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hat diesen Fortschritt nur gehemint ynb" aufgehäMi! And vermochte die großen Epidemien zu Anfang der 70 er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die im Gefolge des Krieges austrateu, Richt zu bannen.

3. Die Pocken sind bei richtiger Behandlung absolut unge­fährlich: von vielen Hunderten Pockenkranker in den Reihen her in der Nähe von Colberg gefangen gehaltenen französischen Soldaten ist nicht ein einziger gestorben, als man sie einfach täglich in der Perfante baden ließ.

4. Trotzdem wird auf denj Universitäten eine geradezu lächer­liche F u r ch t vor den Pocken grobgezogen. Pockenkrank«! nur hinter Glas oder in einer Athmosphäre von Karbol vorgeführt, Ün der ein Gesunder zu Grunde gehen muß, geschweige denn ein armer Pockenkranker.

5. Die Pocken sind trotz Impfung in Deutschland nicht verschwunden: aber wo Begriffe fehlen, da stellt ein leeres Wort zur rechten Zeit sich ein und so dürfen echte Pocken Nicht erscheinen: man nennt sie drum Windpocken, vermag aber die Disferentialdiagnose so wenig zu stellen, daß der berühmte Kinderarzt Heubner ein Kind als an den Windpocken er­krankt angab, das nach daran erfolgtem Tode von R. V irchow in Unkenntnis der von Heubner gestellten Diagnose untersucht wurde, worauf dieser berühmte Gelehrte die echten Pocken feststellte. Beide Gelehrte haben sich bis zum Tode darüber nicht geeinigt! Treten Pocken nach dem Impfung auf, was in zahlreichen Fällen geschieht, so sind das beileibe keine Pocken, fonberiit: generalisierte Vaccine". Auch hier isst eine Disferentialdiagnosg nicht möglich!

6. Bei der Begründung des Jmpfgesetzes von 1874 hat der Hauptsachverständige wider besseres Wissen geleugnet, daß die Impfung mit Gefahren für Leben und Gesundheit verbunden fei! Nur auf diese Versicherung hin fand das Gesetz Annahme! Heutzutage geben die amtlichen Behörden und die eifrigsten Jmpf- anhänger Tausende und Abertausende von Jmpfschädigungen zu Und viel Hundert Todesfälle und jede Woche mehrt sich die Zahl der Jmpfschäden, darunter zahlreiche Erblindungen, Syphrlis- iibertragungen, Lähmungen, Genickstarre u. v. a. m. Dr. Fürst (Jmpffreund) zählt in seiner Schrift weit über Hundert Krank­heiten aus, die im Gefolge der Impfung auftraten, und die lAerzte Döres, Landmann und von Niesen haben imchgewiesen, daß die Lymphe unserer staatlichen Anstalten, von allen Arten Pathogener Bakterien usw. wimmelt!

Nach weiteren Verhandlungen wurde ein intern Ration ater Jmpfg egnerbund gegründet, an dem be­teiligt sind: Italien, England, Bereinigten Staaten von Amerika, Oesterreich, Holland, Schweiz, Frankreich, Rußland und Brasilien« Die Arbeiten wurden dem internationalen Bilrean übertragen, das besteht aus Prof. Dr. Molenaar-Percha-Starnberg, Gott- getreu-Hannover, Hanne-Köln, Emshaar-Elberfeld, Mirus-Dort- mund und Dr. med. Luise Appel, englische Aerztin, Wörrishosen. Auf Antrag des Jmpfgegnervereins München wurde ausdrücklich festgelegt, das Parteipolitik und konfessionelle Dinge bei Erör­terung der Verbandsangelegenheiten ausgeschlossen sind.

Bei der Besprechung des Jahresberichts, der eine Stärkung des Verbandes in allen Teilen Deutschlands zeigt, teilte Darwitsch- ,Chemmtz mit, daß allein in Sachsen 60 neue JMpsgegnervereiich gegründet seien.

Der Verbandstag beschloß weiter eine Unterstützung des Jmpf- gegners Wohngemuth-Bielefeld, dessen Kind von der Polizei zur Zwangsrmpfung aus der Wohnung geholt wurde. Die Polizei ergriff bet dieser Gelegenheit ein falsches Kind, an dem dann die 'Zwangsimpfung vorgenommen wurde.

Mer nächste Berbandstag findet iit Frankfurt a. M, statt.

Vermischtes.

eintnis des Münchener Bieres. An­läßlich des Münchener Oktoberfestes, das in diesem Jahre zu Ehren seines lOOiahrlgen Bestehens besonders reichlich mit Bierströmen begossen wird, sind neuerdings unternommene Untersuchungen Uer das Geheimnis des Münchener Bieres besonders aktuelly Es ist bekannt, daß .abgesehen von den absichtlich minderwertiges Rachahnnlngen als Sternach Münchener Art", meistens aber als echt Münchener Bier mit ungeheurem Nutzen verkauft werden Atu Mittel unversucht geblieben ist, anderswo, besonders aber ,tn Berlin, dem einheimischen Bier die besonderen Eigenschaften zu geben, die das im Bannkreise der Münchener FrauentürMei erzeugte Gebräu aus der ganzen Welt so beliebt machen. Zunächst glaubte man, daß diese Eigenschaften von dem in München ver­wendeten Malz und Hopfen abhängig seien, ließ diese von dort kommen und erzielte ein Bier, das nicht nach Münchener schmeckte. Als vor einer längeren Reihe von Jahren das Studium der Garungsptlze zur Erkenntnis des Bestehens verschiedener Heserassen und zur Reinkultur dieser Rassen führte, glaubte man dem Geheimnis auf der Spür zu sein, züchtete die Münchener

