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Kind nicht!" tobte es in Frieda. Fast hatte )te es aus oem dunklen Mkoven heransgeschrien, aber sie stopfte sich em
können!" ,
das kann sie!" sagte die Kosy, und Fran von tzilbach sah erstaunt zu Frau Natusius Hinüln-Ltz die plötzlich so vernünftig geworden war.
Postlagernd soll ich ihr schreiben, daß ich ihr das Kind" nicht nehme!" sagte sie nachdenklich. „Wie macht man das? Ich habe noch nie postlagernd geschrieben.
Fran von tzilbach erklärte ihr, daß sie sich einfach das Wort „postlagernd" unter den Namen der Ltadt zu schreiben habe, und da nun auch die alte Großmutter gekommen war überlegten sie gleich, was sie schreiben wollten, uiit> die Kost) und Fran von tzilbach diktierten ihr die Worte in die Feder. Fran Natusius versprach ihrer Tochter sie nicht zu verfolgen, sie solle nur keine weitere Schande über die Familie bringen und ihr alles schreiben, was sich m der nächsten Zeit ereigne.
(Fortsetzung folgt.)
Geschichte des Postwesens im GroMrZogtum Hessen.
Von M. Koehler und R. Goldmann.
I UeberblicküberdieEntwicklungdesPvstwesenA bis zum 17. Jahrhundert.
1. Botenwesen.
Ein Postwesen im heutigen Sinne des Wortes, d. B. eins Anstalt zur Nachrichtenbeförderung zu jedermanns Gebrauch gegen Erlegung fester Gebühren, mit bestimmten Kursen und foltert Abgangs- und Ankunftszeiten, war dem Mittelalter unbekannt. Die breite Masse des Volkes hatte kein Bedürsms nach einem regelmäßig geordneten Nachrichtenvcrkehr, war sie doch zum größten Teil des Lesens und Schreibens imkundig unb an die Scholle gebunden. Nur die Fürsten, Stifte, Orden und Klöster unterhielten Botenverbindungen, die gelegentlich wohl, ebenso wie die reuend rt Kaufleute, fahrenden SckMer und die auf Biehhandel ausgehenden Metzger, von der übrigen Bevölkerung zur Nachrichtenvermiluund
dankte ihr. , . , .,
In dieser Nacht*konnte Frau von Hilbach nicht schlafen.
Bis lang nach Mitternacht sah sie einen schmalen Lichtstreif, der durch das Schlüsselloch auf ihrer Diele zitterte, und der Doktor ging leise auf dem Teppich hin und her.
Wie er endlich die Lampe gelöscht hatte, hoffte auch sie auf Schlaf, aber sie konnte einer großen Erregung nicht Herr werden. Sie dachte daran, wie jammervoll die arme Frieda ausgesehen hatte, und wie schwer es ihr geworden
Frieda wie ein Stich durchs Herz. Sie nahNi der Frau da» Kind ab und setzte sich in den dunklen Alkoven.
„Es geht ihr wohl nah!" hörte sie die Fremde zu ihrer ^"Jun^ch,' das ist ja auch begreiflich. Ob nun ein Kind einen rechtmäßigen Vater hat oder ob es so zur Welt kommt, für die Mutter ist das egal, für die bleibt es
Das hatte die Großmutter gesagt, aber das fremde Weib meinte phlegmatisch: ,
Das legt sich alles! Das ist tote em Zahn, der einem viel Schmerzen gemacht hat. Ist er erst Waus, dann vergißt man alles. So ein armes, kleines Wurm ist ,a noch am besten ausgehoben, wenn es in eine gute Pflege kommt, denn Sie können es ja doch schon der andern Kinder w gen
war, die Bitte um Geld au sie zu richten, und dann plötzlich war es ihr, als hörte sie die Haustür gehen, aber sie war zu müde, um Licht auzuzünden und hinauszusehen.
Spät schlief sie ein und konnte sich am Morgen nicht gleich in der Gegenwart zurechtfinden. Tie Kosy stand vor ihr und sagte, daß Frau Natusius sie sprechen wolle und daß Frau Natusius in einer entsetzlichen Aufregung sei, und ehe Frau von Hilbach recht begriff, war Frau Natusius schon bei ihr, fiel auf einen Stuhl vor ihrem Bett und jammerte und hielt einen Brief in den Händen.
„Entflohen! Mitten in der Nacht mit dem Krnd entflohen! Zu ihm, der sie ins Unglück gebracht hat! Lesen Sie, Frau von Hilbach, was sie uns schreibt. Sie will ihr Kind nicht an die Frau geben!" , o,,. . „
Frau von Hilbach las, und em heftiges Zetern ging durch ihren Körper. „Dazu brauchte sic das Geld! dachte sie und empfand plötzlich eine große Liebe und tiefes Bcit- leid für diese arme Mutter, die mit ihrem Kind in Nacht und Nebel einer unsicheren Zukunft entgegenliest
„So dankt sie einem nun all die Sorgen der ganzen Zeit. Glauben Sie, Frau von tzilbach, oft i|t’8 mir schwer geworden, gut zu ihr zu sein, aber ich hab e» an nichts fehlen lassen. Und nun, da aLeS so gut geordnet war und wir endlich auf Frieden hofften, tut sie uns das an.
