Ausgabe 
28.10.1909
 
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VevmisehtsS.

* Ter D o hnen se. Pythagoras und seine Anhänger waren der Ansicht, daß der Bohne dämonische Kräfte innewohnen und enthielten sich daher mit äußerster Strenge ihres Genusses. Bon diesem Aberglauben, der im alten Griechenland weit ver­breitet war, ist auf die Nachwelt nichts übergegangen. In China besonders ist die Bohne eines der beliebtesten Nahrungsmittel, das auf Hunderte uns unbekannte Arten verarbeitet wird. Die interessanteste davon ist der sogenannte Bohnenkäse, der in ganz China als Nationalgericht gilt. Er wird aus der Buschbohne lWong-tu) znbereitet, die fast auf jedem Boden und ohne viel Pflege gedeiht.. Als Volksnahrungsmittel kommt der Bohnenkäse oder Dou-sou in China gleich nach dem Reis; auch in Japan ist er sehr verbreitet. ImOstasiatischen Lloyd" wird nun ein Rezept zu diesem Gericht gegeben, das auch europäische Haus­frauen, vor allem aber unsere Vegetarier interessieren dürfte. Die Bohnen werden eine Nacht lang in Wasser anfgeweicht, am »Morgen aufgebrochen und mitsamt dem Wasser in eine Hand- mühle geschüttet. Hier werden sie zu einem dicken gallertartigen Saft verarbeitet,, der in einen aus dichtem Gewebe bestehenden Sack gefüllt und in diesem dann heiß aufgcbrüht wird. Ter daraus ausgepreßte Säst wird in einem Kessel nochmals zum Sieden gebracht und mit etwas Sal'zwasser versetzt, das den Erstarrungsi- prozeß beschleunigt. Es ergibt sich nun eine feste Masse, deren Geschmack dem unseres Köses entspricht.

* DieZ ah nh eil kund e" der alten Römer. Auf dem Lande, wo mißtrauischer Bauernsinn sich gemeinhin dagegen sträubt, die Kunst des Arztes rn Anspruch zu nehmen, greift man bei Erkran­kungen zuerst zu den alten Hausmitteln, die schon zu Urväterszeiten sich so wunderbar bewährt haben sollen. Mer auch in den Städten fehlt es noch heute nicht an Zweiflern, die mit Skepsis alle Errungenschaften moderner Heilkunde betrachten und die ältesten Arzneien noch immer für die besten halten. Die Unglücklichen, die des öfteren die Leiden eines kräftigen Zahnwehs stöhnend durchkosten, werden vielleicht, so schreibt das Journal des Däbats, den schmerzlichen Gang zum Zahnarzt vertrauens­voller antreten, wenn sie sich erinnern, wie die alten Römer das Zahnweh behandelten. Die Magier waren um Mittel nicht verlegen:Man nehme den Schädel eines Hundes, der an Tollwut starb, verbrenne ihn, nachdem man das Fleisch entfernt hat, tränke die Asche mit Cyrusöl und gieße diese Flüssigkeit in das Ohr derjenigen Kopfseite, wo der Schmerz am heftigsten ist." Zum Schröpfen des Zahn­fleisches wird der Rückgratknochen der Seeschlange verord­net; Bedingung ist freilich, daß es eine männliche Schlange ser, und zwar eine solche mit weißer Haut. Auch der StrrnkNochen der Eidechse ist sehr zu empfehlen; alles kommt jedoch darauf an, daß die Eidechse während des Boll- mondes gefangen ivird. Ein. sicheres Mittel ist auch der Huhnerknochen, wenn er lange Zeit in einem Mauerloch ge­trocknet und gebleicht hat. Ein anderes Elixier gegen den Zahnschmerz wird durchs Ohr eingeträufelt: Cedratöl, in dem

Pfeffärsupp« getunkt und rasch yeruntergeschkuckt. Sehr ausgebildet ist bei vielen Negervölkern, wie derselbe Verfasser in der Umschau mitteilt, die Rinderzucht; doch ist Milch die Hauptnahrung, während Butter viel Weniger verwendet wird und Käse überhaupt unbekannt ist. Ein Neger, den man zwingen wollte, ein Stückchen Käse zu probieren, schreit so entsetzlich, als ob es ihm ans Leben ginge. Eine sehr unappetitliche Methode der B u t t e r b e r e i t u n g haben die Waddschagga am Kilimandscharo, die ihre Milchgefäße mit Kuhurin ausspülen, um das darin enthaltene Salz der Butter mit- Mteilen. Bei einigen südwestafrikanischen Stämmen dürfen die Milchgefäße niemals gereinigt werden; auch jede Berührung der Milch nut Metall wird ängstlich vermieden, weil das die Kühe auftvocknen", d. h. der Milch berauben würde. An die nie gereinigten Holzgefaße setzt sich eine dicke und zähe Kruste fest, so daß die Milch sogleich säuert. Die gesäuerte Milch wird in eine Kalabasse oder einen Ledersack geschüttet und dieSchüttel- mrlch" gegessen. Dabei aber entsteht auch Butter, die nicht herans- aenommen wird, sondern in dem Sack bleibt, bis er ganz mit Butter voll ist. Manche Völker, die sich hauptsächlich von Milch und Fett nähren, betrachten alles, was mit dem Melken zusammen­hängt, als eine Art Heiligtum. Nur dem Manne ist das Melken gestattet und es ist, da die Tiere den ganzen Tag frei Herumlaufen, natürlich kein leichtes Geschäft. Ten Kühen werden die Hinterfüße mit Riemen zusammengebunden; der Melker hockt unter der Kuh, das Milcheimerchen zwischen den Knien. Ta die Kuh sich nur tu Gegenwart ihres Kalbes melken läßt, wird das Junge aus dem Kälberkraal herausgelassen und darf einige Züge aus dem Enter tun, wird aber dann von dem Melker während des ganzen Mel^ geschäftes immer wieder abgewehrt.

man eine Art Schnecken- und Spatzendreck gesotten bat. Zur Füllung von hohlen Zähnen werden eine ganze Reih« von Pflanzen fressenden Würmern empfohlen. Sehr heilkräftig ist auch, das Herz der Ringelnatter, auf das man einfach mit dem kranken Zahn beißt. Der Kluge freilich wird lieber vorher sorgen, daß das Nebel des Zahnwehs ihn überhaupt nicht befallen kann; dafür gibt es ein un­fehlbares Mittel:Man esse monatlich zwei Ratten; dieses Präservativ ist unübertrefflich." Aber neben diesen ma­gischen Zahnheilmethoden kannte man auch andere Mittel, die einer wirklichen Zahnheilknnde wenigstens um einiges näher kommen. Plinius empfiehlt einige dieser Mittel, ohne dabei die magischen Rezepte anzufechten. Er nennt eine ganze Reihe von Wurzeln, die man kauen soll oder die gekocht als Brei auf die schmerzenden Zähne gelegt werden. Einige dieser Wurzeln müssen vorher in Meerwasser ge­badet werden; darauf wird ihnen Wein oder Essig zu- besetzt, die ganze Mixtur nimmt man dann möglichst heiß in den Mund oder führt sie in die der schmerzenden Stelle entgegengesetzte Nasenöffnung. Bienenleim, Sticrgalle und Ziegenmilch werden warm empfohlen und wirken beson­ders günstig, wenn man nicht versäumt, sich nachher den Mund mit einer aus süßen Granaten bereiteten Suppe aus­zuspülen. Als Zahnpulver empfiehlt Plinius die Asche eines verbrannten Wolfsschädels; auch Hasenschädel, Mäuseköpfe und die Asche von Schweinsfüßen können nicht dringend genug ans Herz gelegt werden. Bei akutem Schmerz ist die Schröpfung des Zahnfleisches vermittels einer Gräte der Du et je zu empfehlen. Eine große Rolle in der Zahn­heilkunst der alten Römer spielt die Schnecke. Sie wurde entweder in Essig gekocht und dann zum Gurgeln benutzt oder man setzte sie auf den schmerzenden Kiefer, aus dem sie dann denSchmerz herauszog". Plinius verrät dabei freilich nicht, wieviel Zeit die Schnecke für die Ausübung dieser löblichen Tätigkeit beansprucht...

yumorMsches.

* Der Flügeladjutant. Zwei Bauern bewunderten diel erhabene Arbeit an Blüchers Statue neben dem Opernhauso in Berlin. Als sie eben das Bild betrachteten, wo die Siegesi- göttin bent Halden einen Lorbeerzweig reicht, äußerte der eines, auf die Göttin deutend:Bei welchem Korps mag wohl der Engel geftanben haben, der hat ja gar Flügel am Leibe!"Schaf- kopp, bet is ja Blüchern sein Flügel-Adjntairt!"

* Unerwartete Antwort. Hausfrau (zum Dienst­mädchen, bas den, Dienst verläßt):Nun, bas eine Muß man Ihnen lassen, ehr'li chsind Sie wenigstens gewesen!" Dienst­mädchen :Na, bet Ihnen war aber auch nichts zum stehlen!"

* Droschkenkutscher unter s i ch.Was is beim mit deinem Schimwel, der läßt ja so den Kopf hängen?"I weiß nich, was dem Luder fehlt, aber seitdem die Automobile! so überhand nehmen, wird er mir sehr nachbenkend."

* Der Ersttz.Also, Frauchen, dein Wunsch ist erfüllt, jetzt haben wir das Telephon!"Hat uns schon jemand ange­rufen ?"Ja, der Gerichtsvollzieher."

Königspromenade.

Man bar! die einzelnen Wörter und Silben nur in bet Weise miteinander verbinden, dab man wie der König auf dem Schach­brett stets von einem Feld ans an! ein benachbartes übergeht.

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Auflösung m nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Scherze, S ch u t z e.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei,' R. Lange, Gießem