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Winzigen Sternen gleich' flimmerten die Lichtchen von Uociecha-Änsiedlung, auf die Stasia jetzt zuschritt. Sie eilte, denn sie fürchtete sich ein wenig. Das Dorf lag 'weit hinter ihr, schwach hörte sie nur noch sein Hundegebell, unb sonst war ringsum nichts als die ungeheure nächtliche Weite. Ihren Rock raffend-, schritt sie hurtiger aus. Pah, an Ge­spenster glaubte sie nicht, tvie die dummen Bauern was schwatzten die da vom Lysa Gora?! Wenn wenigstens ein Feuer dort brennen würde, wie im Berg der heiligen Drei­faltigkeit bei Miloslaw! Dann würde sie hingehen, selbst wenn der Teufel dabei säße und den brennenden Schatz bewachte, und sich die ganze Schürze voll Goldstücke raffen; sie fürchtete den Teufel und alle Geister nicht. Wer jetzt hatte sie Angst; es war so einsam hier, schon-so spät und sie ganz allein. Wenn nun einer käme und sie anfiele?! Huh, trappste da nicht schon hinter ihr ein Schritt?!

Sie traute sich nicht, nach hinten zu schauen, aber-hastig fuhr ihre Hand nach den langen baumelnden Ohrgehängen wenigstens die retten, wenn ein Räuber nahte! Aber sie hatte die Ringe noch nicht ausgehakt, als der Gefürchtete auch schon neben ihr war. ,

Sie guckte von der Seite. So viel sie sehen konnte beim schwachen Sternenlicht: ein blonder Krauskopf, breit in den Schultern und doch schlank wie eine Fichte. Gin Schwabb!

Richtig, er redete sie cm auf deutsch:n Wend, Mädchen, gehst du" er verbesserte sich rasch, als er ihr vornehmes Kleid sahgehen Sie so allein, Fräulein?"

Sie lachte leise: nein, der tat ihr nichts! Aber dann schauerte sie zusammen wie ein banges Kind und- sprach auch Ws deutsch:Ich fürchte mich!"

No, warum dann? Bor mir doch etwa nit?"

Sie nickte.

Nein, das hatte sie wirklich nicht nötig! Gutmütig! lachend ging er ein wenig von ihr ab auf die andere ©eite der Straße.Ich tu Ihnen nix, Fräulein," sagte er treu­herzig,wahrhaftigens Gott nit! Wer wenn et Sie nit geniert, -geh' ich en Stücksen mit Ihnen längs! Wohin wollen -Die dann, Fräulein?"

Sie sagte ihm, wer sie wäre, und! daß sie zurück ins Forsthaus wolle.

Aha, da hatten sie ja bis in die Kolonie denselben Weg! Er nannte ihr auch seinen Namen. Das beste Haus in der Ansiedlung 's war ihr gewiß schon aufaefallen?-das Mit den Fenstern rechts und links von der Haustür,-mit den Ställen 'apart und mit der Scheune, die das Viereck schloß, gehörte seinem Vater. Es tat ihm gut, ihr das zu sagens, sie war so ein hübsches Mädchen und gefiel ihm wohl. Be­wundernd betrachtete er den zierlichen und. doch vollen Wuchs. Hm, die polnischen Mädchen waren alle nicht übel, Über die hier stach doch jede andre aus! Behend ging sie und so leicht, Man hörte kaum ihren Tritt. Das matte Sternen­licht zeigte nicht viel, aber es zeigte doch genug; es um-' flimmerte ein blaßrundliches', blutjunges Gesicht mit einem weichen Stumpfnäschen. Als sie ihn anlächelte, sah er Grübchen. Und blonde Haare kamen Unterm Hut vor, eine ganze mächtige hochgekämmte Tolle über der Stirn.

Er machte verliebte Augen. Um sie beide war eine große Stille; wohin mau auch blickte: nirgendwo ein Mensch, nicht einmal ein Tier. Die flinzelnden Lichtchen der Ansiedlung blinkten noch fern, kein Hundegebell aus dem Dorf war mehr zu hören, selbst der Wind hielt sich still und pustete nicht. Dg Machte er wieder rasch die paar Schritte über die Straße zurück an ihre Seite und legte keck den Arm um ihre Taille. Sie trug kein Korsett, er fühlte die weiche Biegung ihrer Hüften.

Stumm ließ sie sich's gefallen, und als sein Arm etwas fester drückte, ließ sie auch das sich gefallen.

Dicht nebeneinander, bei jedem Schritt auf deM holp­rigen Landweg Schulter au Schulter reibend, gingen sie in die Einsamkeit. UnwillWrlich. dämpften sich ihre Stimmen, zuweilen nur girrte ein Lachen des Mädchens auf. Als sie in die Kolonie kamen, ließ Valentin den Arm von ihren Hüften, aber sie gingen miteinander weiter.

