Ausgabe 
27.11.1909
 
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Redaktioni K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Sreindruckerei. R. Lange. Sieben,

Palindrom.

Bald unbequem, bald sehr erwünscht Komm ich den Menschen, vorwärts gelesen. Liest du mich aber umgekehrt, Bezeichnet mein Raine ein menschliches Weseir, Auslösung in nächster Nummer.?

Auflösung deS Magischen Quadrats in voriger Nummerr

totbi umarmten sie. Ihre Freude rvw itütbeschrelblich; sie klvpfM Ms auf den Rücken und sachten und schrien laut. Wirwollte^ sie Mini Schacht tragen, aber sie bestanden darauf, selbst M gehen, wermgleich sie durch unsere Latevneni geblendet waren Schließlich deckten wir ihnen Tücher über den Kopf rsnd führterl sie zum Schacht." Merkwürdig bleibt, daß den so lang begraben Gewesenen die Zeit anscheinend mit WindeSschneÜe verstrich. waren anfangs festen Mutes und scherzten: sogar. Einer der! Geretteteil erzählt:Ms endlich in der Schuttmauer das Loch sichtbar tourt«, war unsere erste Frage:Ist es Sonntag oder' Montag?" Tatsächlich dachten die meisten von uns, es ivtirc noch Sonntag und wir ivären im ganzen. nur 24 Stunden in der Mine gewesen . . ." Als die Geretteterl in kleinen Trupps zur Oberfläche gebracht wurden, spielten sich ergreifende Szenen ab, Frauen durchbrachen die Absperrung, brüitgteir die Soldaten zur' Seite und sanken in die Arme ihrer totgeglaubten Gatten. Als! einer der Geretteten hörte, daß noch mehr Lebende in den Tiefest seien, sträubte er sich, ins Hospital geschafft $u werben unb be* stand darauf, am Rettnngsiverk teilzunehmen.Ich gehe nicht, wenn die airdern nicht gefunden sind." Mit Mühe schaffte warf ihn schließlich empor, aber den ganzen Weg rief er immer wieder von neu ein:Laßt mich helfen, die anderen suchen." Die Freude der Frauen wurde zur Ekstase; die Gattm des itw- lienischsn Arbeiters Svogatta warf sich vor den Rettern in dest Staub und küßte dem Mann, der ihren Gatten znm Krankenhaus! führte, dis Füße. Andere dagegen zeigten die größte Selbst- beherrschiung; die furchtbaren Leiden hatten sogar bett Humor nicht brechen können. Willimn Cleland z. B. grüßte feine Frack lächelnd, als ob er tote gewöhnlich von« Tagewerk beimkehrd und verlangte zunächst nach einer Zigarette. Zu dem Gefährten, der ihn. zur Erdoberfläche zurückbrachte, äußerte er praktischen! Sinnes:Ich denke, man wird uns für diese Zeit doch wM Ueberstlmöen bezahlen. . .

ckllterrichbes gab eI viele Kleckse, üud als f'ch dies zu oft tttiebtiS» holte, dvohte der Lehrer mit einer Strafe. Im nächsten Augen!- Wick erschien auf der Papierfläche ein neuer schwarzer Fleck. 'Der Schüler aber blickte mit gut gespielten!. Erstalmen zur Zim-mer- decke empor.Warun: schauen Sie hinauf, anstatt auf Ihre Feder?" zürnte der Lehrer und erhielt die ihn entwaffnende Ant­wort:Bitte, da oben muß ein Loch sein, aus dem es 2/iu.tfl tropft." Eine lustige.Geschichte weiß der Verfasser von dem Besuch Kvmg Viktor Emmmols von Italien aut Wiener Hose zu be­richten. Der Re Gcrlantnomo war ein Feind aller höfischeck Etikett« und ließ sich manchmal in seiner urwüchsigen Derbheit Shen, Sv mich nach der großen Hoftafel, als goldbetreßte Diener

in Zigarren anboten. Er nahm zwar eine Zigarre, biß aber die Spitze mit bett Zähnen ab, griff bann in seine Hosentasche, tmtiwhm ihr ein Schächtelchen mit jenen Wachszündern, wie sie in Italien von hausierenden Kindern und Greisen feilgebotem werden, rieb das Streichholz an der Hose seines erhobenen Ober­schenkels unb steckte so znm allgemeinen Erstaunen die Zigarre M Brand.

*Papa" und Baker. Zwei 67jährige Arbeiterjrütgeck spielen so wird in der Tgl. Rdschs erzählt auf der cinert Seite der Straße, als auf der anderen eilig ein Mann vorüber^ geht, hinter dem der eine Junge herrtrft:Baker Vater!" Ter Mann geht weiter, ohne es gehört M haben. Darauf sagt bet' andere Junge (sächsisch):Warum sprichst'n du uich Pappa f®c deinen Vater, mir sprechen alles Pappa!" Darauf der erste Junge:In, da hätteir mir grade 's Geld derzu, Pappa zn sprechen, mir' u ft beit Vater, weil mir arm f t ti V*

Eine Woche lebend begraben.

