91 —
En Anspruch genommen tourben und auch für die Verbreitung beti Neuigkeiten von allgemeinem Interesse sorgten.
Durch bedeutende Schnelligkeit und gute Organisation zeichneten sich unter diesen Botenverbindungen besonders die von Zanetto von Taxis auf Befehl Kaiser Maximilians I. eingerichteten Stasettenketteu aus. Von diesen führte der fogenannto deutsch-niederländische Kurs, der nach einer Memminger Chronik im Jahre 1490 zur Verbindung der österreichisch-tirolischen Ver- tvaltungszentrale Innsbruck mit der flandrischen Residenz Mecheln angelegt worden war, durch das Gebiet des jetzigen Großherzogtums Dessen und berührte die Städte Worms und Bingen. Wornis wurde im Jahre 1495, als daselbst der Reichstag versammelt war, der Ausgangspunkt eines lebhaften Postverkehrs, als dessen Leiter Jörg von Eck erscheint.
Die ältesten urkundlichen Beweise .für den deutsch-nieder», ländischen Kurs sind außer der bereits erwähnten Memminger Chronik zwei am 8. und 11. November 1495 in Mailand ausgefertigte und bis Worms reichende Poststundenpässe oder Postavisos, d. s. von den einzelnen Stationen dem Postillon al« Ausweis über die ihm zur Beförderung anvertrauten Briefsen- dungen offen mitgegebene Begleitschreiben. Nach diesen wurde die Strecke Mailand—Worms (710 Kilometer) in 16(P/s Stunden (6 Tagen Ißi/z Stunden) zurückgelegt.
Eine weitere für unser Gebiet und den deutsch-niederlänt- bischen Kurs wichtige Urkunde ist der am 25. März 1506 von Franz von Taxis als „Postmaister" des Kaisers Maximilian I. für Mecheln—Innsbruck ausgestellte Postslnndenpaß, Nach diesem wurden u. a. die Orte Rheinböllen, Flonheim, Heppenheim, Rheinhausen (ein Dorf südöstlich von Speyer) berührt. Als Postboten waren in Flonheim Thoma und in Heppenheim Leinhart Beir stationiert.
Ebenso wie der Kaiser unterhielten auch die Reichsfürsten für ihren Nachrichtenverkehr Botenverbindungen. So hatte Philipp der Großmütige (1518 bis 1567) für die Dauer des Reichstags zu Speyer zwischen dieser Stadt und Cassel eine Reitpost eingerichtet.
Alle diese fürstlichen Botenverbindungeir stellten jedoch lediglich einen höfischen Stafettenbicnst dar und hatten mit der heutigen Post nur den Namm gemeinsam. Sie dienten nur dem Herrscher, seinen Ministern und Räten, wurden häufig verlegt, je nachdem das kaiserliche oder fürstliche Hoflager wechselte, nnd ließen oft wichtige, zwischenliegeorde Städte unberührt.
Die Städte schufen sich daher eigene Botenanstalteu, die gegen Ende des Mittelalters schon einen regelmäßigen Verkehr mit planmäßigem Jneiuandergreifen der Botenlinien einrichteten. Die Stadtbolen waren aber in erster Linie für die Briefschaften der städtischen Behörden oder Gilden bestimmt, wurden von den Gemeinden oder Gilden besoldet und besorgten nur nebenhev Briefschaften von Privatpersonen.
2. Die ersten Anfänge einer wirklichen Post.
Erst die zu Beginn der Neuzeit sich entwickelnde wirtschaftliche Umgestaltung, die durch die großen Entdeckungen der Seefahrer (1492 und 1498), durch die Erfindung der Buchdrucker- kunst (1440.) und durch das Wiedererwachen der Wissenschaften insolge der Reformation herbeigesührt wurde, erweckte in weiteren Schichten der Bevölkerung das Bedürfnis itach regelmäßigem Nacixrichtenaustausche. Dieses führte dann nach und nach zur Umwandlung des im wesentlichen auf Einzelbestellung arbeitenden Botengewcrbes in einen der Allgemeinheit zugänglichen regelmäßigen Postdienst (Ordinari-Boten) mit festetl Abgangs- und Ankunftszeiten, festen Kursen und allgemeinem Portotarif (vor 1585), also zu einer gemeinwirtschaftlichen Verkehrsanstalt.