Der Bursche ging än seines Vaters Haus vorüber dort war's, gefiel es ihr? gemütlich fiel Lampenschein durch die Ladenritzen.- Jetzt brachte die Mutter die kleinen Schwestern zu Bett, und- dann würden sie mit dem -Nachts essen aus ihn Warten. Zum Pferdemarrt war er gewesen, einen Gaul sollte er kaufen zum Frühjahr vielleicht noch einen zweiten mochten die zu Haus nun denken, -daß er

Ach dabei verspätet hätte! Das ging doch nicht an, daß eine so Hübsche allein durch die Nacht wanderte!Gelt?"

Er faßte sie wieder um die Taille die paar Häuser lägen bereits hinter ihnen und zog sie näher an sich.'

-Sie ließ sich ziehen. Und durch ihre Gedanken schoß -es r zwei Pferde, das' ging an! Hofbesitzers Sohu, der einzige noch dazu, das ging auch an! Und ein hübsches Haus, besser fast als die Propstei! Nach Posen in Stellung zu gehen, sich wieder quälen zu lassen von einer neuen Herrin, das war doch gar nicht angenehm! Sie murrte und ballte die Hand:Psia krew!"

Wat gefällig?" fragte er,sag'st du wat?"

Da lächelte sie ihn an und lehnte sich für einen kurzen! Augenblick ganz weich gegen seine Schulter.Ich danke der heiligen Mutter, daß sie mich hat lassen dich treffen!" Fest drückte sie seine Hand:Wälenth!"

Wie seltsam sein Name aus ihrem Munde klang, ganz anders als sonst! Aber hübscher, viel hübscher!Säg et noch einmal!"

Und als sie mit schmeichelnder Stimme wiederholter Walenty, Walenty-," seufzte er in plötzlichem Begehren auf: Stascha, Stascha!"

Sie korrigierte ihn: so wär's noch! nicht ganz recht ge­sprochen! Zehnmal wohl ließ sie ihn sagen:Stasia." Nun war's richtig! O, er hatte eine gelenke Zunge wie ein Pole, er würde gut lernen!

Und sie redete ihm Schmeichelnamen vor:

Moja duszko! Moje ferce!"

Er wiederholte gelehrig und lachend; dies Lernen machte ihm viel Spaß.

Dann machte sie sich plötzlich von seinem Arm frei! und stellte sich vor ihn hin.He, apfgepaßt: daj tni buzi!"

Was hieß das?

Rate!" Die Hände auf den- Rücken gelegt, den Ober-, körper immer mehr nach ihm hinneigend, lachte sie schelmisch und sah ihn doch zärtlich dabei an:Däj mi buzi!" Sie spitzte den Mund,

Da begriff er. Mit beiden Atmen sie UM! die Schultern fassend- zog er sie gegen sich und drückte ihr einen derben Schmatz auf.

Es war ihm; als hätte er eins über den Durst ge­trunken, als er endlich zu Haüse war. Schon manches Mädchen hatte er geküßt; schon ehe er zu den Soldaten kam!, und dann erst recht da war sogar eine in Köln, dem! schönen Städtchen, Die wartete nur darauf, daß er sie hierher nachkommen ließ, und die war eine Bürgerstochter und hatte auch 'Geld aber er dachte jetzt nur an Siasi-a. AM die war doch ganz was andres!

Seine Augen glänzten. Er tvar viel zu spät heimgekom- Men, sie hatten schon gegessen und- sich auch fast schon ge-t ängstigt um ihn. Die Mutter hatte ihm Kaffee warm ge­halten, nun prasselten noch die Bratkartoffeln in der Pfanne, und zwei mächtige Scheiben schnitt sie ihm vom Schinken ah. Der Junge müßte ja tüchtig hungrig sein.

Das war er auch aber er saß beim Tisch, hintenüber! gelehnt tot die Bank, die Faust mit der aufrecht darin-« steckenden Gäbel neben dem Teller und spießte doch keinen Bissen auf.

Jung, haste nit Hunger? Du bist wohl arg müd?" fragte die Mutter. Und der Vater, der, seine Pfeife rauchend, in der Stube auf utrd ab ging; wollte gern etwas vvM Markte hören. Aber Valentin blieb einsilbig, nur das Not­wendigste brachte er heraus: ja, ja, sie würden schon einen Braunen kriegen, aber nicht vom Markt in der Kreisstadt, da wurde man nicht handelseinig, die Polen wollten einen ja alle übers Ohr hauen. Ein Glück, daß er den Löb Scheftel aus Miasteezko getroffen! Der war mit seinem Sohne und dem Wägelchen dagewesen. Mit zurücknehmen hatten sie ihn auch freundlichst gewollt, daun hätte er schon am Nachmittag daheim fein können aber mitnem Juden fahren, nein, da hatte er sich doch bedankt. Morgen würde der Scheftel ihnen nun em Pferd vorführen, zu zivilem Preis, und ein viel besseres, als die Ware auf dem Roßmarkt gewesen: Morgen ja, morgen!

Den Teller zurückschiebend, versank der junge Mann mit offenen Augen in ein Träumen: morgen, ja morgen! Ob! er die Stasia vielleicht dann wieder traf ? ,

(Fortsetzung folgt.). *