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* Newyorks Enttäuschung. Die Newyorker haben in ihrem Lokalpatriotisinus einen empfindlichen Stoß erhalten. Als Fünfmillionenstadt sollte Newyork, so hofften sie mit aller Bestimmtheit, ans der neuen großen Volkszählung hervorgehen, und die eifrigsten Verfechter des Ruhmes ihrer Stadt hatten ihrer Ueber- zeuffung bei den üblichen Wetten durch recht namhafte Sunniten Ausdruck verliehett. Sie habeit ihr Geld verloren, beim die ersten Ergebnisse der Volkszählunff, die soeben bekannt werden, zeigen, daß Neivyork „nur" wenig über 4‘/3 Millionen Einwohner beherbergt. Brooklyns Ilnleil beträgt dabei 1634 351 Seelen.
"Wie d i e A n a m i t e n Ertrunkene behandeln. Tie Vorstellungen der Urmenschen, daß Krankheiten da? Werk böser Geister seien, die im menschlichen Körper wohnen und von dort alisgetrieben werden müssen, wenn die Krankheit weichen soll, ist anch heute noch in modifizierten Formen in ganz merkwürdiger Weise bei einigen Völkern Asiens verbreitet. So berichtet die „Quinzaine Coloniale" über die Art und Weise, wie Ertrunkene von den Anamiten behandelt werden. Ein kleines Mädchen war ins Wasser gefallen und nach einiger Zeit wieder herausgezogen worden. Während man auf den Arzt wartete, legte man sie nieder mit dem Kopf nach unten. Bauch und Brust wurden aus den Bauch eines großen Steinkruges gelagert, in dessen Innern eine Fackel brannte, die einen wohlriechenden Geruch verbreitete. Die Nasenlöcher waren mit einem Stück zusammengeballten Blutgerinnsels verschlossen, das von einer eben erdrosselten Ente herrührte. Der Zweck dieser Behandlung war, das Prinzip des Feuers
Bahn ist der Büßer mit dem emporgereckten Arm, eine Schaustellung, die auf den ersten Wick fast auf einen übernatürlichen Willen schließen ließ — der ihm aber keineswegs innewohnt, . Ter Arm ist von der Schulter gerade nach oben gereckt, durch viele Jahre so unbeweglich gehalten worden pnd schließlich in dieser Stellung festgewachsen; er ist natürlich völlig verdorrt, die Haut über den Knochen eingeschrumpft. Daß trotzdem noch Leben rn dem Arm ist, sieht man an der Hand: sie ist zur Faust geMosseil und die Fingernägel sind durch sie hindurchgewachsen. Etwas Uebernatürliches ist nicht dabei, ob auch ein starker Wille dazu gehört — die Hauptsache aber ist das Training. Der Sohn Schiras, der sich dem Urdhava-Bahu weiht, läßt sich auf einem Stuhle anbinden, dann wird der Arm nach oben gereckt und irgendwo cm der Decke festgebunden. Die Adern werden nun regelrecht unterbunden; auf diese Weise wird die Ernährung des Gliedes gehindert, so daß seine Austrocknung Beginnt. Natürlich sind die Schmerzen ungeheure; die Widerstandskraft des Büßers in dieser Zeit wird dadurch gehoben, daß ihn stets eilte bewundernde Menge umgibt.
