Ausgabe 
29.12.1909
 
Einzelbild herunterladen

812

tracht, als ein weiblicher Einfluß int Volksleben so gut wie nicht vorhanden tvar. r

Zn unserer Zeit tritt nun in dieser Beziehung ein völliger Umschwung ein. Mehr und mehr verfolgt die Manenbewegung in ihrem Programm die Aufgaben einer besonderen weiblichen Kulturpolitik und durchsetzt unser Volksleben mit ganz neuen Kulturelementen. Die Iran war immer die Trägerin der Kultur des Friedens. Sie sorgte für die Kinder, ging in ihnen auf, während der Mann dem rauben Handwerk nachging. Bei vollkommener Arbeit^- teitung wurde der Abstand immer größer. Wenn nun aber die Frau mit ihren weiblichen Eigenschaften, mit ihren besondereii weiblichen Aufgaben gleichberechtigt, neben dem Manne dasteht, willens, ihren weiblichen Einfluß m gleichem Maße geltend zu machen, wie er den seinen, so muß sich dieses Neben- und Miteiuanderwirkeu in unserm Kultur­leben zu einer ganz neuen Gesamtwirkung verschmelzen. Nicht das Moment der Wehrhaftigkeit kann in erster Sune für bie Volksentwicklung maßgebend bleiben, sondern dm der Auffassung der Frau eigentümliche hohe Bewertung des Einzellebens muß unbediiigt zu einer erhöhten Nassen- hyaicne führen. Von diesem Gesichtspunkte aus sind die modernen Bestrebungen für Volkshygiene, obwohl die Frau erst iir geringem Maße direkt an ihnen beteiligt ist, doch bereits als ein Ausfluß anzusehen einer nach weiblichen Fdeeiirichtungen sich vollziehenden Kultur.

Wie steht nun die Frau ihren hohen Aufgaben als Trägerin der Volksgesundheit gegenüber? Wo hat sie zu­nächst den Hebel cmzusetzen, um in Deutschland, wo die Volkshygiene im Vergleich zu anderen Länder n den brei­testen Boden gefunden, neben dem Manne einen entscheiden­den Einfluß äusuben zu können? Die Grundlage für alle Betätigung der Frau in der öffentlichen Gesundheitspflege ist die Vorbereitung auf die Mutterschaft; von der Körper­kultur der Frau wird sie also ihren Ausgangspunkt nehmen müssen.

Die körperliche Unzulänglichkeit der Frau gegenüber der Erfüllung ihrer mütterlichen Aufgaben hat immer mehr Wgeuommeu; jedermann weiß, daß die Zahl der voUiom- men normal verlaufenden Geburten rechr gering ist, daß Frauenkrankheiten - sogar schon vor der Entbindung ein- tretenbe immer häufiger geworden und daß die Fähigkeit des Stillens in erschreckender Weise abgenommen hat. Nur gegen das letztere Hebet sind von der öffentlichen Gesund­heitspflege energische Maßregeln ergriffen worden infolge der übergroßen Säuglingssterblichkeit, worin Deutschland mit an erster Stelle steht. Aber mag der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit auch noch so sehr in den Vordergrund getreten sein, auch hier ist inan dem Hebel nicht eigentlich auf den Grund gegangen. Was hilft die Einrichtung von Stillstuben und Stillprämien, wenn die Frauen körperlicy gar nicht imstande sind, ihre Kinder zu ernähren?

Stur eine gründliche körperliche Kräftigung des weib- licheii Geschlechts und die Aufklärung und Vorbereitung für seine zukünftigen Aufgaben im Staate kann da wirklich helfen. Die Frau muß sich bewußt werden, daß sie mit ihrem Körper nicht nur sich selbst und ihren Kindern, son­dern auch der Gesamtheit verantwortlich ist. Ohne die auf solcher Grundlage beruhende Mitarbeit der Frau wird alles, was die öffentliche Gesundheitspflege auch erstreben mag, Stückwerk bleiben müssen.

Tie öffentliche Gesundheitspflege hat zwei Momente in Betracht zu ziehen: das vorbeugende, d. h. die Schad- lickkeiten ausräumende Moment, und dasjenige, welches positiv fördernd eingreifen will. Den gleichen Weg hat die Frau einzuschlaqen in ihrer Körperkultur. Sie muß beseitigen, was der Erfüllung ihrer weiblichen Aufgaben irgendwie schädigend int Wege steht und muß eintreten für eine systematische Kräftigung des weiblichen Körpers. Hüter diesen Gesichtspunkten ist das Korsett und alle ein» enoende Kleidung als eine Versündigung gegen das all­gemeine Wolll zu betrachten, und ihre Beseitigung wird zur selbstverständlichen Pflicht des weiblichen Geschlechts. Mer damit noch nicht genug; die eigene Erfahrung der Frau muß Mitwirken Mi der Ausübung und Entwicklung einer neuen Körperkultur der Frau. Das Bestreben nach ge­sundheitlicher Verbesserung des Körpers, die zugleich körper­veredelnde Wirkungen int Gefolge hat, muß die Frau auch in der Erziehung als eine der wichtigsten Fragen beschäf­

tigen. Daß diese hier bisher noch kaum zur Geltung kam, zeigt sich 'u. a. darin, daß man von der außerordentlich wirk­samen Heilgymnastik heute noch so wenig Gebrauch macht, obwohl unendlich vielen Kindern damit für ihr Leben eine Wohltat erwiesen würde. r

