicht immer freudige Erinnerungen! Gestern war ich noch froh im Gedanken des heutigen Tages. Nun er da ist — Ach, es geht so vieles quer im Leben."
„Wenn nur der Mut nicht sinkt," warf der Hausherr ein.
„Ja, Blut, Schaffenskraft und! Frohsinn, Sie haben recht, das sind die drei Verbündeten, mit denen man das Leben meistern. kann. Ich habe es erprobt."
„Wenn es nicht aufdringlich erscheint, hörte ich wohl einmal davon."
„Ich danke Ihnen für den Wunsch." Und Hans Hartungg sann ein Weilchen nach uiid fing dann an.
„Ich hatte im Herbst das Gymnasium absolviert, als am Weihnachtsabend mein Vater starb. Als Erbe hinterließ er mir die Liebe zur Musik, in der er mich gefördert soweit seine eigenen Kräfte es vermochten. Er war ein kleiner Beamter gewesen, und für meine arme Mutter blieb nichts wie die karge Witwenpension. Was aus mir werden sollte, da muhte 'ich selbst zusehen. Die Musik jedenfalls! hieß es einstweilen aufstecken und fürs nackte Leben sorgen. Als Hauslehrer begann ich. Es waren nicht immer gute Zeiten, aber sie gaben mir Muße, den Weg zu suchen, der mich vorwärts bringen sollte. Ich will nicht auf alles eingehen, will es überschlagen, wie ich vom Lande nach der Großstadt drängte, um Gelegenheit zu haben, mich in freien Stunden forlzubilden, wie mich das Schicksal immer wieder vertrieb, als Kellner, als Gelegenheitsarbeiter, unters Militär, ins Kohlenrevier, wie ich nur immer unter dem einen Wunsch fieberte: die gute Mutter sollte es erleben, daß ich mich durchsetzte mir dem väterlichen Talent. Ich hatte Glück, ich fand nach Jahren einen Gönner, einen Förderer meiner Kunst, ich hatte die Nacht zum Tag dazu gezählt und stand nach schweren Zeiten vor der Aufführung meiner ersten Klavierkonzerte: da nahm mir der Tod die gute Mutter.
Auch das war ein Weihnachtsabend. Sie hat meinen ersten Erfolg nicht erlebt. Ich hab's verwinden müssen und bin wieder froh geworden in der Arbeit. Die hat mich Weiter gebracht von Stufe zu Stufe. Und als mir gestern Ihre Gattin von einer Frau sprach, die ich mir nehmen müßte, da wars, als stieg ein neues Glück vor mir aus, als sollte es auch einmal für mich einen Heiligen Abend geben. Aber es war nur eine blinkende Seifenblase, die zerplatzte."
Hans schwieg, und der Hausherr räusperte sich und trank schnell von seinem Grog. Ein ganz eigenes Gefühl stieg in ihm auf und der unbezwingbare Wunsch, dem da drüben aus die Schulter zu llopfen: „Junge, Junge, du bist ja ein Prachtkerl! Wenn nur die Alte hier dabeigesessen hätte."
„Ich bade ja eigentlich nie daran gedacht", schloß .Hans seine Beichte, ,chaß wir Künstler nicht als bodenständige Menschen gelten, daß wir wurzellos sind, daß andere Gesell- schastskrei>e uns nur in unserer Leistung schätzen, uns als Menschen aber außerhalb ihrer Sphäre setzen. .Ich bin nun wohl ein reichshauptstäd'tischer Operndirigent seit heute, aber was ich sonst bin. . .?"
Nun hielt es den Hausherrn nicht länger: „Himmel, Donnerlittchen, Hartungg, nun sein Sie aber still! Das ist ja barer Unsinn, was Sie da. reden. Nicht Titel und Stand, hier ist der .Manneswert!" Und er schlug sich auf die .Brust. „Und nun warten Sie, ich muß meine Alte holen."
Er verschwand hinter der weißgestrichenen Tür. .Hans war eigentlich alles ein wenig traumhaft. Er hatte sichs in der Nacht überlegt gehabt, er wollte überhaupt nichts sagen. Und nun hatte er es doch so halb angedeutet, und des Assessors Worte wirkten in einem bitteren Schlußsatz nach.
Ihm war es auch so halb wie im Traume, als die Hausfrau nach einer geraumen Weile vor ihm stand und ihm warm und herzlich die Hand drückte: „Ich bin in Ihrer Schuld, Herr Hartungg, ich hübe hinter jener Tür da gehört, was Sie gesprochen. Aber ich hoffe mich bald aus Ihrer Schuld loszukansen. Mein Mann ist schon im Zimmer, die Lichter am Ehristbaium zu entzünden."
Und dann wurde es lvie im Märchen. Der kleine Ainsik- salon öffnete sich, und Mdelduft strömte herein und bad' trauliche, warme Licht der Weihnachtskerzen. Und der Hausherr stand feierlich im schwarzen Rock, und die Hausfrau ging zum Flügel und spielte das Weihelied der stillen Nacht. Und als die Töne verklungen waren, .fühlte er sich von zwei weichen, lieben Mädchenarmen umschlungen.
„Hans, Hans!"
Er fand sich noch immer nicht zur Wirklichkeit. „Lotte! Wist dus? Träume ich? Isis nur ein Märchen?"
„Ja, du Lieber," jubelte sie, „es .ist ein Märchen. DaK Märchen von „Hans im Glück"!"