Einen anderen Nogin sah ich, der sicy rösten ließ. Er hatte um sich einen großen Haufen von Mistkuchen — Kuhdüngerkuchen, Krähen und Eichhörnchen, das sind die drei Dinge, bie man in Indien zu jeder Minute sieht — angehäuft und saß nun in diesem brennenden, stinkenden Ofen. Der milchweiße Rand schwälte itm ihn herum, und der.Sohn Schiras ließ sich zu Ehren seines Gottes rösten. Ein Kollege stand in der guten Sonne des indischen Sommers am Manikarnika; seine Ansicht war bie, daß es verdienstvoller sei, sich von der Sonne rösten zu lassen. Ich weiß nicht, loie viel Grad es in der Sonne war, aber ich weiß, das; im Schatten 48 Zentigrad war und daß mein Freund, der Kapitänleutnant Baller, fein Bett in der Badewanne aufgeschlagen hatte und mächtig fluchte, wenn einer feiner Kulis für einen Augenblick etwas laxer wurde im Punkaziehn. Der Nogin aber stand jeden Tag zwölf Stunden lang mit kahlgeschorenem Schädel unbeweglich in der Sonne!
Die Phantasie der Nogin int Ausdenken von Qualen ist nicht gering. Ich sah einen, der sich für Lebenszeit mit einer Kette an einen Baum geschmiedet hakte; ich sah eine ganze Reihe, die fich mit glühenden Eisen ein Loch^ durch die Zunge gestemmt hatten. Einer ließ fich täglich für ötunben lang an den Beinen aufhängen und ein anderer hatte sich in die Erde graben lassen und schaute mit deut Kopf heraus. Zwei alte Weiblein, die ich im Kuhtempel traf, hatten sich die Schuhe mit starken Nägeln au die Fußsohlen schlagen lassen, und einer Ravitram Mir ul in Gorakhpur sah das große Heil in der kriechenden Bewegung; seit sechs Jahren lag er der Länge nach ans dem Boden und kroch wie eine, freilich recht ungeschickte Schlange. So machte Ravitram seine Pilgerzüge.
Es gibt genug harmlose Menschen in Europa, die cm okkulte Kräfte glauben, deren sich die indischen Yogin erfreuen sollen, Sie mögen überzeugt sein, daß sie durch ganz Indien auch nicht ein Fünkchen davon finden werden. Die Seelenerlebnisse der indischen Büßer sind kindlich im Vergleich zu dem, was die christliche Mystik hier geleistet hak. Diese darf mit Recht für sich in Anspruch nehmen, daß sie bei allem Wahnsinn und aller wirklichen Narrheit doch tief in das Innerliche emgebnmgen ist, während der indische Büßer von dem Alleräußerlichsteu auch nicht eine Stunde lang loskommt. Selbst in den schlimmsten Auswüchsen irregeleiteten Denkens zeigt sich die weiße Rasse noch allen überlegen.
zurückzurulen, das dem Körper seine Wärme wiedergeben soll Und indem man warmes Blut in die Nasenlöcher einbringen ließ, glaubte man zugleich das Prinzip des Waffers, bas man sich ebenso wie das Fetter als einen bösen Geist vorzustellen hat, zu vertreiben. ~ m n ,
* Der Gefangene von Saloniki. Boni Leben des Exsultans Abdul Hamid, des Gefangenen von Saloniki, berichtet Cabasino Renda int Giornale d'Jtalia. Die ganze Nacht wandert Abdul Hamid aus einem Zimmer in das andere in der Billa Allatini, immer in tödlicher Angst um sein Leben, bis er schließlich völlig erschöpft auf einen Diwan niedersinkt und ein paar Stunden unruhigen Schlafes findet. Am Tage arbeitet er, seiner alten Vorliebe folgend, als Tischler; das dazu nötige Werkzeug durfte er aus Konstantinopel mitnehmen, aber er mußte sich von dem deutschen Tischler trennen, der ihn im Yildiz Kiosk m seinem, Handwerk unterwies. Erst vor kurzem vollendete er einen prächtigen Schrank, und nun hatte er den dringenden Wunsch, seine Arbeit zu verkaufen, um zu sehen, wieviel sie Wert ist. Er erhielt jedoch nicht die Erlaubnis dazu, da man befürchtete, er könnte ein Geheimfach in den Schrank eingebaut haben, um hierin Schriftstücke für seine Freunde zu verbergen. Sern Haß gilt heute nicht so sehr feinen Feinden als denen, denen er Gutes getan und die ihn in der Stunde der Not verrieten. Als das Personal der Billa ihm zu seinem Geburtstag gratulierte, weinte er bitterlich und sagte: „Ihr solltet nicht vergessen, da» ich ein mächtiger Sultan war; es ist ein schlechter Spaß von Euch, mir zu gratulieren, während ich dem Unglück verfallen! bin." Auch sein Lieblingssohn hat sich von ihm abgewendet, und nur eilt früherer Diener blieb ihm treu und machte etite.it verwegenen Versuch zu seiner Befreiung. Es gelang diesem, als einer der täglichen Lieferanten verkleidet, bis zu dem Sultan vorzudringen, und er wollte die Kleidung mit ihm tauschen und au seiner Stelle bleiben, auch wenn der Galgen ihn erwartete. Aber Abdul Hamid mußte sich den Bart schneiden lassen, so daß schließlich der lange Aufenthalt des Dieners bei ihm Verdacht erweckte nnd der Fluchtversuch eittdeckt wurde. # .
