Ausgabe 
1.12.1910
 
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ßü Äne Tasse SchokoMK, rmtbSÄlk Wch ehr Ibenig Torbe gctante Geschäftsinhaber lassen auch wohl einen Champagnerpsropsen knallen. Manche Theater räumen abends den Catherinen und Midinettes einige Paterrereihen oder Galeriesitze ein; an einigen Stellen finden auch Catherinen-BLlle statt. In Hause aber, im ärmlichen Stübchen, legt die Catherine ihren Eintagsschmuck ab. Sie will nicht traurig sein, aber sie denkt an die so rasch entfliehende Jugend, an das graue morgen und an das gaw» lange Alltagsdasein von Arbeit und Sorge, das ihr bevqrsteht. sDie Natur hat diesen Kindern des alten Paris indes Humor tzegebein. Sogar neulich, als die Midinettes streikten und in der Arbeitsbörse Versammlungen abhielten, sangen sie nicht etwa blutdürstige Revolutionslieder, sondern das Lied vomPetit « Panier und allerlei Liebeschansons. Denn was wäre die Midi- (nette ohne Liebe? Freilich, wemi !man die iCatherinenhaube getragen hat, denkt man immer mehr an den Ernst des Lebens, iunt> gar manche Catherine wirdklassenbewußt" und schließt sich einem Syndikat an. Immer aber sucht sie hübsch und chik zu bleiben, d. h. die eigentliche Midinette im Viertel der Rue de la Paix. Die kleinen Catherinen in der inneren Stadt setzen Kus freilich oft genug durch ihre Uuftisiertheit und den Mangel an peinlicher Sauberkeit in Erstaunen. Indes auch aus sie tragen dieweiße Rose" der Mimi-Pinson-Dichter und ,,rette slauir fe-s landerinette ceft la gälte!"

heiteres vom Arbettsfeide der Dirigenten.

Ein Chordirigent, der es mit (einer Aufgabe ernst nimmt, ist nicht auf Rosen gebettet, und neben der rein musikalischen Arbeits­leistung hat er auch noch manches andere zu vollbringen, das ohne Menschenkenntnis, Takt, Geduld und Energie gar nicht gelingen könnte. Einen großen Chor, in dem die verschiedensten Gesellschafts­klassen vertreten sind, nicht nur zusammenzuhalten, sondern auch jedes einzelne Mitglied zum Einsetzen seiner besten Kräfte zu ver­mögen, ist geradezu eine Kunst für sich. Aber wenn dann nachher in der Aufführung alles glänzend gelingt, fühlt sich der Dirigent hinreichend belohnt, itnb gern erinnert er sich nachträglich der kleinen Hnmore, die vorher z. B. der Briefwechsel mit seinen Chor- mitgliedern gezeitigt hat. DieS i g n a l e f ü r d i e inusi kalis che Welt", Berlin, teilen folgende Proben davon mit:

In einer größeren Stadt des Deutschen Reiches besteht ein Gemischter Chor, bei dem Probeoersäumnis recht drakonisch be­straft wird, aber der gestrenge Dirigent konnte nicht mehr zünten, als er den folgenden Entschuldigungsbrief erhielt:

Die letzte Dienstagprobe habe ich leider dadurch versäumt, daß ich in den Konzertsaal ging, anstatt wie immer in das Probe- lokal. Wollen Sie bitte diesen Fehltritt gütigst vergeben. Ihre sehr ergebene H. A."

Von Mitleid gepackt, aber auch ein bischen in Verlegenheit gesetzt wurde der Dirigent, als sich ein verloren geglaubtes Schaf mit folgender Epistel meldete:

Sehr geehrter Herr Direktor!

Ich fehle seit einiger Zeit in den Proben. Das kommt davon her, und bitte ich, es zu entschuldigen.

Ich siel vor vier Wochen am Ausgang des Rathauses so aus ein eisernes Kiatzbrett, daß mir das Eisen durch die Kleider durch drang und mich 'schwer verletzte. Vom Oberschenkel lrechts) bis in den Rücken ist alles zerschlagen, voller Beulen, und ich kann noch jetzt weder geben noch sitzen. Auch am Leid sind einige auf­geschlagene Stellen, ganz wund und blau, teils noch offen und so liege ich zu Bell. Wollten Sie sich, Herr Direktor, persönlich von dem Tatbestand überzeugen, so wäre mir das sehr lieb. Ich habe wirklich nicht mir aus Leichtsinn gefehlt, sondern komme bald wieder. Besten Gruß! Ihre sehr ergebene W. M."

Diese Schilderung des Unglücksfalls und seiner Folgen fand der Dlrigent so anschaulich, daß er auf die Besichtigung des Tatbestandes verzichtete und der gefallenen Sängerin aufs Wort glaubte.

Von dem Eindruck des folgenden Drohbriefes hat sich der Dirigent nur langsam wieder erholt:

Herrn Direktor . . .

Sie haben gestern in der Probe behauptet, der 2. Sopran sänge zu stark und haben dabei nach der Richtung geblickt, in der ich sitze. Wenn das noch einmal vorkommt, zeige ich hiermit meinen Austritt aus dem Chor an.

Mit gebührender Hochtung K. H."

Auf einen anheimelnden Gemütston ist der folgende Brief ge­stimmt, der außerdem noch die überraschende Lösung eines Pro­blems in Aussicht stellt:

Geehrter Herr!

Sie dürfen mich ruhig am Dienstag mitsingen lassen. Ich verspreche Ihnen auch, nicht den Mund aufzumachen. JmR.'schen Chore ivurde ich früher oft gebeten, doch mitzumachen, trotzdem ich nicht in den Proben gewesen war. Also riskieren Sie nichts dabei. Freundlichst grüßend M. A."