Bereits aus dem Jahre 1563 besitzen wir ein für die Allgemeinheit bestimmtes Postkursbuch, nämlich das von Giovanni da l'Herba, Kuriermeister der Republik Genua, veröffentlichte Jtenerario delle Poste, in dem auch der mehrfach erwähnte deutsch- niederländische Kurs mit der Station Wöllstein genannt ist.
Die neuen Verhältnisse werden sich besonders die von der Familie Taxis eingerichteten Hofkuriere in weiterem Umfange nutzbar gemacht haben. Schon ein Brief Granvellas an Leon- hnrd von Taxis voni 18. Februar 1569 spricht von einem service du publique. Auch die Kurfürsten bezeugten im Jahre 1570, daß „der Taxissche Postkurs Wien—Brüssel insgemein allen Ständen und ihren Untertanen sowohl, als den Reichs- Commerzien in vielen Wegen nützlich und beguem" sei. Ein weiterer Beweis dasür, daß bereits im Jahre 1585 von den Taxisschen Hofkurieren zahlreiche Briese von und an Privatpersonen gegen ein bestimmtes Porto befördert wurden, ist die tm Jahre 1889 beim Umzüge des Amtsgerichts II in Frankfurt aufgesuudene Post aus dem Fahre 1585. Diese enthielt einen am 16. Mai 1585 von Roger de Taxis, deut spanischen Postmeister in Mailand, ailsgefertigtcr, an Lamoral de Taxis, Generale delle Poste de Sa Mta in Cöln, gerichteten Postaviso und 175 verschlossene Briefe, die von Privatpersonen in Mailand, Rom, Genua usw. herrührten uich für Kaufleute, Soldaten usw. in Cöln, Aachen, Lüttich usw. bestintmt waren; viele trugen Vermerke tote franco, francha sino (bis) Augusta (Augsburg) „Bezahlet das Porto". Nach dem Postaviso ging der Hoskurier von Mailand über Innsbruck, Augsburg, Rheinhausen durch Rheinhessen
nach Wöllstein. Hier zweigte sich der Kurs nach Cöln von dem über Lieser (an der Mosel oberhalb Bernkastel) nach Brüssel gehenden deutsch-niederländischen Kurs ab.
Der Cölner Kurs war im Jahre 1580 von dem taxisscheu Postmeister Hennot eingerichtet worden. Im gleichen Jahre hatte der taxissche Postrneister Sulzer in Rheinhausen eine Post von da über Heidelberg, Darmstadt nach Frankfurt eingerichtet.,
Auf den Kursen der Ordinari-Posten muß sich sehr bald ein lebbafter Verkehr entwickelt haben. An diesem nahmen auch die in der Nähe des Kurses gelegenen Orte teil. So brachten z. B. in Hessen die in der Nachbarschaft des Kurses Wien—Brüssel gelegenen Städte usw., namentlich das verkehrsreiche Frankfurt, ihre Briefe größtenteils nach Flonheim, von wo aus der Flonheimer Postmeister die Weiterleitung gegen bare Vergütungen besorgte. In den Frankfurter Botenbüchern finden wir daher vom Jahre 1540 an nur noch wenig Botengänge nach entfernteren! Orten verzeichnet, dagegen häufig Vermerke wie: „Ainem Pötten als er zu Flonheim gewest 1 ft. 4 Sch. 3 H.", ober: „dem Posw meister zu Flonheim durch Pfeiffer Jacoben verehren lassen, daß er die Brief desto ftirderlicher gen Brüssel schicken soll 2 Thaler" undsoweiter.
Die Familie Taxis erfreute sich bei der weiteren Ausgestaltung der bestehenden Postverbindungen des weitgehendsten Schutzes der deutschen Kaiser. Schon Karl V. (1519 bis 1556) ernannte den Leonhard von Taxis zum niederländischen Postmeister; Ferdinand I. (1556 bis 1564) bestätigte ihn in seinem Amt — Bestallungsbrief vom 21. August 1563 — und Rudolf II. (1576 bis 1612) ernannte ihn durch Patent vom 16. Juni 1595 zum General- Oberpostmeister über die Posten im heiligen Reiche. Dieser , bezeichnete zuerst in einem „Mandat" vom 6. November 1597 die Post als ein „Hochbefreites Kaiserliches Regal, dem kein Hindernis! Eintrag ober Nachteil geschehen dürfe".
