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(Fortsetzung folgt.)
gab cs keine Hysterie, sondern nur 1 . ästhetisches Empfinden, sondern kindische
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uns reichere Jungen, die wir in der Gesellschaft immer- I hin eine gewisse Rolle spielten, war die Schemelreiterei I im Kontor und noch mehr der Kellerdienst so eine Art Gut- I Würdigung, r- etwas ganz. Gräßliches. Wer waren eben dumme Bengels, Sela. Nun bin ich allmählich reifer geworden, und da ist der Umschwung von selbst gekommen. Mußte wohl auch kommen. Mali sagt, ich sei immer ein sehr tüchtiger Offizier gewesen. Aber ich war's doch nur mit halbem Herzen, es war keine rechte Neigung dabei, ^ch möchte behaupten, der ererbte Kaufmannsgeist protestierte. Nichtsdestoweniger: ich würde ein leidlicher Soldat geblieben sein — ganz sicher —, wenn nicht das stärkere Pflichtbewußtsein mich nötigte, die Uniform auszuziehen. Das Geschäft bedarf meiner. Das ist der Hauptgrund. Ich habe aber auch noch einen Nebengrund. L-er Unglückliche Ausgang nieines Duells wird nicht nur beit Klatschsondern auch eine neue Hetze der Konkurrenz entses eln. Und dem Kampfe möchte ich mich um alles in der Welt nicht entziehen. . . ." Er stand langsam auf; ein großer Ernst lag jetzt auf seinem Gesicht.. . . „Das sei mein letztes Wort zur Sache. Nehmt damit vorlieb. Mein Entschluß ist unabänderlich."
Der Opa reichte ihm die Hand und hielt bie seine fest. -jJch freue mich darüber," sagte wr mit weicherer Stimme als sonst. „Karl, wie denkst du? dir der Associö willkommen?" .
Der Kommerzienrat erachtete es für richtig, abernials ein wenig Theater zu spielen. Er empfand plötzlich mit aller Sicherheit, daß der neue Associo ihm noch sehr un- bequem werden würde. Aber er brachte dennoch ein glückliches Lächeln fertig, das strählend über sein ganzes Antlitz ging. Und dann ergriff er die andere Hand Frizens und fchiütelte sie, und plötzlich breitete er die Arme aus und zog seinen Jungen an sich.
„Ob du mir willkommen bist?!" rief er. „Du lieber Mott — nun sehe ich doch erst Ziele vor Augen! Jetzt gilt stnsre Arbeit der Zukunft des Hauses!"
Er wollte Fritz einen Kuß geben. Der hielt ihm auch die linke Wange hin. Nur in den Herzenston des Vaters stimtnte er nicht ein. Er blieb sehr kaltblütig. Er zog seine Uhr. >
"" „Noch zwanzig Minuten," sagte er; „dann geht mein Jug. . . . Papa, Kesselholz meint, daß unsre neue Marke bereits genügend Flaschenlager habe. Bist du auch oer Ansicht?"
aus den Stufen der Treppe; der Alte stieg in den Gärten! hinab.
Er halte sich lange nicht so wohlig gefühlt wre heute. Langsam schritt er den Weg nach der Eingangspforte hinab- den kranken Fuß ein wenig nachziehend, aber iimnerhist stramm und fest, blieb hier und da einen Augenblick st eh en, strich Mit der Rechten über die Knospe einer Pfingstrosebetrachtete eine neue Konifere, Nickte wohlgefällig einem blühenden Mändelbusch zu und marschierte dann weiter. Einmal hieß das Klingen eines geoffneten Fensterllnge s ihn umblicken. Und da ging wieder em sPvttisches Lachc u über seine Züge. Die Zofe der Frau Margot stieß, die Fenster im Schlafzimmer der Gnädigen auf. Die Gnädige hatte sich also erhoben. Es konnte em ^ag übler -aune für die Gnädige werden. Und es konnten noch schlimmere Tage für die Gnädige kommen. Ohnmächten, Weinkrampse, Schreien und Toben, verbissene Wut, Drohen mit Scheiß düng. . . . „Wär schon das beste," murmelte der Opa. 'seine Frau hatte den Haß gegen den Zögling der Lady Douglas-. Scott aus dem Hause der Herzöge von Buccleuch und. Queensberry mit in das Grab genommen. Aber m ihm lebte er noch. .
Karl August war mit Margot gelegentlich rn Baden- Badcu bekannt geworden, wohin sie ihre Beschützerin, bie Lady Douglas-Scott, begleitet hatte, aas wunderschöne Mädchen entzückte ihn, und die ganze Art ihrev sich- I gebens, über dem immer der Duft äußerster Boruehm- hcit und feinster Kultur lag, imponierte ihm. Er hatte | es gar nicht gewagt, um Margot anzuhalten, wenn Lady Douglas in dem Bestreben, ihrer jungen tfteunbm cutc gute Partie zu schaffen, nicht die Vermittlerin gespielt hatte.
I So kam es sehr schnell zn einer entfcheidenden Aussprache und bald daraus zur Hochzeit.
