Ausgabe 
25.8.1910
 
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18.

Bas Deutschauer Herrenhaus lag ganz still. Seine Läden Waren geschloffen, man sah lein Licht mehr, nur ton Hostor flackerte trübe die Laterne; Frau Helens WM noch ÄM Non der Fährt nach der Eisenbahn Wrüch,

Ihre Augen blitzten, sie wurde ganz rot, als thr Mann Verneinend den Mops schüttelte.So geh du doch nach Hause, geh nur," drängte sie. ,,,

Ein rascher Blick des Einverständnisses war zwischen ihr und Pan Szulc hin und her geflogen, unmerklich fast; sie zwinkerten nicht, sie stießen sich nicht an, sie sagten kem Wort, und sie verstanden sich doch.

Valentin sah den Blick. Und plötzlich frel ihm etwas von den Augen hatte das gepriesene Wasser der Quelle so rasch ein Wunder gewirkt?! er sah, sah, tote Man bei einem Blitzstrahl sieht, der durch schwarze Nacht fährt. Sah und fühlte mit einem Schmerz, der ihm gleich ernem ohnmächtig machenden Stich durch Leib und Seele ging, die Hoffnungssonne wieder sinken, die er vorhin am Hort- e' wie eine goldene Kugel hatte emporsteigen sehen.

ts, nichts, auch ein Kind nicht, konnte ihm helfen!

Aus dem Krug bei Eiweih summten Tanzmelodren; Pratsche und Geige, Dudelsack und Horn mußten an der Wand hängen bis nach Ostern, aber man durfte wenig-

Mle^^blaßgänger traten ein in die Schenke.

Das Mädel ist mein. Das Mädel ist mein Im Kops schwarze Augen, So wie rch, so wie ich!

Das Mädel ist mein, Das Mädel ist mein Am Schuh gold'ne Schnallen, So wie ich, so wie ich!

Das Mädel ist mein. Das Mädel ist mein Im Sack keinen Groschen- So wie ich, so wie ich!" sang ein Bursche, der aus dem Krugfenffer yerauslehnte Und winkte die lachenden Mädchen herein.

Pan .Szulc summte mit, auch Stasia summte: So wie ich, so wie ich!"

Unruhig trippelte sie, sie konnte die Füße nicht mehr ruhig halten, ihre Hand fingerte nach des Partners Hand.

Da stieß ,Valentin heraus, mit einer verzweifelten An­strengung, feiner brechenden Stimme Trotz zu verleihen:

So bleib du, bleih du! Ich geh' nach Haus!"

*

Der Ab laß tag, der grau verhängen über die schwach begrünte Ebene gegangen, war zum schwarzen Abend ge­worden. Schwer lastete sich ballendes Nachtgewölk.

Die Fenster von Eljäkim Hirsch, die erst wie helle Sterne gestrählt hatten, waren jäh dunkel geworden. Man hatte zum guten Glück sich noch der österlichen Zeit erinnert: wie würde der Herr Vikar sonst schelten, wenn er's erfuhr, daß Man der Fasten so wenig geachtet?! Wie konnte map auch der Leiden 'Christi so wenig gedenken?! Tanzen das war heut, selbst am Ablaßfest, eine Sünde, die sich nicht gut machen ließ durch hundert Rosenkränze. Rasch waren hie Lichter gelöscht worden; nun saß man fast im Dunklen, bloß ein ganz erbärmliches Lämpchen überm Schenktisch warf ein wenig Schein. Aber die Dunkelheit hinderte nicht, daß man im Krug sitzen blieb und, da man nicht tanzen durfte, desto eifriger trank.

Stasia war erst sehr enttäuscht, daß es zu keinem Danze kam. Wie lange, ach, wie lange sollte man es glauben? seit sie verheiratet war, hatte sie nicht mehr getanzt! Und sie Hub an, sich bitterlich zu beklagen: nein, glück­lich war sie nicht, der Valentin war ein ganz guter Mensch, aber, ach, hätte der eine Ahnung davon, was sie brauchte?! Nein, keine Ahnung!

Und sie warf sich Pan Szulc an die Brust, schläng die Arme um seinen Hals und küßte ihn leidenschaftlich.

Sie waren allein in dem Keinen sogenannten Herren- stübchen, das EljakiM neben dem größeren Wirtszimmer hätte. Mit einem Schmunzeln hatte er sie gleich da hin­eingewiesen. Nun ging Pan Szulc und drückte leise die Tür zu, die bis jetzt nach der Wirtsstube offen gestanden hätte.

Der alte Hoppe hätte sich in seinem Stübchen im Seiten!--, slügel schon zu Bett gelegt, warum sollte er noch so! einsam aufsitzen? Morgen mußte er so wie so doppelt rüh heraus, da der Baron in Berlin wär und er allein ür alles aufzukommen hatte. Nun, aufkommen würde er chon, hätte der Gutsherr sich doch in letzter Zeit so tote so nicht viel um die Wirtschaft gekümmert. Merkwürdig, wie zerstreut der Herr jetzt oft war, ganz wie abwesend! Seit der Geschichte mit dem Plakat an der Katarhnka war er. förmlich verstört. Wenn er nun erst gar wüßte, tote'otcte solcher Plakate sein Inspektor mit der Zeit gefunden hatte! Gewiß an die zwanzig. An dieser Scheune und an jener/ am Stall, am Speicher, sogar an der Haustür, überall auf dem Gehöft. Und letzthin hatte es auch außen an der Hof- mauer gestanden. Mit großen Kreidebuchstaben, so recht jeder­mann sichtbar: ,

Hakatist! Schwein! Schächer! Hundeblut!

Immer waren es die gemeinsten Schmähungen, und imMer war es ungefähr derselbe Wortlaut. In der. Tat/ wenn das einer immer und immer wieder zu hören kriegte/ konnte er schon närrisch darüber werden!

Der Inspektor, bereits im Begriff, sich niederzulegew/ wär noch einmal an seine Kommode gegangen. Dort ver­wahrte er in einem alten Zigarrenkästchen, in wohlver­schlossenem Schub, die schmähenden Zettel. Jetzt sah er sie noch einmal durch: pfui, pfui, pfui! Aber dann kam thm der Gedanke: wie mußte man die Seele eines Menschen erbittert haben, daß der solches schrieb?! Wer jener arme Kerl wohl sein mochte? Ein Mitleid überkam ihn mrt diesem, fast mehr als mit dem Niemczhcer. Wer warum nachforschen?! Der Niemczhcer ivar zu hochmütig, um stch darum zu kümmern, und ihn, den Inspektor, was ging's ihn denn eigentlich an? Er tat genug, wenn er bte In­sulten am frühen Morgen auf seinem ersten Rundgang/ wenn noch alles schlief, absammelte und seinem Herrn so den Aerger aus den Augen räumte. Was seit Generationen am Volke gesündigt ist, läßt sich nicht aus der Welt schaffen. Nun traf die Rache einen, der vrelleicht besseren Willen hatte; aber gerade den traf's doppelt hart!

Der alte Inspektor schüttelte den Kopf, als er müde vom Tage in fein Bett kroch: im Grunde waren fich die Herren doch alle egal, da war nicht viel zu erhoffen! Eins neue Generation mußte erst kommen, um ein Volk zu er­ziehen, das jetzt noch tote ein kleines Kind in Windeln war.

Unser Vater im Himmel," murmelte der alte Mann und faltete die arbeitsharten Hände über der Brust,der du deine Könne scheinen läßt oben auf den Lysa Gora und ebensogut unten auf den Luch iM Feld, willst du uns nicht einen schicken, der da weiß, tote man säen muß, um Frieden zu ernten? Amen!"

Mit diesem schlief er ein. Er hätte schon ganz fest geschlafen, als ihn ein Schrei weckte. Ein johlender Schrei war's, tote er schon einmal hier erllungen war ton Abend! des Erntefestes ein trunkenes Gröhlen sinnloser Freude.

Aus dem Pociechaer Krug hatte sich eine Schar itotfa gemacht. Es war ihnett zu langtoeilig geworden, zttsammen zu sitzen ohne Danz und Gesang.

Mit Johlen und Pfeifen strömten ste aus- der Schenke und trieben sich draußen herum. Dicht an der Propster trabten sie vorüber wollten sie etwa wieder hin zum Lehrer Ruda?! O nein, der war ja jetzt brav! Somächten sie wieder Wehrt. Noch einmal ging's an der Propstei vorbei mit Lachen und Geschrei und mit Pfiffen, die durchs! Dunkel stiegen wie Alarmsignale.

Wo wollten sie denn hin?! Das wußten sie selber nicht. Nach Hause natürlich nicht; da gab's kalte Stuben und! kein Fleisch im Topf. Jetzt wär's freilich noch Fastenzeit, aber zu Ostern würde auch kein Fleisch da fein, und das behagte ihnett schon lange nicht.

Psia krew!" Sie ballten die Fäuste. Wohin Mit deM Aerger! Wohin denn nur?

Fern schimmerten die Lichtchen von Pociecha-Ansiede-! lung. Ein Stern flimmerte Heller als die andern. He- da war ja auch! ein Krug ! Den Mußte Man mal probieren ! Und wenn etwa die Hhwabby sich breit darin gemacht haben sollten:Schmeißt sie hinaus, die nichts cdn äM suchen haben!"

In Hellen Haufen zvg Man züm deutschen Krug, (Fortsetzung folgt.)