Samstag den 5. Kebruar
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Droesigl.
LToman von Georg Freiherrn von Ornptedat (Nachdruck verboten.) kForu'esung.j
Agathe ivar ängstlich zumute, als sie das Hotel betraten. Wre die drei nun im Aufzuge am ersten und zweiten Stock vorüberglitten, sagte Louis Droesigl, gleichsam das hohe Wohnen seines alten Herrn entfchuldtgend:
— Mein Batch liebt nicht den ßärm.
Endlich standen sie vor der Wr. Herr Droesigl klopfte. Eme mächtige Stimme rief:
— Herein!
In einem keineswegs großen Zimmer saß am Schreibtisch einer mit buschigem, weißem Kopf und schrieb. Er warf unter langen, struppigen Brauen einen Blick auf die drei Eintretenden, ließ sich aber nicht stören, sondern sagte nur dröhnend:
— Einen Augenblick!
Herr Louis Droestgl errötete, indem er Gräfin Linden- hach zuflüstexte:
— Es ist wahrscheinlich etwas sehr Wichtiges.
Sie hob ihre Lorgnette und betrachtete' mit einem humorvollen Blick tsen alten Herrn, der zwei Damen, deren Besuch angekündigt war, warten ließ wie Kontvrbocen.
Endlich warf der Geheime Kommerzienrat Droesigl seinen Gänsekiel fort, räusperte sich gewaltig und trat hinter dem Schreibtisch hervor. Bei den ersten Schritten richtete ex sich auf zu gewaltiger Größe. Ein langer, weißer Bart fiel ihm bis auf die Brust. Er machte eiire Bewegung, wie Um die Manschetten herauszuziehen, blickte sich nach dem Schreibtisch um, und einen Augenblick war es. als dächte er daran, dorthin zurückzuktchren, wo an der Ecke die be.den „Röllchen", von zwei schwarzglänzenden, rieschen Manschettenknöpfen zusammengehalteu, standen. Herr Louis Droesigl uahm die Absätze zusammen:
— Mein Vater — Grästn Lindenbach — Agathe.
Der alte Herr musterte die beiden Damen. Die Braut wurde purpurn. Die Gräfin aber unterbrach die schweigende Begutachtung, indem sie der Wahrheit gemäß begann:
— Es interessiert mich sehr, Sie kennen zu lernen.
Ter Geheime Kommerzienrat sagte mit einer gleichsam Angelernten Redensart, indem ein freundlich fein sollendes Grinsen über sein Gesicht lief:
— Ganz auf meiner Seite. Bitte, ivollen Sie Platz nehmen.
Etwas schwerfällig trat er zu einem Tisch, um den ein Sofa und ein paar Lehnstühle standen.
Da Herr Droesigl Vater schwieg, sagte die alte Gräfin, unmer mit einem Lächeln, der Herr Geheimrat habe wohl sehr viel zu tun, sie wolle ihn auch durchaus nicht lange
aufhalten, möchte nur die Bekanntschaft mit der vermittel«» die feinem Sohne das Jawort gegeben habe.
Der alte Herr antwortete kurz:
— Und mein Sohn ihr.
Tie Gräfin hob ihre ßorguette:
— Na, erst mußte er sie doch.fragen!
Der Geheimrat richtete sich in seinem Stuhle auf und sah sie an mit seinen klugen, scharfen Angen, wie einer, der Widerspruch nicht verträgt:
— Mußte? Wenn er 'nicht gekommen Wäre, könnt« sie auch nicht ja sagen.
— Hätte aber, als er ttim, ebensogut nein sagens können.
Herr Droesigl senior sah sie wie einen Feind an. Doch sie lächelte nur, wie sie vom ersten Augenblick an gelächelt hatte . Da unterbrach Agathe die Gräfin:
— Tante, das 'hätte ich nie gesagt.
Nun musterte der alte Herr feine zukünftige Schwiegertochter von oben bis unten. Dann entfloh ihm eine Art billigendes Brummen. Sein Sohn aber rückte auf dem Stuhl hin und her, biß die Lippen aufeinander und bewegte den Zylinder zitternd in den Fingern.
Endlich sagte der Geheime Kommerzienrat:
—Freut mich, freut mich für Sie.
Louis Droesigl aber wendete sich wie entschuldigend! zu Gräfin Lindenbach:
— O, wie bin ich glücklich, gnädigste Gräfin, ich fürchtet« nur....
Der Geheimrat polterte los:
— Ich begrüße Sie als Schwiegertochter. Hoffe, tote werden miteinander auskommen. Wie mein Sohn vielleicht schon gesagt hat, ist das nicht immer leicht mit mir. Ich mache mich nie besser, als ich bin. Bin schwer zu verdauen, aber wer offen ist, der ist mein Mann. I h kann das Wesen hintenrum nicht leiden. Also wollen wir gleich reinen Tisch machen. Ist vielleicht nicht sehr artig, was ich Ihnen jetzt sagen weroe, und wenn Sie albern sind, nehmen Sie's krumm, aber wenn Sie vernünftig sind, werden Sie's ein- sehen. Ich wollte nur sagen, Sie sollen nicht etwa denken, daß mir s Eindruck macht, daß Sie Gräfin Kölln heißen,
Nun ward Gräfin Lindenbachs Lächeln fast zum Lachen, Louis Droesigl aber entfärbte sich, doch Agathe antwortet« wie au,s der Pistole geschossen:
— Ich werde mich schon an Droesigl gewöhnen!
Der Geheime Kommerzienrat sah sie mit finsteren Augen an, doch sie hielt seinen Blick aus, während sein Socha nicht zu atmen wagte. Mit einem Mal stand der alte Herr auf und streckte feiner zukünftigen Schwiegertochter eine große, unberingte Hand mit kurzgeschnittenen Nägeln entgegen. Agathe legte ihre kleinen Finger hinein, und der Geheime Kommerzienrat sagte mit dumpf grollender Stimme:
— Na, wir werden schon gute Freunde werden. Sorgen Sie man dafür, daß die Droesigls nicht aussterben. Der


