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Donnerstag den 30. September f <

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(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Rheinlandstöchter

Roman von Clarg Kiebig.

Ferdinand von Ramer stand seit wenigen Wochen tn der Garnison Koblenz. Mit osfenen Armen hatte ihn sein alter Kamerad Xylander empfangen. Bald nach der Kata­strophe hatte ihm dieser einen wahrhaft freundschaftlichen Brief geschrieben, Ramer hatte sich nicht entschließen können, zu antworten; diese Versäumnis tat der Herzlichkeit des Wiedersehens keinen Abbruch.

Willkommen, alter Junge!" hätte der Hauptmann ge- K.Siehst du, hier ist meine Frau,, hier sind meine Kinder, m zu üns, so oft du magst! Und nun, lieber Freund, mußt du wieder heraus in die Welt; es geht nicht anders!"

Paul Xylander konnte trefflich Zureden mit seiner ange­nehmen Stimme; es war noch gerade wie früher, der Jüngere mochte und konnte sich den ruhigen herzlichen Worten nicht verschließen. Keine sechs Wochen waren ver­strichen und Leutnant von Ramer besuchte den Kasinoball. Schwer war es ihm angekommen, er tat's dem Freund zu­liebe; aber ein Gefühl grenzenloser Vereinsamung überkam ihn inmitten des Trubels. Da war keins unter diesen lachenden kokettierenden Geschöpfen, das ihn hätte erheitern können; sie waren auch gar nicht begierig darnach. Leutnant von Rainer Ramer puh! Nur das Mädchen, mit den klaren Augen und der freimütigen Sprache nötigte ihm einiges Interesse ab. Diese Nelda Dallmer! Bei jedem Tanz holte er sie zu einer Extratour, er klammerte sich in 'seiner Vereinsamung an sie wie ein Ertrinkender an den Strohhalm; als es zu Tisch ging, war sie seine Dame.

Frau Rätin Dallmer war nicht zufrieden mit dem er­klärten Herrn ihrer Tochter, sie imnkte sie heimlich beiseite. Nelda," flüsterte sie,du! Laß den Menschen etwas ab­fallen! Ist ja gar keine Partie ich bitte drch, und dann dieser Name! Alle sprechen sie schon darüber, finde es direkt unverschämt, sich mit dem Namen m die Gesell­schaft zu drängen. Alle sagen" _ , , .

Wer sagt?" unterbrach Neü>a laut und hart, eine glühende Blutwelle schoß ihr ins Gesicht.Deine Frau Zünglein Und Konsorten!"

Pst, pst, Nelda, nicht so läut um Gotteswillen!"

Ohne weiteres Wort, mit einew Zucken der Schultern, wandte sich das Mädchen ab und schritt quer über den Saal auf Leutnant von Ramer zu, der mit untergeschlagenen Armen sinster dastand. Sie legte ihm die Hand auf den ^lernte!:

Bitte, wollen wir jetzt zu Disch gehen?" Dabei lächelte sie ihn freundlich an. . ,,, .

Frau Dallmer war außer sich; sie gebärdete sich wre die . Henne, die Enteneier ausgebrütet hat Und der nun die Brut auf dem Wasser schwimmt, anstatt sich unter die schützenden

Flügel zu ducken. Sie rannte unruhig hin und her, ihr armes kleines Gesicht trug einen verängsteten Ausdruck, der schlecht zu dem Seidenfähnchen, der Spitzenhaube, dem Lichtglanz und der Musik paßte.

Beste," raunte ihr die Oberkonsistorialrätln zu,leiden Sie es doch nicht, daß Ihre Nelda sich so ausschließlich dem einen Herrn widmet. Das fällt auf!"

Mama!" Milchen kam gelaufen und schmiegte mit zarter Kindlichkeit ihr Finnengesicht an'ine stattliche Wange der Mutter.Denke, wie entzückend! Herr Emil Boven- hagen hat mich zum Souper engagiert!" Sie kicherte ver­schämt in sich hinein.

Ah ah!" , . ,

Die Stimme der Oberkonsistorialrälin erstarb ttt eitel Wonne; der armen Dallmer gab es einen Stich durchs Herz. Bovenhagen war der reichste Hüttenwerkbesitzer im Lahntal diese Partie! Und den sollte Milchen mit dem Finnengesicht ergattern und ihre Nelda leer ausgehen?! Wie gern hätte die kleine Rätin geweint, aber das durfte sie doch nicht; sie rappelte sich auf und zwang sich zu einem Lächeln. ~,

Es ging schon auf Mitternacht. Das Scharren und Stühlerücken hatte endlich aufgehört, man saß gemütlich beim Souper. Der Wein löste den Herren die Zungen, die jungen Damen hatten glänzende Augen; Neckereien und Komplimente flogen über den Tisch. Was bei nüchternem Tageslicht eine fade Bemerkung, hier wurde es zum Witz. Ballsaalbeleuchtung, Ballsaalatmosphäre!

Die schöne Anselma von Koch hatte einen! ganzen Hofstaat um sich; sie verteilte jetzt die Blitze ihrer großen Augen ge­rechter, ihr Landrat hatte plötzlich eine Schwenkung nach rechts gemacht, wo die allerliebste kleine Röhling saß. Fräu­lein Anselma maß beide, den sicher Geglaubten tote die teure Freundin, mit spöttischem Lächeln.Metall zieht Metall an," lächelte sie boshaft und senkte die langen Wim­pern ihrer strahlenden Augen sanft auf die Wange.

Göttlich! Famos!"

Die Leutnants erstickten fast vor Lachen und i-iaßen doch den Zivilisten mit neidischen Blicken; erst die aner­kannteste Schönheit toeggeschnappt, und nun auch den kleinen Goldfi ch gekapert! Die Herren vom zweierlei Tuch waren nicht dumm, sie wußten sich ganz gut die plötzliche Liebens­würdigkeit der schönen Koch zu erklären.

Das war ein Courmachen, Gelachter, Glaserllmgen, Schwadronieren sondergleichen!

Nelda Dallmer und ihr Herr hatten lange keinen Platz gefunden; überall hockten die Cliquen beisammen oder die Plätze waren für gute Freunde belegt. Ramer hatte gar keine Art, sich Geltung zu verschaffen, mit einer stummen Verbeugung trat er jedesmal zurück. Nelda blickte starb vor sich hin; vor ihren Augen schwamm em zormgev Rot, sie sah nichts, sie fühlte nur eine glühende Empörung in sich aufwallen. Trotzig kehrte sie sich ab, da - es zupft« sie jemand, eine freundliche Stimme faate beiter:Nelda