"Als nucb. Immer mehr reifet ein Fehler em, der nicht schari genug gerügt werben kann. Statt des richtigen: „Diese Einrichtung ist soivohl neu als auch bequem'1 oder — was ebenso richtig ist —: „Diese Einrichtung ist neu wie auch bequem" liest man: „Diese Einrichtung ist neu als auch bequem". Demnach könnte man auch sagen: „Dieses Mäbcheu ist schön als auch liebeus- wiirbig", „Diese Rose ist farbenprächtig als auch wohlriecheub". Jebermanu iiihlt, bafe bas fein richtiges Deutsch ist, unb boch begegnet man bem Schnitzer immer häufiger, selbst schon bei Gelehrten ; hier ein paar Beispiele: Ankauf ganzer Sammlungen, als auch einzelner Stücke; — im festen Vertrauen auf unsere eigene Straft, als auch auf die Bunbestreue unb politische Einsicht ber Doppelmonarchie; — ausgezeichnet burch große geschichtliche Ge- mälbe, als auch burch kleine Darstellungen au? bem gewöhnlichen Leben. — Es ist ebenso merfwürbig wie traurig, bafe solche Lieberlichleit in ber Sprache, wenn sie einmal auftaucht, so bald Nachahmung findet, unb bafe hoch und niedrig gleicherweise in bie Schlingen fallen, bie selbst bie Muttersprache - überall ausbreitet, bie man aber bei ein klein wenig Sorgsamkeit soivohl vernreiben als auch überspringen kann,
* V o in Kasernen Hof. „Einjähriger Müller, was sind Sie denn eigentlich im Zivilleben?" — „Schauspieler, Herr Unteroffizier!" — „Was, Schauspieler sind Sie? Na, dann ist es mit Ihrer Kunst nicht Weit her. Sie können ja nicht mal einen ganz gemeinen Soldaten darstellen."
* Neugierde. Postbeamter: „Sie, der Brief hat ja keine Adresse!" — Soldat: „Soll er ooch »ich. Muß denn jeder wissen, an wen ick schreibe?"
* 83 er u 61 a u f Gegenseitigkeit. Neffe: „Na, denn adieu, lieber Onkel; die Stunden, lvelche ich bei. dir verlebt habe, sind mir teuer!" — Onkel: „Mir auch, lieber Neffe!"
Skat-Ausgabe.
Mittelhand tourniert mit folgenden Karten r
Sie wendet Grün-Ober (Pique-Dame) und findet noch Rot (Coeur)-Afe. Das Spiel verläuft für Mittelhand so ungünstig, daß sie schwarz wird. — Wie ging das zu?
Auflösung in nächster Nummer;
Auslösung des Scherz-Arithmogriphs in voriger Nummer: Gaus, Sang.
ERebaftion: K. Neurath. — Rotationsbrnck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


