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Mittwoch den 22. Juni
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Das schlafende Heer.
Roman von Clara Vie big.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
tu /®er. drehte sich um nach den Fenstern des Gartenzunmers — sie waren nicht mehr erleuchtet, das Sprel hatte aufgehört. Da ging er.
■iSic Grillen im Gras unb Gemäuer zirpteu immer ungesmmer, tote 'bebend vor Liebesungeduld. Er hörte sie nicht mehr. ' 1
Als er über den dunklen Hof stieg, vorsichtig auf den «ehen, und seinen langen Rock raffte, daß die Jauche, die slo,z, den nicht bespritzte und auch nicht die blanken Schäfte ferner Kniestiefel, hörte er weder das Muhen einer Kuh nn dunstigen Stall, das, halb im Schlaf, begehrend durch die nächtliche Stille rief, noch das heisre Schnaufen des Bullen an der ihn fesselnden Kette. .
Beim Futterhpeicher begegnete ihm der Stroz, der Nacht- Den Spieß vorgestreckt, die trübselige Laterne hochhaltend, daß sie doch wenigstens ein bißchen leuchte, schrie der grob den heimlichen Wandrer an: „Wer geht da? Hundeblut, verfluchter Dieb!"
Aber als der alte Mann den jugendlichen Vikar erkannte, sank er zusammen wie niedergeschmettert. Seine von Nachtwachen und Schnapstrinken rotplierigen Augen verdreh en sich vor Ehrfurcht; demütig küßte er das Kleid des qe- toelhten Herrn. —
Air den Hütten der Komorniks vorbei führt der Weg nach Pociecha. Wie dunkle Haufen liegen die Häuser niedrig an der Straße; selten, daß ein plattes Dach sich viel höher erhebt, als der aus Feldsteinen unsymmetrisch zusammen- getragene Wall, der zu schützen hat gegen Sturm und Schnee, gegen Kälte und Sonne. Born an der Straße ein paar halb abgestorbene Pappeln; hinter den Hütten, als einzig Ragendes, die Stange eines Ziehbrunnens, der mit seinem gen Himmel gerichteten hohen Arm, daran der Eimer hängt, ernem Galgen nicht unähnlich sieht.
Alle Häuser waren dunkel; nur aus einer Stube, in der man fremde Schnitter untergebracht hatte, flinzelte Lichtschein. Die Männer hatten sich schon aufs Stroh gestreckt; mit dem roten Hemd, wie sie's am Dag getragen, angetan, die Fußsohlen gegen das Fenster gekehrt, schuarch- ten sie alle in einer Reihe. Die Weiber hatten sich noch nicht hingelegt. Sie kauerten bei der Alten um den.Kartoffelhaufen, der inmitten des Raumes auf den Estrich ge- schrittet war, und halfen ihr die Knollen abkeimen zur Morgenden Mahlzeit. Eine junge Dirne saß noch und flickte klne Männerhöse; ungeschickt hielten die müde gearbeiteten Finger die Radel. Sie flickte den Riß zusammen, tote man einen Sack flickt, und doch gab ihr das Lämpchen auch hierzu raum Licht genug. Trüb nur schwelte es durch die Stube, deren Luft dick war vom Danipf der Feuerstelle, vom
kellerigen Dunst der keimenden Kartoffeln, vom Schweiß und Staub und Atem der zusammengepferchten Manner und Weiber.
Aber der durchs Fenster lugende Vikar sah's befriedigtr das Lämpchen brannte unterm Muttergottesbild!
Doch gleich darauf fuhr er vom uwbrigen Fenster zu- juck. Ihm war, als sei durchs trennende Glas der geschlossenen Scheibe doch etwas zu ihm durchgedrungen von der verpesteten Luft da drinnen. Verletzt rümpfte sich seine Nase. Eilig lief er, bis ihn die reine Luft der freien Felder ganz umfing.
Durch die Einsamkeit tönte der zitternde Schrei eines Brachhuhns. Wie, schon Herbst? ! Unwillkürlich ver- .langsamte Gorka jetzt wieder seinen Schritt, n.hm den runoen glatthaarigen Filzhut ab und ließ den Lau, der in der großen Stille hörbar tropfte, seine Stirn kichlen.
War's möglich, schrie der Brachvogel schon auf der Stoppel?! Der Sommer war vorbei, und er hatte ibn nicht gesehen, trotz Erntefeldern und Sonnenglut?!
Ein flüchtiges Bedauern huschte über das ernste Gesicht und machte dessen Züge für Augenblicke jugendlich weich. Der Mund öffnete sich und sog durstig die von Grün und Tau vollsatte Luft ein.
Ach, jetzt sich hinlegen, dort an den Rain unter die Feldblumen, die, wenn der Nachttau ihnen den Staub <$» gewaschen, so süß duften! Horch! Die Grillen schrillten noch immer herüber aus dem fernen Park!
Sich umwendend blickte Gorka noch einmal zurück nach Chwaliborczyce. Das dunkle Herrenhaus hob' sich nicht mehr ab von der dunklen Fläche; auch der Park, die Hainbuchen und die Pappeln waren zerflossen in der Nacht, Doch jetzt blinkten zwei gelbe Pünktchen auf, sie schienen heller und heller — das waren oie Lichter im oberen Stock, rm Zimmer der gnädigen Fran! Auf einem Nebelstrahl gitterte der Glanz, flimmernd umwoben, hinaus bis in die Felder.
Mit großen Augen starrte der junge Mann--jetzt
hfet die Garczynska im Sessel, bereit, sich von der Zofe das lauge Haar auskämmen zu lassen! Die runden Arme des dienenden Mädchens bewegen sich zierlich — <ch, und jetzt! — die zitternden Strahlen verschwanden — jetzt hat Stasia die .Laden vorgelegt, ihr blonder Kopf neigt sich hinaus mit einem leisen „Pst" für den sie unten erwartenden Inspektor.--.
Ganz dunkel ward's. Wie aus einem Traum auffahrend strich sich Gorka über die taubenäßte Stirn und setzte sich den Hut auf. Nun aber rasch! Piotr Stachowiak, der Propst- Würde heut schon vergeblich auf ihn gewartet und noch ein Glas Ungar mehr getrunken haben, zur Tröstung in seiner Vereinsamung..
Wie war es doch geisttötend- alle Abend bis Mitten nacht mit dem Men Karten zu spielen! Wer es half nichts, es war ja nur ein Uebergang!