Wiener) Hefen trt Reinkultur Md erhielt wiederum ein Getränk, das an seinen süddeutschen (und böhmischen) Vetter nicht 8eranrermte. Das Geheimnis konnte also nur in der besonderen

Beschaffenheit des Wassers liegen, was hm so gewisser zu sein schien, als man damals schon wußte, daß die Eigenart des Pilsener! Urquells damit zusammenhängt, daß das dort zum Brauen ver­wendete Wasser ans Teichen stammt, in denen die aro- Malischen Kalmus Pflanzen in Menge gedeihen. Man ver­frachtete also mehrere tausend Hektoliter Münchener Wasser Nach Berlin und braute daraus ein Bier, das zwar sehr schmackhaft war, dem Münchener aber doch nicht in allen Stücken glich. Die Biergelehrten Und die aus München 'eigens verschriebenen Brau­meister Und Gehilfen waren Nun mit ihrem! Latein zu Ende, bis §ch durch die kürzlich bekannt gewordenen Untersuchungen des ärnngschemikers Dr. Emslander herausstellte, daß dabei doch alles auf das Wasser und auf seinen Gehalt an Kalk und Kohlen­säure ankommt. Bei der Bereitung des Gerstenmalzes und dessen Einmischung bilden sich Nämlich außer der Malzlösung aus den Eiweißbestandteilen der Braugerste noch beträchtliche Mengen so­genannterKolloide", d. s. Körper, die dem Seim und der Gelatine nahestehen, nicht kristallisierbar sind, Und dem Getränk, dem sie eigentlich beigemischt sind, die Geschmackseigenschaft derVoll­mundigkeit" verleihen. In jedem reichlich Kalksalze uiti> Kohlen­säure enthaltenden Wasser, wie es auch das oberbayerische ist, bleiben die Kolloide aber in' Lösung, während sie in dein Wasser der Tiefebene gerinnen Und ausfallen, wodurch das Bier, auch wenn es sonst genau nach der Münchener Methode gebraut ist, als das schmeckt, was der Brauer alsleer" bezeichnet. Daß aber auch mit dem ans München gebrachten Wasser kein tadelloses Bier zu brauen war, liegt einfach daran, daß bei dem Transport viel Kohlensäure entwich, nach bereit Verlust auch der Kalkgehalt verloren ging. I

* Whistlers A ut o g r a m m. Der berühmte ameri­kanische Maler pflegte seine Werke statt mit seinem Namen stets mit einem Schmetterling zu zeichnen: aber dieser Schmetterling war nicht nur künstlerisches Abzeichen, er war auch die formelle Unterschrift. Auch seine Schecks signierte er mit dem Schmetter­ling, .und die Bank wußte, daß dies als Whistlers einzige Unter­schrift zu gelten hatte. Sein Namenszug war eine Seltenheit, Eines Tages empfängt Whistler im Atelier beit Besuch eines Autographensammlers, ber eilten Scheck von Whistler über 32 ,Frs. in ber Hand hält. Der Scheck hat keine Unterschrift, nur den Schmetterling. Ziemlich grob fährt ber Fremde den Künstler an: er wolle einen anständig unterzeichneten Scheck haben, nicht diesen Wisch. Whistler ist beleidigt, baß ber Fremde seinen Schmetterling nicht kennt und will ihn bestrafen: er unterschreibt einen anderen Scheck und freut sich bei dem Gedanken, daß die Bank ihn nicht eiitlöst. Mit ärgerlichem Staunen mußte er am nächsten Tag erfahren, baß ber Herr den Scheck nicht präsentiert, sondern als Whistler-Autogramm für 1150 Frs. sofort ver­kauft hatte.

* Ever ready. Alles mögliche Gebrauchsfertige wird heutzutage in Deutschland von deutschen Herstellern mit dem wundervollen Namen Ever ready bezeichnet. Natürlich haben 80 v,H. aller Käufer keine blasse Ahnung, was das eigentlich heißt, denn so sehr verbreitet ist die Kenntnis des Englischen in Deutschland noch nicht. Und ausgesprochen wird es natürlich Ewerreadie. Man muß immer wieder den Spieß umkehren und diesen Kauderwelschlern Vorhalten: Denkt nur einmal nach, was die Franzosen oder Engländer für ein Hallo machen würden, wenn .'einer ihrer Landsleute sich ierb'retftete, eine inländische! Ware unter beut NamenStets bereit" anzUpreisen. Die all­gemeine Verachtung würbe ihn treffen, t Das neueste Evsrrsady-Erzeugnis heißtEver Ready Papier poudrö" man denke! 2 Wörter englisch, 2 französisch herrlich! Und was ist bas boch für ein Unschätzbarer Segen, daß das Papier int Französischen papier heißt und nicht etwa colier ober rumier ober ähnlich, sonst wüßte ja kein Mensch, w a s ba eigentlich angepriesen wirb: beim die einzige heut sche Erläuterung der Ware bezeichnet sie ganz unklar als eistunentbehrliches Mittel zur Modernen Hautpflege", > *

Bilderrätsel.

Auflösung in Nächster NumMer.

Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer: Kehle, Kühle, Kohle.

vredaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießens