Ausgabe 
21.5.1910
 
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Vermischtes.

* König Georg V. als Rancher. Dör verstorbene König Eduard hatte eine besondere Vorliebe für große schwere Jntportzigarren; sein. Sohn aber, der neue König, scheint der Pfeife deii Borzug zu geben. Wenn er ut früher Morgen­stunde, nur von seinem Hund« begleitet, in der Umgebung von Sandringham spazieren ging, dann fehlte nie die Pfeife. Emmat stellte sich während des Spazierganges heraus, daß der König seinen Tabik vergessen hatte. Er näherte sich dem Bahnwärter und fragte:Köniien Sie mir nicht ent wenig Tabak ablanen < Der Bahnwärter, der den Thronfolger von England erkannt hatte, antwortete sofort:Mit Vergnügen, Königliche Hoheit. Der Prinz stopfte sich seine! Pfeift, dankte und ging zufrieden lveiter. Einige Tage später, so erzählt Hedeman rm Matm, hatte der Prinz wieder seinen Tabak vergessen. Wieder wandte er sich an den Bahnwärter, der ihm ehrfürchtig fernen Tabaksbeutel reichte. Als der Prinz einige Schritte fmtgegaitgett war, rief der Bahnwärter einem in der Nähe stehenden Kollegen zu:Jw bin jetzt wohl Tabaklieferant für die königliche Familie geworden! .Der Thronfolger hatte die Worte noch gehört; am nächsten Lage empfing der Bahnwärter einen prachtvoll gearbeiteten Beiltet, der das Monogramm des Prinzen von Wales trug und Mit dem besten Virginiatabak gefüllt war.

* Pauke, pauken.Pauke" ist nach Klugeein schwer W beurteilendes Wort", das vielleicht auf eilte alte ilautNach­ahmung zurückzuführen ist. Früher bezeichnete man .damit auch die Trommel und die Schellentrommel, das Tamburin; so heißt es 2. Mos. 15,20:Und Mirjam nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Weiber folgeten ihr nach hinaus mit Pauken nnd Reigen." Heute nennen wir mir noch die Kesselpauke und die Heerpauke so. Nach der Aehnlichkeit bezeichnet inan mit Pauke" auch eine Käffeetrommel; bann das mittlere Ohr, die Paukenhöhle mit dem Pauken- oder Trommelfell, eine An- Mvellung der Leistendrüsen und in Hammerwerken eme Ber- stärkimg der Radwelle, wie auch im Lateinischen tympanum Hand- Muke und Tellerrad bedeutet. Die Studenten nennen bekanntlich idudj eine förmliche, feierlich, paukenmäßig weithitischallende und dröhnende Rede oder Predigt eine Pauke. Das zugehörige Zeit­wortpauken" bedeutet zunächstdie Pauke schlagen"; man kann aber auch auf dem Klavierpauken", ivenn man unbarm­herzig auf die Tasten schlägt. Daun hatpauken die Be­deutungsich in schallender Rede vernehmen lassen", eine Pauke ; in studentischem Sinne halten. Allgemein heißtpauken ferner: (dumpf) schallend schlagen, und so sagt man auch: entern etwas eiitpauken wie einbleuen, und von dieser letzten Wen- bung kommt dann wohl die zweite studentische Bedeutung von >,Wanten" = ochsen, büffeln. Vom schallenden Schlagen der Schläger rührt endlich die dritte Burschenbedeutuitg des Wortes her = fechten; dazu der Paukarzt, der Paukanzug und das Paukopfer, der int Zweikampf Besiegte; ferner. der Paukhahn, der treffliche Schläger; die Pauksan oder das Paukschwein, das Glück beim Pauken.

