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Dlebattion: SL Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universnäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lang«, Wietze»
Rätsel.
(Die Buchstaben A, B und C sind durch Wörter zu ersetzen.) Das A zeigt dämonische Märchengestaltei,, SDian könnte noch heut' manche Frau'n dafür halten.
Für B erklärt man den Handwerksmann Und den Künstler, sobald er was Tüchtiges kann.
Das C hat oft Tausenden in der Schlacht^ Verderben und Krankheit und Tod gebracht.
Wer der Welt als A B zu erscheinen begehrt, Ward einstmals getötet, heut' wird er geehrt.
Gelang dir B C, so ernennt man dich gleich Zum König, doch hast du nicht Krone noch Reich.
Und wenn dir zur Pein A und C sich verbinden, So wirst du Erlösung int Dampibade finden.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Es geht nicht immer wie man will.
vermischtes.
* Ein Bankett gm Hose JwcknS deS Schreck- l i ch e n. Der jetzige russische Botschaster in Konstantinopel Tscharykvw sand vor mehreren Jahren, als er Gesandter beiist Päpstlichen Stuhle war, in Rom ein Tagebuch Raphael Barberinisj der 1564 als Delegierter italienischer Kaufleute sich nach Moskau an den Hos Iwans des Gestrengen begab, um mit Rußland Handelsverbindungen anzuknüpsen. Tscharykvw veröfsentlicht jetzt ein Bruchstück dieses Tagebuches ,in Buchform im Verlage von Plon in Paris (Le chevalier Barberini chez le Tsar Ivan k Terrible). Wie Barberini erzählt, wurde er in Moskau mit großer Liebenswürdigkeit empfangen, „besser als die Gesandten, anderer Staaten". Der schreckliche Zar lud ihn zu einem Bankett ein, das nach dem Gottesdienst stattsand und von Barberini eingehend beschrieben wird. Als Iwan den Speisesaal betrat, nahm er die Krone vom Kopse und setzte an ihrer Stelle eins Pelzmütze aus. Die Tische waren ohne bestimmte Ordnung nist einen riesigen Ofen gestellt. Bor den Tischen standen niedrige! Holzbänke. Erst nachdem der Zar an einem der Tische Platz genommen hatte, dursten die eingeladenen Gäste den Saal betreten. Ein Dolmetscher nannte dem Monarchen nun die Namen der eintretenden Fremden; Iwan wiederholte jeden Namen und wies jedem Gast seinen Platz an. Barberini wurde an einen -lisch plaziert, an dem zwölf gefangene deutsche Ordensritter saßen. Auf ein von dem Zaren gegebenes Zeichen nahmen die Bvfarcn ihre Plätze ein, jeder, wie es sich gerade traf, einige sogar am Tsich Iwans. Der Saal wurde durch Kerzen in einfachen Leuchtern! erhellt. Salz wurde den Gästen zuerst nicht gereicht. Nur vor dem Platz des Zaren stand ein silbernes Salzfaß und em Korb mit Weißbrot. Der Monarch verteilte später erst selbst Salz und Brot an seine Gäste. Jedem von den Fremden setzte er hierauf eigenhändig einen großen Pokal mit Wein vor. Diese Em- leitungszeremonien dauerten etwa zwanzig Minuten, und fedes- mal, wenn ein Gast vom Zaren Salz, Brot und Wein vorgesetzt bekam, erhoben sich alle von ihren Plätzen. Hierauf 'betraten zwölf Diener den Saal, die ungeheure Schüsseln mit unzerschnittenem Fleisch trugen. Sie defilierten mit den Schüsseln an Iwan vorüber, verließen den Saal und erschienen erst nach einiger Zett mit den Schüsseln wieder, ans denen das Fleisch jetzt in Hemd Stücke geschnitten lag. Die Diener stellten die Schüsseln vor den Gästen ant die Tische und das Essen begann. Hinter dem Zaren stand ein Mundschenk, der einen großen goldenen Becher hoch ttt den Händen hielt. So oft der Zar auf die Gesundbett .eines seiner Gäste trank, standen alle von ihren Plätzen auf. Bor jedem Toast bekreuzigte sich der Zar dreimal. — Das Bankett, wahrend desseit die Diener fleißig einschenkten, dauerte drei Stunden, und zum Schluß waren fast alte etwas berauscht, hinter und Geschrei räumten die Diener die Tische ab. Nachdem dreS geschehen war, rief der Herrscher von den Tischen einzelne Bofaren und Freunde zu sich und reichte ihnen einen bis zum Rande gefüllten Pokal, den sie sofort vor ihm leeren mußten; dieS war eine besondere Auszeichnung. Barberini, dem diese ElM ebenfalls zuteil wurde, trank den Becher, wie er erzählt, uns mit Mühe aus. Am nächsten Tage empfing bet, Zar Barberini I in besonderer Audienz, unterhielt sich leutselig mit ihm, und bet I Italiener erledigte seins Angelegenheiten nach Wunsch.
