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den adeligen Namen erwarb'. Ich glaube aber versichern zu dürfen, daß es in unseren Familien immer Leute gegeben hat, die den Namen, den ihr Ahn erwarb, sich von neuem verdienten, ja, daß es solche Leute in all unseren Familien noch heute genug gibt. Es ist eine alte Erfahrung, daß es schwerer ist, sich aus einmal erreichter Höhe zu erhalten, aW sie zu gewinnen. Und es ist immerhin etwas, das ich, der ich für die Grafen Kölln reden muß, ins rechte Licht rücken möchte, wie diese Familie sich durch so viele Jahrhunderte auf der Höhe erhalten hat. Betrachten wir die Geschichte, so sehen ivir überall das ße, das Emporkommen von einzelnen Menschen, von lechtern von ganzen Neichen, und deren allmähliches Miederuntergeben. ‘ Alles währt nur eine Weile; wie lange, weiß Gott allem. Zum Vergehen, oder, wie wir es nennen können, zur.Umwandlung in anderes, Neues, ist alles be- ftimmt, was auf der Erde ist Tie Leute, die durch eigene Kraft heute in die Höhe gekommen sind, genau wie unsere Vorfahren es einmal getan haben vor grauen Jahren, diese Leute gehen einmal dem gleichen Untergang entgegen wie wir, wie alles, waD irdisch ist. Sie haben pur etwas voraus: vielleicht etwas mehr Zeit. Die Entwicklung, die wir schon erreicht haben, steht ihnen erst bevor. Es ist das, was auf der ganzen Erde gilt: Alter und Jugend. Nun weiß man aber nie bestimmt, welches Alter ein Mensch einmal erreichen wird. Bei den alten Familien weiß man Hs aus der Geschichte, daß sie eine lange Zeit zurückgelegt haben, daß sie stand hielten. Bei den jungen können wir Hs nur hoffen. Und in diesem Sinne, meine Damen und Herren, bitte ich Sie, mit mir das Glas zu erheben und darauf zu leeren, daß jene Familie, deren ältester Vertreter hier mit berechtigtem Stolz sich seines eigenen Emporkommens gefreut hat, erreichen möge, was ihr nun noch zu ihrem Emporblühen notwendig ist: die Dauerbar- keit. Dazu gehört aber die Vererbung. Die bisherige Gräfin von Kölln ans dem alten Geschlecht soll dem neuen diese Möglichkeit geben. Hoffen wir, daß die kommenden Droesigl durch Agathe und Ludwig Droesigl einmal ihrem Begründer, dem großen Industriellen und ausgezeichneten Parlamentarier, den ich die Freude habe, in meinem Hause zu sehen, Ehre machen werden. Die Familie Droesigl lebe hoch, blühe weiter und zum dritten Mal bis in fernste Zeit.
Als das Hoch verklungen war, setzte er sich mit leise geröteten Wangen aufrechter und stolzer. Der Geheimrat rief mit gewaltiger Stimme über den Tisch:
— Ganz einverstanden, Durchlaucht, hat mich sehr gefreut!
Der Bräutigam aber, der mit dem Glase zu seinem Schwager gegangen war, sagte leise, während die Kelche aneinanderklirrten:
— Mein Vater hat niemand angreifen wollen. Er ist nun mal ein Original.
Alles wunderte sich über des Prinzen glatte, gute Rede. Sein älterer Bruder, der Fürst, schüttelte ihm die Hand. Er stieß auch mit dem Geheimen Kommerzienrat Droesigl an und sägte dabei:
— Ich habe leider nie Gelegenheit gehabt, Ihre Be- Vanrckschasi zu machen. Aber Ihre Werke und Ihre Einrichtungen kenne ich und habe für meine schlesischen Bergwerke manches von Ihnen gelernt.
Die Prinzessin war voller Staunen. Sie erzählte ihrem Tischnachbar, dem Gesandten zur Disposition Graf Regnier, dem Vater des jungen Grafen, wie in den letzten Tagen, während sie hier in Haddensen die Anordnungen für den Empfang der Gäste getroffen, ihr Mann gleick einem Irrsinnigen herumgelaufen sei, in Gedanken an die Rede, die Hm bevorstand.
— Er hat sie mir ein paar Mal gehalten, ach Gott, was sage ich, hundert Mal, aber denken Sie, Exzellenz, sie war ganz anders. Total anders. Außerdem blieb er bei jedem zweiten Sah stecken. Tas soll einer begreifen!
