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Bürgerliche waren damals wie Del und Wasser: im kleinen Topf vereinigt, sondern sie sich voneinander ab. Herzog Karl August und seine Mutter machten sich zwar nur we­nig aus Standessragen; sie wendeten auf die Menschen an, was Voltaire von den Kunstgattungen sagte:Tont les genres sout bonS, hors le genre enmcheux".

Wer die regierende tzEogin Luise hielt desto strenger auf alte Ordnung. Der junge Doktor Goethe konnte Herz- b rüder mit dem Landesfttrsten sein und mit ihm ans einem Sofa und einer Spreu schlafen, aber an der Tafel der Herzogin zu speisen oder an ihrem Spieltische Karten in die Hand zu nehmen, dazu war er noch nicht würdig ge­nug. Lehnten sich auch dieGenies" der Sturm- und Drangperiode gegen den Unterschied der Stände auf, weg­geblasen konnten alte, gut verwurzelte Zustände doch nicht werden, zumal das ganze Volk noch an den gesellschaft­lichen Unterschieden festhielt.Fräulein" nannte man nur Adlige Mädchen, so daß dieses Prädikat das Wörtleinvon" entbehrlich machte. Die Tochter des angesehenen Bürgers war eineDemoiselle", diejenige des ärmeren Mannes eineJungfer". Mit der AnredeFrau" hielt man es ebenso. Nur die Gattinnen der Märmer, die mitHerr" An zureden waren und das waren nicht einmal alle Mlige/bekamen sie in Amtsschreiben.

Hinsichtlich der Sitten zwischen den beiden Geschlecht lern herrschte in dem Weimarer Kreise und auch bei Hofe keine große Strenge. Der Geist der Zeit und der genius loei sprachen für Freiheit und Duldsamkeit, und der Zeitgeist war ein weichlicher, schwärmender, gefühlsseliger Geist, der mit freudiger oder schmerzlicher Wonne sich der Allmacht der Liebe unterwarf, auch wenn sie in Tod und Unheil führte. Mit Seufzern und Tränen gingen die Leute von damals nicht allzu sparsam um; Umarmungen und Kusse waren fast so billig wie heute ein Händedruck. Hatten sich zwei Leute in einer schönen Stunde gefallen, so nannten sie sich Freund und Bruder, Freundin und Schwester. Sehr rasch kam bei neuen Bekanntschaften dasDu" auf die Lippen.

Voltaire hatte unter eine Statue des Amor zu Ver­sailles geschrieben:

Wer du auch seist, sieh deinen Herrn hier:

Er ist es, war es oder wird es birl

Das waren berauschende Worte für junge Herzen! Wer wollte da nicht, solange es Vergnügen machte,sehen, was ist, mit unbefangenen Augen" und willig sich der Macht Unterwerfen, die nun einmal Olymp und Erde beherrscht. Die Frauen gestanden ihre Unkraft gegen den kleinen Gott so offen ein wie die Männer. Die starke Verehrung der Liebe, der Leidenschaft und jeglicherEmpfindsamkeit" hatte ein sehr bereitwilliges Offenbaren und Zeigen der Gefühle zur Folge, nicht selten ein Renommieren mit Entzücken, Seligkeit, Kummer und Verzweiflung, ein Armewerfen, ein Zähneknirschen, Fußstampfen, Busenzerreißen, ein Ha- und Weh- und Ach-Geschrei.

Rechnete mau auch die letzte Liebeshuld zu den er­laubten Vergnügen zärtlicher Freundschaft oder zu der: un­vermeidlichen Folgen einer schönen Leidenschaft? War die Ehe ein undurchdringlicher Zaun gegen fremde Liebhaber? Das Ideal, daß Liebesbund und Ehebund ein und das­selbe sei, galt im achtzehnten Jahrhundert weniger als praktische Einrichtung, die den wirtschaftlichen und gesell­schaftlichen Wohlstand der Gatten verbessern ober zum Auf­ziehen eines neuen Geschlechts bie geschützte Stätte liefern sollte. Die Vorteile bes Familienlebens und der gemein­schaftlichen Haushaltung waren der wichtigste Beweggrund zur Eheschließung. Der Banernglaube war noch vorherr­schend, daß Mann und Weib sich in der Ehe auch von selber liebgewimien, da sie sich gegenseitig Annehmlichkeiten bie­ten und der Welt gegenüber zu gemeinsamem Vorteil ver­bunden sind. Gar oft verheiratete man junge Leute, zumal hie Mädchen, in einem Alter, wo eine eigene, für das Redaktion: E. Anderson.

Leben gültige Wahl überhaupt nicht'möglich ist. Zugrunde lag solchen Gewohnheiten die altdeutsche Geringschätzung der Fraitenseele, von der man wohl die vorgeschriebeneir Tugenden: Gehorsam, Treue, Aufopferung, Häuslichkeit, Sparsamkeit u. dgl., aber kein Eigenleben erwartete ober wünschte.