* Gewohnheitsmäßig. Frau: „Wenn mein Mann doch nicht so furchtbar zerstteut wäre! Denken Sie nur, was I mir am Sonntag im Restaurant „Zum Schlesischen Zecher passiert ist! — Bekommt er da einen verdorbenen Hammelbraten | serviert, auf einmal schmeißt er mir das ganze Eisen rnitsantt dem Teller an den Kopf —! Sie glauben gar nicht, wie ich I mich vor den Leuten geniert habe!"
gto betritt Man, angemessen Vorbereitet, Sie fünf Sj^mer, bie ben I Reliquien der Revolution gewidmet sind, den „Saal der Marine , I heu „Saal der Armee", den „Saal der Presse , den „Saal des I Volkes" und zum Schluß den „S aal.der Kon lgs mord^er4 ßn einem Schranke sieht man die Uniform des Admirals Eagdido I • kd g?cja eines der wenigen Männer, die als Opfer der Revo- ! Intimi fielen In einem großen Rahmen sind systematisch die I Photographien aller Marineoffiziere ausgestellt, die die Monarchie I Hpryfrl Mi hnBPlt StC flCltCll ülA cpelbfirt, lUtb Tiltt 9tCu)'t. I
toor kurzem der Präsident Braga dem belgischen Gesandten den | Srieg-vninifrer vorstellte, wollte er dem fremden Diplomaten zugleich taktvoll irgend etwas Lobendes übet den Minister sagen. I
Erzellenz, ich habe die Ehre, Ihnen den Obersten Antonio Samer Gorteia Barreto, Kriegsminister, vorzustellen . . . ; Braga suchte | jNach einer Empfehlung seines Ministerkollegen und sie fiel ihm I auch ein: „Er hat 20 Jahre lang konspiriert." Der belgische Gesandte brachte nur ein erstauntes „Ah" hervor. Em besonderes Wild im Museum stellt den Marinekanonrer dar, der auf das Königsschloß zielte. Er ist natürlich befördert worden, und neben seiner Photographie sieht man die Wirkung seines tapferen Schusses dargestellt: ein paar zerbrochene Rahmen, ein beschädigter Stuhl. Und das Volk steht davor und starrt andächtig auf diese Reliquien. Die ersten republikanischen Flaggen, die gehißt wurden, scqmucken die Wände. Besonders muß die Flagge des Kreuzers „Vasco de Gama" erwähnt werden; die Flotte m Lissabon wechselte ohne I Hindernisse ihre Farben, der „Vasco de Gama" aber mußte leiden.. Als er in Batavia die repnklikanische Flagge hißte, erflarte der I Hafenkommandant, daß man das Schiff einfach als in Meuteret begriffen betrachten müsse. Nach langer Verhandlung etmgtel man sich auf „Kriegszustand", und der „Vasco de Gama" mußte ikmerhalb von vier Tagen den Hafeir verlassen. _ Die Lehre hatte I mir Folge, daß der Kreuzer auf der Rückfahrt auf hoher See zwar republikanisch flaggte, in den Häfen aber die Königsslagge hißte, da er sonst keine Kohlen hätte eimiehmen können. Aus dem „Saal des Heeres" starrt dem schüchternen Besucher eine furchtbarst Masse' von Piken, Lanzen, Pistolen, Hellebarden, Kanonen und Mitrailleusen entgegen. Im Geiste wollen furchtbare Phantasien I blutiger Kämpfe auferstehen, und zur Beruhigung flüstert man sich die Nummer 65 zu. Denn der ganze schreckliche, heroische Kamps hat