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den Schlüssel. Sie sollte auf die Wirtschaft passen, lange würde er ja auch nicht ausbleiben.

Aber er blieb doch länger aus. Vergebens schaute Michalina alle Stunde nach ihm aus, er kam noch immer nicht. Wohin war er gegangen?! Ach, gewiß nach dem Tüpadlo, wo jetzt in der smaragdgrünen Wiese die Rosen des Sunkpfes blühten, schneeweiße reine Blumenkelche mit goldncn Staubgefäßen. Aber deren Stengel, die tief unten im Grunde festwurzelten, waren wie Schlangen, lang und dehnbar, und rissen nicht ab, sondern zogen herunter.

Daß ihm nur kein Leides geschah! Am liebsten wäre die Magd ihm nachgelaufen, aber das ging doch nicht an, ie mußte ja auf sein Haus passen. So hockte sie sich aus eine Schwelle nieder, schlang die Arme um die Knie, wiegte ' ich hin und her und sang sich eins. Eintönig traurig, ''lang es, obgleich es ein Tanzliedchen war, monoton war es wie die Felder, in die ihr Blick starrte.1

Michalina hatte recht vermutet, Valentin war nach dem Tupadlo gegangen, führte doch daran vorbei der Weg ins Forsthaus. Er mußte Stasia sehen, sie sprechen. All die Nächte, seit sie fort war, hatte er keinen Schlaf gefunden; rot waren seine Augen, ganz überwacht. Mit offnen Lidern hatte er gelegen und ins Dunkel gestiert und gedacht und «gedacht, so viel, so eindringlich nachgedacht, wie noch nie in seinem Leben.

War sie denn wirklich so schuldig? Ja, ja! Er mußte die Fäuste ballen und mit den Füßen stoßen. Aber wenn er's dann so recht bedachte, wußte er eigentlich nicht zu benennen, was sie ihm angetan hatte. Daß sie mit Pan Szulc gut freund war zu gut freund für seinen Geschmack das war sicher; aber, wenn es ihm nun auch nicht be- hagte, war es darum schon ein Unrecht?Du" hatte sie zu dem gesagt sagen die Polen nicht immerdu"? undmein Lieber" hatte sie zu dem gesagt Jesus, sie kannte ihn ja schon so lange, als sie noch ein blutjunges Dingelchen mit kurzem Rock war, schon! Abscheulich war's, ganz unerträglich, daß sie immer miteinander tuschelten und lachten aber eine Untreue war das doch nicht?! Nein, er hatte sich übereilt! Wenigstens anhören hätte er sie müssen, sie nicht von sich stoßen dürfen, als sie so lieb sich anschmiegen wollte. Die arme kleine Frau, wie weh hatte er ihr wohl getan mit seinen groben Fäusten! Ein Bedauern erhob sich in Valentin. Aber dann dachte er an Vater und Mutter: der Vater war auch oft grob', aber die Mutter nahm's weiter nicht übel wie war das doch so anders bei denen!

(Fortsetzung folgt.)

von Fakiren, Yogin, sanmyasi, Gosain un­anderen heiligen.

Von Hanns Heinz Ewers^

Wenn ich die schönen Worte Fakir, Bogin, Samnyasi,^Gosain oder eines der anderen Worte irgend einer indischen Sprache, die dasselbe bedeuten, übersetzen soll, so bin ich in starker Ver­legenheit. Gemeiniglich möchte man Büßer sagen aber man muß dann gleich hinzufügen, daß fast keiner von ihnen etwas büßt", ja, daß der Gedanke derBuße" überhaupt diesen selt­samen Leuten fast durchweg sremd ist. Was sie tun, tun sie zur höheren Ehre irgend eines Gottes genau so, wie im frühen oder späten Mittelalter die frommen Mönche und Nonnen sich selbst gepeinigt haben. Fakir heißt eigentlich der muhamedanische >,Büßer", Bogin der brahmanische und Samnyasi der Jaine, übrigens werden alle diese -Ausdrücke wild durcheinander ge­worfen.

Ter erste Bogin, der mir in Ajodhja begegnete, war eine Frau. Tas ist nicht so selten, wie man annimmt; in Benareß mag man im Kuhtempel Dutzende alter Weiblein sehen, die mit glattrasiertem Schädel int Pilgergewande mit ihrem Stabe dahertrotteln. Die Yoginfrau in Ajodhja war gerade tiört ihrem Nagelbette hernntergestiegen, auf dem sie zwölf Stunden gelegen hatte; mir zu Ehren stieg sie wieder ans. Sie ließ sich gern' photographieren und nahm noch lieber ihren Backschisch. Ihr Büßerbett bestand aus aneinandergefügten Brettern, für den Uopf waren ein Paar Leisten etwas erhöht. Von unten her war ein gutes tausend langer Nägel hindurchgeschlagen; die Nägel waren nicht gerade scharf, auch war die Kaut der Bogin im Laufe der Jahre wahrscheinlich recht abgehärtet, wenigstens schien sie sich da recht Wohl zu fühlen. Ich war von dem berühmten Nagelbett etwas enttäuscht; wenn es auch gewiß eine recht pein­liche Ruhestätte war, so schien sie mir doch keineswegs geeignet, der Bogindame andauernde Qualen und Schmerzen zu erregen.

Aber ich wollte bald genug aus meine Kosten kommen. Frei­lich einenAgh'orpuut" habe ich trotz aller Mühe nicht gesehene

.*) 1 Lae - 100 000.

**) Buddha = Samnyasi = dep Erleuchtete,

wenn diese Sorte überhaupt noch existsierk, so ist sie doch gewiß außerordentlich selten geworden. Sie saßen einst und sollen es noch tun an den Toren von' Benares. Sie sind die Borbeter einer Art kynischer Sekte im Brahmanentum, indische Tiogenesse, Bekenner einer ungeheuren Wurschtigkeit. Alles ist gleich wert oder vielmehr: gleich unwert, sagen sie und richten darnach ihr Leben ein. Ihr Symbol ist ein Schädel, ihr einziges Besitztum auf dieser Welt, denn sie laufen nackt herum, tragen nicht einmal einen Lappen nm die Lenden. Den Schädel haben sie selbst präpariert mit den Zähnen. Menschenköpfe kann Man ja genug bekommen in Benares, man braucht nur ein wenig im Ganges zu fischen; von solch einem Kopf frißt ein angehender Aghorpunt das weg, was eben abzufressen ist, Augen, Hirn, Fleisch, bis er ihn so blank poliert hat wie nur die beste Ameisenschar. Das ist gewissermaßen der Prüfstein; von nun an sitzt er irgendwo herum und ißt und trinkt aus seinem Schädel. Gibt man ihm Gold ober Reis, so sagt er:danke!", gibt man ihm eine Ohrfeige oder spuckt man ihm ins Gesicht, so sagt er auch:danke!" Es ist ja alles gleich und so trinkt er auch mit demselben blöden Lächeln stinkendes Wasser oder gute Milch oder Whisky ober Petroleum.

