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Bett Wänden ünb rächte, farbige Zeichnungen erhielt, die Alpen- la ad schäft en, Meereslvogen im Sturm itttb antike Theatermasken darstellen. Hier ist der elegante Kunstsinn schon znM Raffinement gesteigert, ohne aber zu verletzen. In den Vestibülen der Propyläen find die Decken mit Bronzekassetten geschmückt, die den besten Mastern der antiken Thermen nachgebildet sind. An den Portalen lint Innern hat Sacconi wieder polychrome Malerei mit antikem Marmor verwendet.
Die Italiener Wunen auf dieses Denkiüal stolz fein. Dabei tritt außen der Bau noch gar nicht so imponierend auf, weil die knappe Zeit es noch nicht erlaubte, ihn rechts 'und links ganz freizulegen. Ar., L. Kuhn,
Transportable schwimmhaüen.
Wohl bestehen scholl in mancher delitschen Großstadt Hallen- schwiinmbäder, doch ist ihre Anzahl immerhin relativ gering. Es hätte sich vielleicht schon manche Stadt entschlossen, ein solches Bad zu errichten, wenn nicht so außerordentlich große Mittel vonnöten lvären; man kann im allgemeinen mit 400 000—500 000 Mk. rechnen. Das Müllersche Volksbad in München kostet sogar mehr als 1 Million. Man hat schon oft darüber nachgedacht, für solche kostspielige Anlagen einen brauchbaren Ersatz zu schaffen, doch bis jetzt so giit wie ohne Erfolg. Die Jnterliationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 wird die erste brauchbare Einrichtung dieser Art vorsühren. Es ist dort die erste transportable Schwimmhalle nach den Plänen des Diplom-Ingenieurs H. Recknagel, Berlin, erbaut und am 14. Mai dem Betriebe übergeben worden.
Das Bassin für eine solche transportable Schwimmhalle wird in billiger Weise aus Beton hergestellt und in möglichst verkehrsreiche Gegend gelegt, z. B. an zentral gelegene Bauplätze, die erst nach einer Reihe von Jahren bebaut werden sollen. Während dieser Zeit können Betonbassin und Fundamente leicht amortisiert werden, um im Falle der Bebauung des Platzes an anderer günstiger Stelle neu zu erstehen. Die Wafferzufuhr kann von einem Flusse, von einem See, von Quellen oder auch von der städtischen Wasserleituilg aus geschehen, da bei Anwendung der englischen Wasserfilter der Bedarf an Frischwasser nicht allzu groß ist. Durch die beständige Wasserreinigung wird die Keimzahl des Badewassers nach den neuesten Untersuchungen so weit herabgesetzt, daß der Gehalt an Keimen geringer wird als im frischen Zulaufivasser. lieber dem Bassin bringt man einen leichten Hallenüberbau mit Segeltuchdecke an, der an kühleit Tagen die wünschenswerte Temperierung ermöglicht.
Diese fliegenden Hallenschwimmbäder werden mit Lokomobilen ausgerüstet, die für die Erwärmung des Wassers und im Bedarfsfälle auch für die Erwärmung der Luit Sorge tragen. Die Lokomobile ivird atlsgenützt zunt Betreiben der Wasserpumpen und Wafferstlter. Attf diese Art wird die Badesaison erheblich verlängert.
Die überschüssige Kraft der Lokontobile kann noch zur Erzeugung von Wellenschlag nach dem einfachen Höglauerschen System Verwendung finden. Dadurch wird ein ganz besonderer Reiz ohne erheblichen Mehraufwand geschaffen. Es handelt sich hierbei nicht nur tim eilte Steigerung des Badevergnügetts, sondern auch tim den sanitären Vorteil der kräftigen Sturzwellen von 0,8 bis 1 Meter Höhe, die itach der Entdeckung von Geheimrat Dr. Brieger auch zu einer mechanischen Zerstörung der int Wasser befindlichen Bakterien führt. Außerdem kann hier das Schwimmen gegen die Wellen, das eine erhöhte Schivimmbetätigung bedeutet, geübt werden.
Für Orte, denen die Erbauung eines massiven Hallenschwimmbades aus finanzielleit Gründen unmöglich ist, dürfte es sich empfehlen, ihr Augenmerk auf die „Transportablen Schwimmhallen* zu richten, bei dem verhältnismäßig geringen Kostenaufwand von 80000—100 0G0 Mk. stellen diese Schwimm hallen einen in hygienischer und architektonischer Beziehung mustergültigen Bau dar, und sie lassen sich mit diesem Betrage so groß herstellen, daß Schwimmfeste (Wett- und Schauschwimmen) wie in der Ausstellung in einem Bassin von 12 x 39 Meter abgehalten werden können.
VerinUchtes.