Knappheit und Vollständigkeit des Gedankenausdrucks ver- 1 uchte die Schreiberin des folgenden Brieses miteinander zu ver- »inden:Werter Herr l

Ihnen für die Uebersendung des Billetts herzlichst dankend, schließt K. SS."

DcrmifÄte,.

* Die Radiumhochzeit. Das neueste Ereignis in Paris ist die Feier der Radiumhochzeit, die, wie schon ihr Name sagt, ziemlich selten ist. Denn dieRadiumhochzeit'' ist die Feier der siebzigsten Wiederkehr des Tages, da zwei heute noch lebende Ehe­gatten vor dem Altar die Ringe wechselten. Die Jubilare sind Ferdinand D u g u 6 und seine Gattin, die zusammen die stattliche Summe von 187 Jahren zählen. Aber Ferdinand Dugus ist nicht nur Radiumgatte, er ist zugleich auch der älteste lebende Dramatiker der Welt. Er zählt Jahre und trat am 22. November 1840 vor den Altar. In seinem reich gesegneten Leben hat er nicht weniger als 42 Theaterstücke geschaffen. Die bekanntesten unter diesen Werken sind .Die Piraten der Lsavannah undCartouche*. TiePiraten" sind über tausend Mal in Szene gegangen. Sein letztes Werk, ein Drama, das aus dem Meeres« gründ spielt, wurde 1877 zuerst gegeben und erst vor wenigen Wochen in Paris wieder neu einftuöiert. Alme. Dugus hat in den letzten zwei Jahren das Bett hüten müßen, weil sie sich das Bein gebrochen hatte, aber sie ist im übrigen noch ebenso lebhaft und guten Mutes wie ihr rüstiger Gatte.Meine Knochen sind zu alt, um noch zu heilen, erklärte sie lächelnd den Festgästen,aber schließlich ist es auch meine eigene Schuld. Ich siel auf der Treppe des Bahnhosts hin, als ich unsinnig lief, um einen adjahrenden Zug noch zu erreichen".

* Die Hinrichtung einer Gottheit. Mit dem Ein­dringen europäischer Aufklärung in China vermindert sich,wenn auch nur langiam, der Schrecken alten Aberglaubens, und fürdie chinesischdn Götter neigt die gute Zeit sich ihrem Ende zu. Eine seltsame Kunde kommt aus der Stadt Tschmzah, die südöstlich von Siitschow in der Präfektur Sungkiang liegt. In Tschinzah erhebt sich ein prächtiger alter Tempel, der einem mächtigen Gotte und einer Göttin geweiht ist. Vor kurzem erkrankte die Tochter eines reichen Bürgers, und man sagte der Mutter, daß der Gott des Tempels die Tochter zur Frau begehre und sie daher sterben mufie. In ihrer Herzensangst flehte die (Blutter ihren Mann an, doch schleunigst in den Tempel zu gehen und dem Gotte ein großes Opfer zu bringen. Aber der Vater der Kranken ging nicht zum Tempel, sondern zur Präfektur von Sungkiang und ersuchte die Behörden, sich einmal um die Geschäfte des Gottes zu bekümmern. Einige Tage später erschien der Präiekt mit einigen Kanonenbooten vor Tschinzah und gab Befehl, sofort die beiden Gottheiten aus dem Tempel herauszuschleppen. Die Arbeiter waren von den Priestern bestochen und erklärten, die Götter wären zu groß und zu schwer, um befördert werden zu können. Darauf schritt der Beamte in den Tempel und stürzte mit eigener Hand den Gott und die Göttin vom Throne. Ter Gott ivurde bann mit sechs Klingen" hingerichtet, sein Haupt mit zweiKlingen" abgeschlagen und sein Leib geviertelt. Die Göttin aber wurde verbrannt und ihre Asche zusammen mit den Ueberreften des Gottes in einen See geworfen.

"Die Herkunft derFensterscheibe". Auf die Un­richtigkeit. tue in der BezeichnungFensterscheibe für unsere vier­eckigen Fensterglastafeln liegt, weist dieGlaserzeitmig" hin. Unter einer Scheibe verstand man von jeher eine runde Platte, ganz ur­sprünglich ivohl sogar eine solche, die zum Drehen bestimmt war (Töpferscheibe). Jedenfalls kennt der Sprackigebrattch das Wort Scheibe gewöhnlich nur für runde Dinge (Sonnenscheibe, Dreh­scheibe, Schießscheibe usw.) Wie kommt es nun, daß wir für die viereckige FensterglastafelScheibe" sagen? Dies wird uns sofort klar, wenn wir uns in die Vergangenhest zurückversetzen und an dte aus vielen kleinen, rundenButzenscheiben" zusammengesetzten Fenster unserer Altvordern denken. Aus jenen Tagen stammt also die heute nicht mehr ganz zutresseiide Benennung her. Die Butzen­scheiben wurden bekanntlich vor mehreren Jahrzehnten zugleich mit den sogenannten altdeutschen Zimmereinrichtungen noch ein­mal Mode.

SeiterrätfeL

Die Buchstaben a eceehhhhiill ooppprrsssssttna sind in die Felder nebenstehender Leiterfigur der­art einzutragen, daß die Sproßen derselben, von oben angefangen, folgendes ergeben:

1. Alten Namen für einen Fisch.

2. Badeort in Oberösterreich.

3. Römischer Kaiser.

4. Ein Spielzeug.

Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Geschichtsforschers bezeichnen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Schöne Worte machen das Kraut nicht feit.

Redaktion: K. Neuratb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.