303 —
»leigen, daß diese Berliner Bestrebungen durchaus nicht allein standen, daß sie, besonders in Amerika, bedeutende Vorgang er haben uitb daß sie nur ein einzelnes Glied in einer das heutige Leben durchziehenden Kette ähnlicher Versuche sind. Das ist glänzend gelungen.
Ter Wettbewerb „Groß-Berlin", der sich im unteren Geschoß der kgl. Akademischen Hochschule für die bildenden Künste darbietet, bleibt jedoch der eigentliche Mittelpunkt. Zahlreiche Entwürfe dafür sind an den Wänden zu sehen; während einige sich- mit wenigen, inr Großen skizzierenden Blätter» begnügen, besteht der umfangreichste aus 73 Plänen, Ansichten Und einigen kleinen Modellen. Dias größte Aufsehen erregen natürlich die preisgekrönten! Entwürfe,Bon denen der von GeNzmer mit Brix und der Hochbahn- .Gesellschast durchgeführte besonders den Ausbau des Verkehrs betont, während die anderen das Hauptgewicht aufdie-architektonische Gliederung und Gestaltung der Ansiedlungen legen. Aber in! wichtigen Punkten ist doch durch diesen Wettbewerb eine Einigung erzielt und ein bedeutender Schritt vorwärts gemacht auf dem Wege einer eigentlichen städtebaulichen Entwicklung. Es handelte sich ja bei diesem Ausschreiben nicht in erster Linie um praktisch^ Ergebnisse, sondern um die Gewinnung von Gesichtspunkten, nach denen sich der Städtebau in ökonomisch, hygienisch und ästhetisch bcsriedigenden Formen entwickeln kann. Solche Richtlinien sind, gewonnen worden, z. B. in der von allen Bewerbern, durchgeführten Sonderung von Geschäfts- und Industrie-Zentren einerseits und Wohnstädten andererseits. -Die Wohnstadt wird möglichst weit hinaus an die Peripherie gelegt; sie soll durch Freihältung um» fangreicher Flächen von der Bebauung eine große Ausdehnung bekomnien und muß daher vor allem durch ein systematisch durch- gebildetes Verkehrsnetz mit dem Mittelpunkt verbunden sein. Dieses eiserne Schienengerüst soll dann die Grundlage für die Ausgestaltung von Straßen, Plätzen und Häuserblöcken werden. Vielfach wird ein strahlenförmig aussinanderstrebendes Netz befürwortet; Über die ganze wichtige Frage unterrichtet eine eigene Wteilung der Ausstellung, die „Verkehrs- und Transportmittel" umfaßt und eine Reihe tnoderncr Großstadtverkehrssysteme vorsührt. Von deutschen Lösungen interessieren da besonders die Pläne und Mlo- delle der Berliner Hochbahn-Gesellschaft. Tas Großartigste aber bietet das von der Pennsylvania-Eisenbahngesellschaft ausgestellte Modell Newyorks, das 10 Meter lang ist und einen Querschnitt durch die amerikanische Metropole zeigt im Verhältnis von 1:100 mit einer UebertreibuUg der Höhenverhältnisse um 50 v. H. für alle Darstellungen von Bahnen. Die gewaltige Untertuuuellung des Hudson verfehlt auch in dieser Liliputwiedergabe nicht ihre bedeutende Wirkung.
Tie Wohnstadt, wie sie für eine Weltstadt und int besonderen Falle für Groß-Berlin gefordert wird, muß aber durch einen zusammenhängenden Gürtel von Grünanlagen und durch Wälder zu einem gesunden, von dem Zentrunt streng geschiedenen Aufenthalt gemacht werden. Diesem Gedanken der Parkanlagen ist dic zweite Abteilung der Ausstellung gcwidutct. Mit ihm steht im engsten Zusammenhang die Schonung der Wälder, die Erzielung großartiger Waldgürtel, für die Wien und Boston vorbildlich sind. Beide Städte zeigen diese höchste Zier einer Stadt in auf schaulick;en Vorführungen. Das Weitschauendste und Hervorragendste solcher Anlagen ist der mit einem Aufwand von 150 Millionen Mark geschaffene riesige Parkbezirk von Groß-Boston, der die 40 Gemeinden der Stadt in einem wundervollen Rahmen zur Einheit zusammenschließt. Die Anlage ist von den berühmtesten amerikanischen Garten- und- Parkarchitekten; den Brüdern Olmst-ed, ausgesührt, die auch für Saint Louis und Chicago große Spielplatz-Anlagen geschaffen haben und ihr reiches Wirken in vielen andern Städten Amerikas in anschaulichen Bilder» erkennen lassen. Die von btit Olmsteds eingeschlagenen Pfade werden von den modernsten deutschen Gartenkünstlern ausgenommen, wie interessante Beispiele aus Köln, Magdeburg, Hamburg erkennen lassen. Auch für die Architektur dieser Wohnstädte, in. denen das Problem der Kleinwohnungen die tvichtigste Lösung fordert, sind die Anlagen der amerikanischen Arbeiterkolonienj wichtige Vorarbeiten. Neben ihnen verlangen die von der Firma Krupp geschaffenen Arbeiterwohnstätten besondere Beachtung, dann die Anlage der „Margarete Krupp-Stiftung" bei Essen, die durch ein besonderes schönes Modell nach dem Enttvurf von Georg Metzendorf dargestellt wird, endlich die Gartenstadt Hellerau mit ihrem prächtigen Modell von Riemersschmidt und andere mehr. Diesen mit der Gartenkunst in enger Beziehung stehenden Städtebauanlagen ist eine Vorführung moderner Friedhofsgestaltungen und Grabdenkmäler angegliedert, die i» ihrer garteip- und parkartigen Schönheit den letzten weihevoll ernsten Ausklang der Wohnstadt bilden sollen. 1
Tas Innere von Groß-Berlin soll der Geschäftsstadt Vorbehalten sein, für die dann auch eine höhere, als bisher polizeilich gestattete Bebauung, wenn auch nicht von Wolkenkratzerhöhe, so doch wenigstens von 8—9 Geschossen gestattet werden soll. Mit dieser „City" wird eine Monumentalausbildung einzelner Plätze und Straßenführungen verbunden, die in einem „Pantheon" alle öffentlichen Bauten monumentalen Charakters, Museen, Hoch- schulen, Kirchen, Stadtpaläste, Theater vereinen soll. Zu diesem Zwecke werden gcwalttge Umgestaltungen vorgeschlagen, wie sie tvohl am kühnsten der Architekt des mit denk vierten Preise ausgezeichneten Entwurfs, Bruno Schmitz, plant. IN seinen groß
zügig geschauten Skizzen zaubert der bekannte Bannteister stolze Gebilde künftiges Stadtschönheit vor, die von einer mächtigen Raum- und Formphautasie beseelt werden. Mögen es auch Kunsttcr- träume sein und bleiben, sie schaffen doch ein Idealbild des Möglichem, aus dem auch die nüchtern Praktische Wirklichkeit Gewinn ziehen wird. Zunächst wird bei diesem und bei anderen Entwürfen' von einer Zusammenfassung aller Einzelbahnhöfe zu zwei riesigen Hauptbahnhösen ausgcgangen, einem südlichen und einem nördlichen, der'en Verbindung unterirdisch hergestellt werden soll. So sind etwa Anhalter- und Stettiner-Bahnhof zu Mittelpunkten des Verkehrs ausersehen. Aus dem Potsdamer- und Leipziger- Platz soll ein einheitlich- in sich geschlossener Monumentalplatz werden, während unter den Linden sich ein wundervolles prunk- haftes „Forum der Kunst" erhebt, auf dem Gelände des Insel-, speichers in der Innenstadt als Bibliothcksgebäude ein „Forum der Arbeit" errichtet wird und aus dem Tempclhoscr Feld eilt großartiger Platz größten Stiles entsteht.
So phantastisch diese Pläne auch klingen, so sind sie dcch nur folgerichtige Fortbildungen der Ideen, die auch schon der eigentliche geistige Vater unserer modernen Städtebaukunst, Ccp-. millo Sitte, ausgesprochen und die in bescheidenerem Maße schon prakttsche Ausführung gefunden haben. Für die einheitliche Gruppierung öffentlicher Bauten, für die Anlage solch neuzeitlicher! „Foren", die dem antiken Marktplatz ein modernes Gegenbild! schaffen, sind z. B. St. Louis und Boston anzuführen, wo die bekannten amerikanischen Städtebauer Robert Mnlford Robinson und John Noten imponierende Anlagen geschaffen haben.
Wie hier ein großer Gedanke der Antike ausgenommen wird; so will überhaupt die moderne Städtebaukuust an die Vergangen-! beit auknüpfen und die eine Zeit lang unterbrochene historische! Entwicklung tveitersühren. Diesen Zusammenhang mit dem schöne» Werk der Väter betont die historische Abteilung, die die Entstehung der Großstadt im. Wandel der Zeiten vorführt. Besonders wichtig sind hier die wertvollen alten Pariser Stadtpläne, die den Umbau; der inneren Stadt und die Anlage der Boulevards veranschaulichen! und die Bedeutung der vom Stadtpräfekten Hausmann systematifch unter Napoleon III. durchgeführten Umgestaltung von Paris erkennen lassen. Auch für viele Einzelheiten. der Neuanlagen, für! die Gestaltung von Plätzen und Straßen, von Briicken und Bau- blöcken, für die Aufstellung von Denkmälern und Brunnen bietet die historische Mteilung, die aus dem unerschöpflich reichen Quell der gesunden und ästhettfch hochstehenden alten Städtekultur schöpft,- wertvolle Gesichtspunkte. Von dieseie Grundsätzen der Städte- bauer der Renaissance und des Barocks ist baS' meiste beeinflußt, was heute in der Innengestaltung, in der Fortführung und Erweiterung bestehender Anlagen, in der Umformung von Plätze», in der Ausführung von Straßendurchbrüchen geleistet wird.
In der Mteilung, die die Probleme der neuzeitlichen Jnncn- stadt behandelt, zeichnen sich besonders Wien und Stuttgart aus. Ter geniale Wiener Stadtbaumeister Prof. Friedrich Ohmamt bekundet in seinen zahlreichen Schöpfungen auf der Ausstellung,- seincr Umgestaltung des Karls-Platzes, seiner Wienüberwölbung, seinem Kaiserin-Elisabeth-Tenkmal und den Arbeiten für Karlsbad und Salzburg, seine seine Anpassung an die gegebenen Verhältnisse, seinen unfehlbaren Geschmack; er läßt aber auch einen Einblick tun in die großen Schwierigkeiten, mit denen der moderne Städtebauer aus Schritt und Tritt zu rechnen hat. In Stuttgart ist eins der kompliziertesten dieser Probleme, die modente Umformung der Altstadt, glücklich vollbracht tvorden. Tas von Seligerer ausgestellte Modell läßt die romantische Schönheit ahnen, die diese» giebelgeschmückten Gassen erhalten worden ist. Prächtig ist der! von Theodor Fischer geschaffene Bahnhofsumbau in Stuttgart. Auch mit der Frage seiner Theaterbauten hat Stuttgart ein interessantes architektonisches Problem aufgeworfen, das einige be-. deutsame Entwürfe mit Geschick zu lösen suchen. Sehr sckwn sind auch die Modelle aus Dresden, bereit wichtigstes wohl die Theatcr- platzumgestaltung nach den Entwürfen von Stadtrat Erlwein barstellt. Dieser Platz, für den einst Semper eine großartige momo- mentale Umbauung in Aussicht genommen hatte, ist hier feiner! historischen Bedeutung würdig ausgestaltet worden.
Es ist unmöglich, die Fülle des auf der Ausstellung Gebotenen auch nur nach den großen Gesichtspunkten hin zn erschöpfen. Wie interessant find z. B. alle die Darbietungen der Berliner Vororte, so wenn Schöneberg seine Entwicklung voM Banerndors zur Weltstadt betont und Weißensee ein um eine» Wasserspiegel gruppiertes Forum zu schassen beabsichtigt! ^Nichlt nur der Architekt und der Künstler, der Nationalökonom uno der Verwaltnngsbeamte, sondern jeder den wichtigsten Fragen unserer Gegenwart zugewandte Mensch wird hier seinen besonderen Unteressenkreis finden, in den er sich vertiefen kann und beffan Studium ihm Anregung bieten wird. C. W.
Die Heimat der arischen Nasse.
Dr. Hans Heiderich beleuchtet im Aprilheft der „Welt des Kaufmanns" (Verlag von Georg D. W. Callwey, München) »„das Nassenmosaik Europas" und kommt dabei auch auf den ,Ursprung! der arischen Rasse zu sprechen. Er schreibt: ,
Die große Masse, welche Europa besiedelt und welche ihm feine» heutige» geistigen und kulturellen Stempel .aufgedrückt


