Ausgabe 
29.6.1910
 
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fehlt oder betriebsmifähig ist, Ivie leider allerdings in 999 voll! 1000 deutscheit Wohnorten gegen einen solchen beschämenden Zu stand sollten die Gastioirte zuerst im eigensten Interesse wirken. Eine Vermietbare Badewanne bedeutet denn doch eine erschwingliche Kapitalanlage für jedes Dors. Allerhand ließe sich noch leicht beschaffen: Nähzeug beispielsweis, dann ein Schach- Und eilt Damenspiel, nicht nur schmutzige alte oder teure iteuie Karten. Als Andenken halte man mehr verkäuflich als bloß An­sichtspostkarten, auch Natur- wie Kulturerzenguisse aus der Um­gebung: schöne Steine und Pflanzen (ohne Wurzeln), auch ge­trocknete, sowie, lvas der Hausfleiß. Eigenartiges bringt. Dagegen beleidige man nicht Leute, die den Beweis der Geschmacklosigkeit! noch nicht erbracht haben, durch die Zumutung, jene Abart der Hausgreuel «nzusehn oder gar zu kaufen, welche die fürchterlichste aller Fremdenindustrien unter dem NamenReiseandenken" über Land schwemmt. Kann doch ein einziger Glaskasten mit diesem Unrat einem ganzen Zimmer die Stimmung verderben.

Mitunter fehlt einem dies und das, zu dessen Beschaffung Noch kein Doktor nötig ist, sondern nur eines der gangbarsten Medikamente. Also: eine gute Hausapotheke, giftfrei versteht sich, nur mit unschuldigen Sachen. Als welche übrigens aus gleichen Gründen auch trockne Strümpfe, wollene Binden und dergleichen unter Umständen hoch zu Preisen, aber keineswegs überall zu haben sind. Ziwiel Verlangt? Nein, hier berührt! sich dasnette" Gasthaus mit allernltesten. Wer's bezweifelt^ möge sich erkundigen, was alles man nicht nur in einer guten) Alpenschutzhütte, sondern zum Beispiel auch in einer guten Riesen­gebirgsbaude bekommen kann. Und noch mehr, leider, konnte. Damals zum Beispiel, als noch der alte Hübner-Berthold auf der Hübner-Baude waltete, als welcher ein Wanderer-Vater war. Dafür lief auch immer wieder über seine Baude, wer eigentlich ganz wo anders hin wollte. I

Kurz: ein Gasthaus, das solche Vorzüge hat oder doch einen wesentlichen Teil von ihnen, kann sich von aller Rabatt- nujd Krivilegienreiterei freihalten. Denn es kann sicher sein, wenn es nur das, was es tut, gut tut, so wird's bald eine Berühmt-, Seit weit herum und die sichere Raststätte allerNeuen Reisenden",

Herrn a n n H ä f k e! rj

70 mal, 11"

Alle die Vorstehend gegebenen Zahlen sind selbstverständlich! Mr als zutreffend bis heute zu betrachten, was sich von jetzt ab

Du rote Ros' auf grüner Heid'

Ein Jäger ging zu birschen

Auf dem Dache sitzt der Spatz

Wüchsen mir Flügel

Wirt, hast du nicht ein volles Faß

Laß mich dir sagen, laß mich dir singen Röslein, wann blühst du auf

Lenz ist gekommen ins harrende Land Glockenblumen, was läutet ihr Rothaarig ist mein Schätzelein Vergißmeinnicht: Blaublümlein spiegelte sich Es wartet ein bleiches Zungfräulein Alle Blumen möcht' ich binden Im Grase tant's, die Blumen träumen Ich ging tm Wald durch Kraut und Gras Von diesen ist am häufigsten vertont als:

über 16 mal komponiert sind und denen die zufügen.

Beim Faß: Schlagt derb auf's Faß Leer ist der Tag, er geht zu Ende Immer schaust du in die Ferne Es wächst ein Kraut im Kühlen Je länger, je lieber sitz' ich beim Wein Der Zaunpfahl trug ein Hütlein weiß Wenn du fein Spielmann wärst

Must. Lied: Ich ging im Wald

Gern. Chor: Es ivartet ein bleiches Jungfräulein Mämterchor: Röslein, wann blühest du auf

17 mal, 17 II" 18 18 19 20 I?" 22 23 »i a: 47 48 56 7, 56 ,, 65 80 ff

Julius Wolff im bilde der Zahlen.

Eine kleine statistische Skizze von Ernst C hall je r fett.

Der vor wenigen Tagen pbgernfene Dichter, dessen lyrische Und dramatische Werke keinem Gebildeten unbekannt sind, ist von den Komponisten int hohen Maße bevorzugt worden. Wenige feiner Zeitgenossen sind bei ihm ganz vorüber gegangen, die größere Anzahl hat einige oder doch eine feiner viel begehrte^ Wichtungen sich erwählt. In hervorragender Weise sind hierbei Heinrich Hofmann und Hans Sommer beteiligt.

Darum ist es auch zu verstehen, daß sich für 122 Dichtungen eine große, aber schwer festzustellende Schar von Komponisten fand, die diese Verse 1307 mal vertonten, die Mehrzahl als einstimmige Lieder 1077, dann 5 Duette, 45 Gemischte Chöre, 222 Mämterchöre und 18 für Frauenstimmen.

Nur ein geringerer Teil der Dichtungen hat eine kleine Zahl

von Kompositionen gefunden (18 mit einer, 13 mit zwei), der größere hat erheblich mehr aufzuweisen. Um aber nicht zu weit- schweifig zu sein, werde ich nachstehend. nur die aufführen, di« betreffende Zahl

und später anschließen wird, entzieht sich freilich jeder genaUerdnj Schätzung, dürfte aber, was wohl bei der Beliebtheit des Dichters, anzunehmen ist, meine heute noch feststehenden Zahlen in kurzer Zeit veralten lassen,

VevmZßchLes.