* Pfingsten. TaS Wort „Pfingsten" ist nicht weniger bemerkenswert als Weihnachten und Ostern. Freilich ein großer Unterschied ist auf den ersten Blick erkennbar: während in' jenen Namen sich Erinnerungen an heidnische Feste fortpflanzten, ist der Name Pfingsten rein christlichen Ursprungs. Er geht zurück auf das griechische pentekoste (hemera) — der fünfzigste (Tag), nämlich nach Ostern, und scheint mit Wörtern wie K i r ch e und Pfaffe durch Vermittlung des Gotischen vor der althochdeutschen Zeit in die deutschen Mundarten eingedrungen zu sein. Denn die außergermanischen Völker Westeuropas haben mit der römischen Bekehrung später die in der lateinischen Kirche üblichen Wörter eccleaia (Kirche) und clerieus (Pfaffe) eingeführt; zu der Zeit aber hätte das anlautende p von lat. penteeosta (vgl. sranzös. la Pentecöte) im Hochdeutschen nicht mehr zu pf verschoben werden können. So ist das Wort ein Rest der frühen griechisch-arianischen Bekehrung unter den deutschen Stämmen. Allerdings hat aus peutecoste Kickst ohne weiteres Pfingst e n werden können. Int Althochdeutschen muß es vielntehr pfinkusti (ohne n am Ende) geheißen haben,
doch ist diese Form zufällig nicht belegt; aber sie ivird durch solche neuhochdeutschen Zusaminensetzungen wie Pfingstsonntag, Pfingstrose usw. bezeugt, und ein althochdeutscher Schriftsteller, Notker, der das Wort seinen Lesern verständlich macheit will, gebraucht die Form finfchusti, indem er wenigstens den ersten Bestandteil übersetzt tmb den zweiten an kust (zu kiosan, wählen) anlehnt. Das ntiltel- hochdeutsche pfing(e)sten aber, das auf die nicht nachweisbare althochdeutsche Form zurückgeheit muß, erklärt sich (wie „Weihnach t en") als Wemfall (Dativ) der Mehrzahl in Anlehnung ait Fälle, in beiten das Wort als reine Zeitbestimntung mit einem Verhältniswort gebraucht wurde (auf, nach, von, vor, zu Pfingst e n). Daraus wurde beim ein neuer Werfall (Nominativ) bet Mehrzahl und sogar bet’ Einzahl gebildet. So haben wir noch heute in der Mehrzahl „die Pfingsten": „Fröhliche Pfingsten", „Nasse Pfingsten, fette WeihnachtenI" (Sprichwort); in der Einzahl „das Pfingsten" (d. h. Pfingst! e st): „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen" (Goethe). „Ein Pfingsten, rote ich's beschreiben will" (Jean Paul). Daneben auch „die Pfingsten": „So wird euch die Pfingsten zum Pfingstbier laden" (Ftschart). Das Fehlen eines heidnischen Wortes für das Pfingstfest läßt übrigens darauf schließen, daß es in dieser Zeit ein entsprechendes genteingermanisches Fest nicht gegeben hat; denn selbst hier und da noch verbreitete Gebräuche wie das Schlachten des bekränzten Pfingstochsen, die Psingstreckenzüge tt. a. sind dafür kaum als beweiskräftig anzusehen und deuten wohl nur auf Einzelfeste hin. Sonst würde sich zweifellos ein gemein- germanisches Wort dafür erhalten haben. So hat sich ja gegenüber dem in manchen mittel- und niederdeutschen Gegenden gebräuchlichen Pasch (vgl. franz. Päques) bas deutsche Wort O st e r n überall burchgesetzt. Unb anderseits hat bas Englische auch für bas Pfingstfest zwar eine einheimische Form „Whitsuntide, Whitsunday“, aber auch sie ist nur in Anlehnung an beit christlichen Brauch zu erklären, zu Pfingsten vorzugsweise bie Taufen abzuhalten tmb beit Neugetausten bazu eine Woche lang weiße Kleider anzuziehen.
Fredenhagen (Hamburg).
* Der S ch ei d u n gs z u g. Der elegante, vornehm aus- gestattete unb von der fashionablen Welt imt Vorliebe benutzte Expreßzug, ber von New Port nach Reno, ber Hauptstabt von Nevaba, führt, mußte in ber vorigen Woche einen besonderen Scheidungs-Pullmannwagen einstellen, der nur von reichen Frauen und ihren Kammerzofen besetzt wurde, bie alle bie eine Absicht haben, sich in Reno scheiden zu lassen. Die Damen, die zumeist jung und schön waren, reisten unter angenommenen Namen und erklärten, sie wollten einmal einen Besuch in Nevada machen, „um sich die schöne Gegend anzusehen". Aber über ihre wirklichen Absichten herrscht kein Zweifel: sie ivollen noch die letzte günstige Gelegenheit wahrnehmen, um in Reno rasch ein ihnen beschwerliches Ehejoch abzuschütteln. Die wackeren Väter des Staates Nevada sind nämlich nicht damit zufrieden, aus ihrer Hauptstadt Reno das Mekka aller unglücklich Verheirateten gemacht zu haben, wo man als Grund ber Scheidung einfach Unverträglichkeit bes anbereit Gatten ober bnrch ihn verursachten „Scelenschmerz" angeben kann, sie wallen biese vielbenutzte Form der Eheanflösung noch einträglicher gestalten als sie schon bisher war und haben deshalb ein Geseß erlassen, daß jede Person, die sich in Nevada scheiden lassen will, sich erst 6 Monate int Staate aufhalten muß, um das Bürgerrecht zu bekonunen. Dieses neue Gesetz tritt am 1. Juni in Kraft. Die Aussicht auf die drohende Erschwerung der Scheidung hat nun eilte große Pilgerfahrt von reichen Männern und Frauen hervorgerufen, die sich noch von beit Ehefesseln befreien wollen, ohne sechs Monate in einer so langweiligen Gegend sitzen zu müssen. Der „ScheidtiitgSzug", wie man beit Expreß von New Port nach Reno nennt, ist voll von beit elegantesten Damen und Herren, die so viel Gepäck mitbringeit, daß er 15 Minuten länger in Reno halten muß.
* Der kleine Fvitz sitzt gemütlich am Mittagstisch bei feinem Eltern, bie sich über sein drolliges Wesen sehr amüsieren. „Ich glaube," ruft er plötzlich stolz, „Ihr habt euch nur geheiratet UM Mich kennen zu lernen!" „Jugend.,"
Vilderrätse?.
Auflösung in nächster) Nummer:
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Das Feuer.
Redaktion: I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


