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„Glück und Segen möge über Euer Haus kommen und Je- hovah soll Euch langes Leben und zahlreiche Nachkommenschaft schenken," sprach Mayerfeld.
„Ich dank Euch, Moses! Seht Euch. Bringt Ihr gute: Nachrichten von zu Hause?" fragte Frau Wallbott, wobei sie die Schreiberei wegschob. m
„Von jedem etwas, Fran Bürgermeister. Den Herrn Bürgcr- meister hab ich gesprochen am Rathaus. Mit dem Herrn Sohu hab ich betrachtet die Brennerei, den Viehstand und die Drescherei. Ueberall ist masset toff! (Gutes Glück)" berichtete Moses.
„Wir sind gottlob alle gesund, es fehlt an nichts. Nur das Bein, das ich vor Mei Jahren brach, bohrt und schmerzt zuweilen, bemerkte die Hausfrau.
„Tas die Frau Bürgermeisterin vor zwei Jahren brach, als die große Teuerung herrschte, als das Nervenfieber viele Menschen wegraffte, als Frau Wallbott der barmherzige Schutzengel war für Rothenbühl und Umgegend."
„Wie stehen die Frnchtpreise?" wich Fran Wallbott aus. „Setzt Euch Moses!"
„Am Montag und Dienstag Ivar ich in Hanau und Frankfurt. Zwei Gulden sind Weizen, Roggen und Hafer hinaufgeschnellt. Der Nuss' will den Türk' verschlingen mitsamt Konstantinopel, Kleinasien und dem gelobten Land Kanaan."
„Ich habe vor drei Wochen etwas im Kreisblatt von Krieg gelesen, glaube aber nicht daran, Moses."
„Der Franzos' und der Engländer wollen dem Türken helfen, es gibt schoofele Massenratten (schlechte Geschäfte), aber mit Silber werden die Früchte ausgewogen."
„Zu teuer ist auch ein Fehler! setzt Euch Moses."
Auf die dritte Zurede nahm Mayerfeld bescheiden Platz.
Frau Wallbott zog die Klingel; die Kleinmagd kam und erhielt einen Auftrag.
„Was habt Ihr sonst zu melden, Moses?"
„Will ich ettvas sagen vom Gesinde, wenn die Frau Mrger- meisterin es nicht will übel nehmen?"-"-'
„Euer Vater und <ZrgMsj« war Makler auf dem Wallbotts-
Ahr seid cs seit zwanzig Jahren. Ihr habt unser Vertrauen und dürft vom Gesinde reden."
„So will qch sagen, daß der Großknecht und die/Großmagd noch nicht wollen heiraten im Frühjahr, weil die Zeiten schlecht Und kriegerisch werden, sie möchten noch bleiben im Dienst. Ich soll es der Herrschaft vortragen, nehmt es nicht übel."
„Tie Sache wird sich machen lassen, Arbeit haben wir immer."
Die Kleinmagd kam und brachte einen frischen, unangeschnittenen Laib Brot, ein Körbchen mit Obst und ein Glas mit einer wasserhellen Flüssigkeit.
„Greift zu, Moses, es ist alles koscher! Ihr habt erneu werten Weg gemacht."
„Wie soll ich Euch danken für die Ehr und die guten Sachen! Ich kann es nur tun mit den Worten im Gesetz: Jissa Jehovah panaif elecha, wejasem lecha schalöm!"
„Tas müßt Ihr übersetzen, Moses!"
„Cs heißt: Der Herr erhebe sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden."
„Tank für den schönen Spruch, nun laßt es Euch schmecken."
„Das Brot ist gut, das Obst ist gut und das Getränk ist hergestellt aus Korn, Pseffermünz und Schlehen, Einen solchen Trank kann man Kaiser und König.vorsetzen."
„Etwas fragen möcht ich noch, Moses."
„Antwort werd ich geben, wenn es' mein geringer Verstand erlaubt."
„Nachbar Körber hat gestern drei Schweine geschlachtet: heute abend findet große Metzelsuppe statt. Die jungen Leute haben ihm mehrere Wagen voll alter Scherben und Töpfe vors Haus geworfen. Bei euch soll etwas ähnliches Vorkommen."
„Wenn bei uns die Ehepakten sind unterschrieben, wird ein Gefäß zerbrochen und die Scherben werden umhergesandt, zum Zeichen, daß die Verlobung hat stattgefunden. Wer eine Scherbe empfängt, gibt dem Ueberbringer ein Zasseres oder Trinkgeld, also bringen die Scherben Glück, nämlich das Scherbengeld. Bei der Hochzeit muß das Brautpaar aus einem Glas trinken; dieses wird alsdann zerbrochen, wobei die Gäste rufen: masset toff! massel toff! d. h. Viel Glück! Gut Glück! Unser Rabbiner sagt: Wem eine große Freude bescheert wird, soll durch einen kleinen Verlust daran erinnert werden, daß er ein Mensch ist und daß er nicht übermütig werden soll."
