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Man hatte keine
(Schluß folgt)
norntnen. Jemand fragte: I
— Ist das nicht Sauer? , . I
Im selben Augenblick wurden sie, die beim Eintreten I vom Publikum kann: bemerkt, stürmisch begrüßt: I
— Petschnikoff, Sarasate! — und die drei Künstler ver- I ineigten sich noch einmal. I
Die anderen Größen waren wie bet einer Wohltätig- I teitsvorstelluug, jeder für sich erschienen. Diese drei mußten aber doch mehrfach zusammen geübt haben. Darrn sah I man das Erstaunliche. Und die Würdigung dessen war so stark, daß ,nan den suchte, der heute derartiges bot: Ludwig Droesigl. ., „. I
Wer man entdeckte ihn nicht. Vielleicht war er hrnuber- geqangen, rrm nach den Tanzenden zu sehen. .
Da hatten die Künstler auch schon begonnen zu spielen. Nach einigen Takten war es dem Dutzend der ernsthaft Musikalischen klar, wer die Musik geschrieben: Richard Strauß. Süß wie eine HimmetMmme sang Sarasates Instrument, schwermütig mit dein großen, vollen Ton rlaug des Russen Geigen,stlrich dazwischen und, ern echter Künstler, hielt der am Klavier mit seinem Spiel dre beiden anderen zusammen. Er konnte kein Tastenheldentum zeigen, aber der Flügel schien unter seinen Fingern zu srngen als zöge | ier aus bett Elsenbeinplatten die Töne einzeln herauf. thenmtisch wunderbar gearbeitete Stück war aus Strauß neuer Schasfensperiode, rein in Melodie getaucht, von der Geige des Schwermütigen gesungen, über der gleich einem Irrlicht über den Wassern die leisen Skalen, die Flageolett- Woppelgriffe des Spaniers schwebten.
Wer da war es auch schon vorbei.
Man hatte keine Zeit sich zu besinnen. Em mittelgroßer Mann mit schwarzem Schnurrbart und schwarzen Augen ließ seinen Tenor schmettern, der zum Forte schwoll, 'daß man meinte, die Fenster im Saal mußten Mrren. Und doch war die Stimme immer voll edlen Wohllautes. Die Damen machten Augen, Meßen sich an, es überlies sie, und als der Sänger in der Schluhkadenz die schwindelnde höhe des Fis erreichte, nicht vorsichtig angesetzt, sondern mit aller Gewalt aus diesen seltenen Stimmbändern getrieben, ging ein Schrei des Jubels durch den Saal:
— Caruso! Caruso! Carrtso!
Alles erhob sich, als ahnte man, daß dieses das Ende sei Wer es bildete sich gewissermaßen eme Gemeinde m der Ecke, die noch donnernd Beifall klatschte, während die anderen schon zu Eleonora Düse strebten, zu Sarah Gernhardt und eine Anzahl sich den Musikern bekannt machte oder die Bellineioni umschwärmte. Alle wollten diese: Meu- schen, die sie bisher nur ut der Entfernung vom Publikum aus gesehen, in der Nähe erblicken. Stammbücher tauchten auf, und mit Freundlichkeit beugten sich die Künstler nieder.
Es gab welche, die bedauerten, daß cs s» kurz gewesen, denn das Gerücht, jede der europäischen Berühmtheiten würde nur einen Vortrag bringen, war nicht geglaubt worden, .Es schien zu unerhörter Luxus.
