Ausgabe 
14.3.1910
 
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Droesigl.

SHornan von Georg Fr eih errn von Omptedd.

Machdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

_ Der verstorbene Geheimrat Droesigl hatte in seinem Testament die meisten jener Anstalten, die er bei Lebzeiten unterstützt, bedacht. Da nun aber eine große Anzahl mit dem Ressort dieses oder jenes Ministers in Verbindung stand, so war Ludwig, wie er es sich gewünscht, mit den verschiedensten Herren der Ministerien bekannt geworden. Die in den Zeitungen genannten Summen wurden jetzt er­gänzt, indem Ludwig in fürstlicher Weise seinerseits eine Anzahl Stiftungen machte. Eilte Zeitlang hörte es gar nicht auf im Blätterwalde zu rauschen:

Herr Ludwig Droesigl auf Schloß Kölln hat zur Er­innerung an seinen verstorbenen Vater" und so weiter.

Ein anderes Mal hieß es:

Der Köttner Schloßherr, durch seine im großen Stil geübte Wohltätigkeit bekannt, vom Komitee zur Erbauung Märkischer Lungenheilstätten um Beihilfe angegangen, da der Bau der großen Heilstätte am Wannsee tvegen Mangels an flüssigen Mitteln sistiert werden mußte, hat sofort die genügende Sumine angewiesen, um nicht nur die Fort­führung, sondern sogar die Vollendung des segensreichen Unternehmens zu ermöglichen."

Die Zeittingen kamen zu Dutzenden ins .Haus geflogen, die betreffenden Stellen angestrichen, und jedesmal zeigte Ludwig seiner Frau das Blatt:

Sieh mal, liebes Kind, das ist doch nett!

Aber eine schwarze Taube flatterte den weißen nach:

Ein reicher Mann, durch seine Schenkungen in letzter Zeit in allen Zeitungen genannt, hat schon wieder ein paar Tausende seiner Millionen locker gemacht. Für ihn gewiß eine Unbeträchtlichkeit, unbeträchtlich aber nicht inso­fern, als nun sein Name wieder in aller Mund gekomuien ist. Uebrigens ein Vergnügen, das man dein Manne lassen kann, denn in der Tat werden manche Tränen auf diese Weise getrocknet. Wir erkennen das in vollster Aufrichtigkeit an. Warum sie getrocknet werden Vanitas vanitatum!"

Ludwig trug tagelang das Blatt bei sich, das ihm, genau wie. die anderen, rot angestrichen, eine liebenswürdige Seele zugeschickt hatte. Endlich, eines Tages, als er mit Agathe allein war, gab er es ihr:

Es ist doch wirklich eine Gemeinheit! Infame Bande! Sie werden es noch fertig bringen, daß kein Mensch mehr etwas gibt.

.Agathe fragte:

Warum ist es auch in die Zeitungen gekommen? Dein seliger Vater hat das hoch, wie wir aus dem Testament gehört haben, nie gewottt.

Ludwig zuckte die Achseln:

Ich habe es nicht hineingesetzt.

Ei' zerriß das Papier und verbrannte es in dem schönen, alten Kamin, der nur noch zur Zierde dastand, denn diü angenehme Wärme, des Zimmers strömte die Zentral-, Heizung aus.

Die Blätter beruhigten sich. Die guten wie die bösen. Es war and) keine Gelegenheit mehr, von Ludwig Droesigl zu sprechen, denn das Ehepaar reiste nack) Italien, was sich Agathe längst brennend gewünscht. Den Sommer berbrach- ten sie still in Kölln. Allerlei Marmorfachen, die Ludwig im Sonnenlaude erstanden, kamen an und wurden auf« gestellt.

Eines Tages sagte er zu seiner Frau:

Liebes Kind, unser Areal ist von heute ab über noch ein Mal so groß.

Er hatte mit einem Schlage alles gekauft, mit dem er zurArrondierung" seit Jahren liebäugelte. An dem Abend gingen sie spät zu Bett, denn er hatte Pläne herausgesucht und zeigte ihr nun, tote der neuerworbene achtzigjährige Bestand einbezogen iverden konnte und der oft mit Ueber- schwemmung drohende Kanal einen Teil seines Wassers an Seitenarme abgeben sollte, die schnurgerade vom Schloß nach allen Seiten strahlten. Dadrtrch ga& es DurchbliM vor Kilometerlänge bis zur Mauer, die, das Ganze um­schließend, gleich einer Stadtbefestigung von Türmen flan­kiert war.

Diese neue Tätigkeit machte Ludwig glücklich. Er konnte seine geschäftlichen Anlagen veriverten und seine künstleri­schen dazu. Grenzen schienen seinen Mitteln nicht mehr! gezogen. Und doch ward wieder bei den Jagden kein über­mäßiger Luxus getrieben; alles war nur so, wie es sich zum Stil eines großen Herrensitzes gehörte. Da der Tag sich nun bald jährte, an dem der alte Herr die Augen gesdstossen, tourde nur noch darauf gehalten, daß es bei den JagddinerK keine Musik gab. Die Gäste verliefen sich, Prinz und Prin­zessin Hohengart blieben noch ein paar Tage, dann war alles wieder still in Kölln.

Die Werffener erschienen diesmal gar nicht. Der alten Gräfin wurde die Wagenfahrt schon zu beschwerlich, ihr Sohn aber ivar jetzt ganz an den Rollstuhl gefesselt.

In der Nachbarschaft gab es einige Veränderungen.. Freifrau von Mengen, geborene Honig, hatte, wie der kleine, blonde Oberleutnant mit dem Ein glase es genannt, ihre sechseckige, Bienenzelle draußen auf dein Friedhöfe bezogen, und über ihrem Honig hatten die Arbeitsbienen den Wachs­deckel geschlossen.

General von Herrnwerth war mit seinem Korpskomman- beur, den er als vomtollen Infanteristen gebissen" be­zeichnet, nicht ganz einer Meinung. Der Mann hatte die unglaubliche Idee, der tadellose Reiter müsse, wenn er eine Division bekommen wolle, auch für das Jnfanteriegefecht sich interessieren. So blieb dem Master der Köttner Jagden nichts übrig, als grollend den Rock des Königs auszuziehen.

Wenige Tage nack) der Hubertus-iJagd starb plötzlich