67

Das Seelenleben -er deutschen grau im klassischen Zeitalter.

Am Musenhof der Herzogin Amalie von Weimar, dessen Mittelpunkt Goethe in geistiger Hinsicht war, machten sich, wie Wilhelm Bode in der soeben erscheinenden Auflage der fesselnden neuen BiographieAmalie, Herzogin von $?ei- mar" (Verlag Mittler u. Sohn, Berlin), erzählt, mitunter merkwürdige Anschauungen und Sitten geltend. Adlige und

Lostet. Das gleiche Schauspiel wird sich dem Beschauer überall bieten, wo der edle Sport gepflegt wird im Riesengebirge, wie in den Vogesen, int Siebengebirge und in den bayerischen Alpen, Lm Eifel, Taunus und Vogelsberg, im Engadin und am Semme­ring. Und wenn er diese jauchzende, freudig erregte Menge sieht, Männer und Frauen aller Stände, Knaben und Greise, Städter intb Bauern, Deutsche, Franzosen, Engländer, Norweger bunt gemischt dem wird es kaum faßlich erscheinen, daß es eine Leit gegeben hat, in der die Besteigung des Feldbergs im Winter als Tollkühnheit gegolten hätte, ein Wagnis, das denn auch fast Niemand unternommen hatte. Und doch sind noch nicht 17. Jahre vergangen, daß zuerst ein Mensch aus Schneeschuhen die Höhe des Schwarzwaldes betreten hat, erst 17 Jahre, daß man in Deutschland von der unendlichen Herrlichkeit der Winternatur im Gebirge etwas erfahren hat.

l Schiipuren zeigen sollten. Ein Grazer Alpinist namens KleinoscheA

: hatte aus beschwerlichen winterlichen Hochtouren die Erfahrung

machen müssen, daß die im Winter so unvergleichlich größere

- Schönheit der Alpenwelt nur mit außerordentlich größeren Schwie-

rtgkeiten zugänglich sei als int Sommer. Da spielte ihm ein glücklicher Zufall eine englische Sportzeitung in die Hände, die emen norwegischen Schiläufer im Hochgebirge abbildete. Da war ;a das ersehnte Zaubermittel! Schnell wurden ein Paar Schier auS Norwegen bestellt, ein dortiger Bekannter sandte Photographien, die das richtige Stehen, Lausen und Springen lehrten und so glücklich fielen die Versuche aus, solche Begeisterung erweckten fie überall in dem bergsportsrolien Lande, daß bereits 1892 der erste österreichische Schiverein, der Verband steirischer Schiläufer, mit einer Mitgliederzahl von 150 Männern und Frauen ge­gründet werden konnte.

Im eigentlichen Oesterreich verlief die Entwicklung insofern anders, als hier nur die allererste Anregung von Norwegen aus­ging. Hier war es einer Wiener Maler namens Zdarsky, der Anfang der 70er Jahre auf sehr viel kürzeren Schieren als in Norwegen üblich und mit einer eigentümlichen starren Bindung des Fuyes an das Holz ganz ans eigene Faust die ersten Versuche unter­nahm. Die in der Tat für das Laufen in gefährlichem Terrain hervorragend geeigneten Hölzer 'verschafften ihm solche Erfolge, daß sich um ihn eine ganze Schule, die sogenannte Lilienfelder Schule, bildete, welche leider ihre Methode für die allein selig­machende ansah und dadurch zu unerquicklichen Streitigkeiten in bem jungen Sportleben Anlaß gab. Doch hat sich heute ein Waffen­stillstand herausgebildet, indem man erkannte, daß Mittelgebirge und tzochalpen eben verschiedene Anforderungen an die Ausrüstung des Schiläufers stellen und jede Methode aus ihrem Gebiete das Beste zu leisten imstande ist. Der große deutsch-österreichische Alpen- verein hat infolge dieser Erfahrungen das Schiläufen zu einem Hauptfeld seiner Betätigung erhoben.

Einen besonderen Fak'or der Weiterentwickluiig bildeten sodann die Wettrennen, deren erstes 1893 in Steiermark stattfand. Heute sind die jährlich meljrfach stattfindenden Rennen auf dem Feldberg die wichtigsten sportlichen Ereignisse in Deutschland aus diesem Gebiete. Hier bekam man auch im Jahre 1900, als sich zum ersten Male ein Norweger namens Nilsen an den Rennen beteiligte, den ersten $orrefteii und eleganten Sprung zu sehen, ein unver­geßlicher Anblick für jeden Teilnehmer. Unter dem anfeuernbett Beispiel der von da ab ständigen nordischen Gäste verbesserten sich die Rekords der deutschen Läufer von Jaljr zu Jahr, und wenn wir auch unsere Lehrmeister noch nickst ganz erreicht haben, so wird doch die Jugend, für die das Erlernen des Sports im doppelten -sinne des Wortes einKinderspiel" ist, in naher Zukunft den nordischen Kameraden ebenbürtig sein. Auch der Erwachsene lernt übrigens unter richtiger Anleitung schon nach wenigen Tagen den Schilauf,fo weit, daß er ihm höchsten Genuß bereitet, und die Prophezeiung ist nicht allzu gewagt, daß binnen kurzer Zeit der Schilauf in allen schneereichen Teilen Deutschlands allgemeiner Sport für die Gebirgsbevölkerung werden wird, die sich heute noch etwas scheu zurückhält (ein schlagender Beweis dafür, daß oft genug auch das dringendste allgemeine Bedürfnis die naheliegende Erfindung zu erzeugen außer Stande ist, wenn ihm nicht die kühne Initiative einzelner und der Zufall zu Hilfe kommen'. Aber auch heute. schon sind die wirtschaftlichen Wirkungen des Schisports für Deutschland enorm. Ganze große Industrien sind entstanden, die sich mit der Herstellung der Bedarfsartikel befassen; früher m jedem Winter verödende Eisenbahnstrecken haben einen ge­waltigen Verkehr erhalten, dem man durch Einstellung eigens konstruierter Schiwagen gerecht zu werden versucht. Uiid vor allem sind hunderte von Sommerfrischen im Begriff, sich inWinter- frischen' umzuwandeln: roo früher dürftige Herbergen standen, osl'ten jetzt glanzende Hotelpaläste auch dem Verwöhntesten jede Art Bequemlichkeit und Zerstreuung, und wenn die Besitzer früher in wenigen Sommermonaten ihr Kapital zjr verzinsen genötigt waren, Jo haben sie nunmehr einen großen Teil des Jahres über loynende Beschäftigung und daher auch die Möglichkeit, den Sommerfrischler billiger als bisher zu beherbergen. Höher noch sutd d-.e hygienischen Wirklingen zu veranschlagen, besonders für Die Hauptträger des Sports, die akademische Jugend, von der schott Taniende bem Trunk in vergiftetem Kneipendunst ein tiefes Atem­holen in reiner Winterlnft vorzuziehen gelernt haben: unter sich i^jlnden Nebel der Ebene, um sich die blendenden Schnee» gerube der Gipfel unb Hänge oder die stille Einsamkeit des winter- »chbn Waldeszaubers, über sich einen strahlenden Himmel von einer Blaue, die unsere ahnungslosen Vorfahren alsitalienisch" anzuschmachten sich beschieden hatten.

In Deutschland! Denn in anbern Ländern ist der Schneeschuh seit Urväterzeiten in jedermanns Gebrauche. Lenophon bereits scheint von ihrer Verwendung bei den Armeniern zu berichten, wie überhaupt die älteste Heimat des Schis in Asien, bei den mongo- Ziichen Völkern der zentralasiatischeu Steppen gesucht werden muß. In Europa sind es die Lappen gewesen, über deren Tüchtigkeit im. Schneeschuhlauf uns zuerst und zwar von Alfred dem Großen berichtet wird. Bon ihnen lernten es die norwegischen Ge- birgsbanern schon in den frühesten Tagen des Mittelalters And dort ist es zum nationalen Berkebrsmittel geworden und bis «iui den heutigen Tag geblieben. Zum Sport wurde d s Schiläufen aber nicht wie sich bas von selbst vergeht auf dem Lande, sondern erft bann, als sich das Interesse der Städter ihm zu- ioanbte. Im Jahre 1879 wurde das erste Rennen bei Christiania seranftaltet und dieses wurde denkwürdig durch den Besuch einiger Telemarkenbanern, die den erstaunten und entzückten Städtern zeigten, daß man beim Sprung der Krone des Schilaufens Aicht ängstlich an einen Stock geklammert,wie die Hexe auf ceitt Besenstil", _ sondern ohne jede Stütze, frei und elegant auf- «exichket, dahinsliegen könne. Bald übertrafen die Städter ihre .Lehrmeister infolge der 'eifernen Ausdauer beim Training, und so konnte im Sommer 1888 auf Sckmeeschuhen Fridtjof Nansen während seiner berühmten Reise das unbekannte Innere Grönlands durchqueren, das jedem anderen Beförderungsmittel hätte ver­schlossen bleiben müssen.