*E i n e Dame zu verkaufen!" Vor vier Jahren erschien in einer großen amerikanischen (Zeitung eine merkwürdige Anzeige:Meistbietend zu verkaufen junge Dame, Amerikanerin, Sklavin, intelligent, gebildet, ehrenhaft, rechtlich, poetisch, philo­sophisch, großdenkend imb vor allem weiblich empfinbenb." Und diesem Anfang folgten genau Einzelangaben:Brünett, große 'graugrüne Äugen, leidenschaftliche Lippen, prächtige Zähne; nicht schön, aber anziehend und reizvoll, kräftig und ein Charakter. Höhe 5 Fuß 3 Zoll, gut proportioiliert, graziös. Genoß eine ,10 000 Dollar-Erziehung, kann aber mir 10 Dollar in der Woche verdienen. Alter nun ja, sie ist nicht sehr alt, aber auch Nicht gerade gestern geboren. Künstlerisches Temperament, warm­herzig, liebenswürdig, anhänglich, vor Fröhlichkeit übersprudelnd und dennoch voller Würde, gesetzt, wissensdurstig und manchmal tief melancholisch über die Leiden der Menschheit. Sie weiß einen guten Witz zu schätzen und einen besseren zu erzählen; ist nicht prüde, wenn auch tief religiös. Lebhaste Phantasie und außerordentliche Seeleukräste. Kann nur wenig nähen, aber ein gutes Kostüm mit Würde tragen. Geht nicht zur Kirche, doch gehorcht Gottes Ge­böten. Kämt nicht kochen, aber erfinden. Schreibt Schreibmaschine, aber empfindet das als eine Marter. Diese junge Dame," so schloß das Inserat,bietet sich daher zum Verkaufe aus, genau so wie hundert andere Frauen das täglich tun. Sie hat sich jedoch die Sache vorher genau überlegt und daher beschlossen, sich nicht privatim zu verkaufen, sondern ehrlich und öffentlich Preisangebote einzufordern, in der Hosfrnmg, dadurch einen höheren Preis zu erzielen als durch Verkauf unter der Hand." Die eigenartige Anzeige scheint ihren Zweck erfüllt zu haben. Miß Elisabeth Magie wurde berühmt, eine Menge von Zeitungs­schreibern stürmten am nächsten Morgen ihr Haus, mtb ihnen erklärte sie noch einmal ihren Stanbpmtkt. In iuenigeit Wochen erregte sie internationale Aufmerksamkeit, überall lub man sie M Bortrügen eilt, sie schriest ein BüchDer triumphierendei Sklave" und ist heute in Amerika eine vielgesuchte dramatische Kortragsküustlerin. Nebenbei erfindet sie Kinderspielzeitge, kurz,

Logogriph.

Feurig durchflieg' ich die Lüste als Pünktlein, oit Flammen gebareitb, Raube mein Haupt und sofort flucht' ich inS Wasser hinab

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nummer:

In wenig Tagen kann f i ch viel ereignen.

sie genießt ein Einkommen, auf bas mancher Bürger newifch seift kann, und da sie noch unverheiratet ist, wird sie nun mit Hei- ratsanträgen überhäuft. Vor kurzem ist sie in Newhork am Vortragspitlt aufgetreten, hat Ruhm mtb Lorbeeren geerntet.. Der Weg, den sie bamals vor vier Jahren mit ihrer eigenartigen Anzeige betrat, hat sie so sehr schnell zu .ihrem Ziele geführt. Heute lebt sie, bie vor vier Jahren noch mit Muhe zehn Dollart in der Woche verdiente, sorgenlos in Luxus, alles dank dem totrnt fall, sich öffentlich dem Meistbieteildeu izum Verkaufe anzutragen-

