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fungen eines Tondichters, die, im besten Sinne des Wortes modern, berufen erscheinen, einen dauernden ehrenvollen Platz in der Musikliteratur einzunehmen. Umso erfreulicher wird gerade für die hiesigen sangesfrohen Kreise diese Bekanntschaft sein, als es sich um einen Landsmann aus dem lieben Hessenlande, einen gebürtigen Darmstädter, handelt.
Karl Hallwachs lebt als, Dirigent des Oratorien- Vereins und der Liedertafel in Kassel, wo er auf das gesamte Musikalische Leben den erfreulichsten Einfluß ansübt. Die zwei ersten Liederzyklen, die in weiteren Kreisen bekannt wurden, vertonen Gedichte des Schweizers Eonrad Ferdinand Meyer. Neber sie urteilt Friedrich Spiro folgendermaßen: „Diese Lieder erheben sich in mehr als einer Beziehung weit über den Durchschnitt der modernen Massenproduktion, ja selbst über viele erklärte Lieblinge des Publikums. Wer durch dicke Klavierbasse mit andauernd unmotivierten Synkopen oder durch 'überladene Pseudo-Polyphonien und überreizte Akkorde mit unwürdig deklamatorischer Behandlung der Singstimme allmählich mürbe gemacht ist, der wird aufatmen bei diesen teils anmutigen, teils stattlichen, stets aber natürlichen Gebilden, au deren Gestaltung der bewußte künstlerische Takt ebensoviel Anteil hat, wie die freie Inspiration. So klar und überzeugend auch die Verse des feinsinnigen Schweizers zur Geltung kommen, so ist doch dem Ausdruck niemals die Kontinuität des, musikalischen Fadens geopfert: die Stimme hat überall zu singen, und der Klavierpart, der sie trägt, ist in seiner Einfachheit so charakteristisch gehalten, daß er durch Harmonie und Färbung eine, Originalität erreicht, die dem Ohre wohltut, ohne es von seiner Hauptaufgabe, dem Verfolgen der Singstimme, abzuziehen.. Ter Geist, der aus diesen Liedern weht, ist der einer tiefen Naturfreude, die sich zuweilen in feuriger Lebenslust, zuweilen aber auch in feierlicher Andacht und wiederum in romantischer Phantasie äußert; als Proben dieser letzten Art, die sich am meisten zu schneller Verbreitung eignen durften, seien namentlich „Tas Seelchen" aus Op. 19 und „Liederscelen" aus Op. 20 genannt, wahre Meisterstücke von Erfindung und Wohlllang, schwelgend in Farbe und sprühend von Geist. — .Man bemerkt leicht, daß die Muster, die am stärksten auf Hallwachs gewirkt haben, bei Schubert und Schumann zu suchen sind; diese Einflüsse steigern sich hier und da zu wirklichen Anklängen, wie bei den „Nachtgeräuschen" an die sinfonischen Etüden oder beim „Schnitterlied" an den Schwager 'Kronos, aber die Flüchtigkeit dieser Anklänge ist eilt Beweis für ihre Zufälligkeit, und was der Autor aus ihnen gemacht hat, zeigt deutlich, daß er seine großen Vorbilder nicht uachempfindet Nnd jedenfalls verständnisvoller auf ihren Spuren wandelt, als ihre offiziell sanktionierten „Nachfolger"." —
Zeitlich gehen diesen Liedern voraus' 6 „Lieder eines fahrenden! Spielmanns" von Stephan George Op. 12, aus denen ich besonders die innig-schlichte, tiefempfundene „So ich traurig bin" hervorheben möchte, ein Volkslied im besten Sinne des Wortes.
Weiter erschienen „Sieben Gedichte von Wilhelm Busch" für eine Singstimme und. Klavier Op. 28. Auf den ersten Blick muß das Unternehmen, die tiefgründige Lebensweisheit, die uns der große Humorist in seiner „Kritik des Herzens" und dem „Dideldum" geschenkt hat, in Musik zu setzen, als ein Wagnis erscheinen, um dessen Gelingen man besorgt sein darf. Wie schnell aber schwindet die Besorgnis beim Kennenlernen dieser Lieder! Schon die Auswahl derselben zeigt den feinen Takt des Künstlers.: zarteste Lyrik, goldener Humor, dithyrambischer! Jubel und drastische 'Komik finden wir in diesen! Liederheft vereinigt. Und wie hat es Hüllwachs verstanden, stir jede dieser Stimmungen den treffenden Ausdruck zu finden!. Wie originell sind die musikalischen Gedanken, wie natürlich und einfach nnd dabei doch wie Packend und überzeugend ihre Ausdrucksmittel/! Sieht man nicht förmlich das naschhafte „Fliegel" am Honigseim schlecken und dann kläglich als Gefangener mit dem Beinchen darin zappeln, oder den bösen Esel unter übermütigen Sprüngen und J-a-rufen das „heißgeliebte" Blümelein des verliebten Schmetterlings abrupfen! Lockt es nicht, mit dabei zu sein, wie der „verdammte Kritikus" von dem lebensfrohen Genießer des Augenblicks zum Tempel hinausgeworfen wirb! Dies Lied bildet in seiner lustigen Drastik ein würdiges Gegenstück zu Hugo Wolf's „Abschied" ans den Möricke-Liedern. Und welch' zartes, inniges Gefühl weht uns dann wieder entgegen ans dem entzückend seinen „Ich sah dich gern im Sonnenschein", dessen keusche Stimmung uns berührt, wie der ruhige Glanz des Vollmondes ans dem stillen Wasserspiegel des tiefen Waldsees! Und dagegen wieder die prächtige! Lebensfreude, die in den beiden Liedern „Seid mir nur nicht gar zu traurig"^und „Was mit dieser Welt gemeint" als Eingang und Schluß des ganzen Zyklus pulsiert und sich besonders im erstgenannten Lied zu hinreißendem Schwung steigert!
Zuletzt erschienen sind als Op. 30 „Neun Lieder und Gesänge aus des Knqben Wunderhvrn". von Wilhelm Bitsch zu „des Knaben Wunderhorn"! Wahrlich ein kühner Sprung, Zeugnis gebend von der glücklichen Vielseitigkeit des Künstlers, die es ihm er- mö.glicht, hnrch, tiefes Eindringen ,'n die Dichtung und volles Erfassen des Stimmungsgehaltes den richtigen Ton für die aller- verschiedenartigsten Erzeugnisse der Lyrik zu finden. Auch in
diesen Liedern finden' wir alle Vorzüge der früheren', vielleicht in noch gesteigertem Maße, wieder: Absolute Natürlichkeit und Frische der Empfindung, reich quellende Melodik, die sich gelegentlich zit herzerquickendem Jubel anfschwingt, treffende! Charakterisierung, mustergültige, sinngemäße Deklamation, reiche, malende Ausgestaltung des Klaviersatzes. Und im einzelnen, auch hier welcher Reichtum der musikalischen Ausdrucksfähigkeit! Neben der prächtigen Frische des Eingangsliedes „Nachtigall, ich hör' dich singen" mit dem! jubelnden Schluß „grüß mein Schätzlein tausendmal" steht das zarte, tief empfundene „Ich hört' ein Sichlcin! rauschen" mit dem Murmeln des Bächleins in der Begleitung,- das weltschmerzlich angehauchte und dabei so humorvolle „Wie bin ich krank" — dieses ein Meisterstück in der Deklamation ebenso wie das „Wenn du zu meinem Schützlein kommst". — Im Balladenton erhebt sich daneben die düstere „Judentochter", inj der Töne höchster, verzehrender Leidenschaft angeschlagen werden. Entzückend fein ist die Behandlung des Refrains „Trabe, Rößleiu, trabe" in dem Lied „Spazieren wollt'' ich reiten"; bei konsequenter Beibehaltung des Rhythmus des trabenden Rößleins welche Abwechselung im einzelnen! Ganz besonders gelungen erscheinen uns „Ehestand der Freude" in seiner kräftigen, gesunden Sinnen- freude und Festesstimmung und „Zierlichkeit des Schäferlebens", ein Rvkokostückchen von intimstem Reiz, bei dem man die festlich geschmückten Schäferpaare sich förmlich im Menuettschritt drehen; sieht!
Die prächtigen Lieder liegen in der Musikalienhandlung von Ernst Challier hier aus: möchten sie fleißig begehrt und gesungen werden, sanglich sind sie im besten Sinne des Wortes, erfordern allerdings vont Sänger wie vom Begleiter eine reife Technik.. Aber daran ist man ja bei modernen Liedern gewöhnt, die durchweg mit komplizierten Kunstmitteln arbeiten, als die älteren! Komponisten sie kannten. Wer die Mühe des Studiums dieser Lieder nicht scheut, wird sich reich belohnt finden^
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Vermachtes.
* D i e H e r ku n ft der Reseda. Nach Mitteilungen, die der Berliner Universitätsprofessor Geh. Rat Paul Aschersou; vor kurzem veröffentlicht hat, ist als Ursprungsort unserer Reseda nicht Aegypten, wie man früher meist annahm, sondern das nördliche Afrika anzusehen. In Europa wurde sie nm' die Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt und verbreitete sich rasch derart, daß man bald fünfzig verschiedene Arten zählte. Linne erwähnt! sie zuerst 1759, Albrecht von Haller führt sie bereits 1753 als Reseda aegyptiaca odoratifsima Granzer an. Granger war der Name eines französischen Arztes, der das anmutige Pflänzchen 1733 auf einer Forschungsreise in Tripolis sah und Samen davon an den Jardin des Plantes in Paris sandte. Dadurch, daß, er die Sendung mit anderen Dingen von Aegypten ausgehen ließ, scheint die Annahme entstanden zu sein, die Reseda stamme aus dem Pharaonenreiche. Im Pariser Botanischen Garten wurde sie bann im Jahre 1737 zum ersten Male ausgesät. In ihrer Urheimat aber, der alten. Landschaft Chrenaica im heutigen Tripolis,- kommt 'die Reseda noch heute vielfach wildwachsend in Felsenspalten und an grasigen Abhängen vor, wie der Berliner Botaniker! Taubert schon 1887 bei einer Forschungsreise feststellen konnte.
* Sein Ziel erreicht. „Was ist ans, Ihrem Sohne! geworden, der fest überzeugt war, daß die Welt einst noch von ihm hören wird?" — „Er ist jetzt Paukenschläger int Hoforchester !"
*' Reserviert. „Der junge Doktor Kühlmann hat dir das Heiraten verboten, Else?" —- „Ja, damit ich ihm nicht von anderen' weggeschnappt werde; gestern hat er sich schon im Aus- lunftsburcau über uns erkundigt."
Ar'rtlmsgriph.
1 2 4 8 eine Münze.
2 13 4 Strom in Asien.
3 4 9 schweizerischer Kanton.
4 3 1 berauschendes Getränk.
3 8 2 1 9 Landscha't in Tentsch-Ostasinka.
5 2 1 2 6 babylonische Gottheit.
6 7 4 9 5 italienischer Maler.
7 4 5 8 Stadt in Russland.
8 2 5 7 türkische Insel.
2 17 5 Prophet des alten Testamentes.
9 5 2 4 Flnß in Bayern.
Tie Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter ergeben der Reihe nach von oben nach -unten gelesen den Namen eines Romanschriststellers.
Auslösung in nächster -Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Nicht Bessers weif; ich mir an Sonn- und Feiertagen, Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker auf einander schlagen. Goethe.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