, Die Kunde dieses großartigen und wohlgelungenen Unter» »ehmms drang in alle Welt, drang auch in das stille Schwarzwald» vorf Lotnan. Dort lebte ein vielbeschäftigter (inzwischen 6er» Jtorbeiier) Arzt, Dr. Tholns, den sein Beruf oft genug auf langen

ar scheu durch tiefen Schnee, hin zu den Hütten der seiner Harren- Den Kranken, die größten, ost unüberwindlichen Beschwerden aus- Eriegt hatte. Welchen Segen für ihn und seine Patienten die Uoropche Kunst bedeuten, würde, konnte ihm nicht entgehen, und so ließ er sich noch im Winter des gleichen Jahres 1888 als «rster Deutscher Schneeschuhe aus Norwegen kommen. Der be- rahrte, etwas beleibte Herr probierte sie an, aber jeder An- toeiiung entbehrend stellte er sie nach einigen verunglückten Veri uchen stell tn die Ecke. Da standen sie denn zwei Winter Hinourch, bis er eines Tages am Biertisch zwei jungen, geschickteren Fremden, Fritz Breuer unb Karl Thoma, von den geheimnisvollen D^zern erzählte. Sie erbaten sich diese, übten abwechselnd mit »eitern Erfolge, ließen aus Norwegen ein zweites Paar kommen, Sinternaymen nach und nach größere Ausflüge und wagten endlich #rob allen ttbratens der denTollkühnen" mit Sorge nachblickenden »Totnaner am 18 Mörz 1892 die e r st e F e l d b e r g f a h r t. . , Der seltsamste Zuiall fügte es, daß genau am gleichen Tage, non g-mbLirg mis;, eine zweite Feldbergbesteigung unter» £Sn L'urde <>n Mannheim nämlich lebte ein französischer dilet, der in Christiania, wo er vordem beamtet tl}u^cuJ te~ne? gelernt hatte und eben in diesen er£?nte, rum erstenmale auf deutschem versuchte, ^zhn begleitete fein Freund, der Russe Graf Ti-wnhausen, der ebenfalls auf Reisen in Skandinavien den Schi- l1^ später in seiner Heimat weiter geübt be.s Berges traten ,ich zum größten wechsel» m ~er Peomere und unternahmeir eine gc»

wo ihre begeisterten Schilderungen erweckten und schließlich zur Begründung ^änklubs führten (27. November 1892). Im

Schwarzwald rrn$tl Yanike den Schilauf in beit nördlichen «rnwarzwald (derselbe, der wenige Jahre später die erste alvine LL^'bm. Durchquerung des'Berner Oberlandes! knbSb bM611 allen andern Teilen Deutsckj-

1888 ein Ä? besonders im Harz (wo bereits

battet tw Schneeschuhe ans Norwegen verschrieben

Hatte), tut Riesengebirge und in den bayerischen Alpen finiinf» träger der Beivegung war die akademische Jugend die den lieb- Sewonuenen Sport von eiiier Universität zm andern verpflaL Alpenlände?» Z'^en den Schi in den österreichischen

S ber ®?ain ^m ^ID<2T1 W'sten totr von einer Reisebeschrei- ®öiieni Ä 1?89' dort bereits damals die

ed E zum W Ui ter 1889, bis sicy wieder in diesen Breiten