„Was Ihr sagt, Moses, hat Sinn: es paßt auf Kirmes, Kindtaufe, Hochzeit und Schlachtfest; dazu laden wir unsere Nachbarn, Freunde, Verwandte und Bekannten. Ich danke Euch für die Belehrung."
„Was soll ich sagen, Fran Bürgermeisterin, daß Ihr dankt! Ihr habt mich hochgeehrt, Ihr habt mich gespeist und getränkt und bedankt Euch noch! Wie die edlen Frauen int Gesetz habt Ihr stets gehandelt. Jehovah soll Euch segnen. Eure Kinder und Mudeskinder."
Früher als sonst kamen die Spinnstubenmädchen am Abend mit ihren Rädern. Das fünfte Rätsel hatte keine geraten. Es gab großes Gelächter, als die Auflösung kam.
„Nun macht das Fleischmännchen Und das Fleischweibchdst fertig und sorgt dafür, daß ihr etwas Tüchtiges für die Neujahrsnacht zusammenbringt," sprach Frau Wallbott.
Die größte Spinnerin wurde als Mann verkleidet: aus Flachs machten sie ihm einen großen Bart, ein alter Kirchenhut/ der gegen den Strich gebürstet und ausgefüttert wurde, damit er nicht in den Kopf rutschte, gab die Kopfbedeckung ab. Das Fleischweibchen statteten sie ähnlich aus. Mit einem Henkelborbe am Arm zog das Paar los zn Körbers.
Hier saßen etwa 18 eß- und trinkfeste Personen, die kauten! nach Herzenslust.
Als das Fleischmännchen mit seiner Frau erschien, brach ein starkes Getöse und Gelächter los.
Nachdem Ruhe eingetreten, sprach das! Männchen mit verstellter Stimme:
„Mir hawwe gehört, ihr hätt' geschlacht
Un' hätt' recht lange Würst' gemacht.
Drum gebt us von de lange
Un' loßt die kurze hange."
Christoph Körber erhob sich, ging in die Küche, wo die Weibs- leut Und der Metzger mit seinem Burschen noch fleißig arbeiteten- nahm eine armslange Wurst, schnitt ein großes Stück Fleisch herunter und übergab beides dem Fleischweibchen, das die Gabe unter vielen Dankesworten in den Henkelkorb tat, worauf das Paar, nach einigen Kratzfüßen abzog.
Christoph Körbers Gäste aber saßen fest und aßen weiter: rUhig und stetig. Sprach da Jakob Klöß, der seine Schnupftabakdose herauszog, sie dem Nachbar Pfeifer darbot und dann selbst eine Prise nahm:
„Der Mensch hat zlvei Fehler, einmal und erfteits: er ist übeler dran, wie du Kamel, denn er hat nur einen Magen, das Kamel fünf. Wie schön wäre es, wenn der Buckel auch ein M agen wäre bei so guten Sachen!"
„Mer der zweite Fehler, Gevattermann?" fragte Pfeifer.
„Die Nase müßte umgekehrt, mit der Breitseite nach oben stehen; ein Deckelchen müßte drüber liegen, zum Auf- und Zu- klappen, daß es nicht hineinregnet und daß nicht so viel Schnupftabak verloren ginge, wenn man eine Prise nimmt."
Nach diesen Worten aßen die Gevattersleute langsam Wester, Manchmal verschnauften sie sich ein wenig, dann brummten sie etliche Worte und aßen weiter, bis der junge Tag heraufzog, Mehnlich machten es die übrigen Gäste. Zuletzt erhoben sie sich Und sprachen ihren Dank aus. Körber ging mit in den Hof.
„Bleib drin in der Stube, Christoph, es ist kalt; was willst dst hier außen?" fragte Pfeifer.
„Ich wollte nur meinem kleinen Sauchen noch Adjees sagen, ihr habt es ratzebntz aufgegessen!" sprach Christoph —> dwNri legte er sich schlafen.
(Fortsetzung folgt.)
humoristisches.
„Ja,
bahncoups):
Fräulein: ,
haben!"
*Wi e man
* Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Herr (im Eisen- ,Jetzt fährt der Zug schon drei Stunden!" — in der Zeit könnte man sich beinahe verlobt
spricht. „Du bist schön, doch bist du falsch!" Sagte die junge Dame und legte ihr blondes Haar auf den Toilettentisch.
Schachaufgabe.
Schwarz.
Weiß.
Weiß zieht und setzt in drei Zügen Matt. Auflösung in nächster Plummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Eimer, Eider, Eiier, Eiger (Gipfel der Berner Alpen), Eier.
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Dießen.