Vergegenwärtigt man sich, daß der Frau neben ihren Verpflichtungen als Mutter und Erzieherin die Sorge fut die Reinlichkeit und Zweckmäßigkeit der Wohnung und Er­nährung obliegt, so ist es klar, daß die Entwicklung der Volksgesundheit fast ausschließlich in ihrer Hand beruht. Selbstverständlich ist auch, daß sie das, was im kleinen Kreise, in Familie und Haushalt, ihr eigentliches Felo bildet, auch gegenüber der Allgemeinheit als solches zu vertreten hat. Gibt man der Frau hier Raum, so wird sich zeigen, daß sie nicht allein im Sinne charitativer Bestrebungen lindernd und heilend" zu wirken vermag, sondern dap sie auch im Sinne einer weitgehenden Rassenhygiene. positiv fördern kann. E ,

Bei der ungeheuren Bedeutung der Betätigung der Frau für das gesandte Volkswohl läge es riahe, daß^dw Bewegung für die Erweiterung der Frauenrechte ihre »or- deruugen weniger auf Grund der Berufstätigkeit der Frau und ihrer Eigenschaft als Steuerzahlerin aufstelle also eigentlich obwohl sie Frau ist - sondern daß diese Forde­rungen in erster Linie gelteub gemacht würden gerade auf Grund ihres Geschlechts, weil das Wohl des Ganzen die volle Entfaltung weiblichen Einflusses neben beut männ­lich en einfach nicht entbehren kann.

VerMsehtes,

"Banditen und Recken /Wo wer (wäre) die new (neue) wett beivont, iühr man mcht zu gewissen jaren boiibttcii tun die newen inseln?" meint JtschartS Gargautun. Ate neue Welt also ein mit voller Absicht geschaffenes Bauditenhenn? Im alten, ursprünglichen Sinne des Wortes Banditen m. -i« bandire im Italienischen verbannen, vertreiben hecht, fo itt handito von »aus aus ein Verbannter, Vertriebener, der. ivte Maalers Wörterbuch auS dem 16. Jahrhundert sagt,ins elleud .== irembeS Land) verschickt ist." Das; biete Banditen, die übrigens erst seit dem 16. Jahrhundert in unserem Schristtum mtüreten, sich da draußen im iremben Lande nicht immer der besten Lebenssührung bestchen haben beweist der Uebergang des Wortes in die heutige Bedeutung, die eines Räubers, aittS klarste. Anders ist die Entwicklung bei Recke verlausen; auch dieser bedeutete ursprünglich einen Ver« bannten, Vertriebenen, daneben auch einen Laiidflüchtigen und Ver­folgten (not. wrikan ver'otgen), wurde aber bereits in mittel­hochdeutscher Zeit zum erprobten Krieger und Helben, sum recken lobelich, wie er uns in Hagen und seinem Blutsbruder Volker ent- qeaentritt. Da man sich diese Recken natürlich als Manner von hoher, riesiger Gestalt dachte, ging der Begriff allmählich in den eines Riesen überhaupt über. So redet Aventins bayerische Chronik (1566) vongroßmechtigeu (eilten, so man rifen oder recken nennt , unb Wieland bindet beide Worte al? gleichbedeutend >m stabreun miteinander. Auch in seinem Oberon (III 84) ist der Recke, der zu Hüon spricht:Du hättest inich im Schlase morden können, ein ytieic, und noch heute verstehen wir unter einem reckenhatten Menschen einen Mann von hervorragender Körpergrosze. Versuche eju,e[ner Dichter, besonders Rückerts und Körners, daS Wort lutebet im mittelhochdeutschen Sinne zu beleben, sind ohne sonderlichen

Eriolg geblieben. ~ . ... .

* K e 11 ii e r t e r e ». In einer Zeitungsanzeige wurde kürzlich ein junger Mamt gesucht,der Sonntags kellneriert". Das mutz ein' in' bestimmten Kreisen durchaus nicht ungewöhnlicher Aus- druck sein, denn bei einer Gerichtsverhandlung erklärte jüngst ein Zeuge:Sie hatte mir vorher einmal gesagt, daß ste nach München gehen wolle, um zu kettnerieren". Kellnerieren ist gut heißt es dazu in der Zeitschrist des Sprachvereins; wäiiderieren, tischlerieren, bäckerieren, schneiberieren, kaiizlerteren, kaiserieren und wie viele andere köstliche Möglichkeiten eröffnen

sich noch I

Magisches Quadrat,

-------- In die Felder nebenstehenden Quadrats sind

die Buchstaben A A B B D E E E E E N N R BKK derart einzutragen, daß die wagrechteil u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bebenlen:

1. Einen Vogel.

---- z Flüssigkeitsbehälter.

8, Schweizerische Stadt.

----------- 4. Finß in Irland.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rätsels in voriger Nunimer: Einbaum (ein Boot, welches durch Aushöhlen eines Baum­stammes hergestellt ivnrbc); W e ihn achtsbau m.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Blich- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.