Manschette genannt werden. Haben wir int1 Hemd ein Wort Von deutschem oder indogermanischem, int Kragen eines' von griechischem, in Krawatte von slawischem Stamm vor uns, so führt uns die Manschette in das' lateinisch» Sprachgebiet; sie ist die Verkleinerung des französischen manche manus -- Aermel, HandbegkeitlMS, und dies stawmt wieder vom lateinischen M a n i c a, das wieder von die Hand herkom'ntt. Kehren. wir nun 511 unserem Anfang, zum Rock, zurück! Ta müssen wir freilich gleiche zugv- stehen, daß über die Herkunft weder von Rock noch von Hof« uns die Sprachwissenschaft klare Auskunft geben kann. Tas allgemeine Wort Kleid dürfte die älteste Bedeutung „Zeug", „Tuch , haben, wie man noch jetzt im Siegsland ein Taschentuch em „Woschrlead , eigentlich „Wischtuch" nennt. Tas Kleid dürste aber ipraMch. mit Meie, kleiden, zusammenhängen und etwas Geknetetes, Gewalktes, Gestampftes bedeuten. lieber die Abarten des Rockes läßt sich schon eher Bescheid geben. Tie Jacke findet sich seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland, auch in der Form gack en
I oder gacke und bezeichnet einen „wattierten Wastenroctt; imr weisen auch an dieser Stelle auf den Koller hm, da doch die allgemeine Meinung ist, er habe immer den Lederpanzer oder me Reitjacke bedeutet, während er in Wirklichkeit ursprünglich das Halsbmid, der stehende Hemdkragen, dann aber das glatte ^chulter^ teil des geistlichen Talars war. Die Jacke, ist zu uns aus Frankreich ! gekommen, tob sie schon im 14. Jahrhundert ans taucht, um atid) als giacv ins Italienische, als jacv insGpanyche. zuwnndern.
I Weiter weiß man nichts Genaues über ihre Herkunft, denn^man I erfindet ihr nun einen persönlichen Namengeber,. den, Häuptling Jague von Leauvais um 1358. Da das spanischepa » auch scacv geschrieben wird, hat man nt letzter Zett sich der Menmng'
I zugewandt, die Jacke könne.vom arabischen sakk, „Panzer- kleid" kommen. Sicher dagegen ist der arabische Ursprung ^r Joppe, die uns durch das ftanzösische supe vermittelt wvrden
I ;to Auf spanisch heißt sie ol'jnba, Uiid die Vorsilbe al (der I Artikel) zeigt sckDN die arabische Herkunft an, nämlich von a l - | gubbah --- baumwollenes Unterkleid. Eine eigenartige Eftund- bedeutung hat unser groteskes tzerren-Fvterkletd, der F rack, er
I stammt vom ftanzösischen frac, der aus frvc entbanden ist I und sich vom lateinischen sroccus lurleiteft emer Umformung I des ursprünglichen flvccus = Rocke, so daß wir mr Frack ein Gewand aus flockigem Stoffe vbr unshabLn Haben wlr zmeht von Kleidernamen ge;prochen, die aus dem dluslandezu uns ge- konimen smd, so sei jetzt einer Bezeichnung gedacht, die von uns
I in das Ausland gewandert ist, der Robe; als althochdeutsch roup = Raub, .Kriegsbeute, Rüstung hat es un» verlassen, und ist dann in der ftanzösischen Gestalt und Mit der veränderten Bedeutung ztl uns zurückgekehrt, um besonders' der zusammengesetzten Forut „Garderobe" am rechten Wi« unrechten Platz sich
I bei rms einzunisten. Wir wollen ihr nochdas französische K ost ünft eigeittlich Gebrauch, Gewohnheit, ..Sitte htnzufugen.und die deußü^e Tracht, die keine Erklärung nötig hat, um uns dann den Namen
I einiger Fuß- und Kopfbedeckungen zuzuwenden. Ter tiefel I hat für den Laien einen durchaus deutschen Anblick, »rw zumal wer ihn nicht etwa S-tiefel, sondern rote etwa % der Dmitschen