Frau von Hilbach sagte nichts.
„Und wenn ich nur wüßte, wo he das Reisegeld her hat!" fuhr Frau Natusius fort. „Und dann dieser Ton m ihrem Brief! Klingt das nicht wie eine Drohung: »Verfolgt mich nicht! Nehmt ihr das Kind, dann werde ich ganz schlecht. Ihr braucht euch nicht um mi chzu sorgen, ich komme durch, auch wenn er mich von sich stoßt. Denkt, ich sei töt, aber laßt mir mein Kind!" .
„So was kann einem zu Herzen geben, und wenn man für das Mädchen weiter nichts übrig hatte! sagte die Kosy und wischte sich die Tränen aus den Augen.
„Eine, die so an ihrem Kiiid hängt, die 'st nicht schlecht, und wenn ich Sie wäre, Frau Matusius dann schriebsich ihr jetzt einen schönen Brief und liege ihr das Krnd Arbeiten muß he doch, so oder so, und lueim sie nun einmal ohne ihr Kind nicht leben mag, dann findet sw auch schon W ge sich durchzubringen. Tie dreißig Mark Pflegegelder kriegt sie doch mm auch!" , . .
Frau Natusius hatte ihre Tranen getrocknet
Was wird aber die Frau sagen," meinte sie beilom- men,"„mit der wir schon alles verabredet hatten? Für einen Monat wird sie nun wohl Bezahlung beanspruchen
Tuch in den Mund.
„Ich muß es heimlich tun; wenn sie es merken, ist alles verloren!" flüsterte sie. „Ich gehe zu ihm! Ich bringe ihm das Kind — unser Kind. Er kann mich nicht von sich stoßen! Morgen gehe ich zu ihm!"
Ihre Gedanken arbeiteten fieberhaft. Gott im Himmel, sie hatte kein Geld, keinen Pfennig Geld, und niemand würde ihr Geld geben. Wenn sie Geld haben wollte, mußte sie es ihrer Mutter stehlen und auch das ging nicht, denn sie war ja nicht einen Augenblick allein im Zimmer, und die Mutter bewahrte ihr Geld in einer eisernen Kassette.
„Morgen, wenn ich nach Naumburg muß dann ginge es, 'daun vermissen sie mich nicht gleich!" überlegte sie aber gleich darauf kam wieder eine große Trostloflgkeit über fi'C.
Wie sollte sie das erklären, daß sie ihr Kind mit sich lta£jm„3m der Nacht muß ich fort, ganz leise unb heimlich, nur Geld, nur Geld muß ich haben!"
Stunde auf Stunde sann sie vor sich hm.
„Mit zwanzig Mark kann ich reichen! Aber wer gibt mir zwanzig Mark?" v ~ ,
Sie dachte au den Doktor, der bei Frau von Hilbach wohnte; sie dachte auch an die dicke Gemüsehändlerin, die immer freundlich zu ihr gewesen war, aber plötzlich strahlte es wie Glück über ihr Gesicht. ..
„Ich gehe zu Frau von Hilbach, die gibt es mir gewiß, Und sie fragt mich auch nicht weiter, wenn ich ihr sage, daß ich es für das Kind brauche!"
Sie traf die Pastorin bei Frau von Hilbach, und tote die sie mit ihrem Kind auf dem Arm sah, da wandte sie sich ab, sagte laut: „Adieu Frau von Hilbach!" und rourbgte das Mädchen, das still an der Tür stehen geblieben war,
nicht behalten!" .
„Ich geb ihr mein Kind nicht, netn, ich geb ihr mein Kind nicht!" tobte es in Frieda. Fast hätte sie es aus dem
„Ich brauche es nicht sogleich zuruck Frieda. Erst sehen Sie, daß Sie wieder froher roerben. Es ist wohl der Schmerz, daß Sie das Kindchen hergeben müssen, der Sie jetzt bedrückt. Ich verstehe Sie so gut, Frieda!"
Ich gebe mein Kind nicht her!" wollte Frieda rufen, aber sie besann sich, drückte Frau von Hilbachs Hand unb
keines Grußes. „,,,
„Nun, Frieda?" fragte Frau von Hilbach, die etwas erstaunt über diesen seltenen Besuch war. „Haben Sie einen Wunsch?" , ,
„Sie sind so gut, Frau von Hilbach," sagte Frieda mit stockender Stimme und schwieg bann.
„Kann ich Ihnen mit irgend etwas helfen?" begann Frau, von Hilbach wieder unb faßte ihre Haube.
„Wenn Sie - ach, ich kann es so schwer sagen, ich brauche zwanzig Mark, nur für kurze Zeit. Ich muß etwas bezahlen, aber Mutter unb Großmutter dürfen es nicht wissen. Ich schicke es zurück, ganz gewiß, Frau von Hilbach, Sie können es mir glauben!"
Frau von Hilbach gab ihr das Geld.
„Ich brauche es nicht sogleich zuruck Frieda.^ J@rjt


