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soll es dabei sehr schlecht gehen, denn die Frauen sind grausame Herrinnen iniS gönnen ihren männlichen Untertanen keinen Augenblick Ruhe oder Freiheit. Die Frau ist Eigentümerin alles Besitzes und sie ist es auch, die Raubzüge beschließt oder verfügt, mann der Stamm weitcrziehen soll.
vermlsehtss.
* Vom Markt mit „Preise n". Neulich war ich wieder einmal in einer der großen Ausstellungen, die auf den verschiedensten Gebieten die Interessenten veranstalten, um Stimmung und Absatz zu. schaffen. Welche es war, sag ich nicht, weil ich sie nicht mehr kompromittieren möchte, als all die andern, die's ebenso treiben. Es ist ein allgemeiner Unfug, von dem ich reden möchte; gelegentlich von Gärtner-Ausstellungen ist übrigens int Kunstwort schon auf ihn gedeutet worden. Also: unter all den Ausstellungsgegenständen mußte man suchen, in Wahrheit mühselig suchen, wenn man einen finden wollte, der nicht „ausgezeichnet" war. Und zwar hatten die taufend Sachen nicht etwa den ersten bis tausendsten Preis, sondern fast jede hatte mindestens einen „ersten", -inen „zweiten" oder einen „dritten" Preis, wenn nicht gleich soundso viele zusammen. Zweck davon: wenn ein Aussteller seine Kataloge und sonstigen Geschäftspapiere drucken läßt, führt er sich als Inhaber von „ersten", „zweiten", „dritten" Preisen auf, und der harmlose Käufer denkt natürlich: unter einem Tausend von .Wettbewerbern (oder wer weiß, wic- viel's waren!) ist dieser Hauptkerl also der erste, zweite oder dritte gewesen! -Tie Fachleute kennen „das" natürlich, lachen; darüber oder sagen: was will mail machen, wenn's alle so treiben und ganze Ausstellungen weiter gar keinen Zweck haben, als solche Reklamemittcl zu beschaffen? Demnach muß nach der Meinung des Knnstwartes das Publikum in immer weiteren Kreisen dahin aufgeklärt werden, daß es nicht mehr hineinfällt. Das ganze Wesen ist .nicht vi l besseres als Gimpelfang.
* Edison über seine neuesten E r f i n d u n g e n. In amerikanischen Zeitungen erschien vor kurzem. die Aufsehen erregende Nachricht, das; Edison einen neuen ?lpparat erfunden habe, eine kunstvoll gebaute Maschine zur Aufnahme lebender Photographien mit den natürlichen Farben. Der berühmte Erfinder hat sich nun zu diesen vorzeitig in die Oeffentlichkeit gedrungenen Mitteilungen geäußert: er arbeitet allerdings seit längerer Zeit an diesem Problem und hegt auch günstige Erwartungen, allein er ist noch weit davon entfernt, alle Schwierigkeiten überwunden zu haben. Insbesondere stößt die Wiedergabe der roten Farbe auf große Hemmnisse; mit den übrigen Farben hat er bereits recht günstige Erfolge errungen. Zugleich sprach Edison voller Begeisterung von der neuen Maschine, die er nun Vollendet hat und die eine Wiedergabe lebender Photographien mit dem gesprochenen Worte ermöglicht. „Man hat mehrfach behauptet, bereits Sprechmaschinen zu haben, die die lebenden Photographien begleiten uitd die zugleich die Mängel des Grammophons nicht besitzen. Aber diese Behauptungen waren nur von schlauen Geschäftsleuten und Kinematographenunternehmern in die Welt gesetzt; in Wirklichkeit stand hinter dem Vorhang ein Mensch, der zu den Bildern den Text spracht!) Aber nun haben wir lernen Apparat, der eine vollkommene Täuschung hervorbringt. Nun können wir ein ganzes Drama auch stimmlich wiedergeben. Die Stimmen klingen so ausgezeichnet, als ob man vor einer wirklichen Bühne säße. Dabei fehlt völlig der gepreßte, surrende. Unnatürliche Klang des Phonographen. Wenn es uns mut noch gelingt, die Farben natürlich wiederzngebeu, dann haben wir alle Elemente des Schauspiels beisammen, die Sprache, die Gebärde Und die Farbe. Das Flimmern, Prasseln und Knattern fehlt in diesen Sprechmaschinen und Kinematographen vollkommen. Das alles gab es auch bei meinem ersten Kinematographen glicht, aber als die Unternehmer die Sache ausbeuteten, erschienet vor dem Publikum plötzlich diese flimmernden, knatternden Aufnahmen. „Wartim?" meinte Edison und zwinkerte dabei verständnisvoll mit den Augen: „Nnn, man läßt die Maschinen doppelt so langsam laufen, als ich beabsichtigt hatte. Man gibt Masse, aber keine gute. Wemt man die Maschinen rascher laufen ließe, so wurden die Aufnahmen vollkommen sein." — Zu gleicher Zeit erregt in Amerika eine andere Erfindung lebhaftes Aufsehen und wird in der Presse ausführlich besprochen. Dr. Lange aus Goranton in Pennsylvania will ein Verfahren gefunden haben, mit dessen Hilfe er aus einem Gemenge von sieben nicberetti Metallen reines Silber (!) Herstellen kann. Er hat seine Erfindung bereits beim Patentamt angemeldet, verschweigt aber alle Einzelheiten, bis sein Verfahren gesetzlich geschützt ist. Dr. Lange genießt in der wissenschaftlichen Welt Amerikas großes! Ansehen; er will drei Jahre lang in seinem Laboratorium gearbeitet haben, bis der Zufall ihm endliche die Lösung des Rätsels enthüllte. Der Erfinder betont, daß es sich um eine rein wissenschaftliche Entdeckung handele, die mit alchimistischen Phantastereien nichts zu tun hätte, aber einstweilen betrachtet man die Nachricht mit Mißtrauen und wartet die Entscheidung des Patentamtes ab.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brifl