Man mag sagen, was man will cs liegt bei bent ekelhaften Treiben der Aghorpunts doch eine philosophische Idee zu Grunde, Unt> eine viel tiefere für nie in Gefühl, als bei dem großen Büßer Swanii Saraswati, dem Heiligen von Benares, der vor ein paar Jahren starb. Die Tatsache, daß Swami in Benares wirkte, ist eines der merkwürdigsten Rätsel der seltsamen Hindu- Welt. Man stelle sich etwa vor, daß in Lourdes ein muhamc- danischer Terwisch als Heiliger verehrt würde_ denn dem Grabe des Jaina Swami in der heiligen Stadt Shives erweisen so­wohl Brahmanen, wie Sikt und Mohamedaner Verehrung. Swami war ein sehr reicher Mann eines Tages verschenkte er fern! Vermögen an die Armen. Er ging in den Garten eines ihm' befreundeten Jainakaufmannes und büßte; das heißt, er setzte sich mit untergeschlagencn Beinen und ansgcspreizten Händen nackt dahin. Nach ein paar Jahren fand er Bewunderer und mit ihnen kam das Geld. Swami Saraswati ließ sich einen Bildhauer ans Agra kommen, der fertigte einen kleinen Tempel und darin aus Marmor die lebensgroße Figur Swamis oder! auch Mahavinas, des Stifters der Jainareligion lote man will. Tenn die, übrigens ausgezeichnet gearbeitete Figur tragt Swamis Züge. Swami aber wieder saß in der klassischen Stel­lung des Religionsstifters. Die Jainalehre ist, daß MahavtrN 24 mal im Laufe der Zeiten wieder zur Erde geboren wird Swami Saraswati ambitionierte also nichts weniger als einen dieser Buddhas-Jinas in der Jainailehre zu sein. Und so setzte er sich unter sein eigenes Bild oder das der Gottheit und saß da weiter durch einige . 15 <whre im starken Gerüche ungeheurer Heiligkeit. Seine Tätig- teit eben sein Dasitzen war von außerordent­lichem Erfolge gekrönt: ein Lae *) Rupien nach dem anderen konnte er in der Bank von Bengalen hinterlegen. Als er starb, war et ein Heiliger für Benares and tür viele Millionen Inder, dazu,' ward er in seiner Jainagemeinde zu Jina zum wiedergeborenen Gott erklärt. Die Opfergaben hatten rund sieben Millionen Rupien erreicht, für einen Teil davon ließ er sich neben seinem alten Platze einen schönen Grattempel bauen, den größeren erhielten seine Erben. Der Erfolg dieses Gorsam war also zweifellos ein ungeheuerer, aber immerhin zwanzig lange Jahre aus deniselben Flecke sitzen zu müssen! Ich für mein Teil würde mich bedanken. .*

Swami Saraswati war ein Schlauer. Er erhielt für eine für indische Begriffe sehr leichte Buße eine sehr große Be­lohnung, freilich war er ein Reicher und ein Mitglied einer hohen Kaste. Die meisten Bogin und Samnyasi! aber find blutarme wenfel und aus der niederen Kaste der Sudre; wenn sie sich auch noch so furchtbare, jahrelange Qualen auferlegen, so bringen sie es doch recht selten zu etwas. . v

Man gehe in Benares auf das Shtwala-Ghat oder auch auf das Tnlsighat, da wird man eine ganze Schar von Bogin zu- sammen sehen. Viele begnügen sich mit den alten, schon in den Beden vorgeschriebenen Bußübnngen, manche aber haben auch ihre eigenen kleinen Tricks. Diese Söhne Schiras sind unglaublich widerliche Kerle; sie lernen regelrecht in Samnyasischuleii. Fast ganz nackt, Kopf und Leib beschmiert mit grauen uitb gelben Farbenstrichen, die Haare zu widrigen Lappen verfilzt, starren sie unbeweglich auf den Lingam, das schwarze, steinerne Glies Schiras. Sie starren so lange, bis sie znm Buddha werden ober vielmehr in ihrer Schirareligivn zum Samnyasi.**) Dann legen sie den Kranz mit den Tvtenschädeln untl den Halz- uitb ziehen herum als Selbstpeiniger. . .

Urdhva-Mukhi ist eine sehr beliebte Art der Kasteiung. Der Bogin hängt einen Strick an einen Ast und legt sich die Schlinge Um seinen Hals; diese wird so angezogen, daß er nur, eben noch auf den großen Zehen stehen kann.! Da NM Auf-den-großen-Zehen- Stehen nicht gerade sehr einfach ist, so fällt der Yogrn alle paar Minuten nm und droht zu ersticken Mit Muhe richtet , er sich wieder auf und steht weiter zwölf Stunden am Tage, ürdhava-