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Das Witwenhaus.

Roman von Helene von Mühlau.

Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

So, Frau von Hilbach, hier sind nun die Küchen« Handtücher, die müssen Sie säumen und sticken. Das Bett« $eug hätten wir fix und fertig, nu müssen wir nur noch überlegen, wie wir billig zu allem andern kommen. Das war doch ein guter Einfall von der Frau Belzig, daß sie uns riet, die Möbel leihweise aus Naumburg zu beziehen. Der April steht nahe bevor, und unsere leipziger Herr« schäften kommen am dritten. Da haben wir noch alle Hände voll zu tun, und ich mache mir oft genug in der Nacht Gedanken, wie Sie mit all dem zurechtkommen."

Sie sah ihre Herrin sorgenvoll an, und Frau von Hilbach lächelte. In dieser letzten Zeit war sie so gang aus ihren Träumen und Sehnsuchtsgedanken herausgerissen worden. Sie hatte es nicht gewollt, hatte sich im An« fang dagegen gewehrt, nun aber empfand sie es als Wohl­tat, daß oa eine um sie herum lebte, die so fest und sicher mit ihren Füßen auf realem Boden stand und die voch so gar nicht nüchtern, die so voll Herzensgute, Ein­falt und Wärme war.

Ihre Seele war krank gewesen in den ersten Wochen dieses Jahres, das noch so lang und düster vor ihr lag. Wäre sie allein gewesen, sie hätte nie die Kraft gefunden, sich aus ihren Träumereien, Schmerzen und Hoffnungen herauszufinden. Diese Alte da hatte sie mit ihren derben und doch weichen Händen anpacken müssen, um sie vor sich selbst zu retten, und darum war sie ihr dankbar und war gut und freundlich zu ihr.

Sie arbeitete und sorgte gern im Hause. Es machte ihr Freude, etwas Praktisches zu tun. Sie wollte ihm ja eine gute Frau werden, und um eine gute Frau zu werden, mußte man vor allem praktisch und wirtschaftlich sein.

Die Kosh setzte nun eine lange Liste auf, und wie sie alles zusammenrechnete, war sie erschrocken und begann dieses und jenes auszustreichen.

Früher, wenn da die Leute aus den großen Städten auf Sommerfrische gingen, dann ließen sie ihre Ansprüche, zu Hause!" seufzte sie,dann wußten sie, daß sie auss Land gingen, und dachten nicht an Teppiche und Portieren. Heutzutage sehen sie nach, ob der Waschtisch eine Mar­morplatte hat, ob die Gardinen gecremt sind; unter Plüsch­sofas und einem großen Spiegel, wo sie die ganze Figur orin sehen können, tun sie's überhaupt nicket mehr, und dabei mäkeln sie am Preis. Es ist ein Gluck, Frau von Hilbach, daß wir die Leihgebühren für die Möbel erst Ende Sommers bezahlen müssen. Drei Küchen ausstaffieren, das kostet was, selbst wenn wir auf dem Tovtmarkt taufen

und zurückgesetzte Ware nehmen. Dabei noch bür Ungewiß- heit, ob man überhaupt vermietet."--- '

Das hab ich Ihnen auch noch gar nicht erzählt, was unsere Küstern für einen Charakter hat!" sagte sie am Abend, als das Jungchen im Bett lag.Gestern nachmittag als Sie auf der Wilhelmsburg waren, hat's einen Heiden- skandal im Haus gegeben. Iw) wollt Sie eigentlich nicht Damit inkommodieren, weil Sie sich so was immer gleich zu Herzen nehmen, aber wo nu alles glatt aogelaufen ist, schadet's ja nicht mehr, und eine Hausbesitzerin muß ja schließlich auch wissen, was für einen Charakter die Leute haben, die bei ihr wohnen. Ich hab doch immer so viel von der Küstern gehalten, das sagt ich Ihnen schon oft, weil die sich nicht davor gefürchtet hat, daß Die Senge» rich Mördersfrau war und auf geheimnisvolle Weise ge­storben ist, und wenn die Pastorin auch darüber gelacht hat, daß sie sagte, ihr Geld sei heiliges Geld, es hat nur doch von ihr gefallen. , . c

Aber an der Küstern sieht man mal wieder so rechh daß man nach dem Schein nicht gehen darf, und wenn eine immer Bibelstellen zitiert und alle Sonntage zweimal in die Kirche läuft, bann braucht sie deshalb noch längst keinen guten Charakter zu haben.

Ich will zugeben, daß die Häuflein ein bißchen emp­findlich gegen Lärm ist und nicht vertragen kann, wenn einer über ihr einen lauten Schritt tut. Das sind so Eigen­heiten bei manchen Menschen, gegen die sich nichts tun läßt, aber in diesem Fall hatte sie recht.

Was unsere Küstern ist, die hat ein Harmonium in ihrem Wohnzimmer, das spielt fast ebenso laut ivie unsere Orgel in der Kirche. Nu, ich muß ja sagen, ich hab solche Musik gern und könnte stundenlang zuhören, besonders wenn die Küstern nicht dabei singt; das tut sie aber leider fast immer, denn ich hab gehört, sie wollte sich ausbilden zur Gesanglehrer'in. Früh am Morgen um sechs, wenn sie auf» steht, singt sie kirchliche Lieder, das tut sie im Andenken an ihren verstorbenen Mann, sagt sie. Mir ist ,das ja eine Erbauung, weil ich dann gerade im Flur beschäftigt bin und gern etwas Frommes höre. Wer die Häuflein, die um diese Zeit noch schläft, hat schon dreimal ihre Köchin heraufgeschickt und um Ruhe gebeten. Die Küstern tut aber, als hörte sie nicht, und spielt weiter. Nu ist ein Harmonium doch eigentlich ein frommes Instrument, aber weil die Küstern fein Klavier hat und doch auch weltlichen Gesaug- unterricht geben will, spielt sie alles Drauf.Kommt ein Vogel geflogen",Alles neu macht der Mai" und so weiter, und dazu singt sie.

Ich hab gedacht,es ist ein Glück, daß die Häuflein in ein paar Wochen auszieht", aber wie unsere Kurfremden im Sommer sich damit einverstanden erklären, das steht bei mir noch nicht fest. Kurz und gut, damit Sie es wissen, gestern nachmittag nach dem Mittagessen klopft die Häuflein in eigener Person bei der Küstern und verbittet sich energisch den Lärm. Ich hatte gerade zufällig im Flur zu tun una