In dieser Zeit, wo neue Menschen noch nach alten An­schauungen zur Ehe verbunden waren, blieb es nicht auch daß die mit feineren Bedürfnissen begabten Naturen ihre zärtlichen Gefühle oft auf fremde Männer ober Frauen richteten. Und eS war dann Sache des anderen Gatten, ob er dergleichen als vorübergehende Schwäche übersehest wollte. Ehescheidungen waren zunächst noch selten. Mast bedurfte ihrer nicht, solange man in der Ehe vornehmlich ein sozial-ökonomisches Bollwerk für Gatten und Kinder sah, und gar wie der junge Wilhelm v. Humboldt erklärte, die Ehe sei kein Baud der Seelen. Urteilt doch Schiller von den weimarischen Frauen:Die hiesigen Damen sind erstaunlich empfindsam. Da ist beinahe keine, bie nicht eine Geschichte hätte ober gehabt hätte; erobern möchtest sie alle gern. Man kann hier sehr leicht zu einer An­gelegenheit bes Herzens kommen, welche aber bald ihren ersten Wohnplatz verändert". Das Bebenklichste freilich, das Schiller über die Weimarer Gesellschaft mitteilt, ist, daß sie sein eigenes Verhältnis zu Frau v. Kalb gebilligt und begünstigt habe.

Vermachtes.

* Ko n ig in Wilhelmine und die Holländer­innen. Die Holländerinnen hängen mit seltener Liebe, undi Verehrung an ihrer jungen Königin, und das ganze Land nhnntt an den Freuden und Leiden der jungen Herrscherin lebhaften! Anteil. Als ein Zeichen ihrer Anhänglichkeit Haven die hollnndi- schen Frauen sich jetzt int ganzen Lande organisiert und veranstalten im Stillen Sammlungen, nm ihrer Königin an deut bevorstehenden Freudentage eine Reihe von Gaben darzubringen, die ein nationales Geschenk der Niederländerinnen darstellen sollen. Die junge Köni­gin, die von dieser Bewegung erfahre» hat, hat zwar den Wunsch geäußert, daß wenigstens ein größerer Teil der Sammlungs­erträgnisse der öffentlichen Wohltätigkeit zugutekommen möge, aber die Holländerinnen werden wohl kaum ans die Freude verzichten, ihrer Königin die Geschenke zu überreichen, die sie seit langem vorbereitet haben. An dem Tage, da die Mutterhoffnungen der Königin Wilhelmina sich erfüllen, werden die Frauen vom Haag ihrer Herrscherin eine kunstvoll gearbeitete entzückende kleine Wiege überreichem die Frauen von Middelburg haben einen reizenden kleinen Kinderwagen zum Geschenk erwählt und die Frauen von Rotterdam werden der Königin ein silbernes Tafelservice nie Kinder als Gabe dar'öringen. Aber auch außerhalb der holländi­schen Grenze hat die Persönlichkeit der Königin der Niederlande lebhafte Sympathien Hervorgernfen, und selbst die Belgierinnen haben es sich nicht nehmen lassen, für den Freudentag der tungcN Monarchin ein Geschenk vorzubereiten. In Cent hat sich,ein Komitee belgischer Frauen gebildet, das der holländischen Königin ein kostbares mit seltenen Spitzen geschmücktes Wickelzeug iwet? reichen wird.

* E in Geschäftsmann. Zigarrenreisender:Wieviel macht das Fahrgeld?" Droschkenkutscher:Eine Mark! Zigarrenreisender:So da haben Sie 'n Kistchen ausgezeiaMie Zigarren, spottbillig, für fünf Mark; nn geben Se mer vier Marr heraus!"

"Vielseitig.Was für einen Beruf hat der Meier?" Beruf eigentlich gar keinen, aber er kamt von allein etwa»- Er ißr wie ein Drescher, sauft wie ebt Bürstenbinder, schnarM wir ein Nachtwächter und hat Schulden ivie ein Stabsoffizier!

Magisches Dreieck,

1 In die Felder nebenstehender Figur sind J die Buchstaben a a a a e e i 1 1 m m b s * * 8 8 " derart eiuzutragen, daß die einander ent- ivrechendeu wagerechten und iemrectnen Reihen gleichlautend Folgendes bebeitten '

1. Beliebten Singvogel.

2. Einen Fltiß.

8. Ein Tier.

4. Fürwort.

6. Einen Buchstaben,

Auflösung in nächster Nummer t

Auflösung des Logogrtphs in voriger Nummer: Tiger, Niger.

Rotationsdruck und Vertag drr Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Slemdruckeret, R. Lange, Gteße»