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Droestgl.
Bioman von Georg Freiherrn von OmptedE (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Einen Ungenblick darauf ging es zu Tisch. Der Knäuel ton das junge Paar löste sich in eine lange Kette. Man trat asts dem silbrigen Tageslicht in die gelbliche Kerzen- belenchtuug. Die Diener ruckten die Stühle an, und die Hochzeitsgesellschaft saß.
Agathe suchte unter dem Tisch die Hand ihres Mannes, Und der neigte sich zu ihr. Aber er vergaß dabei nicht in die Runde M blicken, und sein Auge ruhte mit Wohlgefallen auf den ordensgeschmückten Herren, auf dem Fürsten, auf den Damen in ihren schönen Toiletten.
Der Pastor erhob sich, eine friesische Hünengestalt, in Uondem Bollbart. Er ließ das junge Paar leben.
Als er sich kaum gesetzt, -stand der Geheime Kommer- Kienrat Droesigl auf. Er blickte sich unter seinen buschigen Brauen eine Weile um, sein Sohn aber kniff die Lippen Mifeiuander und flüsterte seiner jungen Frau zu:
— Wir hatten doch ausgemacht, daß nicht gesprochen werden sollte!
Wer sie blickte ihn nur mit seligem Lächeln an, sie hörte ja doch nicht -zu, sie hatte.nur Augen für ihn.
Herr Droesigl senior begann:
--- 'Es freut mich. Sie versaminelt zu sehen, Sie alle, Mitglieder von Familien, die, wie ich gern anerkennen will, vor Jahrhunderten dem Staat und dem Herrscher Dienste erwiesen haben, die er auch belohnt hat. Es ist wir auch eine große Freude, die junge Frau, die mir sehr güt gefällt — wobei man allerdings sagen muß, wie soll man nach so kurzer Bekanntschaft einen kennen lernen . . . kurz... ich hoffe, sie wird sich in meiner bürgerlichen Familie genau so wohl befinden, wie sie sich wohlbefunden hat in ihrer gräflichen Familie. Und ich glaube, wenn sie sich ihrer Borfahren erinnert, die durch eine Leistung ihren Namen verdient haben, so kann sie sich auch wohl fühlen, denn meinen schlicht bürgerlichen Namen habe ich mir genau so verdient wie ihre Vorfahren, nur ift's nicht so lange her. Bei mir ist der Name allerdings ein einfacher geblieben, aber hinter dem Namen Droesigl steht leine Armee mit Muskeln und derben Fäusten, die Armee der Arbeiter meiner Werke. Und ich, der ich selbst als Urbeiter einst begonnen haVe, sage gern, daß sie viele viele tausend zählen . Wie nun in früheren Zeiten die Vorfahren der Dame, die heute meine Schwiegertochter geworden ist, Knappen und Reisige befehligten, so rauchen jetzt auf meinen Wink tausende von Essen und auf meinen Wink hören auch tausende von Wen auf zu rauchen. . .
Der Bräutigam, der diese Redensart, wenn er von feinem Vater sprach, gern zu benutzen pflegte, senkte den
Kopf immer tiefer auf den Teller. Die Prinzessin blickte dem alten Grafen Regnier in das vornehme, feingeschnittene Gesicht mit dem weißen Spitzbart, als wollte sie sagen: „Mein Gott, wie soll das noch enden? "
Der Geheime Kommerzienrat wußte es vielleicht selbst nicht. Er konnte nur sachlich sprechen. Allgemeine Redensarten, und sei es das Hoch auff den Landesherrn, endeten trotz seines scharfen Verstandes meist mit Plattheiten. Nun stützte er die Knöchel beider Hände auf den Tisch, beugte seine hohe Gestalt noch mehr, als er sich sockst krumm hielt, in tödlichster -Verlegenheit, wie er fortfahren sollte. Er befand sich sonst nicht in Gegenwart von Prinzen und Grafen, aber überzeugt von historischen Entwicklungen stand er im Herrenhause in den meisten 'Dingen mit ihnen Schulter an Schulter. Er fand Stolz dumm niib lächerlich, nur nicht bei einem Emporkommen, wie es ihm selbst gelungen. Er war rücksichtslos, wenn er einen Gegner vor sich halt»; doch hilflos wie ein Kind, wenn er liebenswürdig sein sollte. Und xr wollte liebenswürdig sein, wollte den Kölln- und ihrem Anhang keine Ungezogenheit sagen, aber sein Mut sprach doch in ihm. So begann der glänzende Debatten des Parlaments mit einem Mal zu stottern und schloß ganz plötzlich:
— Ich wollte nur sagen, wir können alle unseren Platz nebeneinander haben auf der Erde. Der eine leistet .was und der andere hat was geleistet. In diesem Sinne denke ich an die Familien, t/e hier versammelt find, Sie leben hoch und wieder hoch und noch lange hoch!
Das „Hoch" klang wie aus der Pistole geschossen. Ml» fühlten sich erlöst dag die Rede ohne schwerere Entgleisung zu Ende gekommen. Man stand auf, stieß an und setzt« sich wieder. Als die Unterhaltung von neuem begann, läutete es jedoch abermals an einem Glase: Prinz Hohen- gart erhob sich. So laut der Geheime Kommerzienrat über die Tafel gerufen, beinahe als spräche er vor tausend Arbeitern, so leise redete nun der Prinz. Ihm, von dem man immer nur meinte, daß er für fein Dasein um Entschuldigung bäte, flössen die Worte glatt vom Mund. Er blickte dabei teilten Augenblick die Umfitzenden an, sondern sprach vor sich hin, als sei es eine Betrachtung mit sich selbst indem er sagte:
— Meine Damen und Herren, gestatten Sie, daß ich zuerst Herrn Geheimrat Droesigl meinen Dank aus spreche für die Worte, die in ein Hoch auf die Familie meinsp Schwägerin ausgeklungeu haben. Ich stehe hier an stelle eines Mannes, der gewiß dem Herrn Geheimrat in demselben .starken Tone des Lebens geantwortet haben würde, den er angeschlagen hat. Ich stehe hier an Stelle des Vaters der Braut, der leider nicht mehr unter uns weilt. So fällt es mir denn zu, der ich mich, ich will es nur gestehen, dem nichst recht gewachsen führe, an seiner Statt zu antworten. Wir gehören hier beinahe alle durch Geburt zu jenen Familien, deren einer Sproß vor vielen Hunde« Jahren einmal Bedeutendes geleishei hat und dadurch sich