in drei Tagen insgesamt 65 Opfer gefordert, darunter sehr viele Hausfrauen. Denn die Kugeln drangen durch die Fenster in die Wohnungen, und am sichersten ivaren wohl bte Kämpfer auf den Straßen. Man weiß, daß die wenigen Truppen, die überhaupt an den Kämpfen teilnahmen, nach emem kürzens Scharmützel den Kampf auf gaben und sich auflösten. Die Offiziere flohen nach Villasraiica. Woher stammen also diese Waffen? Es sind die Gewehre, die nicht losgegaugen sind. Wären sie losgegangen, wäre vielleicht alles anders geworben, ihr I Schweigen hat die Republik gemacht, also gehören )te auch ins Museum. Den Ehrenplatz nimmt eine kostbare Religue ein, einige Sprengstücke eines Schrapnellgeschoßes. Ern Apotheker! I las sie .auf der Straße auf und heftete ihnen gewohnheitsmäßig! einen Zettel an. Daneben liegt ein Spazierstock, der dadurch I berühmt ist, daß ein Zollbeamter ihn bei einem Straßenauslauf lat§ Waffe benutzen wollte. Einige Gewehre sind beschädigt.. Man denkt an schlimme Bajonettkämpfe; dann liest man die Erklärung: -»Gewehre, die imbrauchbar wurden, weil mit falschen Patronen I geladen." Wenn nur den unvorsichtigen Schützen dabei nichts passiert ist. Im „Saal der Presse" sind bte Wunde mit den Nummern der Lissaboner Zeitungen tapeziert; charakteristisch | fft, daß sämtliche Meldungen aus diesen Tagen durch die Wirklichkeit längst dementiert sind. Im „Saale des Volkes leuchtet suns eine große Inschrift entgegen: „Die Jndisziplm ist die s-eele der Kämpfe des Volkes." Daneben Fahnen, die dem Gegner abgeiiommen wurden; die Flaggen der Klöster imb der Religionsschulen, die man nach der -Flucht der Zöglinge fand. Und dabei die Büste Luciano de Castros, des königlichen Exmmisters. Sie ] Wurde unter dramatischen Umständen gefangen genommen. Eine Gruppe Revolutionäre wollte Castro verhaften, er war nicht zu Hause, und statt dessen verhaftete mail seine Büste. Sie steht heute im Museum als Relique der Revolution. Daneben, in langen Glaskästen wie in einem Aquarium, Bomben, Photographien, technische Erkläriingen dieser Mordinstrumente, die Gott- seidank nie ab gefeuert wurden. Auf einer der Bomben liegt eine Zigarre und eine Zigarette König Manuels. Sie teilen das Schicksal der Bomben: auch sie haben nie Feuer gefangen.. „Aber das Groteske wird zur Schaulosigkeit, wenn man den letzten Saal betritt. An den Wändeil verherrlichen Sprüch« die Taten der Königsrnörder, das amüsierte Lächeln des Besuchers schwindet: als kostbare Heldenreliquie liegt hier das Gewehr, mit dem König Carlos und der Prinz Louis Philipp ermordet wurden. Und als Ehrendenkmäler der Nation daneben der Mantel Und der Hut, die der Mörder trug. So steht man nachdenklich! vor dem Rätsel dieser Rasse, die sich selbst und ihre Taten nur durch Vergrößerungsgläser zu sehen scheint. Das Gefühl für hie Lächerlichkeit scheint verloren, und alle Werte verkehrt. . . .