I Scks-tiefel ausspricht, wird sehr verwundert sein zu hören, daß I er aus dem Lateinischen stammt und <ntf dem Umweg über das Italienische zu uns' gekommen ist;, noch mehr wird er aber er-
I staunt sein zu erfahren, daß er eigentlich der.e«« I ’ I bedeutet Denn vom lateinischen aestas, der yomtner, wurde das Eigenschaftswort a e st i v a l i s abgeleitet, das JtaltenMen den Anfangsvokal verlor und zu strvale würde, dcm e genttichen Vater des deutschen Wortes.. In JtaliM aber brauchw> man
I hie Fußbekleidiing vor allem tm ^oMMer wegen d-m Gefahr der I Schlangenbisse. Auch unser Wort Galöschte, das ia tm all- aemeiuen vergessen ist, aber aus Andersens Märchen. „Dre Ga- Sat des Glücks" noch bekannt sein dürfte, ist cm EigenMstA-
I juöxt und kommt vom lateinischen galltca = bet gaUilÄ ('Lchuh). I Erinnern wir mit dem Wort Socke. -- grtechtschSaccuscur I die griechische Komödie und dta ntedrtgen letchtrt. schuhe ihrer j Schtuspieler, so veranlaßt uns der imerklarbare P a n t 0 f f el, I an einen Irrtum int Aschenbrödelmarchen zu denken, ^n1 der gläserne Pantoffel verdankt fein Dasein nur Eer Vernich,- selnng von vair = Grauwerk, Wlz nut perra— Glas. Bon den Namen unserer Kopfbedeckungen, üb«r deren ewige ^andumg lick« » B Gellert weidlich aushalt, freilich Nicht der Erste, der 3 L Ls^ SE gemacht hat, sei zuerst der Hut genannt, der wobl mit der Hut, dem Schutz, verwandt fern durfte Die Kappe, die vielleicht aus dem Keltischen kommt, bedeutet u - lvrünalich einen Mantel mit Kapuze, worauf heute nur noch dÄ enLL cape hnwmst. TiesMe Mdemung hat mich Mütze das mittellateinische almuctum gehabt, Pas schot, ftMinmit ist imd ursprünglich den LiNN „eme Fault vvtt, rn ernr Faust passend" gehabt hat. Die kurze Skizze zeigt, wie, mckv-r«.rend ihrer Herrscherin, der unbeständigen Mode, auch die Namen der toMher lÄiniia ihre Bedeutung ändern und Biollet le Diw utit dcin M^rÄftTat:,Sgibt unter unseren heutigen KleidtmgsstückM feütC§ für welche man nicht einen von ferner letzten Gestalt sehr entfernten Urfbnmg nachweisen könnte'.
Weiter und ihre Namen.
Das Hemd ist dem Menschen näher aG der Rock, sagt das lKttrickLuort Da mag es vielen verwunderlich erscheinen, daß das bs«m Fernsten verwandt ist, mit dem Himmer. k' ÖK S die Etymologie ist. fo darf man ^hmen, daß bewe Wörter von einem Stamm „ham - «r,, giurrie ihtbet
»ti-smünalich Hülle", „Decke" bedeuten. Dieselbe Wurzel, ftnoa sich denn auch m dem spätlateinischen camtsta,. das in. das Französischs als chemise hinübergegangM ist, und m setmr Verkleinerung che-mi ette, als verkanntes. Fremdwort, zu uns «mgkfocfebrt ift An das Chemisette wollen wir sogleich den ft u» ÄSft, MeW mit km griechisch«^
»Lif Nrnuckittsl — Kehle, Gurgel urverwandt ist u>id ick-on «eyr S iSwW
S Serif I»ii in 8«n|r«jdi «tiMO» >”»»
jein soll. Als Zubehör pes Hemdes muß schltcßltch noch dw
Kttunt schien der Eindruck vergangen, so verneigten sich UUch schon zwei Geiger, der eine int grauen Lockenhaupt, der Ktnbere schlank, mit tief ernsten Zügen, die Geige in den langen, heralchängenden Armen, etwas zurückbleibend hinter pent alten Meister. Ein dritter int langen Haar des Künstlers mit glatt rasiertem Gesicht hatte am Flügel Platz ge-