Im Jahre 1615 erhielt Lamoral von Taxis das Postwesen des Reichs als ein neu eingesetztes „Regale" für sich und seine männlichen Erben zu Lehn. Kurfürsten, Fürsten und Ständen des Reichs wurde befohlen, „bm Lamoral von Taxis und seine männlichen Leibeserben in ihrem Erb-General-Reichspostlehen bei Vermeidung kaiserlicher Ungnade und einer Strafe von 50 Mark löthigen Goldes nicht im mindesten zu stören". Dagegen verpflichtete sich Lamoral durch Revers vom 20. Juli 1615 u. a., „nicht nur von Cöln nach Frankfurt, vou da über Offenbach — Seligenstadt— Würzburg nach Nürnberg bis an die itächste Post nach Böhmen eine neue orbiitäre Post auf seine Kosten einzurichten, sondern auch die von Alters gebräuchlichen ordinären Posten nach Nothdurst fleißig zu bestellen und in ihrem hergebrachten esse zu erhalten". Die Post von Rheinhausen über Darmstadt nach Frankfurt (Main) wurde im gleichen Jahre von dein taxisscheu Postmeister Johann vou den Birghden in Frankfurt in eine „Ordinari-Post" umgewandelt. Hessen-Darmstadt erlaubte die Anlegung neuer Stationen nnd gestattete den Posthaltern Befreiung von Staatslasten; dagegen wurden alle fürstlichen Privatschou Öen, Dienstbriefe und Akten auf der ganzen Strecke und darüber hinaus taxfrei befördert.
Bas portugiesische „Museum der Revolution".
Wenn eine Neuauflage des Baedeker für Portugal erscheint, wird man unter Lissabon wohl bei den Sehenswürdigkeiten eine neue Eintragung finden: „Museo ba Revoluyao", geöffnet Sonntags von 10—4, Trinkgelb nach Gutbünken. Vorsicht! Dynamit!" Luigi Barzini, ber bekannte Korrespondent bes Homere della Sera, gibt in einem lehrreichen Aufsatze eine lebendige Schilderung von der Entstehung dieser neuesten Schöpsuirg der portugiesischen Revolution und von einem Rundgarige durch dies wohl einzigartige Museum. Vom Stadtrat ging die Idee aus. Eine Ehrenstätte deZ Befreiungskampfes sollte geschaffen werden, aber bald entstanden Schwierigkeiten. Man sammelte eifrig alle nur erreichbaren Re- liguien des denkwürdigen Kampfes, aber das Ergebnis dieser Arbeiten hätte kaum ausgereicht, um ein kleines Kämmerchen notdürftig auszustatten. Und ein Museum von einem einzigen Zimmer märe zu dürftig gewesen. In dem Jesuitenhaus, wo heutq bas Museum untergebracht ist, standen fünf Zimmer, Treppenhaus und Vorsaal nicht gereckMet, bereit, man mußte sie füllen, und! man hat sie gefüllt. An das Arsenal wurde die Bitte gerichtet^ Waffen zu schicken, unb bie Bitte wurde erfüllt, überall starren! einem heute im Museum altertümlich Pistolen unb Gewehre eut- gegen, geschliffene Säbel kreuzen ihre Klingen, Bajonette starren zum Himmel, ja sogar bie Ruder hat mau geschickt, mit denen! Matrosen ans Land ruderten, und Taue von den Schissen, bie zuerst meuterten. Die Waffen fiiib nie gebraucht worben, aber sie hätten gebraucht werben könneit unb haben daher auch bas! Recht, in biesem Museum von Portugals Revolution ihren Platz, zu fiiiben. Von ben Wänden des Vorhofes leuchten dem Besucher mahnende Inschriften, sorgsam auf Karton gemalt, entgegen. „Die Deutschen, die Franzosen, bie Italiener und bie Engländer werben nie behaupten können, daß bie Portugiesen! geboren finb, um beherrscht zu werben, sonbern um zu herrschen!" „Kühnes Volk, das du die größten Dinge der Welt vollbringst." llnb einige Schritte weiter lieft man: „Die Widerstände, die sich ollem Großen entgegen türmen, müssen überwunden voerdeu.