* D i e elektrische Angel. Es ist eine bekannte Er­scheinung, daß das Licht, die Wärme, die Elektrizität aui gewisse Tierarten starke Eitiflüsfe ausüben. Die Tiere luerbeit angezogen oder abgestoßen und geraten in manchen Fällen in große Erregungs­zustände. Die Erscheinung hat nabe Verwandtschast mit der Eigen­schaft der Pflanzen, stets dem Licht und der Sonne zuzustreben. Der französische Gelehrte Rose hat seine Unterfuchungeit über diese geheimnisvolle Kraft aus eine Anzahl niederer Tierwesen aus­gedehnt. Insbesondere waren es Schattiere und Weißstsche. Die Experimente haben ein merkwürdiges Ergebnis gehabt; es zeigte sich, daß die Elektrizität z. B. auf die Weißfische eine un­widerstehliche Anziehungskraft ausübt. Wenn man durch einen Wasserbehälter einen elektrischen Strom hindurchgehen läßt, so schnellen sich die Fische mit größter Geschwindigkeit auf den posi­tiven Pol zu. Die Bewegung geschieht mit solchem Ungestüm, daß die Fische sich aufspießen würden, wenn an der betreffenden Stelle Stacheln oder Hacken angebracht würden. Die Versuche werden fortgesetzt und beleuchten die Möglichkeit, die Elektrizität itt den Dienst der Fischerei zu stellen. Das wäre bedanerlicli!

* Frauenarbeit in Japan. Die beiden Hauptindustrien Japans, die Tee- und die Seidenindustrie, beschäftigen schon seit den ältesten Zeiten meistens Frauen, aber mit dem wirt­schaftlichen Aufschwung des Landes ist die Frauentätigkeit immer weiter gewachsen. Die Seidenraupenindustrie ist ganz in ihren Händen, sowohl die beständige Pflege der Kokons und Selden- raupen, als auch das Wickeln und Weben der Seide. Selbst­verständlich haben die Japaneriimen auch in der Gartenkunst längst ihren Platz eingenommen. Ganz auffallend aber ist es, daß sie auch in den Fabriken schon seit Jahren die Männer so gut ivie ganz verdrängt haben. Nach einer älteren Statistik der /.Japan Mail" waren in der Rohseidenmanufaktur 107 348 Frauen und nur 93 Männer beschäftigt; in der Baumwollenspinnerei 53 053 Frauen und 79 Männer; in der Zündwarenindustrie 11385 Frauen und 69 Männer; in der Zeugfabrikation 10656 Frauen und 86 Männer; in der Tabakindustrie 7874 Frauen und 172 Männer; in der Mattenflechlerei 1611 Frauen und 54 Männer. Im ganzen 191957 Frauen und 553 Männer. Diese Statistik dürfle inzwischen eine weitere bedeutende Steigerung zugunsten der Frauen­arbeit erfahren haben. Die schwerste Arbeit von einer Art, die bei uns ganz unmöglich wäre, müssen die Frauen leisten, die in den Häfen beschäftigt sind. Bon Frauen hauptsächlich tuitb das Ein- und Ausladen der Kohlen im Hafen von Nagasaki besorgt. Sie stehen dort Schulter an Schulter und stillen endlose Reihen von Körben mit der Regelmäßigkeit und Schnelligkeit von Maschinen.

Büchettisch.

Wilhelm S ch m i d t b o n n: Der Zorn des Achilles. Eine Tragödie in drei Auszügen. Verlag von Egon Fleischet & Co., Berlin W 9. Dieses Werk hat derFrauenbund zur Ehrung rheinischer Dichter" preisgekrönt, und Schmidtbonn verdient diese Ehrung, weil er mit deinZorn des Achilles" wieder einen Schritt vorwärts gemacht hat auf der Bahn, die er mit demGraten von Gleichen" so erfolgreich betreten. Schon von diesem Werk sagt Professor Litzmann, daß eS von einer Reife, Kraft und Größe sei, die kaum noch übertroffen werden könnte. Und doch kann man vomZorn des Achilles" sagen, es ist noch ein Fortschritt, sowohl was den dramatischen Aufbau, als ivas die Sprache und Form anbetrifft. Schmidtbonn hat es verstanden, die farbigen Bilder, die uns Homer anschaulich, aber in epischer Breite gibt, zusammen- zusassen und ihnen eine dramatische Wucht zu verleihen, die bis ins Innerste dringt. Es ist seine eigene Sprache, die Schmidtbonn spricht, und sie ist machtvoll und hinreißend, dabei klangschön und von einer Natürlichkeit, der alles Gekünstelte und Gedrechselte fern liegt. Schmidtbonn hält sich nicht an die Tatsachen, die uns Homer gibt. Er hat die Fabel vom Zorn des Achilles umgeändert und erweitert. Man kann überzeugt sein, daß das Werk, das schon beim Lesen einen fielen, nachhaltigen Eindruck macht, bei seiner Uraufführung in Berlin einen großen Erfolg erzielen wird.

Rätsel.

Nimm dich in Acht vor mir! Nicht selten hab ich dem Menschen Lust und Liebe zum Leben rauh und herzlos genommen.

Schlage mir ab den Fuß und ändere mein zweites Zeichen: Eitel nur ist dein Bemüh'«, ich nehme zuletzt dich gefangen.

Auflösung in nächster Nummer,

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer k BEGAS ERIS GIG A 8 8

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen,