M
b s» ^KMMM;
:;'L
W
M
Weihnacht.
O Weihnachtsfreude, Weihnachtslust Willst wieder Einkehr bei uns halten, Dir öffnet gern sich jede Brlist, Das Herz der Jungen wie der Alten» Dem Kinde, daS mit Sehnsucht harrt Der ihm verheihnen Liebesgaben, Die um den Christbaum bunt geschart Sich bieten, Äug' und Mund zu laben, Dem noch des Lebens Sorge fern, Das nur mit Lust genießt das Heute, Dein Kinde, dem man gibt so gern. Ihm bist du reinste Herzensfreude. Auch denen, die erfahren schon: xAls Nehmen sel'gec doch ist Geben', Die ihres Daseins höchsten Lohn Hinieden finden im Bestreben All ihre Lieben 31t erfrcu'n, Blumen zu streu'n auf fremden Wegen, Der Nächstenliebe sich zu weihn, Für sie bleibst wahrer Himmels fegen. Und ihnen, die vereinsamt stehn. Von denen längst die Teuren schieden, An deren Seite hinzugehn Ihr Glück bedeutete hinieden, Wenn sie der Weihnachsglockenschakl Erreicht, mahnt an vergangne Stunden, Im Herzen findet Widerhall, Dann wirst du Balsam ihrer Wunden» Drum Weihnachtsfrcude, WeihnachtSlust, Komm, Einkehr wiederum zu halten, Dir öffnet gern sich jede Brust, Das Herz der Jungen wie der Alien» j. v.
Reichtumsnot.
Skizze von HeinzWiedensahl (Breslaus
, (Nachdruck verboten.)
IDetbe schauten zerstreut tu den Trubel tieS großen Weianachts-Wazars, der die Ausstellungshallen durchwogte. Endlich zuckte Dr. Detlev Kolland aus seiner nachdenklichen Haltung auf.
,Missen Sie'—les ist ein rechtes Malhdur, daßSieso unvernünftig viel Geld Haben."
Ellen Wichhardt verzog keine Miene. Mlv ein nervöses Zerren cm ihrer Nerz-Stola ließ erkennen, daß sie gehört Hatte und sich Ärgerte.
„Nee ‘-i tatsächlich," bekräftigte der junge Arzt seinen Stoßseufzer, indem er den Kneifer mit einer geübten Dreh» fingerbewegung zurechtrückte.
„Natürlich soll ich Sie nun fragen, weshalb."i
„Keineswegs. Ich sag's Ihnen auch so, gnädiges Fräulein. Sehen Sie mal —, Geld ist schon an sich ein Malheur. Alle Schwierigkeiten des Lebens rühren zur einen Halft« timt den Frauen, zur andern vom Geld her, sofern man nämlich zu viel oder zu wenig davon hat. Hat der Mensch zu wenig, — wie ich beispielsweise, — dann ist er schüchtern und zaghaft. Das Herz kann ihm noch so voll sein, daS Glück ihm noch s onahe sitzen, die Gelegenheit noch ftt günstig sein--"
„Ich habe Ihr Wort, Herr Doktor!"
„Das werde ich halten. Selbstverständlich. Mer ''Sie sehen, ein armer Mensch mit ßsogar sein Wort verpfänden, wenn ihn nicht jede Möglichkeit genommen werden soll H,<
„Herr Doktor!"
„Na schön. Reden wir von 'was anderm. Utn auf das besagte Geld zurückzukommen: hat jemand wiederum zu viel, — wie Sie beispielsweise, — so wird er hartherzig, mißtrauisch und eigensinnig."
Ellen Wichhardt zuckte die Achseln.
„Sie sind angenehm heute -7'
„Es ist das Schicksal aller Wahrheitsfanatiker, sich unbeliebt zu inachen. Won mir hoffe ich das übrigens nicht, da Sie ein gut Stück Wahrheit vertragen können, t—: Ms meinten Sie?"
„Ich sagte nichts."
tüQT fo."
Detlev Gollaud sah in das flirrende Licht der nächst- stehenden Riesentanne.
„Wissen Sie," fuhr er fort, „wenn ich überhaupt einen Weihnachtswunsch habe, so ist es der, daß Ihre Bankiers mit sämtlichen Depots ausivandern, daß Ihre Bergwerks ersaufen und Ihre Hütten abbrennen möchten —"
„Weiter wünschen Sie nichts?"
„Fürs erste nicht. Alles andere würde sich dann schon finden."
„Ihr Selbstvertrauen j,n Ehren, aber Sie sind int Jrrtmn."
„Erlauben Sie gütigst
„Nein, bitte, nun lassen Sie mich einmal reden M und zwar ernsthaft, Herr Doktor. Wenn ich Sie aufgesucht habe, nachdem ich hörte, daß sie beruflich hier sind, so geschah das nicht, um Ihre frommen Wünsche anzuhören, — Wünsche, die etwas Dekoratives haben für den, der sie ausspricht, auf mich aber keinen besonderen Eindruck machen. Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie auf die Mtte meinek Oheims so freundlich sich memer angenommen haben."
„Hat mchts zu bedeuten. Wir haben mindestens noch ein halbes Dutzend Museen zu besuchen, und nervös sind Sie auch noch."