Bald wurde aufgestanden, und in langer Kette schritt dis Gesellschaft wieder aus dem gelblichen Licht der Kerzen durch die jetzt sonnenhelle Galerie hinüber in den Salon der Prinzessin. Dort standen alte Goldsessel und Sofas mit blauen Seidenbezügen, aber der Raum hatte etwas Modernes dadurch daß er vollgepfropft war mit Er" innerungen aller Art, Geschenken und Aufmerksamkeiten von Valys vielen Bekannten, Ankäufen der verschiedensten Stile aus allen Städten und Bädern, wo sie geweilt. Denn MerallpsleZte sie an den Auslagen stehen zu bleiben und
irgend etwas zu erwerben: ein Nichts, einen Herumliegerp eine Dose, ein Falzbein, ein Kästchen, einen Leuchter, eine Vase, einen Rahmen, ein Riechfläschchen, eine Schale, eine Spitze, ein Deckchen. Da gab es Hundefantilien, Affenkreise, Katzengeschlechter; alle Tiere der Kopenhagener Königlichen Porzellan-Fabrik. Vor allen Dingen aber standen auf den Tischen und Möbeln, hingen an den Wänden, steckten in Schirmen und Rahmen Photographien von alten Menschen, die der Prinzessin je in ihrem Leben begegnet: in Uniform, die- Orden angetan, im Frack, dann wieder nachlässig im Bummelanzuge. Damen mit der Conrschleppe, ganze Galerien von Freundinnen und Bekannten von irgend einem Kostümfest, zu Pferde bei Gelegenheit einer Quadrille, andere das Racket, den Bergstock in der Hand, das Gewehr Überder Achsel, daß man sehen sollte, wie diese Damen auch schießen konnten. Es war, als hätte die Prinzessin niemals auch nur ftins Minuten mit einem Menschen gesprochen, ohne die Bitte an ihn zu richten: „Schenken Sie mir doch Ihre Photographie!" Es war förmlich eine Krankheit. Aber durch die erdrückende Fülle, die beinahe tapetenartig wirkte, Hatto der Raum nichts Unruhiges. Sicheres Kunstgefühi fehlte freilich. Neben einer zufällig nicht üblen Bronze stand die Abscheulichkeit der Dutzendware, neben einem außerordentuchen Porzellanstiick bellte ein Fahrmarktsmops für zehn Pfennige.
Die Menschen hatten sich verteilt, Kaffee und Schnäpse wurden angeboten. Und daneben im Zimmer des Prinzen, einem in dunkler Eiche gehaltenen, ruhigen Raume, warteten die Zigarren.
Dorthin hatte sich Geheimrat Droesigl zurückgezogen. Er war der erste, der qualmte. Als Fürst Hohengart zu ihm trat, sagte er:
— Wissen Sie, ohne Zigarre kann ich nun mal nicht leben. Bei mir geht sie während der Arbeit nie aus. Gott, tote oft sind mir schon auf dem Schreibtische Papiere an- gekokelt.
Fürst Hoheugart setzte sich lächelnd zu ihm. Der hagere Mann mit dem schön geschnittenen Gesicht und dem einen Stern auf der linken Brust, dem wohlgepflegten Bart- und Haupthaar und ihm gegenüber der andere mit dem wirren Kops int schlecht sitzenden, ein Dutzend Jahre alten Frack, als könne oer Besitzer von Millionen das Geld zu einem neuen nichst ausbringen. Der Fürst begann von allerlei Arbeiten unter Tage, von Kohlenpreisen, neuen Absatzgebieten, und der Geheime Kommerzienrat hörte ihm zn, bie Augen halb geschlossen, als wolle er abwarten, wes Geistes Kind dieser Fürst Hohengart sei. Nur ab und zu warf Herr Droesigl senior ein Wort ein, streckte die Hand abwehrend aus:
— Keine Spur! — oder schlug auf den Disch:
— Natürlich!
Er fing allmählich Feuer, beugte sich in seinem Stuhle vor, wioerlegte etwas, stimmte mit gewaltigem Baß zu, dann rückte er näher, und während er bie. schiefgebrannte, durch Ausstößen in den Aschenbecher zum Pilz gewordene Zigarre, wegwarf und sich, ohne bett .Hausherrn zu bitten, eine neue nahm, schwebten die Dampsivolken um die beiden, die immer enger im Gespräch verknüpft wurden.
Ab und zu kam einer der andern Herren hinzu und blieb einen Augenblick stehen, aber es war nicht tnöglich ein Wort einzuwersen. Als der Geheimrat dem Fürsten so nahe gerückt war, daß die Kuiee sich beinahe berührten, klopfte er ihnr plötzlich auf den Arm:
— Gottsbonnerwetter noch mal, Sie sind ja ein ganz vernünftiger Kerl!
Ter Fürst lächelte:
r— Tüchten Sie das nicht?
— Nee, das habe ich nicht gedacht.
Der Fürst machte ein lächelnd bedauerndes Gesicht: — Das ist aber hart für ntich.
Im selben Augenblick waren sie wieder in irgend einen Schacht eingefahren. (Fortsetzung folgt.)
Nach der Sintflut.
Von einem techn. Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Die Ueberschtoemmungslalastrophe in Paris regt auch in dem Techniker manche, bis dahin mehr oder weniger latent gebliebenen Betrachtungen an. Hochwässer, auch vott ähnlichem Umfange, hat es öfter gegeben, und ihre verwüstenden Wirrungen waren in vielen Fällen größer. Aber nie ist im Bereich unserer westlichen Kultur eine. Millionen-


