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Vogelsberger Uunjt und Handwerk aus drei Jahrhunderten.
erworben werden konnte.
ein Teufelsgesichi zu erkennen; bic guten Leute zeigten dem schlimmen bösen Feind einfach verächtlich den Rücken! sehr hübsch ist auch die in einem eingelegten Rahmen angebrachte ausklappbare Schiefertafel, aus der der Bauer der guten alten Zeit, als es noch keinen Laudkalender gab, seine Notizen machte, Acußerst farbenprächtig nimmt sich! eine .Hutschachtel aus, auf der das Andenken an den Friedensschluß 1763 verewigt ist: „Friede, Friede ist uns beschert und der Krieg von uns gekehrt mit beit Bildern von Friedrich dem Großen und Maria Theresia. Eine kleine bemalte Truhe ist in diesem Jahr von Baurat Dichm-Gießen in den alten Farben prächtig aufgefrischt und mit einem originellen Spruch versehen worden.
Mehrere feste Truhen mit Kunstschlösiern seltener Art leiten unsere kurze Betrachtung zweckmäßig auf das Gebiet des Hand- - - ■ - ' ' !r\ Die alten Zünfte!
lich geordnet.
Einen Hauptteil davon bilden geschickt geordnete Zimmereinrichtungen: Bürgerstuben aus der Rokokko-, der Emprre- und Biedermeierzeit, sowie verschiedene Bauernstuben. Es wurde zu weit führen, aus Einzelheiten näher ettizugehen, zumal das geschriebene Wort nicht entfernt imstande ist, einen Begriff von der Fülle und Formenschönheit der zusammengetragenen.Schatze zu geben. Nur auf einzelne besonders hervorragende Stucke ser kurz aufmerksam gemacht. In der R o k o kk o stn b e finden wu
a eine wundervolle Metalluhr aus dem 16. Jahrhundert, einen hübschen Bauernschrein aus Bannerod, einen prächtig ge- schnitzten Holzstuhl aus Herbstein, einen Metallspiegel und Wandleuchter. Die E m p i r e st u b e zeigt verschiedene Möbelstücke nut den für die Empirezeit charakteristischen Bronzeplatten und eine stattliche Sitzbank. Das Biedermeierzimmer entgalt cm hübsches altes Spinnet, eine Zupfgeige und alte Noten, eine Wiege, ein „Stefchen" (Wärmbänkchen) und euren handge,takten Wandschirm. Unter den die Wände zierenden Bildern ist namentlich ein Bild des Lauterbacher Kasinos von 1887 erwähnenswert, das manche auch heute noch in Hessen bekannte Persönlichkeit erkennen läßt.
Sehr reich sind die Bauernstuben vertreten. Wir findelt in ihnen alle für die hessischen Bauernstuben bezeichnenden Möbel in prächtigen Stücken. Bor allem sind darin die Truhen bemerkenswert, die auch in Einzelstücken reich vertreten sind. So sind z B drei stattliche geschnitzte und eingelegte Truhen aus dem ersten Anfang des 17. Jahrhunderts vorhanden, , die offenbar von demselben Meister herrühren, aber alle verschieden sind. Dann finden wir stattliche Himmelbetten mit bunten Furchecktüchern, geschnitzte Sitzbänke, Sessel, Stühle usw. Vielfach sind bei den Verzierungen religiöse Motive verwendet, tote denn überhaupt die Lauterbacher der vergangenen Jahrhunderte vor allem religiöse Dinge dazu verwendeten, die Gegenstände beS täglichen Gebrauchs auszuschmücken. Manches .zeigt uns den naivew vumor her alten Zeit. So ist in den Rücklehnen der HvlzstÜhle deutlich
Um das zukünftige Museum noch bekannter und volkstümlicher zu machen, wurde in diesen Tagen eine A u s stell n n g .Knust und Handwerk aus drei Jahrhunderten" veranstaltet, die noch bis Donnerstag, den 11. Oktober, geöffnet ift Neben den eigenen Beständen des Museumsverems enthalt die Ausstellung zahlreiche Leihgaben aus den Kreisen der Bürgerschaft, so daß sie ein ziemlich lückenloses . Bild von Lauteroachs Kunst nud Kunstgewerbe von etwa 1600 bis heute bietet. ®ie im Saalban zu Johannisberg ilntergebrachte Ausstellung wurde von den Herren Com ound Jockel mit Fleiß und .Geschick ubersicht-
Auf dem Impfgegnerkongreß,
der anfangs des Monats in Dortmund tagte, verösfeutlickW Herr Dr. med. Win sch aus Halensee bei Berlin einige Tatsachen, die für die weiteste Oeffentlichkeit von größtem Interesse sind:
1. Die Pockenepidemien sind an Umfang und Intensität bereits Jahre vor der Erfindung Zenners im Rückgang begriffen gewesen, insbesondere nachdem man das sog. Pvcken- belzen aufgegeben, zum Teil verboten hatte und vernünftiger« Maßnahmen bei der Behandlung traf, vor allem die allgemein-, hpgienischen Verhältnisse besserte. „ ,, v m ,
2. Nur diesen sanitären Maßnahmen ist die langsame Besserling, die wir zn verzeichnen haben, zu danken; dre pi p inng
haben "ihre Zunftladen und' Zunftbricfe zur Schau gestellt, die. für den Kenner viel Beachtenswertes bieten. Die vornehmste Zunft in Lauterbach war die der Weber. Von ihrem Handwerk, gibt ein von Hopfmannsfeld stammender, schön geschnitzter W eb- stuhl von 1760 Kunde, ferner kunstvolle Webereien aus alter und neuer Zeit; denn auch heute ist die Weberei in Lauterbach noch nicht ausgestorben und manches schöne Stuck neuerer Ar« beweist, daß auf diesem Gebiet die jetzigen Meister ihren Vorgängern nichts nachgeben. Sehr hübsch sind die gedruckten. Stoffe. Die Kunst des Stoffdruckes wird heute nt Lauterbach! nicht mehr geübt und die alten Druckformen sind nur noch in spärlichen Resten vorhanden, da Unverstand vor wenigen Jahren erst die meisten vorhandenen Formen verbrennen ließ. Dagegen sind noch zahlreiche geschnitzte L eü knch ens or m en zn sehen, die meistens religiöse Szenen enthalten. Wie man mir nutteUt,- - , Hestedt die Absicht, die Lauterbacher Lebküchlerei wieder ins Lebest - zu rufen, ein Vorhaben, dem von Herzen Erfolg zu wünschen ist. Nur summarisch seien die alten kunstvollen Schlosser- und ^other- (Spengler)-Arbeiten erwähnt. Auch die Kunst der Wasfen- schmiede stand in Lauterbach in voller Blute, wie mehrerse! prächtige Gewehre bezeugen. Die - ehemalige Lauterbacher Glockengießerei ist durch eine 1840 gegossene Glocke vertreten, die früher die Kirche in Landenhausen schmückte. IW Meister hieß Daniel Hardt. Alte und neue Töpferwarest zeigen neben dem Wandel des Geschmacks manche originelle Gegenstände. So ist z. B. ein Totenschüsselchen von 1639 zu sehen- wic man sie früher den Toten unter den Kopf zu legen pflegte. Unter den neuen Stücken fällt uamentli.ch eine originelle Darstellung des Volksliedes „Zn Lauterbach hab ich ntcut Strumpf i erlern" auf. Alte Trachten, Stöckelschuhe, Abendmahlstucher usw. vertreten in Umfassender Weise das Bekleidungsgewerbe., Erwähnt sei noch die hübsche ans dem Hohhaus stammende Sanfte (Port- chaise), die Spinnräder,, die alten Schützenketten für den Schützenkönig'und den Schwarzritter, die Schützen- oder Zunftpokale und die originelle Nachtwächterausrüstung aus Wallenrod. .
, , Den Glanzpunkt der Ausstellung bilden die auS der si'ibrigens im ursprünglichen Modell zn sehenden) Pfarrkirche stammeudest
' religiösen Gegenstände. Neben beachtenswerten altstst Bibel- und Gebetbuchausgaben, sowie Abendmahlskelchen enthalt sie einige hervorragende Bildtafeln. Es sind Stücke eines! Altarbildes aus dem 15. Jahrhundert, das Leben der Mar,« darstellend Sic sind teils unmittelbar ans Nolz, teils auf Leinwand, die dann auf Birubaumholztafeln geklebt wurden, gemalt. Wundervolle Komposition, geschickte Technik uiid prächtige H-arben- gebung zeichnen die Bilder aus, bereit Meister unbekannt ist. Der Gießener Gelehrte R a it ch ist bet Ansicht, daß he um 1410 gemalt sind, während Como glaubt, daß he aus 1470 stammen und von einem örtlichen Meister gemalt sind. Jedenfalls wird sich die Kunstgeschichte noch eingehender mit dem Lauterbacher Altarbild zu beschäftigen haben. Zum Schlup seien noch die ausgestellten Photographien von hervorragenden .Bauten aus Lauterbach und Umgcgcitb, sowie von einzelnen Bauteilen erwähnt. Besonders zahlreich sind dabei die kunstvollen Haustürew vertreten, an denen ja Lauterbach besonders reich ist. Auch die Originale der bekannten Postkartenserien von Ubbelohde (hessische Trachten) und Lanzendors (Hessische Burgen), sind in der Ausstellung zu sehen. , ... ..., .