* Deutschtum und Kastaniengrenze. Pflanz eA- gvenzen und Völkergrenzen fallen nicht selten zusammen. Wie Prof. Dr. Scharfetter in „Petermanns Mitteilungen" ausführt, läßt sich diese Beobachtung besonders schön an uns Deutschen! machen. Der Pslaitzengeograph, der auf einer Sprachkarte Europas der südlichen Grenze des deutschen Sprachgebietes entlang geht, macht nämlich die Entdeckung, daß er zugleich die Nlirdgrenze der Edelkastanie (Castanea vesca) verfolgt. Diese Grenzlinie, über die hinaus die Edelkastanie nicht jiart; Norden! vordringt, scheidet im Osten die Madjaren von den S.erbokroaten, trennt int Süden Deutsche und Italiener, und wendet sich im Südwesten zwischen Genf und Bern nach Norden, um Germanen und Romanen zu scheiden. Wenn also auch nicht mathematisch genau, so doch jedenfalls in großen Zügen, deckt die „KastanieN- grmze" sich in auffallender Weise mit der deutschen Sprachgrenze. lind die Geschichte lehrt, daß diese Kastaniengrenze tat- sächli chdie Rolle einer Völkerscheide gespielt hat. Davon erzählt in den Zeilen der Völkerwanderung das Geschick der Hunnel Ostgoten und Langobarden: Attila mußte die Eroberung Roms aiifgeben, die Ostgoten gingen in Italien zugrunde, und die Langobarden büßten dort ihr Volkstum ein. Und ebensowenig wie den Römern gelingen wollte, über die Kastanicngrenzg hinaus nach Norden dauernd ihre Herrschaft auszudehnen, ebensowenig glückte es den Germanen im Mittelalter, südlich, über diese Grenze hinaus sich festzusetzen. Es scheint also, als feicit die Völker — solange sie sich noch auf einer gewissen niederen!, unbchilflicheU Kulturstufe befinden — in ähnlicher Weise wie auch die Pflanzen an bestimmte Gegenden, d. h. an bestimmte klimatische und Bodenverhältnisse gebunden, als könnten sie über diese nicht Hinauskommen, ohne ihre Kraft und Bodenständigkeit zu verlieren. Ja, man könnte sogar vielleicht nachweisen, daß solche Völker sich am leichtesten dort ausbreiten konnten, ivo auch die Lebeusbedingnugen für die charakteristischen Pflanzen ihrer eigenen Heimat gegeben waren. So drangen die Tschechen, als sie das Innere Böhmens besiedelten, nur so weit vor, als das Land bett Charakter der Steppheide auswies, machten dagegen Halt vor den Urwäldern der Grenzgebiete, die erst von den Deutschen im Laufe des Mittelalters geordnet und besiedelt wurden., Ebenso möchte man auch von den Arabern fast sagen, sie seiertz gerade so weit vorgedrungen, als die Kultur der Dattelpalme möglich iuar. Bekanntlich nahmen sie ja diese Lieblingspflanze! auf allen ihren Zügen mit sich, brachten sie nach Spanien, selblt nach Indien; deshalb bezeichnet übrigens auch die Berbreitungs- liuie der kultivierten Dattelpalme die Größe der einstigen Araberreiche.
* Boshaft. Vetter: „Tut Ihr denn eigentlich gar nichts gegen diese Fliegenplage?" — Hausherr: „Alles vergeblich, lieber Vetter; die haben sich sogar an die Zigarren gewöhnt, die du mir zu Weihnachten geschenkt hast!" .
* Erklärliche E n t r ü stlu n g. Fran (int Konzert): „Empörend, tote das Pärchen hinter uns sich fortwährend küßt!" — Mann: „Warum empörend?" — Frau: „Na, küßt du mich vielleicht?"
* Triftig e r Grund. „Warum haben <?ie denn bett Müller aus Ihrem vegetarischen Klub ausgestoßen?" — „Weit er stets mit der Wurst nach ber Speckseite warf!"
Virchertisch.
;— „M är z", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma und Hermann Hesse. Verlag von Albert Langen in München. Das erste Juniheft enthält: Otto Evrbach „England und Japan", Oskar Friedrich Luchner „Oesterreichischer Völkerfrieden", Norbert Jacques Belgien, Dr, Albrecht Wirth Albanien, Martin Wackernagels „Reise in der südlichen Basilicata" (2), A. Gordon „Spinoza im Lichte Goethes", Engen Kalk- schmidts „Städtebau", Ludwig Bauer „Die Aerzte und die Reichs- versicherungsordnung", R, E. M.ah „Politik des. Hattsabundes.", Glossen,. 1
versteckräW-
Man suche ein ©pricbivort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, tvie die Silbe „an" in „Wanderer". Perlenhalsband — Radfahrerin — Begeisterung — Frauenlist — Veilchenstrauß — Fahnenweihe — Teurung — Ehrensold —
Schuldschein — Windmühle.
(Auflösung in nächster Nnmmer.f
Auflösung des Diamanträtsels in voriger Numiner:
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Minna München D o ,h 1 e
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'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