Bon der wunderbaren Errettung der bei bem großen Estuben- Unglück von Illinois verschütteten Bergleute berichtet ein Reu>- horker Korrespondent Iveitere ergreifende Einzelheiteit'. Tie 20 Männer, die am Samstag unverhofft dem Tode noch entrisst»! werden konnten, Waren eine Woche lang in Finsternis gebannt, und nur ein Zufall fügte es, daß die mit Sauerstoffhelmen aus­gerüsteten Bergungsmannschaften bei ihren Arbeiten dumpfe Ge­räusche hörten, die zu bem Gedanken führten, daß entgegen aller Erwartung vielleicht doch noch Lebende in der Mine weilen könnten. Der geistesgegenwärtigeit Entschlossenheit eine® englischen Berg­mannes namens William Hyitds danken die zilerst aufgefundeneu Geretteten ihr Leben. Als das Feuer ausbrach, führte Hynds seins Gefolgschaft in das Ende eines Stollens. Unter feiner Lei­tung begann man in fieberhafter Hast eine Barrikade gegen die heranstürnienden Flammen und Gase aufzurichten. Im vorderen Teils des Ganges zerfraß das Feuer die Holzstützen, ein Stein­rutsch trat ein und unterstützte so die Bemühungen der Nüchtliuge, die, mm in einem kleinen Raume, hermetisch gegen den brennenden Teil der Mine abgeschlossen, der Rettung oder des Todes harrten. Di« Nahrungsmittel wurden zusammengetan und in ganz kleinen Rationen verteilt, zur Stillung des Turstes diente das Brach- Wasser, das an den Wänden hernieder sickerte. Durch Wort und Tat stützten die 20 gegenseitig ihren Mut: sie waren überzeugt, es mehrere Tage aushalten zu können. Gegen 2 Uhr mittags wurden sie, nach siebentägiger Einkerkerung in schwarzer Finsternis, aujgefunden. Sie touren alle furchtbar abgemagert, völlig er­schöpft und von den überstandenen Entbehrungen wie halb be- täickt. Bisweilen batten sie gelauscht und dann um Hilfe ge­rufen, aber sieben Tage läng antwortete ihnen kein Echo. Die Nahnmgsmittel nahmen ab und waren schließlich zu Ende. Der Hunger zehrte an ihren Kräften unb an ihrem Mute; von den Tannenstützen lösten zitternde Hände die Rinde ab; Baumrinde Und Stieselleber waren ihre letzte Nahrung, denn längst hatte Man das Wachs der Laternen verzehrt. Schließlich begann auch das Wasser zu mangeln. Mit einer letzten Willensanstrengung grub man nut Picke und Hammer tiefer in den Stein, um neues Wasser zu finden. Die körperliche Erschlaffung schwächte den Geist und mfllmählich erstarb jedes Gefühl für Zeit in den er­matteten Seelen. Als nach furchtbaren Qualen die Unglücklichen schließlich aufgefuuden wurden, lagen die meisten halbbetäubt vor Schwftche am Boden. Aber die Tatsache der Rettung gab ihnen neue Kräfte. Das Licht der Retter blendete die Augen; mit verhüllten Köpfen brachte man die so lange dem Tageslicht Entwöhnten zur Erdoberfläche zurück. Der alte Pfarrer der St. Marys Kirche, der die Rsttungswlonne begleitete, schildert den Augenblick der Auffindung:Es war gegen 2 Uhr mittags; Bin Wall von Schutt unb eingestürzter Steine versperrte uns in der Galerie den Weg. Plötzlich sagte Powell:Still, Jungens', mir War, als hörte ich etwas." Wir alle lauschten; da hörten Wir ein dumpfes Stampfen, das wie burch eine dicke Wand zu ans drang.-Kein Gott," sagte Powell,ich glaube, da ist noch jemand am Leben."Unmöglich," antworteten die andern,fein Mensch kann hier sieben Tage geatmet haben." Wir lauschten wieder, aber es war unverkennbar: da hinter bet Schuttmauer irgendwo, da War noch Leben. Unsere Erregung war so groß, daß kein Wort mehr gesprochen wurde. Mit fieberhafter Hast begannen Aexte und Picken zu arbeiten. Endlich, endlich stießen wir in bem Schutt auf eine kleine Oeffnung. Zwei von uns kletterten voran.Ist da drinnen noch jemand am Leben?" Ans Grabes- fume klang die Antwort:Ja." Mit erneutem Eifer arbeiteten! wir weiter. Endlich war das Loch geweitet. Im Dunkel sahen wir ein Dutzend Augenvaare funkeln. Und bann kam eine Stimme: Tie meisten von uns sind wohlauf, nur ein armer Bursche, Bin Franzose, ist schon halb dahin, er wird sterben, wenn et nicht sofort frische Luft bekommt." Als wir endlich zu den Verschütteten einbringen konnten, sahen wir, roie die meisten bei dem Hereini- strömen der frischen Lust taumelten. Wir sprangen auf sie zu

Vermischte».

* S o t hundert Jahren. Am 30. November 1759, während des siebenjährigen Krieges, lagerten auf drift MünstFrfelde" bei Fulda 10000 württembergische und fran­zösische Truppen unter dem Herzog Eugen von Württemberg, Die dazu bestimmt waren, das aus Hessen, Preußen unb' Braunschweigern bestehende 8000 Mann starke Detachement des Erbprinzen Ferdinand von Braunschweig, eine S.ütze des großen Friedrich, im Schach zu halten. Der Erbprinz brach am 30. November mit seinen Truppen aus der Gegend von Alsfeld und Lauterbach gegen die Württemberaer und Franzosen auf und überfiel das feindliche Lager in der Dunkelheit. Ferdinand schlug den Feind so empfindlich daß er in tollster Flucht durch die Stadt Fulda, das Kinzig-« tat dem Maine zueilte. Aber ohne Offiziere. Diese befanden sich an dem Wend des 30. samt und sonders auf einem Balle rm Schlosse zu Fulda, den der damalige Fürstbischof Heinrich von Bibra gegeben hatte. Der Ueberfall auf dem Münster- felde hatte die Folge, daß die feindlichen Trupven für geraume Z-eit aus dem Fuldaerland und Oberhessen vertrieben waren. Die Hessischen Regimenter vor allem hatten wieder einmal ihren alten Kriegsruhm bewährt unb ihrem Siegeskranze einen neuen Lorbeer hinzugefügt.

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