So gewährt denn die Ausstellung enteil hübschen Einblick ttt Lauterbachs Kunst nud Handwerk der letzten drei Jahrhunderts und zeigt reiche Schätze deutschen Volkstums und deutscher Volks- krast Sie zu hüten und zu bewahren sollte allezeit eine Ehrenpflicht der auch heute noch gewerbfleißigen und kiliiflsinnigeN! alten Hessenstadt sein. '©•
- In vielen Gegenden hat man von unserem Vogelsberg nicht die beste Meinung. Man hält ihn für ein tristes Bergland, dessen spärliche ärmliche Bevölkerung mit vieler Muhe ihre kärgliche Nahrung dem unwirtlichen Boden abgewrnne. Aber der Vogelsberg ist viel, viel besser als sein Ruf. Nicht nur landschaftlich, tote ja dank des verdienstlichen Wirkens des Vogelsberger Nohenklubs - mehr und mehr anerkannt wird, sondern alieft in wirtschaftlicher
und kultureller Hinsicht. Der Boden ist reich genug, nm den fleißigen Bewohnern ein gutes Auskommen zii gewahren, mtb.
in den zahlreichen Landstädtchen sitzt eine sewerbfleißtge Be- Unjere fOTje Betrachtung zweamapig aut oas volkerung, deren Erzeugnisse sich aetrost neben denen größerer ! ? s über, das sehr reich vertreten ist.
Städte und reicherer Gegenden sehen lassen können. Die Vogels- P ™ - - -1 ■ - - — ■ "
berg er Kultur ist uralt und hat vor den vieler anderer Gegenden, das voraus, daß s'ie im.besten Sinne des Wortes einheimisch! und bodenständig ist. Nicht in dem Sinne, daß der Vogels- herger Chatte sich den von außen kommenden Neuerungen eigensinnig verschlösse. Er nimmt das Neue willig auf und verarbeitet es nach seinem Geschmack und seinem Bedürfnisse, ohne deshalb das von den Vätern. Ererbte leichtsinnig aufzugeben.
So finden wir denn auf Schritt und Tritt Wahrzeichen seiner Eigenart, Zeugen altheimischer Kunst und Gewerbes. Der große Weltverkehr ist noch nicht so sehr in unser Gebirge gedrungen^ um seine kulturelle Eigenart zu verwischen und so begegnet auch heute noch der kundige Forscher originellen Formen in Handwerk und Kunst, die zn erhalten und der Nachwelt zu überliefern eine heilige Pflicht der lebenden Generation ist.
Zu den alten Kulturstätten des Vogelsberges gehört das in einem bekannten Volkslied besungene alte Städtchen Laut e r - bach In den alten behäbigen Bürgerhäusern birgt sich eine Fülle köstlicher Schätze aus älterer und neuerer Zeit und es ist eilt verdienstliches Unternehmen, diese zerstreuten schätze zn sammeln und der Mit- und Nachwelt nutzbar zu machen. Äl^ vor einigen Monaten der Gedanke auftauchte, ein -auter- b ach er Heimatmuseum zu begründen, fand er freudige Zustiimunng. Namentlich zwei Männer wirkten in dieser Richtung, Oberlehrer Como und Kreisstraßenmeister I o ck e l. Ein jetzt bereits über 200 Mitglieder zählender Verein wurde gegründet und von allen Seiten flössen tue Gaben, die den Grundstock des Museums bilden sollten. Auch die auswärts wohnenden Lauterbacher geizten nicht mit Beiträgen rn klingender Münze lieber 1000 Mark flössen zusammen, so daß schon manches Stuck