* In den Pranken eines Tigers. Von einem Aben­teuer mit einer Tigerin, bei dem der Jäger völlig wehrlos der Wut des verwundeten Raubtiers preisgegeben war, gibt der eng­lische Teepflanzer A.W. Strachau int Wide World Magazine eine packende Schilderung. Er ist wohl der einzige, der in den Pranken eines Tigers gelegen hat und lebend davongekoinmen ist, aber er hat das ?(bettteuer mit dem Verluste der rechten Hand und des linken Fußes bezahlen müssen. Die Teesarm Strachans liegt in Indien im Bezirk Assam; das Land wär in den Mo naten vorher von der Raubgier der Tiger schwer helmgesucht worden. Strachan hatte gegen Abend auf seiner Farm eine Tigerin gesehen und es war ihm gelungen, sie zn. verwundeU und in die Flucht zu treiben. Gc nahm an, daß der -mger schwer verwundet worden war, und in jöeglettmtg EkS Fxeupdes und einiger Kulis folgte er am nächsten Morgen den Blutspurem Sie führten in ein undurchsichtiges Dickicht; der Farmer prang unerschrocken vorwärts; plötzlich ertönte ent wildes Gebrüll und das verwundete Raubtier griff den Jager an.Das.Unterholz war zu dick, um einen Schuß zu ermöglichen: .nun sah ich bett, Tiger vor mir, kaum 8 Meter entfernt. In gewaltigen Sprüngen stürzte er auf mich zu, ich sah die.mächtigen Zahne blitzen säst die tückisch zurückgelegten Ohren und horte das wütende Fauchem Mein erster in der Aufregung abgegebener Schuß verfehlte fei« Fiel ber zweite Schuß traf in den Rücken.und zerfthinetterte das Rückgrat über den Hüsten, aber die Willst des Sprunges Md nicht mehr auszuhalten. Ich sehe noch heute die .unheimlich glühenden großen gelben Augen, ich fühle den heißen Atem mtb das grauenvolle Geheul Ich mürbe umgeritfen ;be etna Tatze schlug mir schwer auss Haupt, aber, zmn Gluck fcWi tmeh der Tropenhelm. Die zweite Tatze zerriß an meiner .Sruft bas Kleid unb grub eine lange Fleischwunde in meinen Dberkorpew während die Zähne der Tiaerin meine rechte Hand Packten, bis ich unwillkürlich emporgehoben hatte, um mein Gesicht schützen. Sie riß ftnb zerrte d-e Hand hm unb h r tme em Hund die Ratte, aber beim Sturze ließ sie sie fallen. tfnnU Glück fiel ich seitwärts, aber doch nicht weit chenug, um aus dein Bereiche der furchtbaren Tatzen zu kommen Sie streckte sie aus, packte mich an den Beinen und zerrte mich so ivett heran, bis sie imstande war, mit den Zähnen meinen linleimFuß zu Packen. Der dicke lederne Jagdstiefel war da kern Schutz inehr, n.lt furchtbaren Schmerzen spürte ich, wie die Zahne sich durch das Leder in die Muskeln gruben unb wie die Knochen knirschten. Ich entsinne mich noch; ich lag da unb in diesem, Äugenblicke wunderte ich mich, wie lange dieses zermalmende Kauen noch bauern würbe unb wie schnell ich in bett Tatzen der ^Mrm sterben würbe, denn mir war es klar, baß meine legte ©tiiube geschlagen hatte. Das Gewehr war mir im Sturze entfallen, ber Kuli nut bem gehobenen zweiten Gewehr war vmaMinden und lebet; Gebaute an Rettung gewichen. Es ist seltsam, welche Fulft von Gebanken unb Vorstellungen tn solchem Augenblicke durch das Hirn rafen, ferne (Srinnerungen hufchten vorüber, ich dachch an meine Sieben zu Hanse, dachte an ihren Schmerz über ment Ende und sah alles lebhaft vor mir. Zum Gluck konnte oie sterbende Tigerin ihr Werk nicht vollenden; plötzlich tauchte tinein Freilnd neben mir auf und mit einem Schüsse wachte er dem Raubtier ein Ende, ©ie jiet tot zur Seite, chre rechte Tatze war in das Fleisch meines Schenkels etngegrabeu, ber Fuß bliest zwischen ben Zähnen. Man mußte bett Rmhen gewaltsam wynen, um mich zu befreien. Ich konnte noch mnhsam unb unteti Schmerzen nach Hanse kommen; bann aber kam bte Älutvergift tung und beibe verletzten Glieder mußten abgenommen werden. -

* Gute Auskunft. Fremder:Hält der Zug hier sos lange, daß 'man ein Schnitzel verzehren kann?" Geschäfts­reisender:O, gewiß." Fremder:Sie kennen wohl den Fahrplan genau?" Geschäftsreifenber:Nee aber bte Stellenbureau. Unschuld vom Lande:Als was geht man denn da, wenn man noch gar nichts kann?' Dienstvermittlerin:Als Mädchen für alles."

«redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühk'fchen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen-