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was die Mode für den Winter bringt.
Von Alberta von Dühren.
Das Straßenkostüm, das aus übereinstimmendem Rock, Bluse Und Jackett besteht, wird sich für den Winter immer meHv in der Gunst der DaMtzn befestigen. Der Rock ist sußfrei,
„Meine Herren, ich weiß es nicht," erklärte Feßkeir. „Ich habe das alles für selbstverständlich gehalten — und daß es selbstverständlich war, hat Ihnen auch die Depesche des Herzogs gezeigt. Ja, ich wiederhole, selbstverständlich. Es war ja doch alles abgemacht. Liebster Herr Frre- del was wollen Sie denn noch, nachdem Ihnen Weelens Antwort die Gewißheit gegeben hat, daß Miquelon fils nur einen Trick beabsichtigen, dessen Zweck nur allerdings unklar eßettf-/ meinte Kesselholz. „Die Depesche
ist ein Dokument, das wir als solches auch verwerten werden. Andrerseits sind Miquelon fils zu kluge Leute, um uns durch ein blindes Piffpasf zu erschrecken. Und dann stört mich noch etwas: die Tatsache, daß Graf Eldrmgen her Feier in Uttenhooven beigewohnt hat."
„Er ist meines Wissens imt Herrn Lesson befreundet, sagte Feßler.
„Um so schlimmer," bemerkte Kesselholz.
Eins stand fest: der Angriff der Firma Miquelon mußte schleunigst abgewehrt werden. Auch der Agent des Friedelschen Hauses für Frankreich, Herr Gilbert, traf m voller Aufregung, ein. Er hatte erst auf der Reise dre Notiz im „Figaro" gelesen und begriff sie nicht. Noch einmal .tagte er die Tatsachen klar, die für die Eintragung der Marke in das Pariser Patentregister maßgebend gewesen waren. Die Eintragung war verweigert worden, weil Miquelon fils unmittelbar vorher die gleiche Marke angemeldet hatten. Aber es blieb ein Ausweg übrig: die Deponierung eines Etikettentwurfs mit dem Wort „Exeelsior" und der Firma Friedel als „Geschmacksmuster" beim Pariser Zwil- qericht erster Instanz. Das war geschehen und ermöglichte die Einführung der Marke in Frankreich unter dem deponierten Etikett. Natürlich lag hier ein Widerspruch vor, den eine Lücke im Gesetz möglich machte; aber es ließ sich rechtlich nichts dagegen sagen, daß diese Lücke ausgenutzt wurde. Der Agent hatte es getan und damit der Pflicht gegen sein Haus genügt, zumal er der Ueberzeugung war, daß Miquelon fils durch irgend eine Indiskretion von den Absichten der Firma Friedel Kenntnis bekommen hatten und ihr nun zuvorkommen wollten.
Aber alles das gab noch keine Erklärung für die verwirrende Notiz in den beiden Pariser Blättern. Sie war eine Kriegserklärung, die aufgenommen werden mußte. Fritz verschob die Entgegnung auf den nächsten Tag; heute halte er vollauf mit fernen Agenten zu tun. Zweiunddreißig Herren waren eingetroffen, unter ihnen die Generalvertreter für Petersburg, Warschau, Odessa, Wien, Bukarest, Konstantinopel, Belgrad, Rom, Madrid, Lissabon, London, Dublin und Edinburgh. Fritz gab ihnen ein Frühstück tnt sogenannten „alten Hause", dem natürlich auch der Kommerzienrat beiwohnte, während der Opa erst gegen Ende der Tafel erschien, um diesem und jenem von den alten Bekannten persönlich die Hand drücken zu können. Denn manche von den Agenten waren schon Herren bei Jahren, die ihr halbes Leben lang in Diensten der Firma gearbeitet hatten, wie beispielsweise ein weißköpfiger Herr von Ernsthaufen, ein ehemaliger österreichischer Offizier, der dann eine böse Zeit in der Fremdenlegion verlebt hatte und nun seit langem in Lissabon ansässig war, wo er verschiedene Firmen vertrat und als ein überaus tüchtiger Kaufmann galt. Es gab unter diefer Agentenkompaguie manche nicht uninteressante Erscheinung: einen geschmeidigen, übrigens vorzüglich deutsch sprechenden Griechen, der die Harems der türkischen Großen mit dem süßesten Schaumwein versorgte, der fabriziert wurde — einen Bulgaren, der einmal Minister gewesen war, einen Deutsch-Russen, der als junger Artillerist vor Plewna ein Bein verloren hatte, den Erben eines alten Grafengeschlechts, der die Firma für Italien vertrat und vortreffliche Geschäfte machte.
(Fortsetzung folgt.)
Im übrigen zog er sich mehr und mehr vom Geschäft zurück. Das überließ er Fritz, der eine rasende Arbeitskraft entwickelte. Die Arbeit tat ihm wohl; sie konzentrierte seine Gedanken. Nie int Leben hatte er eine so große Freude am praktischen Wirken empfunden. Er hatte das Gefühl, als fei die neue Marke seine eigenste Schöpfung, und er setzte seine ganze Kraft dafür ein. Der „Ex- celsior" sollte das Geschäft auf eine ungeahnte Höhe bringen. Daß die Marke innerhalb Deutschlands an die Spitze der Schaumweinindustrie treten würde, daran zweifelte er nicht mehr. Aber auch das Ausland sollte bezwungen werden, und deshalb hatte er die europäischen Agenten der Firma außerhalb der Grenzen des Deutschen ^Reichs zu einer gemeinsamen Konferenz nach Schrattstein geladen.
Gerade an diesem Tage sand Fritz, als er am Morgen sein Bureau betrat, zwei Kreuzbandsendungen auf seinem Schreibtisch: Nummern des „Figaro" und des „Matm, die, rot angestrichen, folgende gleichlautende Notiz ent-
Deutsche Blätter brachten die Nachricht, der Herzog von Abeelen habe die Taufe seines Luftschiffes Exeelsior mit einer Flasche rheinischen Schaumweins vollzogen. Das ist ein Irrtum. Allerdings führte die Champagnermarke, die bei dem Taufakt verwendet worden ist, denselben Namen wie der neue lenkbare Ballon; aber die Marke Excelsior ist Eigentum der Firma Miquelon et sils in Epernay, und sie hat zu der Taufe gedient, trotz aller Konkurrenzmanöver, die seitens des Hauses K. A. Friedel in Schrattstein versucht worden sind."
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Die Meldung der beiden Pariser Blätter entlockte Fritz zunächst ein Lächeln, dann ein Gefühl des Unbehagens. Er dachte daran, daß ja tatsächlich die Firma Miquelon die Eintragung des Wortes „Excelsior" für eine neue Cham- alerntarfe verfügt hatte und daß das Hans Friedel des- ein besonderes Etikett für die Ausfuhr seiner Marke nach Frankreich hatte anfertigen lassen müssen. Er begann Intrigen zu wittern. Um klar zu sehen, richtete er sofort ein Telegramm an den Herzog von Weelen, den er noch in Uttenhooven wußte:
„Entgegengesetzter Nachricht zufolge erbitte ich von Euer Durchlaucht gütigst Bestätigung, daß bei der Taufe Ihres Ballons Friedelscher Excelsior verwendet worden ist."
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und lautete:
„Selbstverständlich hat bei der Taufe meines Luftschiffes die Marke Excelsior von K. A. Friedel als Jordanwasser gedient. Weelen."
Nun war Fritz beruhigt. Dieser klaren Bestätigung gegenüber mußten die Stimmen jenseits des Rheins schweigen. Nichtsdestoweniger wurde in Gegenwart von Kesselholz auch Feßler noch einmal befragt, ob er wisse, daß in Uttenhooven Excelsior Friedel verwendet worden sei. Feßler geriet sofort in Wut und warf seinen Filzhut in eine Ecke der Stube.
„Es ist nicht zu glauben, Herr Friedel!" rief er. „Nehmen Sie mir meinen heiligen Zorn nicht übel — aber ich bin schon von meinem Schwiegervater schmählich behandelt worden, weil ich in Uttenhooven mich als Vertreter der Firma nicht würdig genug in Szene gesetzt hätte! War ich denn Vertreter der Firma? I bewahre — ich hatte ein» sach den Auftrag, ein Bild zu zeichnen! Ich wehre mich dagegen, daß mir plötzlich eine Ehre anfgehalst werden soll, die ich nicht verdiene."
„Es wäre deine Pflicht gewesen," sagte Kesselholz, „dich im Interesse deines Hauses auch ein wenig um dessen Pro- buite zu kümmern."
„Dazu hatte ich keine Order!" rief Feßler.
„Das Gefühl der Anhänglichkeit für deine Ernährer hätte stärker fein mässen als jeglicher Spezialbefehl. Statt dessen ließest du deinen Frack zu Hause und kannst uns nun nicht einma. sagen: ist bei dem Festmahl unser Schaumwein getrun en worden?"
„Und," fügte Fritz hinzu, „war die Sektflasche beim Taufakt eine Flasche unsres Exeelsior?"
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