I Die Eltern Karls hatten aus ihrem Widerspruch gegen diese Ehe kein Hehl gemacht. Sie waren nm so ärgerlicher- als sie für Karl bereits ein reiches Mädchen m Ansicht hatten. Aber schließlich würden sie sich über die Armut Margots hinweggesetzt haben, wenn die junge Hnmu versucht hätte, den Weg zu ihren Herzen zu finden, aoch ne versuchte es gar nicht erst. Die alten Leute waren ihr greulich, ihr Spießbürgertum stieß sie ab. Schon iin ersten Jahre der Ehe erfolgte die Trennung: der Opa und die I Oma zogen in ein eigenes Hans, das unten am Rhein lag', I nuweit der Kesselholz,scheu Besitzung, und pflegten sich nur noch an den Sonntagen deii Kindern zu ze,geii.
Die Ehe zerfiel, langsam. Als Fritz aus bent Hause .ging, riß das letzte Band, das die Gatten zusammengchalten hatte. Man führte nunmehr in der Tat nur noch ein Gesellschaftsleben. Verschiedene Male hatte der Opa versucht, das Verhältnis zu klären. Er nahm fein Blatt vor beit Münd, er nannte die Dinge beim rechten Namen. Für ihn gab cs keine Hysterie, sondern nur Ungezogenheit, fern ästhetisches' Empfinden, sondern kindische Launen, kernest harmlosen Flirt, sondern schamlose Koketterie. Als Gras Etdringen der bevorzugte Anbeter Margots geworden war,- riet der Alte zur Scheidung. Da lachte Karl ihn aus und. meinte, der Opa müsse sich „in die Welt finden".
Nun sagte der Alte gar nichts mehr. Aber in der letzten Nacht, da hatte er noch einmal sein Herz, ausgeschüttet und war sack iedegrob geworden. In Gegenwart, von Kcsfcl- holz — er genierte sich nicht. Da hatte Karl August es hören müssen. War cs nicht unfaßlich: K. A. Friedel hatte seine Barmittel erschöpft! Saß auf dem Trocknen wie eist Stiideilt in den lehtcn Monatstagen! Konnte Pumpen -gehest, uin sich neue Betriebsmittel zu schaffen! War es denn überhaupt denkbar?! — t
Unter den Brülltöuen be£, Opas war der Kommerzienrat klein geworden. Er lebte in bet geheimen Sorge, baß man auch seinen Spekulationen auf bie Spur kommen könne, die mehr verschlungen hatten als der Haushalt und die Verschwendungssucht der Frau Margot. Und da bequemte er sich beim zu Versprechungen und guten Vorsätzen. Aber diesmal lachte der Alte ihn aus. Er pfeife auf die,Versprechungen; er glaube an keine Wendung zum Besserest. Er zweifelte zwar nicht an dem Erfolg der neuen Märke H aber was half das alles?! Ueber Jahr und Tag konnte es doch wieder ähnliche Szenen geben wie heute.
., „Absolut."
-„Der Versand kann also beginnen, sobald die Excclsior- täufe vorüber ist?"
„Ohne weiteres. Nnr die Etiketts fehlen noch.
■ -Heßler soll sich beeilen. Aber ich möchte gern erst seine Entwürfe sehen."
\ „Versteht sich."
- „Ist bie Eintragung der Marke erfolgt?"
„Vorgestern. Zugleich find die Meldungen an bie Patentämter des Auslands ab gegangen. . . ." Ein schlaues Lächeln flog über sein Gesicht. . . . „Uebrigens hab. ich mich vorgesehen. Schlägt der Excelsior ein, so werden wir das Lager im Handumdrehen verdoppeln können. Und das beste ist: meinen neuen Likör ahmt man mir nicht so leicht nach. Auch bei dem Nachschub sind wir mit der Dosage fast fertig. Für bie nächsten Jahre ist also gesorgt."
„Gut. . . ." Fritz überlegte einen Augenblick unb schaute nochmals auf seine Uhr. . . . „Ich setze euch telegraphisch von dem Beschluß bes Ehrenrats in Kenntnis. Möglich- daß ber Divisionskommandeur Untersuchungshaft anorbnet. Mer ich glaube es nicht. Jetzt möchte ich dir Vollmacht tzur Erhebung meines Vermögens geben."
„Es hat ja noch Zeit, lieber Junge!"
„Doch nicht. Mir eilt es. Ich will gebunbeit sein. Können wir in dein Arbeitszimmer gehen?" i Der Kommerzienrat schritt schon voran.
Nur ber Opa blieb zurück. Er saß noch am Tische unb lauschte auf das Verklingen des Sporenschritts. Nun wuchtete er sich in bie Höhe und ging schwerfällig in die Ecke, in der sein Krückstock lehnte. Daneben stand ber Säbel Fritzens. Er nahm ihn in bie Hand, ließ' seine Finger über die Scheide gleiten und stellte ihn wieder hin. Dann setzte er seine Mütze auf: ein Unding aus schwerem Wollstoff, ohne Rand, aber mit breitem Schirm, und fiing auf die Veranda. Sein Stock klang metallisch


